Gestra (49)

49.

Als ich wach wurde, nahm ich einen vertrauten Duft wahr. Es roch nach dem Parfüm von Beth. Wie hatte es geheißen? Ma vie? Aber es war nicht nur ein Duft den ich roch, es waren viele: es roch auch, wie früh im Frühling, nach jungem Gras erdig und frisch, es roch, nach dem Salz, dass man in der Brandung auf den Lippen schmeckt, es roch nach Kerzendocht auf einem Adventskranz, nach Schweiß im Liebesspiel. Mir war, als hätte man mir einen Eimer Pheromone übergeschüttet, mir war, als wäre ich frisch verliebt.
Ich schlug die Augen auf und sah blinzelnd, in das weiche Licht der frühen Morgensonne. Ich sah mich um, begriff wo ich war, prüfte, ob ich meine Arme bewegen konnte, meine Beine, meinen Kopf drehen. Ja, das ging alles. Gestra hatte mich losgelassen. Es hielt mich nicht mehr, in seinem unsichtbaren Bann, aber das war auch nicht nötig, denn ich fühlte eine mir unerklärliche, tiefe Liebe zu Gestra, wie man manchmal den falschen Menschen liebt, aber nichts dagegen tun kann, weil es das Schicksal ist, dass sich austobt. Ich fühlte eine unmittelbare Sehnsucht nach Gestra, nach dem Gefühl, welches ich gestern empfunden hatte, als ich das Bewusstsein verlor. Ich hatte eine Idee von der menschlichen Seele gefühlt, ich hatte gefühlt, dass ein Menschsein in mir ruhte, welches nicht aus Whiskey trinken bestand. Aber ich hatte auch gefühlt, dass ich noch nicht so weit war, dass ich von diesem Gefühl nur kosten durfte, dass es mich mutig und hungrig und sehnsüchtig machen sollte, irgendwann dort hin zu kommen.
Ich setzte mich und erschrak vor dem was mir gegenübersaß: eine in sich zusammen gesunkene Gestalt, die mehr nach einem Schatten, als nach einem Menschen aussah, obwohl die Farben ihres Körpers im Sonnenlicht hätten funkeln müssen. Aber die Gestalt mir gegenüber funkelte nicht. Sie welkte oder verglühte, sie verbrannte, verdorrt, verklang, verhungerte, verzweifelte körperlich.
»Gestra?« Fragte ich, weil mir nichts anderes einfiel, um das Geschöpf anzusprechen.
Gestra bewegte sich nicht. Es verharrte, als hätte es Kraft und Elan verloren. Wie ein sterbendes Geschöpf saß es da, nur noch mit dem ein und aus, des Atmens beschäftigt.
»Joe«, klang es in meinem Kopf von weit her. »Du bist noch rechtzeitig wach geworden.«
»Was geschieht mit dir?«
»Ich schwinde.« Hörte ich kraftlos die Antwort. »Ich kehre zurück, dorthin, wo alle Dinge beginnen, woraus alle Dinge sich entfalten.«
Das verstand ich nicht. Ich hatte Gestra, mit der nächsten Verwandlung auf dem Höhepunkt gedacht und nicht im Niedergang.
»Aber du bist doch erst Mensch geworden.« Widersprach ich naiv.
»Glaubst du, dass ist die höchste Stufe, des Seins?«
»Auf der Erde schon. Ich meine etwas klüger, als ein Pilz oder eine Moosflechte sind wir vermutlich.«
»Glaubst du erst mit euch beginnt das Bewusstsein?«
»Vermutlich schon. Ich habe mich jedenfalls noch mit keiner Sonnenblume unterhalten.«
»Aber, das kann ja auch an dir liegen. Vielleicht hörst du nicht gut hin. Wenn es in der Zelle kein Bewusstsein gibt, wie soll daraus ein funktionierender, komplexer Organismus entstehen? Vielleicht ist es nur kein Bewusstsein, dass in einem Ich gebunden ist.«
Der Gedanke löste etwas in mir aus. Etwas was mich an den Abend zuvor erinnerte, dieses wohlige Gefühl einer höheren Form der menschlichen Seele. Etwas was diesem Universellen näher war, als ich es in diesem Moment sein konnte.
Die Gestalt, zu der Gestra sich zusammengekrümmt hatte, gab ein knirschendes Geräusch von sich und rutschte tiefer in sich zusammen, wie ein Lagerfeuer, dass nach und nach zusammenfällt und obwohl ihm zunehmend die Form verloren ging, schien sein Bewusstsein nicht verloren.
»Ich habe dir ein Geschenk versprochen.« Erinnerte mich Gestra.
Mir fiel ein, wie heftig ich abgelehnt hatte. Diese Ablehnung war ganz verschwunden, als hätte es weder den Sheriff noch Samuel getötet.
»Das hast du.«
»Dann ist jetzt Zeit dir zu erklären, was du tun musst, um deine Freundin zu retten. Ich schenke dir ihr Leben, weil ich dir so viel nehmen musste. Lausche mir.«

02/21 PGF

49.

