#42 Die Frucht der Erkenntnis

Manchmal liest man etwas und hält es für gut oder klug, weil man es für den Ausgangspunkt eines Denkens hält.
Aber in Wirklichkeit verhält es sich anders.
In Wirklichkeit ist es das Ende eines Erlebens, das Ergebnis einer Erfahrung, aus der alle Dummheit, alle Fehler und Irrtümer herausgerechnet sind.
Bis am Ende nur noch die reine Erkenntnis bleibt.
Diese Weisheit des Rückblicks muss man entlarven, um niemand zu überschätzen und, um den Mut zu bekommen, sich auf den Weg zu machen …

05/19 PGF

#41 Über die Jahre

Menschen verlieben sich
Kinder werden zu Leuten,
Länder leiden in blutigem Krieg.

Blüten leuchten in der Sonne,
Reisende sehen aus Flugzeugscheiben
und Meer rauscht im Kies vor und zurück.

Freundschaften verlieren sich
Flüchtige stehen vor verschlossenen Toren,
Karrieren fressen Seele und Herz.

Ähren vertrocknen,
ein Genie wird geboren,
die Welt jubelt in blindem Glück.

Und ich schrieb ein Buch
und über all diesen Seiten,
wechselten nur Tag und Nacht.

05/19 PGF

#40 Kühler Tag im Mai

Heute war ein schöner Tag –
als käme der Herbst zurück,
ich liebe,
wenn der Wind an den Bäumen zerrt,
wie die Sehnsucht nach dir,
an meiner Seele.

Trotzig harren sie aus dem Wind,
die tief Verwurzelten,
Schweigsamen,
nach Licht Hungrigen,
dulden auch diese Tage,

wenn der Sturm an ihnen zerrt,
wie die Sehnsucht nach dir,
an meiner Seele.

05/19 PGF

#39 Der lange Atem

Den großen Arbeiten stehen zwei Dinge im Weg: die Zeit und der Sinn. Und es geht dabei ums Fühlen. Mit „groß“ ist in diesem Zusammenhang nicht eine Wertung gemeint, sondern ein Umfang beschrieben. Die Wertung „groß“ kann keiner treffen, auch keine Gegenwart. Ob etwas groß war, erkennt die Nachwelt – oder nicht mal sie.

Wenn also eine, vom Umfang, große Arbeit bewältigt werden soll, ist es, vielleicht zu erst, der Sinn, der sich in den Mittelpunkt quetscht und mault: „Was soll das eigentlich? Braucht das die Welt?“
Und je nach Selbstbewusstsein, lautet die Antwort: „Nein“ und das Werk ist erledigt; „Vielleicht“ und es hat eine Chance; „Unbedingt“ und seine Vollendung ist – unter diesem Gesichtspunkt sicher. Der Sinn wird sich der Antwort beugen – vorerst. Aber er wird zurückkommen und er wird, monoton und geduldig immer mal wieder fragen: „Und das braucht die Welt?“ „Und das soll von Wert sein?“ Wieder wird eine der drei Antworten entscheiden, ob er gewinnt oder nicht.

Ob er unterliegt oder nicht, entscheidet aber nicht über die Vollendung. Neben ihm gibt es die Zeit, die weniger mit lästigen Fragen bedrängt, sondern ihren Druck schweigsam ausübt. Sie lässt die Fragen von allein entstehen:
„Sollte ich sie nicht besser mit etwas anderem ausfüllen?“ „Habe ich überhaupt genug davon? Sollte ich sie nicht besser für etwas Spaß verwenden?“
Die Zeit ist ein leeres Blatt, welches, selbst, wenn es gefüllt wird, mit wunderbaren Zeichnungen oder Versen, am Ende vergilbt und in Nichts verwandelt, was vielleicht sogar sinnvoll war. Gegen die Zeit gibt es kein Argument.

Deshalb schrieb ich, es geht ums Fühlen.

Das Gefühl das Richtige zu tun und es weiter zu tun, egal, wie sehr die Zeit drückt und der Sinn fragt, das ist alles was man tun kann, um den Umfang zu bewältigen.
„Du wirst es mir zeigen.“ Sagt man der Zeit.
„Du bist der Sinn, den ich bestimmt habe.“ Sagt man dem Sinn.
Und erwartet keine Antwort, die einem den Umfang der Arbeit erleichtert. Das macht die Liebe, die man in sich fühlt oder die einem begegnet.

05/19 PGF

#38 Glückwunsch zum Jahrestag

Nehmt euch Häppchen! Der Blog feiert heute sein Sechsjähriges und sieht dabei etwas betröppelt aus, nach den letzten Monaten der Schrumpfung.

DANKE! Sage ich trotzdem gern. Letztlich hat mich Literaturfrey aus dem Kämmerchen geholt und mich zu einem öffentlichen Autor gemacht, wie immer man das auch werten will. Ich erinnere mich gut, wie ich vor sechs Jahren mutiger und mutiger wurde, mit jedem Like und jedem Kommentar, den Blick über die Schulter zu zulassen. Das hätte auch anders gehen können, denn die fünfzehn Jahre davor, war ich ganz glücklich mit dem Schreiben. Hätten am Anfang Spott und Häme gestanden, wäre „Sind Sie sicher, dass Sie diese Seite löschen möchten?“ sehr schnell von mir bejaht worden.

