Gestra (6)

6.
Die nächste halbe Stunde verdaute ich Jezebels nüchterne Analyse meiner aktuellen Situation und redete nur so viel, wie ich musste.
Sie fuhr, mit mir auf dem Beifahrersitz, meinen Wagen zu der Tankstelle, die sie erwähnt hatte, wo wir ihn Billy, dem Eigentümer, vorstellten.
Der sah sich den Wagen erst von außen an, überprüfte den Motorraum, dann den Innenraum und amüsierte sich, als er den Kofferraum öffnete über den Whiskey darin.
»Gibt es für die Kisten Jack Daniels Rabatt, wenn die drinbleiben?«
Und lachte laut los, als ich sagte: »Der ist eigentlich nicht«, und Jez mich unterbrach mit: »Der ist kostenlos dabei.«
Er schlug den Kofferraum zu und meinte: „Dann halte ich mich an Jezzi.«
Whiskey hin und her, er machte mir einen guten Preis und lud uns sogar noch zu einer Pizza bei sich ein, die erstklassisch schmeckte.
Als wir satt waren, brachte er uns mit dem Abschleppwagen zu Jez Wagen und klapperte dann davon.
»So, dass erste hätten wir.« Sagte Jez, während sie Billy nachsah.
Ich nahm an, sie sagte, dass, im gleichen Tonfall, wenn die Kinder das Alphabet zum ersten Mal fehlerfrei rezitiert hatten.
»Erst das Zimmer oder erst der Atlantik?«
Sie machte gar keine Pause, während sie mein Leben übernahm.
An der Leichtigkeit, mit der ihr das gelang, merkte ich, wie wenig von mir selbst, nach den letzten Wochen, übriggeblieben war.
Mit letzter Kraft zu Selbstbestimmung meinte ich: »Ich glaube, ich brauche jetzt ein bisschen Meeresluft.«
Sie inspizierte mich, offenbar zufrieden mit der Erschütterung »der Macht« und nickte meinen Wunsch ab.
»Ja, lass uns zum Meer fahren. Nach einem Zimmer für dich, sehen wir später.«
Während der Nachmittag zunehmend das Licht dämmte, fuhren wir die Strecke vom Vormittag ein drittes Mal, aber ich bereute die Entscheidung nicht.
Sie hatte mir nicht zu viel versprochen.
Als wir, die ersten Schritte, entlang der Brandung, die Küste hinauf spazierten, wurde mir bewusst, wie lange ich nicht mehr das Meer genossen hatte. Für viele waren vermutlich die weißen, geleckten Strände, die ich in Florida gesehen hatte, wesentlich anziehender, als die graue, kieselige und verfranzte Bucht, die wir entlangliefen. Aber für mich war das der richtige Ort. Der Himmel war weitgehend blau, nur einige Kumulus-Wolken zogen, in hohem Tempo vorbei. Das Meer darunter, eine graue, stürmische Weite, in der von fern, hohe Wellen heranrollten und sich dann gegen die Küste entluden, wirkte streng und feindselig. Die Buchten waren nicht gesäumt mit Palmen und kleinen Imbissständen, sondern das Inland ragte mit dürrem Gestrüpp soweit es konnte bis in die Gischt und entlang des Küstenabschnitts standen einige große, verlassene Herrenhäuser, aus denen das Leben schon fünf Jahrzehnte verschwunden war.
»Kommst du oft hier her?«
Ich musste die Stimme heben, um gegen den Wind anzukommen.
Jez hatte die Hände in den Taschen in ihrer Jacke vergraben und den Kragen hochgestellt.
»So oft ich kann. Im Sommer ist hier mehr los. Aber jetzt ist das Wasser kalt und die Touristen, die wir im Sommer ganz ordentlich haben, bleiben aus. Ich mag beides, also alles: das Frühjahr, den Sommer, Herbst und Winter. Das Meer ist ein weiterer Grund, weshalb ich hiergeblieben bin. Es macht meinen Kopf frei, wenn ich hier bin. Hast du lange in Florida gelebt?«
»Nein, nein, hat mir nicht besonders gefallen. Ich bin dort nur gelandet, weil ich einem Freund einen Gefallen getan habe.«
»Und davor?«
»Da war ich in Utah, in einem Ort namens Ogden. Der war auch schön.«
»Weshalb bist du nicht geblieben?«
Ich drehte den Kopf etwas zur Seite, als wolle ich mich gegen den Wind schützen.
»Wegen einer Frau.« Mutmaßte Jez.
»Auch. Es ist ein bisschen kompliziert. Wenn ich die letzten 24 Monate aufschreiben würde, dann wäre die Zeit in Florida, der unveröffentlichte Teil. Vielleicht auch besser so.«
»Aber dann weiß ja keiner, weshalb es dir in Kennebunk geht, wie es dir geht.«
»Denkst du ernsthaft Menschen verstehen einander?«
Sie hakte sich bei mir ein.
»Ja, wenn sie nüchtern sind und bleiben, verstehen sie sich. Nur, wenn sie sich betäuben mit Schnaps, Sex, Arbeit, Koks oder Religion, klappt das nicht mehr.«
»Du hast nicht auch noch Psychologie studiert?«
»Nein, aus mir spricht nur die Liebe des Herzens.«
Sie drückte sich an mich und ich genoss ihre Nähe.
»Du bist eine Romantikerin?«
»Klar. Wie soll man sonst leben. Die Deutschen haben einen Dichter. Er heißt Goethe.«
»Den kenne ich.«
»Der hat geschrieben: Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben. Das finde ich sehr schön.«
»In der Kategorie irren habe ich einiges vorzuweisen.«
»Gehört auch dazu.«
Ich atmete durch, genoss die salzige Luft, Jezebels Nähe, das Gefühl, dass es in meinem Leben gerade kein Davor und Danach gab, dass in diesem Moment alles gut, alles richtig war.
»Vielleicht bleibe ich doch ein paar Tage in Kennebunk. Vielleicht ist das kein Fehler.«
Jez nickte.
»Schön. Dann zeige ich dir, wo du, nach dem Spaziergang, ein Zimmer finden kannst.«
Ich wollte fragen, ob dort eine Bar in der Nähe war, aber ich ließ es. Für den Moment nahm ich mir vor, die Dinge mal wieder etwas nüchterner zu betrachten.