When I woke up, I noticed a familiar scent. It smelled like Beth’s perfume. What had it been called? Ma vie? But it wasn’t just one scent I smelled, there were many: it also smelled, like early spring, of young grass earthy and fresh, it smelled, like the salt you taste on your lips in the surf, it smelled like candle wick on an Advent wreath, like sweat in lovemaking. I felt as if a bucket of pheromones had been poured over me, I felt as if I were newly in love.
I opened my eyes and blinked, looking into the soft light of the early morning sun. I looked around, realized where I was, checked if I could move my arms, my legs, turn my head. Yes, I could do all that. Gestra had let me go. It no longer held me, in its invisible spell, but that was not necessary, because I felt an inexplicable, deep love for Gestra, like one sometimes loves the wrong person, but can do nothing about it, because it is fate acting out. I felt an immediate longing for Gestra, for the feeling I had felt yesterday when I lost consciousness. I had felt an idea of the human soul, I had felt that a humanity rested within me that did not consist of drinking whiskey. But I had also felt that I wasn’t there yet, that I was only allowed a taste of that feeling, that it should make me brave and hungry and yearning to get there someday.
I sat down and was startled by what sat across from me: a slumped figure that looked more like a shadow than a person, though the colors of its body should have sparkled in the sunlight. But the figure opposite me did not sparkle. It wilted or burned up, it burned, withered, faded, starved, despaired physically.
„Gestra?“ I asked, because I could think of nothing else to say to the creature.
Gestra did not move. It paused as if it had lost strength and vigor. Like a dying creature, it sat there, preoccupied only with the in and out, of breathing.
„Joe,“ it sounded in my head from far away. „You woke up just in time.“
„What’s happening to you?“
„I’m fading.“ I heard powerlessly the answer. „I am returning to where all things begin, from where all things unfold.“
I didn’t understand. I had thought Gestra, with the next transformation at its peak, not in decline.
„But you have only become human.“ I objected naively.
„Do you think that is the highest level, of being?“
„On earth it is. I mean something smarter, than a mushroom or a moss lichen we are probably.“
„Do you think consciousness only begins with you?“
„I suppose so. Anyway, I haven’t had a conversation with a sunflower yet.“
„But, that may be up to you. Maybe you don’t listen well. If there’s no consciousness in the cell, how is it going to make a functioning, complex organism? Maybe it’s just not consciousness bound up in an ego.“
The thought triggered something in me. Something that reminded me of the night before, that comforting feeling of a higher form of the human soul. Something that was closer to this universal than I could be at that moment.
The figure Gestra had curled up into made a crunching sound and slid deeper into itself, like a campfire gradually collapsing, and although he was increasingly losing form, his consciousness did not seem lost.
„I promised you a gift.“ Gestra reminded me.
I remembered how vehemently I had refused. That rejection had disappeared altogether, as if it hadn’t killed the sheriff or Samuel.
„You did.“
„Then now is the time to explain to you what you must do to save your friend. I’m giving you her life because I had to take so much from you. Listen to me.“

02/21 PGF

Gestra (48)

48.

