#16 Hitler

Schon länger wundere ich mich, über die nicht abreißende Folge an Dokumentationen über Hitler, die es, besonders bei den Nachrichtensendern, in großer Fülle zu betrachten gibt.
Politisch korrekt mit dem Pathos versehen: Wir dürfen nicht vergessen!
Tatsächlich dürfen wir das nicht. Die Taten dürfen wir nicht vergessen, das Leid und millionenfache Elend.

Höre ich aber den Biografen und Kommentatoren zu, welche ihr Wissen zum Besten gegen, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie sachlich bewertet, begeistert sind „vom Führer“. Auch, wenn sie verurteilen, spürt man die stille Bewunderung für den Personenkult den er erreicht hat.

Womit wir zum nächsten Problem kommen: Dem einzig Schuldigen. Die Biografien vermitteln: wenn wir Hitler erklären können, biografisch, können wir das 3. Reich erklären.
Aber das ist schlichtweg falsch. Wir haben es mit vielen Schuldigen, mit vielen Tätern, Helfern und Unterstützern zu tun, denn ohne die, wäre der eine Verrückte nicht möglich gewesen.
Aber es liefert uns bis heute ein Alibi, dass wir ja nichts dafür können, sind ja die Mächtigen, was soll man schon machen …

Den Opfern würden wir gerecht, wenn der Hauptverantwortliche in Vergessenheit geraten würde, aber nicht die Taten. Wenn allen ständig bewusst wäre, dass es auch eine passive Mitverantwortung gibt, an Verfolgung damals und heute, an den Kriegen damals und heute, an der Zerstörung der Welt damals und heute.

Aber darum geht es nicht, es geht um das gute Gewissen, dass man damals nicht dabei war und, um die heimliche Bewunderung, hinter der Maske moralischer Empörung.

02/19 PGF

#15 Old Fashioned

Wenn die Blumen wieder sprechen
wird der Winter in dir brechen
und dein Herz wird sich befreien,
wie die Flüsse sich enteisen.

Wirst in der Wiese träumend liegen,
über die, Wolken schweigend ziehen,
wirst alles fühlen und nichts denken,
weil du nichts davon kannst lenken.

02/19 PGF

#14 Fernes Land

Und manchmal ist es ein Leben,
von dem man nicht berichten kann.

Man kann erzählen,
man kann aufschreiben,
aber es endet, wie eine Aufzeichnung,
aus einem Land, welches niemand kennt.

Schon während man den Duft schildert,
spürt man, dass er nicht empfunden wird
und während man die Farben beschreibt,
sieht man: sie bleiben ungesehen.

Unser Inneres ist,
für andere ein fernes Land
und kein Bericht verändert dies.

Man müsste Fernweh spüren …

02/19 PGF

#12 Distanz

Langsam geht es,
ohne deine Nähe,
besser.
Also besser?
Na ja …
Besser, als ohne Nähe,
in deiner Nähe.
Das immerhin.
Obwohl in deiner Nähe,
alles schön war,
als du meine Nähe
zu verstehen schienst.
Aber ohne verstehen,
ist Nähe schwer,
dann ist, ohne Nähe, leichter …

02/19 PGF

#11 Schreiben

Und das umgekehrte Phänomen ist, gegen die Stille anzuschreiben.
Gegen das Schweigen.
Als würde man in einer Höhle sprechen und auf das Echo warten, das ausbleibt.
Nur das Schweigen wiederholt sich immerfort.
Aber, würde man verstummen, dann könnten, die Stille und die Dunkelheit, so gewaltig werden, dass es unerträglich würde.
Deshalb schreibt man, flüsternd, von vielen Pausen unterbrochen, um nach einer Antwort zu lauschen.
Bleibt sie aus, neigt man sich wieder über das Blatt und schreibt weiter, immer weiter …

02/19 PGF