Folgerichtig

Als ich, dank eurer Unterstützung vor einigen Tagen, entschieden habe, das nächste Manuskript, als Ganzes, über Amazon zu veröffentlichen, war mir bewusst, dass sich dies, auch auf meine Blogs auswirken wird. Dass ich folgerichtig, um mich vollständig auf das Manuskript zu konzentrieren, das Bloggen weitgehend einstellen muss.
Der Umfang fordert dies. Ich bin bei 3/4 vom 1. Teil (von 5) und bereits bei über 300 Normseiten.

Ich wollte, mit der endgültigen Entscheidung, bis zum Jahresende warten, aber ich merke, dass sowohl die Zeit, als auch die Kraft fehlt, um den Blog mit altem Elan zu betreiben. Halblebig weitermachen ist keine Option. Dafür schätze ich den Austausch zu sehr!

Somit verschwinden alle Blogs, die ich betrieben habe, nur literaturfrey bleibt zugänglich. Allerdings nur als Info-Board für das nächste Buch, für seltene Werbe-Beiträge (da fehlt noch ein bisschen was) und vielleicht für gelegentliche Umfragen, zur Richtungsfindung beim Skript.
Für Fragen oder Austausch stehe ich natürlich weiter offen, aber meine Besuche und meine Beiträge klingen aus.

Ich bin allen, von Herzen dankbar die hier geliked, kommentiert und mich auf vielerlei Art unterstützt haben. Deshalb dieser Hinweis!
Zur Zeit der DSGVO-Einführung, gab es schon einmal eine Phase, in der ich gehadert habe, ob ich den Blog beibehalte. Aber eine Verordnung wäre kein Grund gewesen, das Bloggen einzustellen. Das konzentrierte Arbeiten an einem Manuskript, ist ein guter Grund; und fordert mehr, als eine überschaubare Pause.

Ich danke euch für eine tolle Zeit!
PGF 11/18

Die Stufen zum Pult

Letzte Woche habe ich einen Vortrag, vor einem Publikum von etwa knapp 200 Personen gehalten.
Das mag für den ein oder anderen nichts Besonderes sein und es gibt ja Menschen, die so etwas gerne machen.
Ich nicht. Deshalb war es das erste Mal.
Warum ich es dann gemacht habe?
Ob es schlimm war?
Gemacht habe ich es aus freien Stücken. Ich wurde gefragt und das Thema war mir wichtig.
Schlimm war es nicht, weil ich, als ich nach vorne zum Rednerpult lief, auch die Angst hinter mir ließ, die mich die Stunden davor und die Tage davor beschäftigt hatte.

Zwei Dinge hielt ich mir vor Augen:
Es ist dein Thema, präsentiere es, mit deinen Worten!
Wie willst du denn eine Lesung halten, wenn du nicht mal einen Vortrag schaffst?
So nahm ich mich in die Pflicht und es ist wichtig festzuhalten, dass zwischen dem Weichwerden meiner Knie und dem sicheren Schritt Richtung Bühne, in diesen paar Sekunden nur eine feine Grenze verlief.

Ich nehme es vorweg: Ob der Vortrag gelang, kann ich nicht sagen, weil ich, während ich ihn hielt, jede Selbstwahrnehmung verlor. Die Funktion des Mikros, die passende Folie der Präsentation, samt dem passenden Begleitsatz und mein stimmiger Wechsel zwischen Publikum und Leinwand waren mein Fokus.
Aber niemand verließ den Raum und der Applaus war am Ende stimmig.

Warum ich das erzähle:
Ich habe, die letzten Jahre, immer wieder Dinge getan, die mir schwerfielen. Genau genommen Dinge, die ich mir gar nicht zutraute. Ich habe mich immer wieder aus der Komfortzone gescheucht.
Dabei sind Kategorien, wie Erfolg oder Freiheit nicht relevant, denn es gab durchaus Scheitern und Rückschritte.
Aber, was es mir gebracht hat, war Verständnis, Verlust von Ängsten und Wagemut an Grenzen.
Man lernt vieles verstehen, man lernt, sich in vielen Menschen entdecken.

Ich ging also diese Stufen zum Rednerpult, nicht in diesem Moment, sondern ich gehe sie seit vielen Jahren.
Manchmal stolpere ich und bereue den Versuch.
Manchmal gelingen aber auch die Schritte und ich finde die Worte und gewinne eine Fähigkeit.
Solange man geht, ist kein Schritt umsonst.

10/18 PGF

Reduktion

Ich bin noch nicht ganz sicher, wie das wird … jedenfalls scheint es mir etwas stiller auf WordPress, bei mir, aber auch insgesamt.
Die Zeit wird knapper, die Kraft wankt und die Ideen kommen oder nicht, willkürlich.
Das Leben wirft seine Netze aus, das Skript steht an, immer mehr Pflichten wollen erfüllt sein –
und das macht die Zeit noch knapper und die Kraft noch wankender.
Aber … wie immer es auch wird, wenn ich da bin, macht es Spaß!

