Garten Eden

Ich glaube, eine der wichtigsten Qualitäten, welche die letzten Generationen verlieren, ist der Bezug und die Kenntnis der Natur.
Was vielen Menschen immer mehr fehlt, ist ein persönlicher Garten Eden, indem sie der Natur begegnen und das Wunder des Werdens erfahren können.
Keine Bohne, keine Tomate, keine Gurke schmeckt so gut, wie die, die man selbst hat wachsen und gedeihen sehen. Die Erfahrung dieses Werdens, verbunden mit der Erkenntnis des Essbaren, lässt uns eine persönliche Beziehung zur Natur aufnehmen: sie beschenkt uns, wenn wir sie verstehen.
Es ist nicht selbstverständlich zwischen Blattgrün eine essbare Pflanze zu erkennen und von der essbaren Pflanze die essbaren Teile. Je tiefer man steigt, je mehr man versteht, um so beglückender ist die Erfahrung.
Ein Stück davon ist wichtig, mag das Paradies klein und die Ernte bescheiden sein: Suchen – Finden – Genießen, sind die drei Teile des Glücks …

PGF 06/18

Resultate liefern

Heute muss die Nationalmannschaft ein ordentliches Resultat liefern, sonst sind sie weg. Wäre auch nicht wirklich schlimm, wenn sie schlecht spielen. Wenn man schlecht spielt und durch das Resultat bestraft wird, ist es gut, wenn die anderen weiterkommen. Das ist im Sport, wenn er nicht manipuliert wird, ganz ordentlich geregelt und so kann Kroatien oder Island einem trägen Argentinien wehtun.

In der Politik ist das nicht so. In der Politik zählt der Schein. Habt ihr gestern die Bilder von der lachenden Kanzlerin mit den Flüchtlingskindern in einer Schule gesehen. So macht man das. Das ist, wie, wenn Messi ein schöne Nahaufnahme zulässt und Kroatien wird jedesmal ein Tor dafür aberkannt. Unsere Mami …

ist sie nicht. Man kann das leicht illustrieren:

Deutschland am Ende der Ära Schröder
– Wirtschaftlicher Aufschwung im Rahmen der Agenda 2010
– Stabiles Europa
– Friedliche Osterweiterung
– Gesunde Distanz zu amerikanischer Kriegspolitik, aber Erhalt der Bilateralen Beziehung
– Aufbau der Wirtschaftsbeziehungen zu China
– Atom-Ausstieg
– CDU: Kinder statt Inder (das ist dann mal konkret rassistisch)

Deutschland am Ende, aber noch nicht am Ende der Ära Merkel
– Die soziale Schere am Anschlag, ein kurzer Blick in unser Gesundheitssystem, Bildungssystem und den Armutsbericht bezüglich Kinder genügt.
– Zerstrittenes Europa (Und da helfen die passenden Hochglanz-Bilder der Griechenland-Rettung nichts, wenn man das aktuelle Leben in Griechenland kennt).
– Zerrüttetes Verhältnis nach Osten, sowohl zu den östlichen EU-Staaten, aber auch nach Russland
– Zerrüttetes Verhältnis zu Amerika, bei gleichzeitiger Abhängigkeit
– Entwicklung von Wirtschaftsbeziehungen zu arabischen Despotenländern
– Nach Fukushima wiederrufener Atom-Einstieg
– Erhebliche, innerpoltische Demokratie-Verwerfungen, durch eine planlose Flüchtlingspolitik

Es gibt Krankheiten die spürt der Betroffene nicht. Es gibt Anzeichen von Verfall, wenn alles noch sehr stabil erscheint. Aber der Diagnostiker kann absehen, was kommen wird, wenn er, was gerade ist, nicht mit dem gleichsetzt was kommen wird.

