Erziehungsweisheit

Mein Vater fuhr fort, mit leiser Stimme zu mir zu sprechen. So sprechen unsere Leute immer mit ihren Kindern, so leise und ruhig, dem Kind ist es, als träume es. Aber es vergisst nie.

Indianische Weisheit (Nordamerika)
*
Quelle: Kalenderspruch.

Schockwirkung

Ich habe das Video weiter unten, gestern, in einem anderen Zusammenhang gepostet. Aber da es dort nicht entdeckt wurde und mich gleichzeitig die Bilder nicht losgelassen haben, weil Kinder und Kindheit seit Langem das zentrale Thema in meinem Weltbild sind, nutze ich diesen Blog für einen Denkanstoß.

Wenn Du schockierst, habe ich mir gesagt, wenn du schockieren willst, musst du dir auch was zum Lösen überlegen. Denn treffen wird das Video, zumindest diejenigen die medial nicht völlig abgestumpft sind.

Aber schockieren ist sinnlos! Aufgerieben, habe ich mich, mit dieser Rettet-die Welt-Philosophie der 80er und 90er Jahre. Für jedes Unrecht auf der Welt habe ich mich, als Europäer verantwortlich gefühlt und bin erstarrt in diesem Verantwortungsgefühl.

Bis mich dieser Gedanke überzeugte: „Laßt Euch nichts einreden! Man ist nur für das eigene Kinder schwanger.“ Das war ein guter Satz! Er hat mir geholfen, mir anzusehen, worauf habe ich Einfluss und wie ich ihn einsetzen kann, statt mich mit Dingen zu beschäftigen die ich nicht ändern kann.

Ich bin fest überzeugt, dass unser Fortbestand, alle Aspekte von Gedeihen und Frieden, unmittelbar davon abhängen, unter welchen Bedingungen wir Kinder aufwachsen lassen. Nicht im Sinn von Wohlstand, sondern Kind gemäß.

Was das ist, Kind gemäß, darüber kann man trefflich diskutieren und das ist die wichtigste Diskussion, die wir führen können.

Wir müssen nicht über islamischen Fundamentalismus reden, sondern über die Indoktrinierung von kleinen Kindern in Koranschulen. Nicht über „Digitale Demenz“ bei Kindern und Jugendlichen, sondern über das Auflösen familiärer Bindung durch eine auf Effizienz getrimmte Kultur. Nicht über die Demokratiebewegung in der Ukraine, Syrien, etc, sondern wie der amerikanische Einfluss, (der militärisch wirtschaftliche Ziele verfolgt), dort die nächsten Generationen mit Zwietracht verdirbt.

Also, wenn Ihr das Video anseht, wenn Euch die Bilder treffen, dann müsst ihr nicht mehr tun, als ein Gefühl von Fürsorge entwickeln. Für die Kinder, die Euch in Eurem Lebensumfeld begegnen.

Schockwirkung wäre Starre, aber Empathie führt mitten ins Leben.

Hey Staat

Heute wird es mal etwas länger. Ist aber auch ein wichtiges, das wichtigste Thema:

Ich hab´s mich schon einige Male gefragt und frage mich immer öfter: Wem dient eigentlich dieser Angriff auf das elterliche Fürsorge-Empfinden, welches mit solchen Spottbezeichnungen, wie „Helikopter-Eltern“ belegt wird?

Also, bei den Nazi´s war klar, weshalb sie elterliche Wärme und Fürsorge, als „Affenliebe“ titulierten. Und auch in der DDR war es wohl staatlich-pädagogisches Ziel Eltern und Kinder von einander zu distanzieren, um gegebenenfalls besser für die Stasi rekrutieren zu können.
Fast allen totalitären Systemen liegt an einer Vereinzelung des Menschen, bei gleichzeitiger Gleichschaltung seines Denkens.

Wem könnte bei uns „an so was“ liegen…?

Wenn man vor der Übertreibung elterlicher Liebe schützen will, kann man dies ganz anders tun:

„Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Laßt euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.“

Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883-1931
Quelle: http://www.gedichte-lyrik-poesie.de

Aber muss man Eltern, in Zeiten doppelter Berufstätigkeit, wachsendem, schulischem Druck, in der Auflösung, im Verfall gesellschaftlicher Strukturen, in der Verwilderung sozialer Aspekte, bei Grippen, Ganztagskindergärten, Ganztagsschulen wirklich einreden, dass sie ihre Kinder überbehüten? Oder will man sie über ein gewolltes Defizit hinwegtrösten?