Ich kam nicht weit. Ich weiß nicht, was Gestra mit mir machte, aber ich konnte mich ihm nicht weiter nähern, als auf zwei Schritte.
Dann war Schluss und ich stand in einem Feld, aus welchem ich mich nicht vorwärts und nicht rückwärts bewegen konnte.
Ich konnte mich umsehen und ich sah, dass die Nacht sich über den Wald senkte.
Okay, dachte ich, dass wird jetzt so vergnüglich, wie es für eine Fliege vergnüglich ist, auf die Spinne zu warten, in deren Netz sie sich verfangen hatte.
Nur, dass meine Spinne sprach.
Ich hörte es ganz deutlich, wie von Gestra der Satz ausging: »Hab keine Angst. Ich weiß was ich wissen musste. Mein Hunger ist gestillt.«
»Du verdammtes Mistding, hast meinen Freund umgebracht. Was zur Hölle?«
»Ich habe ihn absorbiert, Joe. Er ist nun ein Teil von mir. Er ist zurückgekehrt, dorthin, von wo alles kommt.«
Ich wehrte mich gegen diesen Gedanken. Ich wehrte mich dagegen, wie ich mich mein Leben lang gegen einen Gott gewehrt hatte, der Krebs, Pädophile und Krieg hervorbringt.
»Du hast ihn gefressen!« Warf ich Gestra entgegen.
Es betrachtete mich und ich bemerkte, dass seine seltsame Silikonhaut, wie weiches Wachs seine Form zu verlieren begann.
»Das war nötig an diesem Punkt. Wie in jeder Entwicklung, alles nötig ist, das geschieht. Alles worum du heute glücklich bist, hat einen dunklen Grund, aus dem es herausgewachsen ist. Viele starben, damit du leben kannst, wie du es tust. Ich durchlief in dieser kurzen Spanne, die verschiedenen Formen eures Lebens und ich altere und welke, auf der Stufe die ihr einst erreichen werdet, wenn ihr eure Entwicklung vollendet habt. Aber der Weg dahin, der ist voller Krieg und Tod und Zerstörung, die ihr der Welt und euch selbst zufügt.«
Ich versuchte mich zu befreien, aber Gestra hatte mich übernommen. Ich hing in einem unsichtbaren Netz, einem dreidimensionalen Feld und konnte mich weder Gestra nähern, noch entfernen.
»Du hast sie getötet«, wiederholte ich, zornig, aber mit schwindender Überzeugung, »den Sheriff, Samuel.«
»Ja, ja so ist das Leben, in diesem Winkel des Universums. Auch ihr tötet, ihr schlachtet und fresst die besten Teile, der Tiere die euch kein Mitleid wert sind. Jeden Tag richtet ihr großes Sterben an und es kümmert euch nicht. Es kümmert euch nur, wenn es zu eurem Verlust wird.«
Ich zappelte und zuckte und versuchte mich zu befreien. Ich wollte gestikulieren, wenn ich stritt, aber mein Leib war, wie eingefroren.
»Wir töten aber nicht grundlos. Wir töten, um zu essen. Wir töten, um zu überleben.«
Gestras Gedanken näherte sich mir, sie kamen mir näher, wie ein großes, gleißendes Licht vor dem ich meine Augen schließen musste. Es war, als enthülle mir Gestra, in diesem Augenblick die Essenz seines Daseins.
»Auch ich tötete nicht grundlos, auch ich nährte mich, mit Erfahrung, mit Formen, mit Werden von Pflanzen und Tieren und Menschen und ihren Zwischenstufen und Übergängen. Ich habe viel entnommen, aus den beiden deiner Art.«
»Und warum? Wozu? Was hat das alles genutzt, wenn du jetzt schon wieder vergehst! Warum musste Samuel dann sterben? Wenn du doch soundso stirbst.«
»Warum isst du? Warum suchst du Erlebnisse? Warum bist du in den Wald gegangen, um deinen Freund zu retten? Stirbst du nicht auch?«
»Ja, aber nicht so schnell?«
Das Feld, um mich herum, fing an mich zu Umkreisen, als wäre ich in eine Decke gepackt und würde mich hineinschmiegen.
»Dich töte ich nicht.«
»Ja und!« Erwiderte ich trotzig. »Darum geht es doch nicht.«
»Hast du das nicht gesagt? Es gibt ein töten, mit Sinn, um zu überleben. Und eines ohne. Dich zu töten wäre ohne Sinn. Ich habe nun alles erfahren.«
»Dann lass mich!«
»Das werde ich, dass werde ich, wenn meine Verwandlung vorüber ist. Ich habe dann noch ein Geschenk für dich.«
»Ich will nichts von dir.«
»Das willst du.«
»Ich will nicht.« Sagte ich, stammelte ich, als würde ein Narkotikum langsam meine Vene füllen.
Dann wurde es dunkel.

02/21 PGF

48.

I didn’t get very far. I don’t know what Gestra did to me, but I couldn’t get closer than two steps.
Then it was over and I was standing in a field from which I could not move forward or backward.
I could look around and I saw that night was falling over the forest.
Okay, I thought, this will now be as pleasurable as it is for a fly to wait for the spider in whose web it had become entangled.
Except that my spider was talking.
I heard it quite clearly, as from Gestra the sentence went out: „Do not be afraid. I know what I needed to know. My hunger is satisfied.“
„You son of a bitch, you killed my friend. What the hell?“
„I absorbed him, Joe. He’s a part of me now. He’s returned, to where it all comes from.“
I fought back against that thought. I resisted it as I had resisted all my life against a God who brings forth cancer, pedophiles, and war.
„You ate him!“ I threw at Gestra.
It looked at me and I noticed that its strange silicone skin, like soft wax was beginning to lose its shape.
„That was necessary at this point. As in any development, everything necessary happens. Everything you’re happy about today has a dark reason it grew out of. Many died so you could live as you do. I went through, in this short span, the different forms of your life, and I am aging and withering, at the stage you will reach once you have completed your evolution. But the way there, it is full of war and death and destruction that you bring to the world and to yourselves.“
I tried to free myself, but Gestra had taken me over. I was suspended in an invisible net, a three-dimensional field, and could neither approach Gestra nor move away.
„You killed them,“ I repeated, angrily but with fading conviction, „the sheriff, Samuel.“
„Yes, yes such is life, in this corner of the universe. You too kill, you slaughter and eat the best parts, of animals not worthy of your pity. Every day you cause great death and you don’t care. You only care when it becomes your loss.“
I fidgeted and twitched, trying to break free. I wanted to gesture when I argued, but my body was, like, frozen.
„We don’t kill for no reason, though. We kill to eat. We kill to survive.“
Gestra’s thoughts came closer to me, they came closer to me, like a great, glistening light before which I had to close my eyes. It was as if Gestra, at that moment, was revealing to me the essence of his existence.
„I, too, did not kill for no reason, I, too, nourished myself, with experience, with forms, with becoming of plants and animals and people and their intermediate stages and transitions. I took much, from the two of your kind.“
„And why? What for? What was the use of it all, if now you are already passing away! Then why did Samuel have to die? After all, if you die so-and-so.“
„Why do you eat? Why do you seek experiences? Why did you go into the forest to save your friend? Aren’t you dying too?“
„Yes, but not so fast?“
The field, around me, began to circle me as if I were wrapped in a blanket and snuggling into it.
„I’m not killing you.“
„Yes and!“ I retorted defiantly. „That’s not the point.“
„Isn’t that what you said? There is a killing, with meaning, to survive. And one without. Killing you would be without sense. I’ve learned everything now.“
„Then let me!“
„I will, that I will, when my transformation is over. I have another gift for you then.“
„I want nothing from you.“
„That’s what you want.“
„I don’t.“ I said, stammering as if a narcotic was slowly filling my vein.
Then it went dark.

