#16 Hitler

Schon länger wundere ich mich, über die nicht abreißende Folge an Dokumentationen über Hitler, die es, besonders bei den Nachrichtensendern, in großer Fülle zu betrachten gibt.
Politisch korrekt mit dem Pathos versehen: Wir dürfen nicht vergessen!
Tatsächlich dürfen wir das nicht. Die Taten dürfen wir nicht vergessen, das Leid und millionenfache Elend.

Höre ich aber den Biografen und Kommentatoren zu, welche ihr Wissen zum Besten gegen, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie sachlich bewertet, begeistert sind „vom Führer“. Auch, wenn sie verurteilen, spürt man die stille Bewunderung für den Personenkult den er erreicht hat.

Womit wir zum nächsten Problem kommen: Dem einzig Schuldigen. Die Biografien vermitteln: wenn wir Hitler erklären können, biografisch, können wir das 3. Reich erklären.
Aber das ist schlichtweg falsch. Wir haben es mit vielen Schuldigen, mit vielen Tätern, Helfern und Unterstützern zu tun, denn ohne die, wäre der eine Verrückte nicht möglich gewesen.
Aber es liefert uns bis heute ein Alibi, dass wir ja nichts dafür können, sind ja die Mächtigen, was soll man schon machen …

Den Opfern würden wir gerecht, wenn der Hauptverantwortliche in Vergessenheit geraten würde, aber nicht die Taten. Wenn allen ständig bewusst wäre, dass es auch eine passive Mitverantwortung gibt, an Verfolgung damals und heute, an den Kriegen damals und heute, an der Zerstörung der Welt damals und heute.

Aber darum geht es nicht, es geht um das gute Gewissen, dass man damals nicht dabei war und, um die heimliche Bewunderung, hinter der Maske moralischer Empörung.

02/19 PGF

Folgerichtig

Als ich, dank eurer Unterstützung vor einigen Tagen, entschieden habe, das nächste Manuskript, als Ganzes, über Amazon zu veröffentlichen, war mir bewusst, dass sich dies, auch auf meine Blogs auswirken wird. Dass ich folgerichtig, um mich vollständig auf das Manuskript zu konzentrieren, das Bloggen weitgehend einstellen muss.
Der Umfang fordert dies. Ich bin bei 3/4 vom 1. Teil (von 5) und bereits bei über 300 Normseiten.

Ich wollte, mit der endgültigen Entscheidung, bis zum Jahresende warten, aber ich merke, dass sowohl die Zeit, als auch die Kraft fehlt, um den Blog mit altem Elan zu betreiben. Halblebig weitermachen ist keine Option. Dafür schätze ich den Austausch zu sehr!

Somit verschwinden alle Blogs, die ich betrieben habe, nur literaturfrey bleibt zugänglich. Allerdings nur als Info-Board für das nächste Buch, für seltene Werbe-Beiträge (da fehlt noch ein bisschen was) und vielleicht für gelegentliche Umfragen, zur Richtungsfindung beim Skript.
Für Fragen oder Austausch stehe ich natürlich weiter offen, aber meine Besuche und meine Beiträge klingen aus.

Ich bin allen, von Herzen dankbar die hier geliked, kommentiert und mich auf vielerlei Art unterstützt haben. Deshalb dieser Hinweis!
Zur Zeit der DSGVO-Einführung, gab es schon einmal eine Phase, in der ich gehadert habe, ob ich den Blog beibehalte. Aber eine Verordnung wäre kein Grund gewesen, das Bloggen einzustellen. Das konzentrierte Arbeiten an einem Manuskript, ist ein guter Grund; und fordert mehr, als eine überschaubare Pause.

Ich danke euch für eine tolle Zeit!
PGF 11/18

Die Stufen zum Pult

Letzte Woche habe ich einen Vortrag, vor einem Publikum von etwa knapp 200 Personen gehalten.
Das mag für den ein oder anderen nichts Besonderes sein und es gibt ja Menschen, die so etwas gerne machen.
Ich nicht. Deshalb war es das erste Mal.
Warum ich es dann gemacht habe?
Ob es schlimm war?
Gemacht habe ich es aus freien Stücken. Ich wurde gefragt und das Thema war mir wichtig.
Schlimm war es nicht, weil ich, als ich nach vorne zum Rednerpult lief, auch die Angst hinter mir ließ, die mich die Stunden davor und die Tage davor beschäftigt hatte.

Zwei Dinge hielt ich mir vor Augen:
Es ist dein Thema, präsentiere es, mit deinen Worten!
Wie willst du denn eine Lesung halten, wenn du nicht mal einen Vortrag schaffst?
So nahm ich mich in die Pflicht und es ist wichtig festzuhalten, dass zwischen dem Weichwerden meiner Knie und dem sicheren Schritt Richtung Bühne, in diesen paar Sekunden nur eine feine Grenze verlief.