Zahlen?
„In Deutschland leben über 2,5 Millionen Kinder in Einkommensarmut. Dies entspricht etwa 19,4 Prozent aller Personen unter 18 Jahren. Das Ausmaß der Kinderarmut ist seit vielen Jahren gravierend hoch.“ Nähere Informationen zu Definition und Ausmaß von Armut findet Ihr: (Quelle: Deutscher Kinderschutzbund)

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie brauchen zusätzliche Förder- und Schutzrechte. Deshalb reichen die allgemeinen Menschenrechte für Kinder nicht aus. Die UN-Kinderrechtskonvention, die 1989 verabschiedet und 1992 von Deutschland ratifiziert wurde, definiert daher eigene Kinderrechte.
Diese sind unter anderem:
das Recht auf kindgerechte Entwicklung,
das Recht auf gute Versorgung,
das Recht auf Schutz vor seelischer und körperlicher Gewalt,
das Recht auf Mitbestimmung.“
Den vollständigen Wortlaut der UN-Kinderrechtskonvention ist zu finden: (Quelle: Deutscher Kinderschutzbund)

„Die Zahl der getöteten Kinder und die erfassten Fälle von Misshandlungen sind in Deutschland 2011 gesunken. Es gab jedoch mehr registrierte Missbrauchsopfer. Insgesamt finden sich in der Kriminalstatistik der Polizei erschreckende Zahlen.
Jede Woche sterben in Deutschland im Schnitt drei Kinder durch Gewalt oder Vernachlässigung. Insgesamt seien im vergangenen Jahr auf diese Weise 146 Kinder unter 14 Jahren ums Leben gekommen, (…). 114 Todesopfer waren sogar jünger als sechs Jahre.
Die in der Kriminalstatistik der Polizei erfasste Zahl von Kindesmisshandlungen fiel nach 2011 im Vergleich zum Vorjahr um etwa sechs Prozent auf knapp 4100 Fälle. Einen Anstieg verzeichnete die vom BKA gemeinsam mit dem Verein Deutsche Kinderhilfe und dem Bund Deutscher Kriminalbeamter vorgelegte Statistik bei sexuellen Missbrauchsopfern im Kindesalter. Deren Zahl stieg im vergangenen Jahr laut Ziercke um 3,9 Prozent auf etwa 14 330. Die Fallzahl entwickelte sich etwas anders, da es bei einigen Delikten mehrere Opfer gab. So stieg die Anzahl der Missbrauchsfälle der amtlichen Statistik zufolge im Jahresvergleich um 4,8 Prozent auf etwa 12 440.“
(Quelle: http://www.focus.de/panorama/welt/statistik-zur-gewalt-gegen-kinder-weniger-getoetete-kinder-mehr-missbrauchsfaelle_aid_759740.html)

2,5 Million in Kinderarmut, über 12000 Missbrauchsfälle (in einem Jahr!), jede Woche 3 tote Kinder durch Gewalt! Klingt für mich nicht nach Helikopter! Oder umgekehrt, klingt eher nach der Notwendigkeit eines Helikopter!

Es ist, dass steht für mich außer Zweifel, seit einigen Jahren Regierungspolitik geworden den Zusammenhalt der Familie und den Schutz der Kinder durch die Familie mehr und mehr auszuhöhlen. Eltern haben keine Zeit mehr für ihre Kinder, weil sie zu viel Arbeiten müssen oder keine Fördermöglichkeiten, weil sie so viele Arbeitsangebote nicht bekommen. Das Betreuungsangebot setzt extrem früh ein, während die Unterstützung der häuslichen Versorgung zunehmend erschwert wird. Führt das zu mündigen Bürgern?

