#74 Fear the norwegian nordic-walking dead dwarf-pigs from outer space

Auch, wenn Fraggle und ich noch keine abschließende Gelegenheit hatten, die Urheberrechtsfragen zum aktuellen Titel zu diskutieren und mir die Länge doch bedenklich scheint, (füllt sie doch in Größe 48 die gesamte Buchvorderseite), der Titel kristallisiert sich – ich erwäge gerade „Ftnnwddpfos“ aber bis zur Deadline ist ja auch noch Zeit.

Jedenfalls … aus meinen bisher vorgestellten Recherche-Stückchen ergibt sich eine eskalierende Storyline, die ich noch einmal zusammenfassen möchte.
Bei seinem Einsatz in Incilik, in der Türkei stösst ein Bundeswehrsoldat auf ein rätselhaftes Geheimnis bezüglich des osmanischen Reiches. Um mehr zu erfahren reist er nach Estland, wo ein Astrophysiker lebt, der mehr dazu weiß. Während sie sich unterhalten, kommt es zu einem versehentlichen Schuss, aus der Dienstpistole des Soldaten. Eine Veränderung im geomagnetischen Feld von Estland (das viel größer gedacht war) ist daran schuld.
Getrieben von den neuesten Erkenntnissen und, weil die nächste Fähre zwei Stunden später fährt, entscheidet sich der Soldat (gespielt von Schweighöfer, damit wir den Deal mit Sky hinbekommen) mit einem Kayak nach Dänemark. Dort erfährt er, dass seine Infos Fake-News waren. In Wahrheit – dies entdeckt er bei einem Drogenrausch in Christiania – wurde der norwegische Kronprinz von Skaugen entführt (einer Schweine ähnlichen Alienart, die entfernt an Miss Piggy aus der Muppetshow erinnert) die mit den Hessdalen-Lichtern, von dem rätselhaften Geheimnis, um das osmanische Reich ablenken wollen.
Damit haben wir den ersten von, sagen wir 4 bis 8 Handlungssträngen. Der kann nun ruhen, wie ein guter Hefeteig, während wir aus den nächsten Recherchehinweisen, vielleicht den nächsten Handlungsstrang entwickeln können. 🙂

Für alle, die das zu albern finden, der metakognitive Reflektionsprozess zur Entwicklung der Textkonstruktion in Beziehung zu Recherche und intiutiv implementierten Textteilen:

Schreiben ist Spielen, ist manchmal, wie das Zusammenbauen von Klötzchen oder Lego. Egal, wie begrenzt die Teile und ihre Größe sind, können vollkommen unterschiedliche Gebäude entstehen. Konkret und abstrakt.
Die Recherche zu einem Thema kann bei unterschiedlichen Autoren zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen und selbst beim gleichen Autor, zu unterschiedlichen Zeitpunkten, zu vollständig unterschiedlichen Entscheidungen.
Die Idee, dass der Stoff begrenzt ist und sich alles wiederholt, ist nur solange überzeugend, solange man nicht spielen will und immer nachbaut was andere schon mal gebaut haben.
Wenn man sich frei fühlt, mit den Elementen zu spielen, kann etwas vollkommen Neues entstehen.
Das mag sehr ernsthaft sein oder „Fear the norwegian nordic-walking dead dwarf-pigs from outer space“ heißen.
Der Spaß am Schreiben, am Spielen ist entscheidend, auch, wenn man keinen Bachmann-Preis erhält.
Es ist der gleiche Vorgang, mit dem man, aus den verwirrenden Erfahrungen die ein Leben bereit hält, einen Sinn des Lebens zu schaffen versucht.

06/19 PGF

#72 Flugzeuge in meinem Bauch

Auch, wenn ich dem unbestätigten Eindruck unterliege, dass euch diese Beitragsreihe nicht so fesselt, wie gedacht, bereitet mir das „Lass doch mal von der Recherche hören“, großes Vergnügen. Es ist ein bisschen, wie ein Maskenball.
Dabei habe ich beim letzten Mal, tatsächlich die angedachte Struktur vergessen und kunterbunt drauf losgeschrieben. Ich stelle mich freiwillig zwei Stunden an den Pranger der Formfehler, nach diesem Beitrag.

Wir waren stehen geblieben, bei meinen wilden Fantasien zur Oscarverleihung und der Szene in der Schweighöfer, im Kayak sich durch die Ostsee pflügt.

