Heute Mittag

Die Sonne steigt nicht mehr hoch.
Sie hebt sich knapp, über die Wipfel der Bäume
und wandert sie entlang,
wie ein alter Mensch
dem die Zeit knapp wird.

In den Schatten warten der Herbst und das Sterben
Es welken die Hoffnungen, auf Wärme und Frieden.
Denn, wenn der Sommer schwach wird,
haben die Menschen die Ernte in der Hand …

Am Himmel ziehen leise Wolken
und füllen sich mit Regen
und fühlen die Sehnsucht.
Aber sie werden nichts sagen,
sie werden schweigend weiterziehen.

08/17 PGF

Wahlkampf #4

Was ich über Kindheit schrieb, gilt natürlich weltweit und wer Politik genau versteht, im Sinn einer Entwicklung des Menschen in Frieden und Wohlstand, der kann nie irgendetwas anderes tun, als das, was Kindheit weltweit verbessert. Kinder die in Armut, im Krieg, verfolgt, verhungert, ungebildet groß werden, sind die schlimmste Hypothek die wir uns aufladen.
Deshalb ist mein Dogma für Handel und Außenpolitik: Kindheiten schützen, friedvolle Allianzen schmieden, Wissenstransfer und sinnvoller Handel.

Was die Außenpolitik angeht und die jeweilige Berichterstattung habe ich mir langes Beobachten angewöhnt. Denn die Wahrheit taucht am Ende auf, so wie die nicht-vorhandenen Giftgas-Waffen Saddam Husseins nie aufgetaucht sind, aber Bush jr. Motiv: Krieg um Öl.
Es ist hier nicht möglich, differenziert die Konflikte in Syrien, dem Jemen, Afghanistan usw. zu beschreiben. Auch nicht, ob Russland und China oder Amerika bessere Partner sind. Es geht, um eine Idee (von Europa) und, wie sie zu verwirklichen wäre und wie sie nicht verwirklicht wird.
Es geht um eine Kanzlerin die regelmäßig Fehler macht: Atompolitik JA! und Fukushima, Diesel JA! und Dieselskandal, Flüchtlinge JA! und „Ihr schafft das!“ und Amerika JA! Oh Gott, was soll ich mit Trump machen?

Ich fand den Kurs unter Schröder, in Richtung wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland förderlich. Ja: Putin ist mit allen Wassern der Machtpolitik gewaschen, aber er ist für mich transparent.
Die Amerikaner unter Bush jr. waren Kriegstreiber und es war nur klug sich in andere Allianzen zu begeben. Unter Obama wurde nichts besser. Und, ob unter Trump …
Die Regierung Merkel hat diesen Kurs geändert und uns dem Sunnyboy Obama (er konnte aber auch charmant lächeln) angenähert. Passend erfolgte die NATO-Osterweiterung, der Ukraine-Konflikt und schwuppsdiwupps der Bruch mit Russland, sowohl politisch, als auch wirtschaftlich.
Und noch viel, viel zufälliger sollte in dieser Zeit TTIP installiert werden. Am Schluss ganz hektisch … hört man gar nichts mehr von.
Für einen friedlichen, europäischen Kontinent, wäre ein Wirtschaftraum von Dublin bis Wladiwostok nicht schlecht. Im Sinn wirtschaftlicher Prosperität und Friedensentwicklung wäre eine Allianz nach Osten sinnvoll. Sie würde nämlich über kurz oder lang die Krisengebiete im nahen Osten miteinbeziehen, da sie als Mittelstaaten von zwei Seiten benötigt würden, um Handel zu organisieren. Friedenspolitik wäre damit erfüllt, denn wirtschaftliche Entwicklung, schafft staatliche Mittel, Bildung zu organisieren, und Bildung ist ein Pfeiler einer stabilen Zivilgesellschaft.

Hier kommt Merkels Schwäche ins Spiel: Sie hat keine Weitsicht:
Amerika wählt Trump, und sie hat sich zuvor voll in diese Allianz gekniet.
Statt europäischer Erweiterung vollzieht Großbritannien den Brexit.
Mit Ungarn, den Polen, den Griechen, ein bisschen mit Italien, Portugal und Österreich hat man es sich immer wieder verworfen und Frankreich wählt links.
Mit Russland ist man zerstritten.
In Syrien gibt es eine gewaltige Fluchtbewegung.
China braucht uns nicht.

Was Deutschland jetzt stark macht ist eine harte Handelspolitik gegen schwächere Wettbewerber, ein fortdauernder Rückbau des Sozialstaates und die wirtschaftliche Kooperation mit Ländern (Saudi-Arabien) die nicht wirklich für Menschenrechte stehen bzw. nicht für Friedens- und Umweltpolitik (USA).
Deutschland war immer stark, wenn es eine Politik des Ausgleichs gewählt hat. Man muss nicht gegen Amerika sein und nicht für Russland. Man kann auch (als wirtschaftsstarke Nation) mit Amerika über eine andere Weltpoltik, als eine militärische, diskutieren und mit Russland über Bürgerrechte. Man kann anderer Auffassung sein und trotzdem die Zusammenarbeit fördern.

Unter der Kanzlerin Merkel ist Europa schwächer geworden (durch die Dominanz Deutschlands), die NATO unglaubwürdiger (durch das Geeiere mit der Türkei) und eine vorsichtige Osterweiterung, um Jahre zurückgeworfen worden (durch den Ukraine-Konflikt).
Solange wir uns, an einem Handel und einer Wirtschaftspolitik beteiligen, die sich durch Waffenhandel auszeichnet, Banken rettet, aber Schulen nicht renoviert, Viktoriasee-Fisch billig verkauft, während die Menschen sich dort keinen Fisch mehr leisten können, in China, Erdbeeren für uns im Winter, anbauen lässt und dort Landwirtschaftsflächen belegt, solange sind wir Teil der Katastrophe.
Als Bürger tragen wir diese Politik mit und sind für sie verantwortlich, auch, wenn wir bei Politik-Talkshows immer auf der Seite der Guten sind …

08/17 PGF

Leises Summen

Es ist wichtig, dass man schreibt, was man fühlt und für wichtig hält, nicht was andere hören wollen.
Auch, wenn es schön ist, wenn beides zusammenkommt.
Wenn man schreibt, was man fühlt, entsteht Kontinuität: Man wird stabil in sich.
Wenn man schreibt, was andere hören wollen, geht man leicht verloren: wie löst man den Moment, wenn man anders fühlt, als es die anderen hören wollen?
Das Schöne beim Schreiben ist seine Lautlosigkeit: Es drängt sich nicht auf.
Man kann schreiben, was man fühlt, weil es keiner lesen muss.
Es ist, wie ein leises Summen, bei dem man warten kann, bis jemand sagt:
„Das klingt schön, sing doch mal etwas lauter.“
Und wer weiß?
Vielleicht summt man zeitlebens leise, und später wundern sich Menschen, warum niemand früher, die Melodie gehört hat.

PGF 08/17