Dient es dem Staat? 3 Stimmen:

„Konfuzius sah in der Familie die Keimzelle von Staat und Gesellschaft. Hier wie dort komme es darauf an, sein Handeln am Wohl des Ganzen zu orientieren. Ordnung und Harmonie seien nur dort anzutreffen, wo der Einzelne bereit ist, seine individuellen Bestrebungen dem Dienst an der Gemeinschaft unterzuordnen. Dies erfordere einen lebenslangen Lernprozess.“
Quelle: http://www.zitate-aphorismen.de/zitate/autor/Konfuzius/79

„Das erste, das der Mensch im Leben vorfindet, das letzte, wonach er die Hand ausstreckt, das kostbarste, was er im Leben besitzt, ist die Familie.“
Quelle: http://www.aphorismen.de/suche?f_autor=2127_Adolf+Kolping

„Ob ein Kind zu einem warmherzigen, offenen und verständnisvollen Menschen mit Sinn für das Gemeinwohl heranwächst oder aber zu einem gefühlskalten, destruktiven, egoistischen Menschen, das entscheiden die, denen das Kind in dieser Welt anvertraut ist, je nachdem, ob sie ihm zeigen, was Liebe ist oder aber dies nicht tun. „Überall liebt man nur von dem, den man liebt“, hat Goethe einmal gesagt und dann muss es wohl wahr sein.“
Astrid Lindgren

Ist der Staat der Buchautor, der Journalist? Nein, aber es herrscht ein mediales Klima und es werden politische Entscheidungen getroffen, die mehr familiäre Integrität schwer machen.

Gibt es dysfunktionale Familien? Ja.
Muss der Staat oft (und vielleicht mehr) eingreifen, um Kinder zu schützen? Ja.

Man kann Kinder in ihrer Entwicklung, durch Überbehütung behindern. Man kann sie mangels eigener Identität an sich binden, statt sie wachsen zu lassen. Aber medial wird ein Klima geschaffen in dem die Empathie für eigene Kinder, das Verantwortungs- und Entscheidungscredo der Eltern in Frage gestellt wird. Das merkt jeder der sich mit Kindern im öffentlichen Raum bewegt, der sich mit Bildungsinstitutionen auseinandersetzt oder auf den Ton achtet, wie über Kinder gesprochen wird.

Da hat mal einer was zu gesungen:

Und psychologischer:

Ich freue mich, wenn jemand bis hier dabei geblieben ist. Unsere Kinder sind unsere Zukunft! Alle Kinder! Weltweit…!

Danke schön!

Keiner auf ‚em Spielplatz

Letztens kam ich abends zu einer Runde wordpress und stellte fest, dass keiner von denen, die ich regelmäßig lese an diesem Abend am posten, kommentieren oder liken war. Totenstille, sozusagen. Also es ist mir ein bisschen peinlich zu sagen aber – das erinnerte mich plötzlich an ein Gefühl, dass ich aus der Kindheit kenne:
Wenn ich auf den Sportplatz, Spielplatz oder zur übliche Straßenecke rannte, freudig die nächste Runde Fußball, Fangen oder was uns sonst so einfiel erwartend. Und dann keines der anderen Kinder da war. Verhindert durch Hausaufgaben, Familienausflug oder neue Spielsachen. Was folgte? Kurzes, hoffnungsvolles Umsehen, zaghaftes Rufen, einige Minuten uninspirierte Selbstbeschäftigung und schließlich allmälische Öde und Langeweile.

Ja, so ging es mir kürzlich und so bin ich wohl, was ich schon immer still geahnt habe ein Homo Ludens. Denn ich müsste lügen, würde ich behaupten, dass nicht in allem was ich tue, eine Form von Spiel ist.

Und was habe ich dann gemacht? Das gleiche, wie früher als Kind. Bin nach Hause gegangen = habe den Computer abgeschaltet. Habe mich gelangweilt = habe ungeliebte Haushaltsaufgaben erledigt. Bis mir vor lauter Langeweile die Idee zu einem neuen Spiel einfiel, welches man auch allein spielen konnte = bis mir vor lauter Langeweile eine Geschichte einfiel, die ich niederzuschreiben begann.

Ja, Kindheit ist was reiches, aber nicht unbeschwert. Oder, wie Hermann Hesse es mal so treffend formuliert hat:
„Der sympathische, aber sentimentale Mann, der das Lied vom unschuldigen Kinde singt, möchte ebenfalls zur Natur, zur Unschuld, zu den Anfängen zurück und hat ganz vergessen, daß die Kinder keineswegs selig sind, daß sie vieler Konflikte, daß sie vieler Zwiespältigkeiten, daß sie aller Leiden fähig sind.“
Hermann Hesse, „Der Steppenwolf“.

So etwa war das letzthin. Und so schließe ich heute mit:

Bis demnächst auf dem Spielplatz 😉