Und was tun dann Schriftsteller?

Wenn ich Recht habe, mit dem zuletzt über Lehrer Gesagten, welche Wirkung haben dann Schriftsteller?
Weshalb gewinnen sie mitunter Sympathien?
Verändern sie doch ebenfalls das Denken und Denkmuster.

Vielleicht lässt es sich über den Konstruktivismus erklären.

Wer das nicht kennt, hier ein Shorty:
Flapsig gesagt ist der Konstruktivismus der Abgesang auf die Objektivität. Wirklichkeit ist, nach ihm, all das was ein Individuum aus der Summe seiner gemachten Erfahrungen konstruiert. Im Bild: Für einen Beduinen ist die Welt heiß, sandig und trocken, für einen Eskimo kalt, weiß und glatt.
Zwar ist der Mensch zur Abstraktion fähig und der Eskimo kann erkennen, dass es die Welt des Beduinen gibt, aber dies nur in unserer modernen, vernetzten Welt. Sonst wäre die Welt die er sieht, alle Welt. Der Kampf der Kulturen ist ein Beispiel für unreflektierten Konstruktivismus.
Im schnellen, nicht reflektierten Beurteilen und Handeln wird der Mensch entsprechend seiner gemachten Erfahrungen handeln und bewerten.
Varela und Maturana führen dies in ihrem tollen Buch „Der Baum der Erkenntnis“ perfekt aus.

Im Rahmen einer Wirklichkeitskonstruktion kann somit ein Schriftsteller auf ein neurologisches System (einen Menschen) verstärkend, erweiternd, vertiefend wirken. Die Zellen werden angeregt, aufgeregt, aber sie müssen nicht, neue ungewohnte, ungeliebte Verbindungen eingehen.

Das lästige Buch eines lästigen Schriftstellers legt man weg. Den lästigen Unterricht eines lästigen Lehrers muss man ertragen. Will man nicht schlechte Noten riskieren oder den Verlust eines Zertifikats.
Also der Akt des Wählens ist freier und der Kontext. Außerdem gibt es kein Publikum, welches die Lernlücken, die Denkfehler miterlebt.

Also, liebe Autoren: die Leser öffnen uns die Tür zu einem eigentlich unantastbaren: ihrem Innersten. Sie lassen zu, dass wir es (zart) verändern, dass wir es vertiefen, erweitern, verschönern… Oder aber verschlimmern, verderben, enttäuschen.
Wie viel Brutalität können wir Ihnen zu Muten, damit das Buch spannend bleibt? Wie viel Depression, um sie zum Leben zu ermuntern? Wie viel eigener Ekel, wenn sie Zuversicht benötigen?

Ich vermag es nicht bewerten, denn die Bewertung findet im Inneren des Lesers statt.
Aber sollten wir nicht bedacht sein?
Bei jedem Satz?