01/21 PGF

6.
For the next half hour, I digested Jezebel’s sober analysis of my current situation and talked only as much as I had to.
She drove my car, with me in the passenger seat, to the gas station she had mentioned, where we presented it to Billy, the owner.
He looked at the car first from the outside, checked the engine compartment, then the interior, and when he opened the trunk, was amused by the whiskey inside.
„Do I get a discount on those cases of Jack Daniels if they stay in there?“
And laughed out loud when I said, „It ain’t, actually,“ and Jez interrupted me with, „It comes free.“
He slammed the trunk shut and said, „I’ll stick with Jezzi then.“
Whiskey back and forth, he gave me a good deal and even invited us to have pizza at his place, which tasted top notch.
When we were full, he took us to Jez’s car in the tow truck and then rattled away.
„Well, that’s one.“ Jez said as she checked on Billy.
I assumed she was saying that, in the same tone of voice when the kids first recited the alphabet flawlessly.
„Room first or Atlantic first?“
She didn’t pause at all as she took over my life.
By the ease with which she managed it, I realized how little of myself, after the last few weeks, was left.
With the last of my strength to self-determination, I said, „I think I need some sea air right now.“
She inspected me, apparently satisfied with the shock of „the Force,“ and nodded off my request.
„Yes, let’s go to the sea. After a room for you, we’ll see later.“
As the afternoon increasingly dimmed the light, we drove the route of the morning a third time, but I did not regret the decision.
She had not promised me too much.
As we walked, the first steps, along the surf, up the coast, I realized how long it had been since I had enjoyed the sea. For many, the white, licked beaches I had seen in Florida were probably much more appealing than the gray, pebbly, frayed bay we were walking along. But for me, this was the place. The sky was mostly blue, with only a few cumulus clouds passing by, at high speed. The sea below, a gray, stormy expanse where, from afar, high waves rolled in and then unloaded against the shore, seemed stern and hostile. The bays were not lined with palm trees and small snack stands, but the inland towered with arid scrub as far as it could reach into the spray, and along the coastline stood a few large, abandoned mansions from which life had been gone for five decades.
„Do you come here often?“
I had to raise my voice to fight the wind.
Jez had her hands buried in the pockets inside her jacket and her collar turned up.
„As often as I can. It’s busier here in the summer. But now the water’s cold and the tourists we have pretty neatly in the summer stay away. I like both, so everything: spring, summer, fall and winter. The sea is another reason why I stayed here. It clears my head when I’m here. Did you live in Florida for a long time?“
„No, no, didn’t like it very much. I only ended up there because I was doing a favor for a friend.“
„And before that?“
„I was in Utah then, in a place called Ogden. That was nice, too.“
„Why didn’t you stay?“
I turned my head a little to the side, as if to shield myself from the wind.
„Because of a woman.“ Jez speculated.
„Also. It’s a little complicated. If I were to write down the last 24 months, the time in Florida, would be the unpublished part. Maybe better that way, too.“
„But then no one knows why you’re doing the way you’re doing in Kennebunk.“
„Do you seriously think people understand each other?“
She hooked up with me.
„Yes, when they’re sober and stay sober, they understand each other. It’s only when they numb themselves with booze, sex, work, coke, or religion that it doesn’t work anymore.“
„You didn’t study psychology as well?“
„No, only the love of the heart speaks from me.“
She pressed herself against me and I enjoyed her closeness.
„You’re a romantic?“
„Sure. How else can you live. The Germans have a poet. His name is Goethe.“
„I know him.“
„He wrote: ‚He who no longer loves and no longer errs, let him be buried.‘ I think that’s very beautiful.“
„I have a lot to show in the category of being wrong.“
„Belongs, too.“
I took a breath, enjoying the salty air, Jezebel’s closeness, the feeling that there was no before and after in my life right now, that in this moment everything was good, everything was right.
„Maybe I’ll stay in Kennebunk for a few days after all. Maybe that’s not a mistake.“
Jez nodded.
„Fine. Then I’ll show you where, after the walk, you can find a room.“
I wanted to ask if there was a bar nearby, but I didn’t. For now, I resolved to take a more sober look at things.

01/21 PGF

Gestra (5)