Ich würde der Kanzlerin ihre Kanzlerschaft gönnen, wenn die Resultate stimmen würden. Ich bin auch sehr dafür, dass man Flüchtlingen hilft, zum Beispiel in dem man in ihren Heimatländern keine Bürgerkriege anzettelt, keine Waffen dorthin verkauft und sich um gemeinsame Menschenrechte bemüht. Wäre ja auch nicht schlimm, wenn Menschen kämen, weil sie gerne kommen und nicht, weil sie flüchten müssen, damit ihre Kinder am Leben bleiben.
Ich habe Schröder, wegen der Agenda 2010 nicht verstanden, aber die Zeit hat ihm Recht gegeben. Bei der Kanzlerin zeigen die Resultate, wie oft sie schon falsch lag.
Wenn sie ausscheidet, werden wir noch lange am Spielfeldrand sitzen und beklagen was alles schief gegangen ist.

06/18 PGF

Anmerkung

Hinweis zu Anfang: Ich traue Trump nicht.

Der G7-Gipfel endet in einem Debakel und Putin hat Spaß dabei.
Aber sollten sich die verbliebenen Bewahrer der Werte, nicht langsam Gedanken machen, ob das was sie reden noch in Zusammenhang steht, mit dem was sie bewirken?
Beim letzten G-20-Gipfel waren die Randalierer draußen, beim G-7 in Kanada saß der Randalierer mitten drin. Mit ihm endet die feine, angenehme Konsens-Veranstaltung und das ist gut so.
Zwischen Menschen sollte möglichst viel Konsens und viel Harmonie bestehen, aber Entscheider, entscheiden besser, wenn sie viel und hart diskutieren müssen. Tun sie das nicht entstehen „faule Kompromisse“.

Ich bin durchaus für freien Handel, wenn er für eine weltweite Verbesserung der Arbeitsplätze sorgt. Was ich aber beobachte, ist eine Zunahme an Billig-Jobs bei uns, bei gleichbleibend schlechten Arbeitsbedingungen in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Ich bin auch für Globalisierung, wenn sie Frieden und Wohlstand bringt. Zu beobachten ist ein zunehmender Waffenhandel, zunehmend schwellende, militärische Konflikte (und schon vor Trump) und ein zunehmender Schwund des sozialen Friedens in sehr vielen Ländern.

Die bisherige Form der Globalisierung und des freien Handels begünstigt eine Minderheit zu Lasten der Mehrheit der Menschen.
Deshalb finde ich dieses Störfeuer gut.
Man kann, wie Merkel es getan hat, den Gipfel nach Krün verlegen, dann können die draußen demonstrieren, wie sie wollen. Oder nach Hamburg (G20) und sich wundern, dass die demonstrieren. Oder man kann Wähler solange ignorieren, bis sie Demagogen wählen, die dann die Konsensveranstaltung direkt stören. Das ist aber alles nicht gut!

Trump tanzt den Tanz des Shiva und wir wissen nicht, ob er nur Zerstörung oder auch Erneuerung bringt.
Hoffen wir auf Letzteres!

06/18 PGF

When I feel

When I feel your eyes on me I fall to my knees
And I wait for your look to judge and define me
I’m just a soft shell melting between your hands
Starving for substance, identity
I am not afraid of this act of mutual creation
I gain from you as you gain from me
I’d never try to place my sins on your shoulders
I know that is just the way it works

Textquelle: https://tinadicofan.de/lyrics/my-mirror/

Ich habe nichts getan

Im Tao-Te-King gibt es die wunderschöne Stelle „Und, wenn nichts getan wird, gibt es nichts, das ungetan bliebe.“
Der Satz beschäftigt mich seit beinah drei Jahrzehnten und er hat nichts von seiner skeptischen Kraft, an der Art, wie wir leben, verloren.
Die Welt hat sich gut entwickelt, ehe wir sie zivilisatorisch, technisch und kulturell erobert haben. Die Welt kam, solange wir nichts taten, außer zu existieren, ohne uns, gut voran und jeder evolutionäre Schritt schuf eine Verbesserung. Bis zu dem kritischen Punkt, da wir auf die Bühne treten und ein seltsames Fragezeichen darstellen. Wir sind in der Lage die Welt, um uns (in Teilen zu) begreifen, wir sind in der Lage, in Kategorien der Zeit zu denken und mit unseren Händen können wir die Welt manipulieren.
Der Zwischenstand spricht nicht für uns. Aber wer weiß, es kann ja noch besser werden.