09/18 PGF

Wenn man es nicht aus Liebe tut

Wenn man sich, als Demokrat empfindet und in die Politik geht, sollte man dies aus Liebe zum Menschen tun, weil man um sein Wohlergehen bemüht ist.

Dann wird man entschlossen sein, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, für Entschädigung, wenn ein Händler seine Vorgaben nicht einhält, für Umweltschutz und keinen Wald alter Industrie opfern, man wird für Arbeitsplätze im sozialen Bereich sorgen, damit die Alten und die Kinder gut versorgt sind, man wird sich für eine Rente einsetzen von der man leben kann.

Man wird es nicht erst tun, wenn sich die Bevölkerung radikalisiert und der Machtverlust droht. Man wird sich, zu jedem Zeitpunkt dafür eingesetzt haben, weil sich für Wirtschaftlichkeit, die Wirtschaft unaufgefordert einsetzt und in der Politik ihr Regulativ finden muss.

So wird man es tun, wenn man, mit etwas Demut und viel Verantwortungsgefühl, Macht übernimmt.

Tut man es erst, wenn man es muss, dann war das Thema vermutlich nie Liebe zum Menschen, sondern Gier nach Macht.

09/18 PGF

Von Eisbären und Pfeilgiftfröschen

Kreativität und Erfolg stehen in keinem Verhältnis zueinander.
So wenig, wie Pfeilgiftfrösche aus dem Amazons und Eisbären.
Man kann einen Zoo bauen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die zwei Arten zusammen kommen.
Man kann seine Fähigkeiten verbessern, seine Zielgruppe herausfiltern, einen Trend erkennen und dadurch seine Erfolgsquote (wahrscheinlich) erhöhen.
Aber damit endet dann alle Verbindung.

Rilke wird vermutlich keinen wirklichen Erfolg mehr haben, er ist ein Auslaufmodell.
Macht das sein Werk schlechter?
Erfolg ist beliebig und er ist eine Mode, das muss niemand stören.
Das stört nur, wenn man seine materiellen Grundlagen von seiner Kreativität abhängig macht. Dann ist aber, nicht das Publikum und sein Geschmack schuld, wenn das schief geht.

Kreative Menschen neigen dazu, sich die Welt zurecht zu biegen. Sie wollen als Idealisten leben, sind aber enttäuscht, wenn das keinen materiellen Erfolg bringt.
Es gibt nicht wenige Verrückte, die sich für Künstler halten, weil es Künstler gab, die verrückt waren.
Das ist natürlich Unsinn!
Vernunft und Gewissenhaftigkeit schließen Kreativität nicht aus.
Kreativität ist die Lust am schöpferisch Sein, nicht mehr.

09/18 PGF

Farbe bekennen

Die Zeit scheint es zu fordern, dass man Farbe bekennt, in dieser aufgewühlten und durchaus aufgehetzten Zeit.
Und so will ich das, mit Blick auf Chemnitz tun, wenn auch besorgt, weil mir die Dinge nie so ganz einfach liegen und ich dadurch zu meist zwischen die Stühle gerate, auf denen die sitzen, die immer ganz sicher wissen, was richtig und was falsch ist.
Ich finde es sinnvoll, weniger in richtig und falsch, gut und böse zu unterscheiden, sondern nach Verantwortung zu werten.

Verantwortung für die zivile Ordnung, für die Wahrung des Grundgesetzes trägt die Regierung und die wird von eine(m)r Kanzler(in) geführt und die äußert sich, wie sie es immer tut, gar nicht.
Angela Merkel war auf Stippvisite in Afrika. Sie hat den dunklen Kontinent für sich entdeckt. Das ist gut so, aber viel zu spät, weil die Gründe der Fluchtursachen lange bekannt sind. Wer das nicht glaubt, auch, wie lange schon die Mahnung an die jeweilige Regierung ging, möge sich das leicht angestaubte „Nun lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“ von Hoimer v. Ditfurth zu Gute führen. Alles was aktuell geschieht, bezogen auf Konflikte und Umweltprobleme, ist dort, schon vor mehr als 3 Jahrzehnten, nüchtern und klar skizziert.

Aber es geht ja um Chemnitz.

