Wenn ich heute wählen gehe

… dann tue ich das nur als Ausdruck, dass ich mich der Demokratie verpflichtet fühle, aber nicht, weil ich sie noch für lebendig halte.

Wenn heute sich alle die Hände reiben, dass es zum großen Umbruch in Bayern kommt, nehme ich das irritiert zur Kenntnis, da ich als Zugezogener und nicht CSU-Wähler die Verhältnisse in Bayern für sehr gut halte und die animierte mediale Söder-/Seehofer-Schelte für ziemlich flach. Für mich ist die konservative Ausrichtung der Schulen ein kritisches Thema und anderes, was soziale Interessen nicht gegen wirtschaftliche Erfordernisse stärkt, ansonsten finde ich wenig bestätigt, wie Bayern dargestellt wird.

Wenn ich dann in Betracht ziehe, wie groß der Anteil der Kanzlerin am Niedergang der Volksparteien ist, die erst die politische Mitte an sich gerissen hat und dann so mies verwaltet, dass sie sich an die Ränder geflüchtet hat, merke ich, wie schwer es ist, irgendwo noch ein Kreuzchen zu setzen und, wie wichtig, neben der 5%-Hürde eine 75%-Wahlbeteiligung-Hürde wäre, damit eine Minderheitsregierung, gewählt von einer Minderheit der wählenden Bevölkerung, sich nicht in ihr Amt taktieren kann.

Und, wenn ich abschließend noch das politische Elend, die politische Stagnation betrachte, welche sich in den Sport fortsetzen, sodass Erfolglosigkeit gar nicht mehr relevant erscheint, sondern von Merkel bis Löw, sich jeder im Amt halten kann, der die nötigen Kontakte hat, weil die Angst vor Veränderung größer ist, als der Mut neue Antworten zu geben (keine die zwischen 33´ und 45´falsch waren und es immer bleiben, wohlgemerkt!) dann betrachte ich den Wahlschein eher, wie einen Appell an die politische Vernunft, ein kostbares Gut nicht endgültig preiszugeben.

10/18 PGF

Pendeln

In den ruhigen Phasen pendelt unser Leben, um ein stabiles Zentrum.
Diese Balance zwischen Glück und Unglück fühlt sich nicht langweilig oder überflüssig an, sondern befähigt uns, zu außergewöhnlichen Leistungen, die wir erbringen können, wenn unsere Aufmerksamkeit keine Ablenkung erfährt.
Bis ein Impuls kommt und uns aus der Mitte stößt.
Nicht selten, in dem wir uns verlieben und über dem Hoffen und Bangen, das Vertrauen verlieren, das unsere Mitte ausmacht.
Plötzlich suchen wir diese Mitte nicht mehr in uns, sondern draußen, an den Rändern, wohin das Pendel schwingt, unruhig und voll Sehnsucht und, wie wir erst nach längerer Zeit erkennen, vergeblich.
Kunst schöpft aus den weiten Schwüngen, aber entstehen kann sie nur, um ein Zentrum konzentriert.

10/18 PGF

Schreibmotive

Manchmal schreiben wir, um etwas zu bewahren
und manchmal um zu beklagen.

Manchmal schreiben wir aus Lust am Spiel
und manchmal, weil, so tiefe, Sehnsucht in uns ist.

Manchmal schreiben wir aus Ehrgeiz
und, damit die Welt sich nach unserem Willen formt.

Manchmal schreiben wir, um zu erfreuen
und um Mut zu schenken, wenn er schwankt.

Manchmal gelingt, was im Herz oder Kopf sich regt,
in schöne Zeilen zu bannen
und manchmal gelingt es nicht.

Aber, egal weshalb wir schreiben,
ohne Schreiben, ginge es nicht.

10/18 PGF

Neues Werkzeug

Was man, neben dem eigentlich kreativen Prozess, bei der Behandlung des Stoffs, nicht unterschätzen sollte, ist der positive Einfluss einer bewährten oder neuen Arbeitsweise.

So, wie einem Maler ein neuer Pinsel, möglicherweise zu einem neuen Strich verhilft oder ein Gitarrist durch eine Flöte Zugang zu einer ganz anderen Melodie erhält, gibt es auch beim Schreiben Gewohnheiten oder neue Möglichkeiten, die den kreativen Prozess fördern.

Das kann eine neue Tastatur sein, ein anderer Weg der Recherche oder aber die Tasse Kaffee um 5 die bei allen Manuskripten davor, der Einstimmung diente.