5.
Während wir frühstückten erzählte mir Jez, dass sie ursprünglich aus Portland kam. Ihre Eltern besaßen eine Brauerei in Portland und es war klar, dass sie nie würde einen Finger krümmen müssen, um zu arbeiten, weil die Geschäfte erstklassig liefen und man solide wirtschaftete.
Ihr Dad, mehr als ihre Mum hatten Wert daraufgelegt, dass sie sich eine Aufgabe suchte, ganz gleich, ob ehrenamtlich oder mit Masterabschluss, um eine Existenzberechtigung für die Allgemeinheit nachzuweisen.
Nach verschiedenen Versuchen als Konditorin, Schreinerin, Erntehelferin (auf einem Biohof), hatte sie sich schließlich doch zu einem Studium entschieden und arbeitete nun, als Grundschullehrerin an der Elementary in Kennebunk.
»Wohin ich durch meinen letzten Freund kam, der sich, nachdem wir zwei Jahre geplant hatten, in den nächsten Jahren, eine Farm zu kaufen und als Selbstversorger zu leben, plötzlich für ein Leben in New York entschied. Während ich die Schönheit von Kennebunk entdeckte: klein, grün, schön. Ich will nicht mehr zurück in die Stadt, egal ob New York, Philadelphia oder Portland. Ich will ein einfaches, ein bescheidenes Leben, das der Umwelt nicht schadet und die Zukunft sichert.«
»Und du unterrichtest jetzt?«
»Ja, an der Elementary. Anfangs bin ich nur deshalb geblieben, als wir uns trennten. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht, meine Klasse aufzugeben. Nachdem das Schuljahr vorüber war, hatte ich Ken vergessen, neue Freunde gefunden und über eine Kollegin landete ich bei »Starfield Observatory« Das war als würden sich alle Teile zusammenfügen.«
»Auch die Sache mit dem Bio-Leben?«
»Ja.«
»Kann ich mir schwer vorstellen, also Sterne und Biofarm.«
»Erklär ich dir, wenn wir mal draußen, beim Observatorium sind.«
Sie schob den Teller von sich.
»Schaffst du nach was? Die Waffeln mit Himbeersauce haben mir den Rest gegeben.«
Ich warf einen Blick auf die Tischkarte, die neben mir lag.
»Was hältst du von einem Kaffee?«
»Eine kleine Tasse wäre okay.«
Ich hob die Hand und orderte zwei Kaffee, einmal klein, einmal groß, beide To-Go.
»Soll man eigentlich nicht.« Fiel mir plötzlich ein. »Wegen dem Abfall – oder?«`
»Bei Mike ist das okay. Die Becher sind Mehrweg und der hier«, sie zeigte auf den Strohhalm, »aus Papier, kein Plastik. Ich weiß schon, wo ich essen gehe.«
Ich nickte anerkennend.
Als wir unsere Becher hatten, zahlte ich für uns beide und wir gingen nach draußen, zu Jez Volvo.
Während ich mich anschnallte meine sie: »Ich finde wir sollten erst dein Auto holen. Heute Nachmittag wird das Meer etwas wilder. Ich finde es schön, am Strand zu gehen, wenn die Wellen tosen.«
Sie überraschte mich mit ihrer Offenheit, als wäre ich ein uralter Freund, mit dem man ganz selbstverständlich, auch nach Jahren ohne Kontakt, ganze Tage verbringt.
»Ich wage nicht zu widersprechen.«
Sie spitzte die Lippen zufrieden.
»Wie meine Kleinen, die wissen auch, wann sie besser auf mich hören.«
Wir fuhren die Strecke zurück, die der glich, die wir auf dem Herweg genommen hatten. Langsam machte ich mir Gedanken, wie sie wohl reagieren würden, wenn sie mein Auto, die leeren Flaschen, den Whiskey und alles andere sehen würde.
Entweder hatte ich es gut beschrieben oder sie kannte sich verdammt gut aus, jedenfalls fand sie auf Anhieb den Standstreifen, auf dem mein Wagen stand.
»Und fährst du mir nach?«
Sie schaltete den Motor nicht ab.
Ich zögerte.
»Das ist etwas schwierig. Ich – ich« raus damit! Rief ich mir zu.
»Ja?«
»Ich habe keinen Führerschein.«
»Du bist von Florida, ohne Führerschein?«
»Exakt.«
Sie schüttelte den Kopf und schaltete den Motor aus.
»Dann komm.«
Wir stiegen aus und gingen zu meinem Wagen. Sie sah schon durch die Scheiben die leeren Flaschen die darin lagen.
»Die hast du geleert?«
»Vermutlich.«
»Joe, du hast ein Problem!«
»Ahh – nein!«
»Doch, das hast du. Meine Eltern haben eine Brauerei. Ich habe schon früh gesehen, was aus dem wird der säuft und aus dem der gern ein Gläschen zum Essen trinkt. Weißt du, du stinkst nach Whiskey. Aber ich dachte, das sei die Dummheit einer Nacht. Aber das?«
Sie zeigte auf die Flaschen.
Ich schwieg bockig und fühlte mich ertappt.
Jez dachte nach.
»Also, mach die Tür auf. Wir räumen den Mist nach hinten, dann fahr ich dich zu der Tankstelle von der ich dir erzählt habe. Der Eigentümer wird dir den Wagen abkaufen und uns zurück zu meinem Wagen bringen.«
Sie sah mir streng in die Augen.
»Anschließend mach´ was du für richtig hältst. Wenn du dich tot saufen willst, mach das. Dein Problem. Aber ich biete dir an – ein letztes Mal – dir ein Zimmer zu suchen, wo du für ein paar Tage bleiben kannst.«
Ich brauchte einen Moment, um zu verstehen, warum ein wildfremder Mensch sich so ernsthaft mit mir auseinandersetzte. Was wollte sie? Wir kannten uns ja kaum. Aber in ihren Augen konnte ich es lesen: es gab eine Welt, es gab eine Idee davon, in der war kein Mensch dem anderen gleichgültig, egal wie nah oder fern sie sich standen.
Selbst mein Sarkasmus verstummte.
»Danke.«
Mehr brachte ich nicht hervor.