Aktuell recherchiere ich (und das ist so neu, dass die Tinte noch feucht ist) über die Flugmöglichkeiten von Skaugum in Norwegen nach Trondheim (in Norwegen). Ein Stündchen bei Non-Stop, es gibt aber günstigere Flüge, wenn man sich für Multistopp entscheidet. Da ich allerdings nicht an einem Reiseführer schreibe, verrate ich zwar nicht, was sich hinter dem geheimnisvollen Skaugum verbirgt, aber ich verrate, dass in der Nähe von Trondheim, ein besonderes Phänomen zu beobachten ist.
Bereits seit 1981 sind dort seltsame Lichterscheinungen, wiederkehrend zu beobachten, Unter anderem eine Gruppe italienischer Wissenschaftler der Universität Bologna (Astrophysiker und Physiker) haben sich in einem längeren Beobachtungszyklus (5 Jahre) mit den Lichtern beschäftigt.

Was denkt ihr könnte hier für ein Charakter/Handlungsfaden/Schauplatz: in Aktion treten/sich (weiter)entwickeln/ausgewählt werden?

Viel Spaß beim Knobeln, was gibt es Schöneres, wenn man sich vor Hitze nicht bewegen mag 😉

PGF

#70 Was bisher geschah

Ich fasse zusammen:
Wir sind, mit dem Skript bei folgender Dramaturgie angelangt:

Ein Bundeswehrsoldat findet, im türkischen Incilit geheimnisvolle Hinweise auf das osmanische Reich.
Davon beeindruckt reist er – dazu müssten wir noch einen Grund finden – in das gewaltige Lettland, das gar nicht so groß ist, wie er zuerst dachte.
Weil dort etwas geschieht – was, muss ich mir noch ausdenken – fährt er mit dem Kayak (die Jetski sind nicht drin, wegen dem Durchschuss im Unterschenkel) über die Ostsee nach Dänemark.
Der Grund für den Durchschuss könnte mit der Größe von Lettland irgendwie zu tun haben. Nur als Vorschlag: Verändungen im Geomagnetismus lösen eine ungesicherte Waffe aus.

Also Leute, ich denke, wenn wir Mathias Schweighöfer dafür gewinnen, könnte daraus ein Sky Exklusiv Serie werden.
Dieser Moment, wenn Mathias, er könnte im Film Matze heißen, unerbittlich das Paddel in die tobende Ostsee stößt, um Dänemark zu erreichen, das Haar klebt ihm an der Stirn und das Meerwasser brennt ihm in den Augen – der Hammer!

In meiner Rede, bei der Oscar-Verleihung, werde ich in jedem Fall wordBUZZz und Fraggle für den inspirierenden Austausch danken.

In wenigen Tagen folgt das nächste Recherche-Häppchen …

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende 🙂

PGF

#69 Das Manuskript

Man muss sich das aktuelle Skript so vorstellen, wie einen Haufen Puzzleteile.
Die Geschichte habe ich vor ca. zehn Jahren schon einmal geschrieben, wobei nicht mehr herauskam, als ein Haufen rudimentär entwickelter Szenen, mit rudimentär entwickelten Charakteren und Handlungssträngen. Aber immerhin: Eine Geschichte mit Anfang und Ende.
Als ich mich entschied, diese Idee gescheit zu formulieren, besaß ich entsprechend eine unsauber gezeichnete Skizze, die ich in ihre Einzelteile zerlegt habe.
Zurück blieb ein großer, ein sehr großer Haufen Einzelstücke, die ich vor mir ausgebreitet sah.
Wer in meinem Alter ist, kennt noch diesen Moment, wenn man voller Enthusiamus die Schachtel mit dem 1000-Teile Schmidt-Puzzle ausgeschüttet hat und die ersten fünf Teile, ziemlich schnell zu verbinden wusste. Nach drei Tagen stand es, in meinem Fall meist noch 27:973.
Jedenfalls lagen, als ich mit dem Skript anfing, erschütternd viele Teile vor mir. Als ich anfing sie zusammenzusetzen, merkte ich: das gibt ja gar kein Bild mehr! Da passt ja gar nichts mehr zusammen: keine Form, keine Farbe, keine Struktur.
Also tat ich, was ich mich beim Puzzle nie getraut habe: ich fing an die Stücke etwas zu bearbeiten. Dort ein Eckchen ab, damit es sich einfügen lässt, hier ein wenig Farbe drauf, damit es dorthin passt.
Und so langsam, so ganz, ganz, ganz langsam, wird der Haufen mit den losen Teilen kleiner.
Wir/ich sollten an diesem Punkt nicht euphorisch werden, denn wie früher, fallen mir die Randstücke leichter, als das zentrale Bild herauszuarbeiten. Aber der Rahmen wird erkennbar.
Das schafft einen Schub, dass ich erwäge, die Arbeit zu intensivieren, um etwas schneller voranzukommen.
Was dann noch, zu radieren, zu modifizieren und nachzuzeichnen ist, zeigt sich.
Es ist gewissermaßen der Donnerstagnachmittag des Skripts erreicht.
Noch nicht Freitagfrüh und das Wochenende in Schlagdistanz. Und noch gar nicht Freitagabend (on my mind). Ne! Ne! Es will schon noch mal aufgestanden und durchgearbeitet werden. Aber die Montagmorgenverzweiflung, die ist überwunden 🙂

PGF

#66 Recherche die 2.