Dass die Bundeskanzlerin in Afrika unterwegs ist, ist auch nicht verwunderlich, denn mit (Nord-)Amerika ist die Stimmung nicht besonders und Südamerika lässt man besser in Ruhe, wenn die Stimmung mit dem Norden nicht stimmt. Mit Russland hat man es sich verdorben, ebenso, wie mit den meisten ehemaligen Ostblock-Ländern. Für China und Indien ist man zunehmend uninteressant.
Also geht es nach Afrika. Das ist praktisch, denn von dort kommt ja auch ein Teil der Flüchtlinge und Frau Merkel hat sich, schweigsam, wie immer doch entschieden, das Problem an der Wurzel zu packen. Glaubt sie.

Dass die Kanzlerin sich nicht äußert, ist taktisch klug, die großen Medien kommentieren in ihrem Sinn, aus ihrer Perspektive und gewohnt unsouverän und unbeholfen.
Chemnitz – was ist nur in Chemnitz los? Der Mob? Der Wutbürger? Der Alt-Nazi?

Man könnte viele Fragen stellen. Zum Beispiel:
Weshalb gibt es Unruhen in einer Region, die vor bald 30 Jahren, auf der Flucht vor dem eigenen Regime, in Scharen an der Grenze zu West-Deutschland stand und um Unterstützung bat?
Warum war damals: Wir sind das Volk! gut und heute ist der gleiche Satz böse?
Warum wird, wenn jemand ermordet wird, nicht ein normaler Mechanismus aktiviert: „Wir bedauern den Verlust – wir verhaften die Straftäter – sie werden, unseren Gesetzen entsprechend verurteilt.“?

Vielleicht, weil man dazu eine Richtung vorgeben muss. So was kann zum Machtverlust führen, das ist das Risiko von Macht: sie verlieren können. Aber es stiftet in einem Land Identität und Orientierung. „Dafür stehen wir!“ So lautet der Pathos.
Die jetzt durch die Straßen ziehen und Menschen anderer Herkunft bedrohen, die primitive Parolen grölen, an denen ist Kants Kritik der reinen Urteilskraft ganz knapp vorbei geschrammt. Diese Menschen benötigen eine Regierung, die ihnen sagt wo sie hin müssen. Nicht in Form einer medialen Aufbereitung, sondern mit einem Gesicht, welches das verkörpert. Und einem Menschen der Verantwortung übernimmt.
Wer andere Persönlichkeiten will – und ich will – muss allen Wohlstand den wir haben – in unsere Bildung und in Familien investieren, denn gebildete Menschen – und ich rede hier von mit Herz gebildete Menschen, die in ihren Qualitäten gefördert werden, die marschieren nicht Fahnen schwenkend durch die Straßen. Die entwickeln Verantwortung und Lust an Aufgaben, mit denen sie unser Leben fortentwickeln können.

Wer verkündet: „Wir schaffen das!“ Muss heute hinzufügen: „Und das lasse ich von niemand verhindern, denn wir sind als Land, in der historischen Schuld, Verfolgten zu helfen und, wenn wir dabei auch Straftäter retten. Dann retten wir sie und, wenn sie Straftaten begehen, werden sie nach Recht und Gesetz verurteilt. Unser Land steht für Friedenspolitik und eine gerechte Weltwirtschaftspoltik und damit werden wir die Ursachen der Flucht beseitigen.“

So etwa würde der Pathos der Macht klingen. Und dann würden sich dem Menschen verschließen oder sie würden ihm folgen.
Dafür bräuchten wir eine Regierung mit einer Vision und mit der Kraft das Land zu führen und es nicht zu verwalten, wie ein Börsenunternehmen, welches gut dotiert nach straffer Effizienz und guten Quartalszahlen strebt, ganz egal, wie es den Hilfsarbeitern an der Basis geht.

„A working class hero is something to be“ …

Jetzt wird der Staat nichts anderes tun können, als die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten und dem Demonstrationsrecht so viel Freiheit zu zugestehen, wie nun eben notwendig ist.
Aber daneben wird sich eine andere politische Kultur entwickeln müssen, die nicht auf Machterhalt fixiert ist, sondern auf einem Verantwortungsgefühl beruht, welches den Rücktritt, als Konsequenz politischen Versagens nicht ausschließt.
Wir werden eine andere Sozialpolitik und Gesellschaftspolitik entwickeln müssen, in der die Mündigkeit des Einzelnen nicht vorausgesetzt wird, sondern zum Ziel erklärt. Denn im Moment protestieren die Unmündigen gegen eine Welt die sie nicht mehr verstehen, die ihnen Angst macht, die ihr knappes Bewusstsein, welches nur in Parolen denkt, überfordert.
Schön ist es nicht, dass wir das so hinnehmen müssen.
Wir ernten hier die Früchte von drei Jahrzehnten Neo-Liberalismus.
Wenn man so will benötigen wir einen gewaltigen, beinah utopischen Neo-Humanismus.
Dann haben Demagogen keine Argumente mehr.

09/18 PGF