01/21 PGF

5.
While we were eating breakfast, Jez told me that she was originally from Portland. Her parents owned a brewery in Portland and it was clear that she would never have to lift a finger to work because business was first class and they were solid.
Her dad, more than her mum had made it a point for her to find a job, whether it was volunteering or earning a master’s degree, to prove a raison d’être for the community.
After various attempts as a pastry chef, carpenter, harvester (on an organic farm), she had finally decided to go to college and was now, working as an elementary school teacher at Kennebunk Elementary.
„Where I came from my last boyfriend, who, after two years of us planning to buy a farm and live as self-supporters over the next few years, suddenly decided to live in New York. While I discovered the beauty of Kennebunk: small, green, beautiful. I don’t want to go back to the city, whether it’s New York, Philadelphia or Portland. I want a simple life, a humble life that doesn’t harm the environment and secures the future.“
„And you’re teaching now?“
„Yes, at Elementary. At first, the only reason I stayed was when we split up. I wouldn’t have had the heart to give up my class. After the school year was over, I forgot about Ken, made new friends, and through a colleague, I ended up at „Starfield Observatory“ It was like all the pieces fell into place.“
„Even the organic life thing?“
„Yeah.“
„I find that hard to imagine as stars and organic farming.“
„I’ll explain once we’re outside, at the observatory.“
She pushed the plate away from her.
„Can you manage after what? The waffles with raspberry sauce did me in.“
I glanced at the place card lying beside me.
„What do you think about a coffee?“
„A small cup would be fine.“
I raised my hand and ordered two coffees, one small, one large, both to-go.
„You’re not supposed to.“ I suddenly remembered. „Because of the waste – right?“`
„It’s okay at Mike’s. The cups are reusable and this one,“ she pointed to the straw, „is paper, no plastic. I already know where I’m going to eat.“
I nodded appreciatively.
Once we had our cups, I paid for both of us and we went outside, to Jez Volvo.
While I was buckling up she said, „I think we should get your car first. This afternoon the ocean is going to be a little wilder. I think it’s nice to walk on the beach when the waves are roaring.“
She surprised me with her openness, as if I were an ancient friend with whom one spends whole days as a matter of course, even after years without contact.
„I dare not disagree.“
She pursed her lips in satisfaction.
„Like my little ones, they know when they’d better listen to me, too.“
We drove back the way we had come on the way here. Slowly I worried about how they would react when they saw my car, empty bottles, whiskey and all.
Either I had described it well or she knew her way around pretty darn well, in any case she found the hard shoulder where my car was parked right away.
„And are you going to follow me?“
She didn’t turn off the engine.
I hesitated.
„That’s a little difficult. I – I“ get out of it! I shouted to myself.
„Yes?“
„I don’t have a driver’s license.“
„You’re from Florida, with no license?“
„Exactly.“
She shook her head and turned off the engine.
„Come on, then.“
We got out and walked to my car. She could already see through the windows the empty bottles that were inside.
„You emptied those?“
„I guess.“
„Joe, you’ve got a problem!“
„Ahh – no!“
„Yes, you do. My parents have a brewery. I saw early on what happens to the guy who drinks and the guy who likes a little glass with dinner. You know, you smell like whiskey. But I thought that was the stupidity of a night. But this?“
She pointed to the bottles.
I was petulantly silent, feeling caught.
Jez mused.
„So, open the door. We’ll clear this crap out back, then I’ll drive you to that gas station I told you about. The owner will buy the car from you and take us back to my car.“
She looked me sternly in the eye.
„After that, do what you think is right. If you want to drink yourself to death, do that. Your problem. But I’m offering – one last time – to find you a room to stay in for a few days.“
It took me a moment to understand why a complete stranger was so serious about me. What did she want? After all, we hardly knew each other. But in her eyes I could read it: there was a world, there was an idea of it, in which no person was indifferent to the other, no matter how close or far they were.
Even my sarcasm fell silent.
„Thank you.“
That was all I could bring myself to say.

01/21 PGF

Gestra (4)

4.
Sie fuhr ein schwedisches Auto und ich brauchte gut zehn Minuten, um zu akzeptieren, dass es nicht aus Holzbrettern zusammengezimmert war und tatsächlich über einen Verbrennungsmotor verfügte. Okay, die Schweden hatten ein paar gute Eishockeyspieler, aber dass die mehr machten, als Elche jagen und durch die Wälder streifen überraschte mich.
»Wie viel schluckt der?« Fragte ich und hoffte keine Antwort zu erhalten wie: »Nicht mehr als du.« Aber die Antwort war nicht viel besser.
»Der schluckt gar nichts mehr, der fährt vollelektrisch.«
Okay, die Schweden wurden mir unheimlich.
Ich merkte, dass ich nicht mehr lange bis Kennebunk gebraucht hätte. Wir kamen schnell an einem Bed&Breakfast vorbei, an der Kennebunk Elementary, einem großen Rastplatz der rechts und links des Highway 95 lag und waren dann im Zentrum der Stadt, durch die sich der Mousam schlängelte.
Es war ein nettes, kleines Örtchen mit ein paar schönen alten Gebäuden, im englischen Stil, ausgedehnten Waldstücken, sodass ich bald den Eindruck hatte, eher in einem Flickenteppich von kleinen Dörfern unterwegs zu sein und nicht in einer Stadt.
»Es ist schön hier.«
Jezebel sah zu mir herüber und lächelte.
»Ja, ich lebe gern hier. Es ist friedlich, man hat viele Möglichkeiten, aber auch viel Natur.«
»Du sagst, wo wir gut frühstücken können.«
»Ich würde gerne mit dir rausfahren zum Kennebunk Port. Ich denke ein bisschen Atlantik-Luft schadet dir nicht. Bei »Mike´s All Day Breakfast«, finden wir sicher etwas und, wenn du magst können wir es mitnehmen zum Strand.«
»Das klingt gut.«
Das klang nicht gut, dass klang absolut fantastisch, als hätte mir jemand angeboten, mein verrottetes Leben in Tiefschlaf zu versetzen und einfach ein paar Tage die Welt still zu genießen.«
Wir erreichten das »Mike´s« und das machte, mit großen Pflanzen und einer schönen breiten Veranda einen sehr einladenden Eindruck.
Der Blick auf die Speisekarte mit Himbeersoße auf Waffeln, Speck mit Rührei, Speck auf Omelett, Kartoffeln und Würstchen überzeugte mich, dass es besser war hier zu frühstücken, statt die Sachen mit an den Strand zu nehmen.
»Wie du willst? Ich dachte nur, du hättest vielleicht gerne das Meer gesehen.«
»Kann ich auch nach dem Frühstück. Also, wenn du noch Zeit hast.«
»Ja, die habe ich schon. Aber machst du dir keine Gedanken über dein Auto, wenn es einfach an der Straße steht?«
Ich schüttelte den Kopf.
»Nein, hier irgendwie nicht.«
Ihr Nicken sagte: »Ja, in Kennebunk ist die Welt noch in Ordnung.«
»Okay, dann lass uns einen Tisch suchen.«
Wir setzen uns und bestellten Frühstück und Kaffee.
Einen Moment wurde es still. Dieser Moment Stille zwischen zwei Fremden, in denen sich entscheidet, ob sie etwas miteinander anfangen können oder rascher wieder auseinandergehen, als es im Moment den Eindruck macht.
»Du willst also schon bald weiter?« Nahm Jez das Gespräch wieder auf und stocherte mit ihrem Strohhalm, in dem Pappbecher, aus dem sie ihren Milchshake trank.
Ich öffnete die Hand, wie jemand der einen Luftballon steigen lässt.
»Ja, ich war eigentlich auf dem Weg nach Norden. Wollte für ein paar Tage nach Kanada. Ich war noch nicht sicher.«
»Du hast Urlaub?«
Das Gespräch neigte sich vorsichtig in Richtung Verhör.
»Nein, kein Urlaub. Ich bin«, ich wusste nicht, ob ich es noch war, aber ich sagte es einfach mal, »Privatdetektiv und Bounty Hunter. Ich habe gerade einen etwas schwierigen Fall hinter mir«, Beth lächelte mich an und verschwand wieder aus meinen Gedanken, »und suche etwas Erholung.«
»Man kann sich auch hier gut erholen. Also«, sie wurde rot, »ich will dich nicht aufhalten. Aber irgendwie – ich kann es dir nicht sagen.«
Sie brach ab.
Jetzt verstand ich den Moment Stille.
»Es würde mir guttun, ein paar Tage hier zu bleiben.«
Sie lächelte und dieses offene und ehrliche Lächeln, unverstellt und eindeutig rührte mich, wie eine Kerze, die man in einem finsteren Zimmer entzündet.
»Ja, viele kommen her, um etwas Kraft zu schöpfen.«
Die Kellnerin brachte unser Frühstück.
»Das glaube ich. Aber ich dachte nicht, dass mein nächstes Ziel Kennebunk heißen würde.«
»Das dachte ich früher auch nicht.«