Ich nehme es vorweg: Ob der Vortrag gelang, kann ich nicht sagen, weil ich, während ich ihn hielt, jede Selbstwahrnehmung verlor. Die Funktion des Mikros, die passende Folie der Präsentation, samt dem passenden Begleitsatz und mein stimmiger Wechsel zwischen Publikum und Leinwand waren mein Fokus.
Aber niemand verließ den Raum und der Applaus war am Ende stimmig.

Warum ich das erzähle:
Ich habe, die letzten Jahre, immer wieder Dinge getan, die mir schwerfielen. Genau genommen Dinge, die ich mir gar nicht zutraute. Ich habe mich immer wieder aus der Komfortzone gescheucht.
Dabei sind Kategorien, wie Erfolg oder Freiheit nicht relevant, denn es gab durchaus Scheitern und Rückschritte.
Aber, was es mir gebracht hat, war Verständnis, Verlust von Ängsten und Wagemut an Grenzen.
Man lernt vieles verstehen, man lernt, sich in vielen Menschen entdecken.

Ich ging also diese Stufen zum Rednerpult, nicht in diesem Moment, sondern ich gehe sie seit vielen Jahren.
Manchmal stolpere ich und bereue den Versuch.
Manchmal gelingen aber auch die Schritte und ich finde die Worte und gewinne eine Fähigkeit.
Solange man geht, ist kein Schritt umsonst.

10/18 PGF

Reduktion

Ich bin noch nicht ganz sicher, wie das wird … jedenfalls scheint es mir etwas stiller auf WordPress, bei mir, aber auch insgesamt.
Die Zeit wird knapper, die Kraft wankt und die Ideen kommen oder nicht, willkürlich.
Das Leben wirft seine Netze aus, das Skript steht an, immer mehr Pflichten wollen erfüllt sein –
und das macht die Zeit noch knapper und die Kraft noch wankender.
Aber … wie immer es auch wird, wenn ich da bin, macht es Spaß!

09/18 PGF

Wenn man es nicht aus Liebe tut

Wenn man sich, als Demokrat empfindet und in die Politik geht, sollte man dies aus Liebe zum Menschen tun, weil man um sein Wohlergehen bemüht ist.

Dann wird man entschlossen sein, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, für Entschädigung, wenn ein Händler seine Vorgaben nicht einhält, für Umweltschutz und keinen Wald alter Industrie opfern, man wird für Arbeitsplätze im sozialen Bereich sorgen, damit die Alten und die Kinder gut versorgt sind, man wird sich für eine Rente einsetzen von der man leben kann.

Man wird es nicht erst tun, wenn sich die Bevölkerung radikalisiert und der Machtverlust droht. Man wird sich, zu jedem Zeitpunkt dafür eingesetzt haben, weil sich für Wirtschaftlichkeit, die Wirtschaft unaufgefordert einsetzt und in der Politik ihr Regulativ finden muss.

So wird man es tun, wenn man, mit etwas Demut und viel Verantwortungsgefühl, Macht übernimmt.

Tut man es erst, wenn man es muss, dann war das Thema vermutlich nie Liebe zum Menschen, sondern Gier nach Macht.

09/18 PGF

Von Eisbären und Pfeilgiftfröschen

Kreativität und Erfolg stehen in keinem Verhältnis zueinander.
So wenig, wie Pfeilgiftfrösche aus dem Amazons und Eisbären.
Man kann einen Zoo bauen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die zwei Arten zusammen kommen.
Man kann seine Fähigkeiten verbessern, seine Zielgruppe herausfiltern, einen Trend erkennen und dadurch seine Erfolgsquote (wahrscheinlich) erhöhen.
Aber damit endet dann alle Verbindung.

Rilke wird vermutlich keinen wirklichen Erfolg mehr haben, er ist ein Auslaufmodell.
Macht das sein Werk schlechter?
Erfolg ist beliebig und er ist eine Mode, das muss niemand stören.
Das stört nur, wenn man seine materiellen Grundlagen von seiner Kreativität abhängig macht. Dann ist aber, nicht das Publikum und sein Geschmack schuld, wenn das schief geht.

Kreative Menschen neigen dazu, sich die Welt zurecht zu biegen. Sie wollen als Idealisten leben, sind aber enttäuscht, wenn das keinen materiellen Erfolg bringt.
Es gibt nicht wenige Verrückte, die sich für Künstler halten, weil es Künstler gab, die verrückt waren.
Das ist natürlich Unsinn!
Vernunft und Gewissenhaftigkeit schließen Kreativität nicht aus.
Kreativität ist die Lust am schöpferisch Sein, nicht mehr.

09/18 PGF