02/21 PGF

Gestra (47)

47.

Bis ich den Waldsaum erreichte war Gestra mit Ryken im Schwitzkasten schon zwischen den Bäumen verschwunden. Ich hörte rascheln und ich hörte Samuel dumpf und atemlos gegen Gestra ankämpfen. Aber ich sah sie nicht.
Okay, du Scheißding, sagte ich mir, ich schnapp mir dich, auch ohne Flammenwerfer.
Ich nahm die Verfolgung auf. Meine Bewaffnung bestand aus einem Beil, welches ich mir aus dem Schuppen geschnappt hatte.
Gestra bewegte sich schnell, mit Ryken im Schlepptau durch den Wald. Ich fragte mich, warum er sich nicht wehrte, ob ihm die Kraft fehlte, ob Gestra ihn betäubt hatte oder ob er abwarten und verhandeln wollte. Wenn es etwas zu verhandeln gab.
Ich hastete beiden, etwa zehn Minuten, hinterher und fühlte einen seltsamen Kontrast, zwischen dem feinen Sonnenlicht, welches durch die Zweige fiel und in das die Vögel ihre zarten Melodien woben und der Angst zu sterben, wenn ich mich Gestra stellen musste.
Eines war ich mir sicher: ich würde Samuel nicht allein lassen. Ich hatte bei Donavan die Flucht ergriffen. Meine Gründe dafür mochten berechtigt gewesen sein, aber ich würde mir das kein zweites Mal verzeihen.
Ich nahm Tempo auf und hatte etwa die Hälfte des Waldes durchquert, da entdeckte ich sie. Gestra war stehen geblieben und Ryken hing schlaff in seinem Arm, wie der Lieblingsteddy eines kleinen Kindes, über dem Unterarm hängt.
Gestra beugte den weißen Schädel über Ryken und schnupperte an ihm. Es schnupperte über seinen Kopf, über sein Gesicht, seinen Hals, seine linke Schulterpartie. Schnupperte und biss urplötzlich zu, als hätte es die richtige Stelle gefunden. Das Filetstück, auf dass es sich am meisten freute.
Ryken zuckte schlapp, wie ein Brotstück an dem Karpfen nagen, aber er gab keinen Laut von sich. Das tat ich für ihn.
Ich stürmte aus der Deckung.
Ich schrie, als wolle ich einen Säbelzahntiger vertreiben und stürmte mit hoch gehobener Axt vorwärts, dem Feind und dem Tod entgegen.
Gestras schwarze Augen fassten mich, wie ein Hypnotiseur sein Opfer fasst. Aber so wenig, wie ich zu hypnotisieren war – dass hatte schon zwei Hypnotiseure versucht – so wenig stoppte mich Gestra mit seinem Blick. Ich wich ihm einfach aus. Ich machte mich blind für seine Gegenwehr.
Mit allem Mut sprang ich vorwärts, die Axt zu einem mächtigen Hieb bereit und hoffte, dass dieser nackte, glatte Latexkörper irgendwo zu verletzen war. Ich warf mich vorwärts, als wollte ich eine Hürde überwinden und ließ die Axt herabsausen, aber Gestra fing meinen Schwung mit einer Rückhand ab, wie man abends müde einen Moskito vertreibt.
Gestras Hand – sie fühlte sich an, wie aus Marmor – traf mich am Kopf, pflügte mich aus der Luft und ließ mich abstürzen, wie einen Vogel, der die Gefahr einer Scheibe nicht erkannt hat.
Ich fiel zu Boden und verlor das Bewusstsein.
Als ich wieder zu mir kam, war die Sonne auf die andere Seite des Waldes gewandert. Sie warf das gleiche, feine Licht, wie am Vormittag, aber von der anderen Seite und es war etwas rötlicher und wärmer.
Ich fasste mir an den Kopf und fühlte geronnenes Blut. Gestra hatte mich einfach liegen lassen. Ich stand auf, mit gewaltigem Schädeldröhnen und versuchte mich auf die nächsten Schritte zu konzentrieren.
Ich wusste was zu tun war.
Anfangs schwankend, aber dann wieder trittsicher, machte ich mich auf den Weg zur Lichtung. Ich hatte wenig Hoffnung, dass ich Ryken dort quietschfidel mit Gestra beim Lagerfeuer finden würde und sich Gruselgeschichten erzählen. Ich hatte mich auch noch mit keiner Kuh unterhalten, von der ich ein Steak gegessen hatte.
Trotzdem traf mich, als ich sie fand, der Anblick, der mich an eine schwarze Messe erinnerte. Ryken lag blutüberströmt auf dem liegenden Findling und alles Leben war aus seinen Augen verschwunden. Gestra beugte sich über ihn, wie ein Pathologe der einen Leichnam seziert und hoch konzentriert überlegt, woran der Tote wohl gestorben war.
Du Scheißvieh! Dachte ich. Nahm einen Stein auf und machte mich auf den Weg Gestra von hinten zu erschlagen, wie Kain es mit Abel getan hatte.