01/21 PGF

4.
She was driving a Swedish car and it took me a good ten minutes to accept that it wasn’t made of wooden planks and actually had an internal combustion engine. Okay, the Swedes had some good hockey players, but that they did more than hunt moose and roam the woods surprised me.
„How much does it swallow?“ I asked, hoping not to get an answer like, „No more than you.“ But the answer wasn’t much better.
„It doesn’t guzzle anything more, it goes all-electric.“
Okay, the Swedes were getting creepy.
I realized it wouldn’t had take me much longer to get to Kennebunk. We quickly passed a B&B, the Kennebunk Elementary, a large rest area that was to the right and left of Highway 95, and then we were in the center of town with the Mousam winding through.
It was a nice little town with some nice old buildings, English style, extensive wooded areas, so I soon had the impression I was traveling in a patchwork of small villages rather than a city.
„It’s nice here.“
Jezebel looked over at me and smiled.
„Yes, I like living here. It’s peaceful, you have lots of opportunities, but also lots of nature.“
„You say where we can have a good breakfast.“
„I’d love to take you out to Kennebunk Port. I think a little Atlantic air won’t hurt you. At Mike’s All Day Breakfast, I’m sure we can find something and, if you like we can take it to the beach.“
„That sounds good.“
That didn’t sound good, that sounded absolutely fantastic, like someone had offered to put my rotten life into deep sleep and just enjoy the world quietly for a few days.
We arrived at „Mike’s“ and it made a very inviting impression, with large plants and a nice wide porch.
Looking at the menu with raspberry sauce on waffles, bacon with scrambled eggs, bacon on omelet, potatoes and sausages convinced me that it was better to have breakfast here instead of taking things to the beach.
„Suit yourself? I just thought you might like to see the ocean.“
„I can after breakfast. That is, if you still have time.“
„Yes, I already have. But don’t you worry about your car just sitting there by the road?“
I shook my head.
„No, kind of not here.“
Her nod said: „Yeah, all is still right with the world in Kennebunk.“
„Okay, let’s find a table then.“
We sat down and ordered breakfast and coffee.
For a moment, there was silence. That moment of silence between two strangers where it is decided if they can do something with each other or break up more quickly than it seems at the moment.
„So you want to move on soon?“ She picked up the conversation again. Jez poked with her straw, in the paper cup she was drinking her milkshake from.
I opened my hand like someone releasing a balloon.
„Yeah, I was actually heading north. Was going to Canada for a few days. I wasn’t sure yet.“
„You’re on vacation?“
The conversation tilted cautiously toward interrogation.
„No, not a vacation. I’m,“ I didn’t know if I was yet, but I just said it, „a private investigator and Bounty Hunter. I just got off a somewhat difficult case,“ Beth smiled at me and disappeared from my thoughts again, „and am looking for some Vaccation.“
„It’s a good place to get some rest, too. So,“ she blushed, „I don’t want to keep you. But somehow – I can’t tell you.“
She broke off.
Now I understood the moment of silence.
„It would do me good to stay here for a few days.“
She smiled and that open and honest smile, undisguised and unambiguous moved me, like a candle lit in a dark room.
„Yes, many come here to get some strength.“
The waitress brought our breakfast.
„I’ll bet they do. But I didn’t think my next destination would be Kennebunk.“
„I didn’t think so before.“

01/21 PGF

Gestra (3)