Nicht selten fordert ein Manuskript, die Kontinuität oder aber die Innovation der Herangehensweise.

10/18 PGF

Autorenrisiko

Es muss mir Spaß machen, was ich erzähle.
Es nutzt keine geschliffene Idee, kein abgestimmter Plot, kein Zielpublikum orientiertes Genre, wenn es mir keinen Spaß macht, an einer Geschichte zu schreiben.
Ich ahne schon jetzt, das Störende am aktuellen Skript und nein, es lässt sich nicht korrigieren, weil es nicht falsch oder unzulänglich oder ungewollt ist, sondern immanent, um diese Geschichte erzählen zu können.
Das wäre noch kein Grund die Geschichte fortzusetzen. Der Gedanke: Okay das könnte stören, das könnte missverstanden werden, wäre ja durchaus ein Grund, die Tastatur beiseite zu schieben. Aber mich reizt es, trotz der möglichen Schwierigkeiten weiterzumachen und darauf zu vertrauen, dass der Leser, der sich darauf einlässt, zunehmend ein ähnliches Vergnügen beim Lesen empfindet, wie ich beim Schreiben.
Vielleicht – und das ist Autorenrisiko – gibt es diesen Leser nicht und das Buch bleibt ungelesen.
Aber dann bleibt, die Freude am Versuch …

10/18 PGF

Recherche

Anfangs war ich kein Freund der Recherche.
Nicht zu Unrecht, ahnte ich, wie ungünstig sich die Ergebnisse, auf die Fantasie auswirken können (Stichwort: Info-Dump). Insgesamt neige ich dazu, lieber zu „machen“, als geduldig vorzubereiten. Was ich nicht als Stärke ansehe. Recherche gehört letztlich zum Schreiben dazu.

Vermutlich ist es nicht unerheblich was man schreibt.
Während ich bei „Sontland“ ein fiktives Land im Sinn hatte und die Figuren und Orte durch reale Bezüge nur eingeengt worden wären. Lag mir bei der Aurumer-Reihe daran etwas Fiktives (Außerirdische) in einen so realen Rahmen einzubauen, dass man beim Lesen unentwegt denken musste: „Stimmt, das gibt es ja wirklich, aber dann könnte es ja jenes auch geben.“
Wer „Projekt Epilog“ gelesen hat, mag mit etwas Schmunzeln, die aktuellen Eskapaden von Elon Musk verfolgen. Wäre ich Bestseller-Autor, wäre das vermutlich das perfekte Marketing-Element, wie die Realität die Geschichte einholt.
Ohne Recherche über den echten Elon Musk, hätte mein erfundener Leroy Rusk vermutlich seine Dynamik nicht entwickeln können.
Wichtig ist, dass die Recherche nicht im Plagiat endet, sondern in ein paralleles Universum mündet, dass es vorher nicht gab.

Aktuell befinde ich mich, in einem Misch-Stadium, zwischen Recherche und Manuskript. Da ich, bei dem aktuellen Text, mit einer Vorlage arbeite, die als fortgeschrittener Plot angesehen werden kann, dem bereits umfangreiche Recherche zu Grunde liegt. Der Plot aber noch so viel Speck auf den Rippen benötigt, dass es ohne weiteres Nachlesen nicht geht.

Amüsant ist dabei – aber auch erschreckend – zu merken, wie sehr das Internet speziell Google uns durchleuchtet. Selbst, wenn man, wie ich, alle Datenverfolgung so weit wie möglich zurückschraubt.
Da ich nach Themen suche, die sich aus der Geschichte ergeben und mich nur in diesem Sinn interessieren, beobachte ich gespannt, wie mir Dank Cookies, seit Tagen, zu Themen Vorschläge gemacht werden, die ohne Bezug zum Text, eher störend auf mich wirken.
Solange man das Internet nur dem eigenen Gedankenstrom folgend benutzt, spürt man selten, wie sehr die dargebotene Information eine genaue Entsprechung zu dem ist, was man ohnehin denkt. Es handelt sich um Wirklichkeits-Konstruktion par excellence.
Die auf Recherche beruhende Werbung oder Seiten-Empfehlung, die mir eingeblendet wird, lässt das Netz fremder und unpersönlicher wirken. Genau genommen sollte es so auch sein!

Falls jemand Zeit und Ideen hat, daraus eine Geschichte zu machen, ich fände es spannend, bin aber aktuell zu beschäftigt 😉
Startet gut in die Woche!

PGF 10/18