Die beiden letzten Woche habe ich mich tendenziell, eher am Nicht-Tun orientiert. Ich habe nichts getan was man im Urlaub „so tut“. Also wegfahren oder etwas unternehmen, „was machen halt“.
Ich habe geschlafen, mich wenig bewegt, gut und gesund gegessen, für meine Erholung und Entspannung gesorgt und mich bemüht, ein einfaches Leben zu führen.
Das ist ab morgen vorbei und ich bin wieder in diesen Mahlstrom geworfen, der mich, solange ich dabei bin, mitschuldig macht, an allem was wir anrichten. Gesetzt ich mache mir im Wald keine Höhle winterfest und wähle den Schritt zurück zur Natur.
Aber „dahin führt kein Weg zurück“, wie Hesse überzeugend feststellte.
Also tue ich wieder etwas, und übernehme den Platz, den ich mir gesucht und der mir gegeben wurde. Ich finde dort genügend Sinn, der mich darüber tröstet, dass sich, allein vom Schreiben, nicht leben lässt.

Die Probeleser sind durch, heißt: zeitgleich beginnt auch wieder die Arbeit an der Veröffentlichung. Die Korrekturen fielen erfreulich gering aus, sodass ich pünktlich beim Korrektorat einreichen kann.
Mit den Aurumern habe ich eine eigene Erklärung zu schaffen versucht, weshalb wir uns irgendwann aus der Höhle und dem Wald gelöst und auf den Weg gemacht haben, die Sterne zu erobern, um dabei, nebenher die Erde zu zerstören.
Stand jetzt.
Da ich Realist bin, sehe ich die Sache nicht zu skeptisch. Wir haben einiges zu tun, wenn in der Geschichte des Lebens, der Mensch am Ende, als etwas wundervolles erscheinen soll. Denn ein Ende wird seine Geschichte haben. Aber wir können es schaffen und müssen es schaffen, wenn die nächsten Jahrzehnte nicht düster für uns werden sollen.

Man sollte stets wechseln, zwischen der Vita contemplativa und der Vita activa. hat Hesse empfohlen.
Ich glaube, er hatte, wie bei so vielem recht.

06/18 PGF

Digitale Tümpel

Der Nachteil sozialer Medien ist, dass es immer mehr gibt, was man nicht denken darf. Was nicht gedacht werden soll … Wer es denkt und sagt riskiert einen gewaltigen Shitstorm und, wie bei Fäkalien üblich, ist es unerheblich, woraus sie sich zusammensetzen: der Gestank bleibt.

Aber, in einer freien Welt, muss möglich sein, alles zu denken und auch zu äußern! Man muss ja nicht alles tun, was man sagt. Man muss ja nicht verharren, vielleicht finden sich in der Diskussion bessere Argumente, die einen überzeugen umzudenken …

Denkverbote verhängen Diktaturen. In wie vielen Köpfen noch kleine Diktatoren herrschen, findet man schnell heraus, wenn man eine nachdenkliche Wanderung durch die flachen Tümpel des Denkens, in den sozialen Medien unternimmt:
viele Kröten die laut Quaken,
vieles was beißt und gerne sticht,
aber wenig das lange und geduldig lauscht
und auf der Suche nach Wahrheit,
auch den Schlamm betrachtet.

Wenn man in der Mitte sitzt, findet man diese Tümpel rechts und links und es geht dort schon lange nicht mehr um Wahrheit und gar nicht um Verständigung.

Aber eine freie Zivilgesellschaft sollte in der Diskussion den Anstand nicht verlieren. Sie gewinnt nicht, wenn sie diffamiert, wenn sie die Blöße der eigenen Argumente dadurch zeigt, dass sie absichtlich missversteht, um nicht argumentieren zu müssen.

Bei der Wahrheit zählt nicht Lautstärke und nicht Masse, nicht einmal der Sieg zählt.
Wahrheit ist dort wo Entwicklung ist und die Sehnsucht nach Vollendung.

06/18 PGF