3.
Die junge Frau war vielleicht Ende zwanzig. Eine kleine, unscheinbare Person, deren weibliche Existenz ich, bis ich knapp 40 war, gar nicht zur Kenntnis genommen hätte. Ihr Haar war nicht lang und nicht kurz, nicht blond, nicht schwarz, ihre Brille machte unkenntlich, ob sie hübsch war, ihre Bekleidung betonte nix und ihre Stimme transportierte nichts als Worte. Lange waren solche, wie soll ich sagen, schlichte, einfache Frauen, neutrale Lebewesen für mich, deren Aufgabe darin bestand, als Sekretärin, als Verkäuferin beim Bäcker oder als Assistentin beim Zahnarzt, den Laden menschlichen Lebens ab Laufen zu halten. Wer sich mit ihnen fortpflanzen mochte, konnte das tun, bedeutungsfrei würde das Ergebnis bleiben.
Erst später, ja ich denke um die 40, hatte ich diese recht primitive Sichtweise überdenken gelernt und eingesehen, dass ich vielleicht mit einer solchen Frau hätte glücklich werden können, wäre ich in der Lage gewesen, mich in sie zu verlieben, beziehungsweise von ihnen geliebt zu werden.
In dem Alter, in dem ich mich befand, zeigte ich mich höflicher.
»Hallo Miss, entschuldigen Sie – ich dachte das Schild – ich dachte es wäre okay, mir das hier anzusehen. Aber scheint wohl ein altes Schild.«
Sie betrachtete mich skeptisch.
»Mit Verlaub«, sie sah an mir hoch und runter, »sie sehen nicht aus, wie einer unserer üblichen Besucher, die sich über die Sternwarte informieren wollen. Haben Sie unsere Homepage besucht? Da kann man sich anmelden.«
Ich räusperte.
»Ach, wissen Sie: ich war eher zufällig in der Gegend und musste meinen Wagen da hinten«, ich zeigte die Straße zurück, »stehen lassen und auf der Suche nach der nächsten Stadt oder Tankstelle kam ich hier vorbei und da dachte ich«.
»Sie schauen mal rein, verstehe. Aber da hatten sie etwas Pech, Sir. Wären sie statt nach Norden, nach Süden gelaufen, wären Sie nach kurzer Strecke bereits bei einer Tankstelle angekommen. Aber jetzt lohnt sich umkehren nicht mehr. Sie sind fast in Kennebunk.«
»Wo?«
»Kennebunk! Sie wissen schon, wo sie überhaupt sind?«
Jetzt wirkte sie etwas beunruhigt.
Ich hatte ehrlich begonnen und so wollte ich es weitermachen.
»Nein, Miss. Nicht genau. Ich hatte eine wilde Nacht. Ich bin wohl in einem Zustand gefahren, in dem man besser nicht fährt. Aber die Sternwarte hat mich wirklich interessiert. Auch, weil ich mir nicht vorstellen kann, wie sie aus diesem kleinen Hüttchen die Sterne beobachten wollen.«
Meine Ehrlichkeit beruhigte sie nicht, aber sie nahm sie zur Kenntnis.
»Da kann ich Ihnen nur recht geben: Don´t drink and drive! Aber worin Sie sich irren, ist beim Eindruck unserer Anlage. Es sind sogar zwei Teleskope darin. Der obere Teil des Gebäudes ruht auf Schienen, wir können ihn wegfahren und die Sterne beobachten. Wir verfügen über ein Meade LX200 und ein f/15 Zeiss-Jena mit dem wir auch, im Tageslicht die Sonne beobachten können. Aber ich vermute mal, das sagt Ihnen beides nicht viel.«
Wäre ich jünger gewesen, wäre ich vermutlich rot geworden. So senkte ich nur den Blick.
»Da haben Sie recht. Sagt mir leider gar nichts. Wissen Sie ich habe mich für die Sterne immer interessiert und wollte irgendwann lernen die Sternbilder zu lesen, aber ich habe mir nie die Zeit genommen. Irgendwie war ich immer mit dem irdischen Handgemenge beschäftigt und kam nicht dazu, nachts nach den Sternen zu sehen.«
Zum ersten Mal lächelte sie, ein wenig.
»Das ist aber schade. Da haben Sie viel verpasst. Deshalb bieten wir hier Schulungen an. Meist, am nächsten Freitag nach Neumond, außer, wenn es regnet. Wir haben schon über 20000 Schüler und Erwachsene informiert und geschult. Wenn Sie in der Gegend Urlaub machen, können Sie beim nächsten Treffen, ist in drei Tagen, gerne dabei sein.«
»Das Miss ist sehr nett.«
»Können Sie mal aufhören mich Miss zu nennen? Aus welchem Jahrhundert sind Sie? Ich heiße Jez.«
»Wie die Musik?«
»Nein, von Jezebel.«
»Das war doch ein Lied von Sade?«
»Ja, eines der Lieblingslieder meiner Mutter.«
Ihrer Mutter! Scheiße, ich war älter, als die Sphinx.
»Und Sie sind?«
»Joe. Joe aus dem letzten Jahrhundert, wenn Sie so wollen. Und, ja das wäre nett. Aber ich weiß noch nicht, wie lange ich in der Gegend bin.«
»Wie Sie wollen. Aber, wenn Sie bleiben, können wir uns, um ihren Wagen kümmern und vielleicht hätte ich sogar ein nettes Zimmer für Sie, in Kennebunk. Ich wohne dort.«
Totsaufen in Kanada oder ein Zimmerchen in Kennebunk – na, Joe? Wie wählst du? Fragte ich mich im Stillen, voller Selbstverachtung.
»Also, Miss – sorry, ich meine Jez. Ich weiß nicht, ob ich drei Tage bleibe. Aber das mit dem Auto wäre cool. Ich würde dich gerne zum Essen, vielleicht zum Frühstück einladen. Wenn das nicht zu viel ist.«
»Nein, gar nicht. Mein Wagen steht da hinten. Ich wollte nur ein paar Flaschen Wasser für den Freitag schon mal abstellen. Heute kannst du hier nicht viel mehr sehen. Ist ein bisschen Aufwand, dass Dach wegzuschieben.«
»Keine Mühe!«
»Also fahren wir?«
»Ja, cool, komm!«