02/21 PGF

47.

By the time I reached the edge of the forest, Gestra had disappeared between the trees with Ryken in a headlock. I heard rustling and I heard Samuel struggling dully and breathlessly against Gestra. But I didn’t see her.
Okay, you son of a bitch, I said to myself, I’ll get you, even without a flamethrower.
I took up pursuit. My armament consisted of a hatchet, which I had grabbed from the shed.
Gestra moved quickly through the forest with Ryken in tow. I wondered why he didn’t fight back, if he lacked strength, if Gestra had stunned him, or if he wanted to wait and negotiate. If there was anything to negotiate.
I hurried after both of them, for about ten minutes, feeling a strange contrast, between the fine sunlight that fell through the branches and into which the birds wove their delicate melodies, and the fear of dying if I had to face Gestra.
One thing I was sure of: I would not leave Samuel alone. I had taken flight at Donavan. My reasons for doing so may have been justified, but I would not forgive myself a second time.
I picked up speed and had crossed about half of the forest when I spotted them. Gestra had stopped and Ryken was hanging limply in its arm, like a small child’s favorite teddy bear, suspended over his forearm.
Gestra bent its white skull over Ryken and sniffed it. It sniffed over his head, over his face, his neck, his left shoulder area. Sniffed and bit all of a sudden, as if it had found the right spot. The tenderloin it was most looking forward to.
Ryken jerked limply, like a piece of bread gnawing on a carp, but he made no sound. I did that for him.
I charged out from under cover.
I shouted as if to drive off a saber-toothed tiger and charged forward, axe raised high, toward the enemy and death.
Gestra’s black eyes grasped me as a hypnotist grasps his victim. But as little as I was to be hypnotized – that had already tried two hypnotists – so little Gestra stopped me with his look. I simply avoided it. I made myself blind for its resistance.
With all my courage I sprang forward, the axe ready for a mighty blow, hoping that this naked, smooth latex body was somewhere to be hurt. I threw myself forward as if to clear a hurdle and let the axe come down, but Gestra intercepted my momentum with a backhand, as one tiredly drives off a mosquito in the evening.
Gestra’s hand – it felt like it was made of marble – hit me in the head, plowing me out of the air and sending me crashing down like a bird that didn’t realize the danger of a windshield.
I fell to the ground and lost consciousness.
When I regained consciousness, the sun had moved to the other side of the forest. It cast the same, fine light as in the morning, but from the other side and it was a little redder and warmer.
I grabbed my head and felt clotted blood. Gestra had just left me lying there. I stood up, my skull roaring violently, and tried to concentrate on what to do next.
I knew what to do.
Staggering at first, but then sure-footed again, I made my way to the clearing. I had little hope that I would find Ryken there chirpy with Gestra by the campfire, telling each other scary stories. I hadn’t had a conversation with a cow I’d eaten a steak from yet, either.
Still, when I found them, I was struck by the sight that reminded me of a black mass. Ryken was lying on the prone boulder, covered in blood, and all life had gone from his eyes. Gestra was bending over him like a pathologist dissecting a corpse, highly concentrated on what the dead man had died of.
You fucking animal! I thought. Picked up a stone and set out to kill Gestra from behind, as Cain had done to Abel.

02/21 PGF

Gestra (46)

46.