Zwischenzeitlich habe ich mich zwar schon um Informationen für andere Kapitel gekümmert, aber da ich es ja niemand zu leicht machen will, überspringe ich das und verweise auf folgende Recherche, der letzten Tage:
Herauszufinden war: Welche Möglichkeiten gibt es, um von Lettland, ich hätte an Riga gedacht, aber das Land ist groß … nach Dänemark zu kommen?
Da ein Verletzter – oder war es eine Frau? – unter den Reisenden ist, würde ich nicht an einen Flug denken.
Dafür ist mir eine Lösung schließlich eingefallen.
Allerdings nicht ohne vorherige ärztliche Untersuchung.
Bei der Gelegenheit: Kennt jemand in der Nähe von Riga einen Unfallchirurgen, der sich gut mit Schusswunden auskennt?
Glatter Durchschuss, vermutlich nur Wundverband und Antibiose …
Was man alles so recherchiert.
Trotzdem bleiben Fragen:
Warum aber Lettland?
Und dann Dänemark?
Was hat die Bundeswehr da oben zu tun?
Und, wie war das mit dem osmanischen Reich?
Fragen über Fragen …

😉 PGF

#65 Jubel

Was man als Autor nicht hat, ist der Jubel, wie ihn beispielsweise Sportler erleben. Da steht niemand rechts und links der Straße, wie am Ende der Bergetappe und ruft: „Nur noch die Kurve! Nur noch die Kurve! Da ist das Ende!“
Und, wenn man den Punkt, hinter ein erfolgreiches Kapitel setzt, geht keine Laola durchs Stadion, als hätte man eben das 4:0 per Fallrückzieher erzielt.
Und, wenn das Buch im Regal steht, ereifern sich nicht zwei angestachelte Kommentatoren über den famosen Angriff der Kritik, das stabile Mittelfeld der Leser oder die knackige Verteidigung derer, die das Buch unterstützen.
Unser Jubel ist Aufmerksamkeit, wenn bei einer Lesung das Publikum achtsam zuhört oder nach vollendeter Lektüre irgendwo eine stimmige Rezension landet oder, wenn einfach jemand das Buch zuklappt und glücklich ist, es gelesen zu haben.
Die ganz Glücklichen der Zunft ernten dann und wann Applaus, möglicherweise, wenn sie einen Preis entgegennehmen.
Aber bis dahin ist es immer sehr still, um den Erzählenden.
Außen still, aber Innen so voller Eindrücke, so voller Bilder, voller Stimmen und Gefühle, die gehört und verstanden werden wollen, dass lauter Jubel da nur stören würde.
Allein ein aufmunterndes: „Das ist gut gelungen. Ich hoffe Sie machen weiter.“ ist manchmal unbezahlbar …

06/19 PGF

#64 Grundton

Ich glaube, dass jeder Text, auf einem Grundton beruht, der nicht nur mit dem Stil, nicht nur mit dem/n Handlungsfa(ä)den zu erklären ist, sondern der Melodie eines Denkens entstammt, welches ihn erzeugt.
Ob in der Musik, ein Ton/Thema genügt, kann ich nicht beurteilen, mir erscheint zumindest im Bereich der Klassik, jede Sinfonie darauf zu beruhen, dass sie ständig Tempo und Dramatik verändert. Bei Texten verhält es sich anders.

Beim aktuellen Skript ist dies zur Zeit mein vorrangiges Problem. Ich befinde mich mit meinem Raumschiff Schreibsurprise in den unendlichen Weiten von 1595 Normseiten und der Rand des Universums scheint noch nicht erreicht.
Während ich mit den einzelnen Kapiteln, um im Bild zu blieben, den fernen Welten, sehr zufrieden bin, rattert meine Schwingungsfrequenz zwischen den Gestirnen erheblich.
In der Anschauung des Nada Brahma (Die Welt ist Klang) verfügt jeder Planet über einen eigenen Grundton, eine eigene Schwingung die ihn ausmacht. Ich bin dabei einen ganzen Kosmos auf diesen Grundton zu vereinen, weil ich überzeugt bin, dass der Text nur funktionieren wird, wenn dieses Grundelement alle Einzelteile unsichtbar verbindet.

Kann mir noch jemand folgen?

Jedenfalls, wie bunte Stein, in einem Mosaik zusammengefügt, ein Bild ergeben, ergibt sich aus der Summe an Szenen und Charakteren, die ich am zusammensetzen bin, nur dann ein Bild, wenn ich diesen Ton nicht verliere, wenn ich ihn, bis zum Ende, halten kann.

06/19 PGF