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3.
The young woman was perhaps in her late twenties. A small, inconspicuous person whose female existence I would not have noticed until I was almost 40. Her hair was not long and not short, not blond, not black, her glasses made unrecognizable whether she was pretty, her clothing emphasized nothing and her voice transported nothing but words. For a long time such, how shall I say, plain, simple women, were neutral creatures for me, whose task was to keep the store of human life running as a secretary, as a saleswoman at the bakery or as an assistant at the dentist. Who liked to reproduce with them, could do that, the result would remain meaningless.
Only later, yes I think around 40, I had learned to rethink this rather primitive view and realized that I might have been happy with such a woman, had I been able to fall in love with them, respectively to be loved by them.
At the age I was, I showed myself more polite.
„Hello miss, sorry – I thought the sign – I thought it would be okay to look at this. But seems like an old sign, I guess.“
She looked at me skeptically.
„With respect,“ she looked me up and down, „you don’t look like one of our usual visitors who want to find out about the observatory. Have you visited our home page? That’s where you can sign up.“
I cleared my throat.
„Oh, you know: I was in the area rather by chance and had to leave my car back there,“ I pointed back down the road, „and looking for the next town or gas station I came by here and so I thought.“
„You’ll take a look, I see. But you were a little unlucky there, sir. If you had gone south instead of north, you would have arrived at a gas station after a short distance. But now it’s not worth turning back. You’re almost at Kennebunk.“
„Where?“
„Kennebunk! You do know where you are anyway?“
Now she looked a little worried.
I had started honestly and that was how I wanted to keep it going.
„No, miss. Not exactly. I had a wild night. I guess I was driving in a state where it’s better not to drive. But the observatory really interested me. Also, because I can’t imagine how you’d want to watch the stars from that little shack.“
My honesty did not reassure her, but she took note of it.
„I couldn’t agree more: Don’t drink and drive! But what you are wrong about is the impression of our facility. There are actually two telescopes in it. The top one rests on rails, and we can drive it away and watch the stars. We have a Meade LX200 and an f/15 Zeiss-Jena with which we can also, in daylight observe the sun. But I guess that doesn’t mean much to you either way.“
If I had been younger, I probably would have blushed. As it was, I just lowered my gaze.
„You’re right about that. Doesn’t mean anything to me, I’m afraid. You know I’ve always been interested in the stars and wanted to learn to read the constellations at some point, but I never took the time. Somehow I was always busy with the earthly melee and never got around to looking at the stars at night.“
For the first time, she smiled, a little.
„That’s too bad, though. You missed a lot there. That’s why we offer training here. Mostly, the next Friday after the new moon, unless it rains. We have already informed and trained over 20000 students and adults. If you are vacationing in the area, you are welcome to attend the next meeting, is in three days.“
„Miss – thats very nice.“
„Can you stop calling me Miss? What century are you from? My name is Jez.“
„Like the music?“
„No, like Jezebel.“
„That was a song by Sade, wasn’t it?“
„Yes, one of my mother’s favorite songs.“
Her mother! Shit, I was older than the Sphinx.
„And you are?“
„Joe. Joe from the last century, if you will. And, yeah that would be nice. But I don’t know how long I’ll be around yet.“
„Suit yourself. But, if you stay, we can, take care of your car and maybe I’d even have a nice room for you, in Kennebunk. I live there.“
Boozing it up in Canada or getting a room in Kennebunk – well, Joe? How do you choose? I asked myself silently, full of self-loathing.
„Well, miss – sorry, I mean Jez. I don’t know if I’ll stay three days. But the car thing would be cool. I’d like to take you out to dinner, maybe breakfast. If that’s not too much.“
„No, not at all. My car’s back there. I just wanted to put a couple bottles of water down for Friday already. You can’t see much else here today. It’s a bit of a hassle to push that roof away.“
„No effort!“
„So we’re driving?“
„Yeah, cool, come on!“

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Gestra (2)