Rückblickend wundere ich mich manchmal, wie offenherzig ich Texte und Stimmungen präsentiert habe. Das ist gar nicht meine Art. Nicht selten hatte ich zu erinnern, dass die Texte biografische Tendenzen haben, aber keine Selbstveräußerung in Echtzeit darstellen. Ein schmaler Grat. „Verwechselt mich nicht! Ich bin nicht der und der!“ schrieb Nietzsche vor vielen Jahrzehnten und ich ahne, was er meinte.

In den letzten Monaten ging die Offenherzigkeit, aber auch meine Kreativität deutlich zurück. Das hat zum einen mit meinem Beruf zu tun, der arbeitsintensiv ist, mich oft ausfüllt und über den ich hier nicht offenherzig philosophieren kann. Nicht, weil er schlimm ist, sondern, weil es meinem Verantwortungsgefühl entspricht weder vom Positiven noch vom Negativen zu erzählen, wenn Rückschlüsse möglich wären.
Und die Kreativität? Die richtet sich auf das neue Skript, an welchem ich, nach knapp einem Monat Pause, ab Mai weiterarbeiten werde.
Die Pause war gut, um mir über einige Aspekte der Geschichte, aber auch über die Veröffentlichung klar zu werden. Das ist ganz spannend, wie ich finde, dass die Geschichte sich in einem weiterspinnt, selbst, wenn man gar nichts dafür tut, zumindest nicht bewusst.
Klar geworden ist mir, dass es ein Mehrteiler werden muss, selbst, wenn ich das gesamte Buch fertig gestellt habe. Das Risiko ist finanziell zu groß und, ich glaube, der Umfang könnte, in einem Band zu erdrückend wirken, wie ein überladener Teller, der einem den Appetit nimmt.
Wenn ich zum Inhalt etwas verschwiegen bin, hat das neben der Tendenz, nichts verraten zu wollen, auch mit dem Aberglaube zu tun, nicht über Dinge reden zu wollen, die dafür noch nicht reif sind.

Somit bedanke ich mich für das Interesse, hoffe ihr bleibt mir gewogen, auch, wenn dieses Manuskript mich ganz vereinnahmt, aber es soll ja gut werden … und manchmal denke ich, dass könnte es sogar … sehr sogar … in den guten Stunden …

Startet gut in die Woche! 🙂

PGF

#37 Es geht ums Erzählen

Man liest so viel, wie man es machen soll, das Schreiben. Ich habe das Gefühl die Flut an Schreibratgebern nimmt nicht mehr ab. Im Gegenteil, mittlerweile weiß ein ganzes Genre „wie man es macht“. Und stört sich wenig daran, dass Geschmack verschiedentlich ist (Gott sei Dank), dass verunsichert, was unterstützen soll und das Rat geben, so viel bequemer ist, als machen. Ich hätte ein paar ganz fantastische Ideen, wie der Krieg und der Hunger aus der Welt zu beseitigen wären, finde meist nur nicht die Zeit, mich mal intensiver darum zu kümmern …

Was anderes sind die Bücher zur Regelkunde. Die kann man nicht einfach beiseite schieben, außer man ist verwegen genug, sich nicht um die Einhaltung aller Regeln zu kümmern. Dan Schreibt mann Setze, wie´s ei´nem grade passst UND freud Sich Wie Ein schelm. Natürlich kann man die Regeln auch gewissenhaft erlernen und dabei eine gewisse Sicherheit gewinnen, annähernd verstanden zu werden, wie es gemeint ist.

Über dem Ehrgeiz und über dem Bemühen, geht mir ebenfalls immer mal wieder verloren, um was es geht. Und ich muss mich mahnen: „Vergiss nicht: die Aufgabe ist erzählen, nicht schreiben!“ Wenn ich in diesen Tagen das Manuskript wiederaufnehme und mich durch Berge an ungeklärten Strukturfragen, Handlungsfäden und Szenegestaltungen taste, dann bin ich schnell dabei, zu überlegen wie ich schreiben soll? Blödsinn! Ich will eine Geschichte erzählen, eine spannende und unterhaltsame, mehr ist es nicht.

Den ganzen Tag über erzählen wir uns Geschichten. Wie es uns geht, was wir vorhaben, was wir erlebt haben. Manchmal hören wir einander zu und manchmal sinkt die Aufmerksamkeit rascher, als das Mitteilungsbedürfnis sich wünscht. Manchmal liegt es daran, dass wir schlecht erzählen, manchmal daran, dass die Geschichte langweilig ist und (genauso) manchmal daran, dass dem Zuhörer der Geist fehlt, um zu hören.

Mehr ist es nicht: sich einlassen auf das, was man erzählen möchte. Sich einstimmen, damit der Ton und die Geschichte zusammenpassen. Erzähle ich eine Geschichte, die traurig macht oder die belehrt oder bei der man ständig lachen muss, muss ich jeweils anders erzählen. Dass dabei zufällig Buchstaben, Sätze und Satzzeichen ins Spiel kommen, ist unvermeidlich. Solange sie nicht im Weg stehen, stören sie nicht …

04/19 PGF

Fehlender Spiegel

Wenn wir schreiben, zeichnen wir eine Seite eines Dialogs auf.

Eine Seite.

Schweigt unsere Seele, bleiben die Zeilen leer –

den Gedanken, ein fehlender Spiegel.

04/19 PGF