Ich schnellte herum und sah eine nackte, weiße Gestalt am Saum des Waldes die zu uns herübersah. Sie war groß und schlank. Ihr Kopf hatte etwas Eckiges, was mich an die Form eines Dreieckes erinnerte. Ihre Augen waren groß und schwarz. Ihre Bewegungen waren unruhig, unsicher, als würden sie etwas suchen oder sich auf die Flucht vorbereiten.
Wenn es tatsächlich Gestra war, dann hatte es in der letzten Nacht die Metamorphose vom Pflanzen- zum Menschenleib vollzogen.
»Was willst du tun?« Flüsterte ich. Weiterhin bereit Ryken den Vortritt bei Entscheidungen zu lassen.
»Ich gehe hin.« Sagte er tonlos. »Du bleibst zurück. Einer von uns, muss hier für Ordnung sorgen, wenn meine Verhandlung schief geht.«
»Und was stellst du dir vor?«
»Du brennst alles nieder, wenn es mich angreift.«
Damit setzte er sich in Bewegung und ging Gestra entgegen.
Ich sah, wie Gestra ihm das glatte Gesicht entgegen wandte. Ich kann es nicht anders beschreiben. Seine Haut sah aus, wie ein Silikonüberzug: weiß und glatt und glänzend. Keine Falten, keine Augenbrauen, vermutlich keine Wimpern, dass konnte ich nicht sehen, keine Haare. Ein glatzköpfiges Albinogeschöpf mit üppigen Muskeln und keinen Geschlechtsteilen, wie eine alte Kinderpuppe.
Ryken ging weiter und ich wunderte mich, woher er den Mut nahm. Ich wäre instinktiv irgendwann stehen geblieben, weil nur Selbstmörder, dem Zug, dem heranrasenden Schnellzug, der geladenen Waffe auf dem Tisch entgegen gehen.
Gestra neigte den Kopf. Es war eine liebenswert neugierige Geste. Willst du es vergiften? Fiel mir wieder ein. Nein, erstmal nicht. Aber es hat doch den Sheriff gefressen. So …
Ryken hob die Hand zum Gruß und vermutlich hatte vor 300 Jahren ein weißer Siedler einen indianischen Ureinwohner mit der gleichen Geste begrüßt.
Es war nicht gut ausgegangen.
Aber das musste sich nicht wiederholen. Aber es hatte den Sheriff gefressen.
Ja, aber da war es noch nicht so glatt und rein und faltenfrei.
Gestra bewegte sich nicht. Es verharrte in seiner Haltung und betrachtete Samuel aus großen dunklen Augen. Ja, das fiel mir jetzt auf. Die Augen waren schwarz, schwarz, wie der Stoff aus dem der Keimling emporgewachsen war. So unbeschrieben und farblos seine Silikonhaut wirkte, so wach und aufmerksam wirkten diese schwarzen Augen.
Ryken blieb stehen. Gott sei Dank, dachte ich.
Ich hörte ihn etwas sagen, aber weil der Wind auffrischte und er mit dem Rücken zu mir stand konnte ich nicht hören, was es war.
Gestra zeigte keine Reaktion, ob es ihn verstand. Wie eine Lady, nachts in der Bar, wenn du nicht derjenige bist, den sie beabsichtigt mit nach Hause zu nehmen.
Ryken sagte wieder etwas und ich meinte: »… komme näher«, zu hören. Jedenfalls ging er näher.
Gestra richtete sich auf und, wie es stand, überragte es Samuel um mindestens einen Kopf und der war nicht klein gewachsen.
Ich erhob mich ebenfalls und machte mich bereit Ryken zu helfen. Als würden er einem Sentinelesen entgegentreten, der uns aus dem Busch entgegenkommt, schien es mir besser mich für den Kampf zu rüsten.
Dann geschah etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Gestra streckte den Arm aus, als wolle es Ryken zum Tanz führen. Der war klug genug das Angebot nicht anzunehmen, sondern er näherte sich eher etwas geduckt, dem ausgestreckten, fahlen Arm, als mache er sich bereit, darunter wegzutauchen, wenn aus der Begrüßungsgeste ein Angriff wurde.
So standen sich die beiden gegenüber, eine mir unerträglich lange Minute.
Dann wandte Samuel kurz den Kopf in meine Richtung.
»Joe!« Rief er. Und ehe ich antworten konnte: »Komm näher! Es soll uns beide sehen. So können wir«, er wandte sich mir ganz zu um Blickkontakt aufzunehmen, »vielleicht besser-«.
Da packte ihn Gestra. Es packte ihn am Kopf und zerrte ihn zu sich und so wenig Donavan eine Chance hatte sich gegen die weißen Tentakel zu wehren, so vergeblich war Samuels Gegenwehr.
Gestra drückte ihn an sich und zerrte ihn in Richtung Wald, wohin er rückwärts taumelnd folgen musste.
Ich rannte los. Gestras schwarze Augen verfolgten meine Bewegung, ohne Reaktion. Es lief rückwärts und zog Ryken mit sich. Es beobachtete mich und schien sich sicher, auch mit mir fertig zu werden, wenn ich zu nah kam.

02/21 PGF

46.