2.
Ich hatte zwei Möglichkeiten: Ich konnte nach Süden laufen oder nach Norden, wenn ich der Straße folgen wollte. Um mich herum waren Ackerland und kleine Waldstücke, mehr war nicht zu sehen. Wie so oft im Leben, hatte ich mich eigentlich nur zwischen zwei Option zu entscheiden und doch führte jede, unweigerlich zu einem völlig anderen Ergebnis.
Es wäre alles anders gekommen, hätte ich mich entschieden, der Straße nach Süden zu folgen, denn dann wäre ich, nach nur einer halben Meile, bei einer Tankstelle mit Pizzaladen gelandet und hätte in der Folge – und ja, so drastisch ist es – ein anderes Leben geführt. Ich hätte den Eigentümer gebeten meinen Wagen abzuschleppen, hätte mir eine Pizza bestellt und wäre vermutlich weiter südlich, nach Sanford empfohlen worden, um mir dort meine Pläne neu zu überlegen.
Aber ich entschied mich für die Route nach Norden, die 5 Meilen lang war und nicht mit Pizza und Gemütlichkeit endete.
Nach etwa zwei Meilen, die mich durch eine große landwirtschaftliche Fläche geführt hatten, in deren Mitte ein Hof lag, kam ich an die ersten Schilder, die mir etwas bei der Orientierung halfen. Ich befand mich auf der Old North Berwick Road und konnte nach Westen in die Drown Lane abbiegen, wo sich ein Reiterhof für Integrative Therapie befand. Vermutlich hätte mir das nicht geschadet, aber der Sprung vom suizidalen Alkoholismus zur Reittherapie, war für einen Mann, von meiner Denkart zu groß. Deshalb entschied ich mich auf der Old North zu bleiben und kam nach kurzer Zeit an einer Farm vorbei, die auch Übernachtungen anbot. Aber der Name „Rest and Be“ versprach ebenfalls nicht das Motto, nachdem ich mich orientieren wollte.
Ich lief die Straße weiter, bis sie in einem Knick auf die Walker Road einbog, der ich nach Osten folgte. Die Walker die von Westen kam, lag zwischen zwei Wäldern eingeklemmt und schien mir dort ländlicher zu werden und mein Ziel war der nächste größere Ort, um von dort nach Portland zu kommen.
In diesem Sinn war die Entscheidung nicht ganz schlecht, denn vor mir zur Linken sah ich ein Wohnhaus und die Straße weiter, öffnete sich das Land und wirkte endlich etwas belebter.
Ich lief, zuversichtlich weiter und ignorierte eine Sackgasse zur Linken und die Cole Road zur Rechten und wäre wahrscheinlich in die Alewive Road eingebogen, die als nächstes zur Linken abzweigte, wenn ich nicht von der Kreuzung aus, dass unscheinbare und doch irgendwie auffällige Gebäude am Rand von Wald und Wiese entdeckt hätte, das mich neugierig machte.
Das Gebäude sah aus der Ferne aus, wie ein grauer Schuppen mit weißem Dach, in dem ein Oldtimer oder zwei Kühe stehen konnten, aber auf dem Feldweg der dorthin führte, stand in weißer Schrift, auf blauem Untergrund „Starfield Observatory“ und darüber „Astronomische Gesellschaft – Nördliches Neu England“.
Das war entweder ein großer Bullshit oder ich stand vor dem unscheinbaren Eingang zu einer gewaltigen, militärischen Großanlage, in der die eigentlichen Geheimnisse der Area 51 bewahrt wurden. Dafür allerdings fehlten die Selbstschussanlagen.
Ich bog auf den Feldweg ein, der mich in einer sanften Kurve zu dem Gebäude hinführte. Als ich näherkam, entdeckte ich, dass seitlich des grauen Gebäudes, sich ein kleines, nettes, rotes Gartenhäuschen befand, vor dem mit einem grünen Zaun abgegrenzt, vier Parkplätze angelegt waren.
Vor dem grauen Gebäude standen zwei Picknick-Bänke am Rand einer Kiesgrube, in der – und es gab nur diese beiden Möglichkeiten – satanistische Rituale abgehalten wurden oder am Wochenende ein Barbecue.
Ich stand jetzt nicht weit von dem Gebäude entfernt und konnte bereits den Türknauf und die Fenster an dem grauen Schuppen sehen. Noch immer blieb mir schleierhaft, was dieses schmucklose Gebäude mit einem Observatorium zu tun haben sollte. Außer – und davon war ich fest überzeugt – der ganze eigentliche Spaß lag unter der Erde. Kilometer lange unterirdische Straßen führten von Bunkerkomplex zu Bunkerkomplex, wo mit Antimaterie, Alienhaut und Quantenbomben experimentiert wurde.
Mit einem plötzlichen: »Hallo Sir! Was suchen Sie hier?« hatte ich gar nicht gerechnet.

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2.
I had two options: I could walk south or north if I wanted to follow the road. Around me was farmland and small patches of forest, that’s all there was to see. As so often in life, I really only had to decide between two options and yet each, inevitably led to a completely different outcome.
Everything would have been different if I had decided to follow the road south, because then I would have ended up, after only half a mile, at a gas station with a pizza store and as a result – and yes, it is that drastic – I would have led a different life. I would have asked the owner to tow my car, ordered a pizza, and probably been recommended further south, to Sanford, to rethink my plans.
But I decided to take the route north, which was 5 miles long and didn’t end with pizza and comfort food.
After about two miles, which had taken me through a large agricultural area with a farm in the middle, I came to the first signs that helped me get my bearings a bit. I was on Old North Berwick Road and could turn west onto Drown Lane, where there was an equestrian farm for Integrative Therapy. Probably wouldn’t have hurt me, but the jump from suicidal alcoholism to equine therapy, was too big for a man, of my way of thinking. So I decided to stay on Old North and after a short time passed a farm that also offered overnight stays. But the name „Rest and Be“ also did not promise the motto after which I wanted to orient myself.
I continued walking down the road until it turned in a bend onto Walker Road, which I followed east. Walker Road coming from the west was sandwiched between two forests and seemed to me to become more rural there, and my destination was the next larger town to get to Portland from there.
In that sense, the decision wasn’t all bad, because ahead to my left I saw an apartment building and down the road, the country opened up and finally seemed a little busier.
I walked on, confidently, ignoring a cul-de-sac to the left and Cole Road to the right, and probably would have turned onto Alewive Road, which branched off next to the left, if I hadn’t spotted from the intersection, that nondescript yet somehow striking building at the edge of the woods and meadow that made me curious.
The building looked from a distance like a gray shed with a white roof that could house an old-timer or two cows, but on the dirt road that led to it was written in white lettering, on a blue background „Starfield Observatory“ and above it „Astronomical Society – Northern New England“.
This was either a big bullshit or I was standing in front of the inconspicuous entrance to a huge, large-scale military facility where the real secrets of Area 51 were kept. For that, however, the self-propelled grenades were missing.
I turned onto the dirt road that led me in a gentle curve toward the building. As I approached, I discovered that to the side of the gray building, there was a small, nice, red garden house, in front of which, delimited by a green fence, were four parking spaces.
In front of the gray building, there were two picnic benches on the edge of a gravel pit, where – and there were only these two possibilities – Satanic rituals were held or, on weekends, a barbecue.
I was now standing not far from the building and could already see the doorknob and windows on the gray shed. It was still a mystery to me what this unadorned building should have to do with an observatory. Unless – and I was firmly convinced of this – all the real fun was underground. Miles of underground roads led from bunker complex to bunker complex, where experiments were being conducted with antimatter, alien skin and quantum bombs.
With a sudden, „Hello sir! What are you looking for here?“ I had not expected at all.

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