I sped around and saw a naked white figure at the edge of the forest looking over at us. She was tall and slender. Her head had something angular about it, reminding me of the shape of a triangle. Her eyes were large and black. Their movements were restless, uncertain, as if they were looking for something or preparing to flee.
If it was indeed Gestra, it had undergone the metamorphosis from plant to human body last night.
„What do you want to do?“ I whispered. Still willing to let Ryken take the lead in decisions.
„I’m going.“ He said tonelessly. „You stay behind. One of us, has to keep order here if my trial goes wrong.“
„And what do you envision?“
„You burn everything down if it attacks me.“
With that, he started moving and headed toward Gestra.
I saw Gestra turn her smooth face toward him. I can’t describe it any other way. It skin looked like a silicone coating: white and smooth and shiny. No wrinkles, no eyebrows, probably no eyelashes that I couldn’t see, no hair. A bald albino creature with lush muscles and no genitals, like an old child’s doll.
Ryken kept walking and I wondered where he got the courage. I would have instinctively stopped at some point, because only suicides, face the train, the speeding train, the loaded gun on the table.
Gestra tilted his head. It was an endearingly curious gesture. Are you going to poison it? I remembered. No, not for now. But it did eat the sheriff. So …
Ryken raised his hand in greeting, and probably 300 years ago a white settler had greeted a Native American with the same gesture.
It hadn’t ended well.
But it didn’t have to happen again. But it had eaten the sheriff.
Yes, but it wasn’t so smooth and pure and wrinkle-free then.
Gestra didn’t move. It paused in its stance, looking at Samuel out of big dark eyes. Yes, I noticed that now. The eyes were black, black, like the fabric from which the seedling had grown up. As blank and colorless as his silicone skin seemed, those black eyes seemed alert and attentive.
Ryken stopped. Thank God, I thought.
I heard him say something, but because the wind was picking up and he had his back to me I couldn’t hear what it was.
Gestra showed no reaction to see if it understood him. Like a lady, at night in the bar, when you are not the one she intends to take home.
Ryken said something again and I thought I heard, „…come closer“. Anyway, he walked closer.
Gestra straightened up and, as it stood, it towered over Samuel by at least a head and he was not small in stature.
I rose as well and got ready to help Ryken. As if facing a sentinelese coming at us from the bush, it seemed better to get ready for battle.
Then something happened that I had not expected: Gestra stretched out his arm as if to lead Ryken to the dance. The latter was smart enough not to accept the offer, but rather approached a bit crouched, the outstretched, pale arm, as if getting ready to dive away under it when the welcoming gesture turned into an attack.
Thus the two stood facing each other for what seemed to me an unbearably long minute.
Then Samuel turned his head briefly in my direction.
„Joe!“ He shouted. And before I could answer, „Come closer! I want it to see both of us. That way,“ he turned to face me fully to make eye contact, „maybe we can better-„.
That’s when Gestra grabbed him. It grabbed him by the head and dragged him towards it, and as little as Donavan had a chance to defend himself against the white tentacles, Samuel’s resistance was in vain.
Gestra pressed him to him and dragged him towards the forest, where he had to follow, staggering backwards.
I ran. Gestra’s black eyes tracked my movement, without reaction. It ran backwards, dragging Ryken with it. It watched me and seemed sure it could handle me if I got too close.

02/21 PGF

Gestra (45)

45.

Bis zum Morgengrauen hielt einer von uns Wache, während der andere zwei Stunden schlief. Als die Sonne glutrot, wie ein entzündetes Auge, dass misstrauisch über die Welt blickt, am Horizont erschien schaffte es keiner von uns beiden nochmal einzuschlafen.
Wir brühten den letzten Kaffee auf, den wir im Starfield finden konnten und aßen Käsecracker dazu, was kein allzu genussreiches Frühstück war. Aber es füllte den Magen und gab uns das Gefühl, für den Kampf gerüstet zu sein.
»Denkst du, es wird den Wald verlassen, wenn es dort nichts zum Jagen findet?«
Samuel strich sich die Haare aus der Stirn. Sie waren verschwitzt und ungewaschen und ließen sich frisieren, als hätte er Pomade verwendet.
»Ich glaube, du missverstehst das, Joe! Was immer Gestra war und was es mit Donavan gemacht hat: Wir stehen keinem Raubtier, keinem Invasor gegenüber. Das ist es vielleicht jetzt. Aber mit jeder Nacht entwickelt es sich weiter, entwickelt sich an uns vorbei, über uns hinweg.«
Ich versuchte zu folgen.
»Wie jetzt? Du hast doch den Schrei heute Nacht gehört.«
»Den Schrei von einem Wilden?«
»Ja, exakt.«
»Na und? Was unterscheidet diesen Schrei von Sportfans die sich prügeln, von rechten und linken Demonstranten die sich die Köpfe einschlagen? Wir sind doch nicht zivilisiert, weil wir in Städten leben und Autos fahren und Berufen nachgehen. In den Köpfen sind die meisten nicht weiter, als Affen, die gelernt haben, sich etwas besser zu benehmen und sich nicht in aller Öffentlichkeit am Hintern zu kratzen. Aber ließ Nachrichten, um zu wissen, was hinter den Türen passiert.«
»Ich verstehe nicht.«
Tat ich wirklich nicht.
»Der Schrei heute Nacht, war ein Schrei aus Verzweiflung. Das bedeutet nicht, dass wir in den Wald gehen können, um eine Bestie zu jagen. Vermutlich hat es unsere Bewusstseinsstufe bereits erreicht, wenn es unseren Körper simulieren kann.«
»Okay! Wie du willst. Dann behandeln wir es, wie jeden Verbrecher, der einen Sheriff tötet: Wir verhaften es und stellen es vor Gericht.«
Ryken sah mich an, als glaube er nicht, dass ich es ernst meinte. Aber das tat ich.
»Und aus Fairness«, meinte er trocken, »setzen wir noch zwei Aliens zu den 12 Geschworenen.«
»Hör auf Witze zu machen! Ich meine, irgendwie müssen wir, wenn du nicht die Navy Seals holen willst, einen Plan entwickeln, was wir tun, wenn wir ihm gegenüberstehen. Du warst nicht dabei, als es sich Donavan geholt hat. Ich würde es einfach erledigen, wie ein Tier. Aber vielleicht hast du recht, vielleicht können wir das nicht tun, weil es, sagen wir, seine erste Straftat noch außerhalb der Strafmündigkeit begangen hat und jetzt – jetzt –«.
»Denkt, wie ein Mensch.«
Samuel schnaufte und schüttelte den Kopf und ergänzte: »Oder es denkt schon weiter, als wir Menschen es tun.«
Ich betrachtete ihn fragend und dann kam ich selbst drauf.
»Willst du etwa sagen, die Parameter könnten, auch schon weiter sein, um mehr, als nur einen weiteren Menschen hervorzurufen?«
Ryken nahm einen Stock und fuhr in durch die Glut, als würde er eine magische Rune zeichnen.
»Vielleicht. Wer weiß, möglicherweise ist es nicht das erste Mal. Wie aus dem Nichts mischen sich die Homo Sapiens unter die Neandertaler und verdrängen sie. Sie kommen auch, wie ein Sternenvolk und übernehmen die Erde.«
»Ich könnte mich nicht erinnern, von einem anderen Planeten gekommen zu sein.«
»Das könnte in Vergessenheit geraten sein. Aber es gibt viele Legenden, unter den alten Stämmen, die von Völkern erzählen, die von den Sternen kamen.«
»Und du meinst Gestra könnte für uns werden, was wir für die Neandertaler wurden?«
Er stand auf. Plötzlich. Als würde ihm das Thema zu viel.
»Keine Ahnung. Aber die Menschheit, dass wissen alle die nicht verblödet sind, steht an einem Wendepunkt. Wir haben ökologische Herausforderungen, die uns entwickeln oder vernichten, soziale, wie Bildung, Gesundheit und Überalterung und technologische: einige planen den ersten privaten Flug zum Mond, andere verhungern auf den Straßen der Megacitys. Die Menschheit steht vor dem Knall. Der nächste Schritt wird unter uns oder neben uns stattfinden.«
»Und Gestra ist das neben uns?«
»Das könnte –«, begann Ryken und wurde bleich.
Er zeigte auf etwas hinter mir.
»Es könnte bereits auch bei uns sein.« Sagte er mit heiserer Stimme.

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45.

Until dawn, one of us kept watch while the other slept for two hours. When the sun appeared on the horizon, glowing red like an inflamed eye looking suspiciously over the world, neither of us managed to fall asleep again.
We brewed up the last coffee we could find in the Starfield and ate cheese crackers with it, which wasn’t too enjoyable a breakfast. But it filled our stomachs and made us feel ready for battle.
„Do you think it will leave the forest if it can’t find something to hunt there?“
Samuel brushed his hair out of his forehead. It was sweaty and unwashed, and could be coiffed as if he had used pomade.
„I think you misunderstand, Joe! Whatever Gestra was and what it did to Donavan: We’re not facing a predator, an invader. It may be now. But with each night it evolves, evolves past us, over us.“
I tried to follow.
„How now? You heard the scream tonight, didn’t you?“
„The cry of a savage?“
„Yes, exactly.“
„So what? What makes that scream different from sports fans fighting, from right-wing and left-wing protesters bashing heads? We’re not civilized, after all, because we live in cities and drive cars and have professions. In their minds, most are no further along than monkeys who have learned to behave a little better and not scratch their butts in public. But let news to know what goes on behind the doors.“
„I don’t understand.“
I really didn’t.
„The scream tonight, was a scream of desperation. It doesn’t mean we can go into the woods to hunt a beast. It’s probably already reached our level of consciousness if it can simulate our bodies.“
„Okay! As you wish. Then we treat it like we would any criminal who kills a sheriff: We arrest it and put it on trial.“
Ryken looked at me as if he didn’t believe I was serious. But I did.
„And in fairness,“ he said dryly, „we’ll add two more aliens to the 12 jurors.“
„Stop making jokes! I mean, somehow, unless you’re going to call in the Navy Seals, we’ve got to come up with a plan for what we’re going to do when we come face to face with him. You weren’t there when it took Donavan. I would just take it out, like an animal. But maybe you’re right, maybe we can’t do that because, let’s say, it committed its first crime while it was still outside the age of criminal responsibility and now – now -.“
„Thinks like a human.“
Samuel puffed and shook his head, adding, „Or it’s already thinking further than we humans do.“
I looked at him questioningly, and then it occurred to me.
„Are you saying the parameters could, also already be further along to cause more than just another human?“
Ryken took a stick and ran it through the embers as if he were drawing a magic rune.
„Maybe. Who knows, it may not be the first time. Out of nowhere, Homo Sapiens are mingling with Neanderthals and displacing them. They’re also coming, like a race of stars, and taking over the Earth.“
„I couldn’t remember coming from another planet.“
„That might have been forgotten. But there are many legends, among the ancient tribes, that tell of peoples who came from the stars.“
„And you mean Gestra could become for us what we became for the Neanderthals?“
He stood up. Suddenly. As if the subject were getting too much for him.
„I don’t know. But humanity, that all who are not dumbed down know, is at a turning point. We have ecological challenges that will develop or destroy us, social ones like education, health and aging, and technological ones: some are planning the first private flight to the moon, others are starving on the streets of megacities. Humanity is about to go bang. The next step will be among us or beside us.“
„And Gestra is that next to us?“
„That could be -“ Ryken began, turning pale.
He pointed to something behind me.
„It could already be with us, too.“ He said in a hoarse voice.

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