Weltgeist

Tausend Jahre lag der Wald unentdeckt und unberührt, der weite Moosteppich von keinem Blick erfasst und die Blätter im zeitlosen Dialog mit dem Licht … stumm rangen die Wurzeln mit der Erde, um etwas Halt … jetzt hielten sie inne, als könne sie jemand dabei bemerken …

Dieser Geist der Dinge, dieser handelnde, gestaltende Geist der sich verwirklicht, der regnet und scheint, der sich eingräbt und Halt bietet, der den Schnee fallen, die Amsel singen, den Fuchs aufschauen lässt, der allem innewohnt und zu warten scheint, dass er ausgesprochen, dass er gesehen und dann ausgesprochen wird, lag lächelnd und wartete …

In all der Zeit lagen die Worte bereit, ihn zu fassen, wie Verse in den Gedanken der Dichter bereit liegen, lang, lang, ehe der erste Buchstabe sich aufs Papier legt.

So lag der Wald, bis ein still Betrachtender ihn fand … und die Worte und sie ordnete nach seinen Gedanken – die nur ein Bruchstück des Geistes waren, der allem innewohnt.

12/17 PGF

Sonntags um 11.00 #9

Bin ich gescheitert?
Die Arbeit dieses Jahres wird nicht veröffentlicht werden. Das Skript bleibt in der Schublade.
Warum?
Bauchgefühl.
Die Probeleser verstehen es, würde es aber nicht fordern. Also kein Druck von dieser Seite.
Das Skript hat reichlich Überarbeitung hinter sich, scheint fertig, aber …
Ich habe mich anderes entschieden.
Ich hätte, als ich vor knapp einem Jahr gefragt habe, welches Skript ich mir vornehmen soll, mich gegen das Voting entscheiden können. Es fiel eindeutig, für etwas Neues aus. Schon damals meinen Eingeweiden nicht bekömmlich. Aber ich bin der Meinung: Frage nicht, wenn du es dann anders machst.
Ich habe es versucht und folge nun dem ursprünglichen Gefühl, welches in eine andere Richtung führt.

Ich glaube, man kann sich als Autor nicht entwickeln, wenn man nicht bereit ist solche Entscheidungen zu treffen: Absätze zu streichen, Ideen einzustampfen, Skripte später zu veröffentlichen.
Man muss sich klar machen, dass es kein Scheitern ist, sondern Fingerübungen auf dem Weg: notwendige Erfahrungen, um den nächsten Schritt zu tun.
Es ist keine Einsicht, die man allein für das Scheiben gewinnt.
Wir sind immer auf dem Weg und was von außen, als Scheitern gesehen wird, sind Erfahrung und Lernfortschritte die uns dienen.
In diesem Jahr war nichts umsonst.
Das verschobene Skript wird seine Zeit noch bekommen.
In seinem Schatten sind andere Arbeiten entstanden, mit denen ich mich 2018 beschäftigen werde. Mehr davon zu Jahresanfang.

Es ist ein bisschen, wie mit dem Lieben: man liebt nie umsonst.

PGF 12/17

Sonntags um 11.00 #8

Ich veröffentliche mein neues Buch zum Weihnachtsgeschäft!
Gute Idee?

Oder zur Buchmesse!
Besser?

Vermutlich sind, die meisten Autoren, wie ich, keine Marketing-Raketen und halten manche Idee für innovativ, die der eine oder andere schon hatte …
Vermutlich ist deshalb der Markt mit Autoren-Ratgebern so lukrativ ist, weil die Hoffnung der einen so groß ist, dass sie den Kenntnis-Mangel der anderen nicht wahrnehmen.
Vom Content Marketing bis zum Personal Trainer, findet man als Autor alles, was spannend, aber wenig hilfreich ist.

Für Autoren bleibt Schreiben die 1. Profession und das andere: Überarbeiten, Veröffentlichen, Vermarkten benötigt Profis die praktisch unterstützen.
Ansonsten hat man den gleichen Effekt, wie bei Lonely-Planet-Reiseführern: Der Geheimtipp im Buch, wurde so oft gelesen, dass, bis man ankommt, das kleine Hotel, die schöne Badebucht, längst überlaufen ist.
Da hat schon eher Hagebau Recht mit: Mach dein Ding!
Nicht, dass man durch Ratgeber nichts gewinnen könnte, man gewinnt spätestens durch den Widerspruch den man empfindet. Aber eine gerümpfte Nase und vorsichtige tastende Fingerspitzen sind bei allem zu empfehlen das den Namen: „Ihr Weg zum Bestseller“ und so weiter trägt. (Ich entschuldige mich beim Autor, falls es das Buch tatsächlich gibt.)

Ich denke für Selbstverleger sind die markttypischen Zeiten nicht zu empfehlen, da in dieser Zeit die Platzhirsche, den Markt, mit großen Veröffentlichungen belegen. Die Chancen sind aufs Jahr verteilt besser. Außer der eigenen Titel bietet zu einem bestimmten Zeitpunkt einen besonderen Effekt.
Da ich dieses Jahr „Mord am Heiligabend“ nicht veröffentliche, bleibt somit Suhrkamp, Fischer und RoRoRo ein Konkurrent erspart.
Aber nächstes Jahr wird´s dann eng 😉

12/17 PGF

Sichten

Und immer wieder geht es auch ums Sichten, der Texte und Gedanken.
Und das Ordnen, von Erlebtem und Empfundenem, welches in den Buchstaben kristallisiert ist.
Und, welche Zeit eignet sich besser, als der Abend, mit seiner Stille und dem Dunkel über der Welt.
Als würde sie sagen: „Jetzt gibt es nichts mehr zu tun“, macht die Welt unsere Augen blind.
Und wir erfinden das Licht …

Wenn ich zum Mond hinaufsehe, der jetzt beinah voll, am weiten Himmel steht, ahne ich, wie viel Licht noch, gerade nötig sein sollte, wenn ich sitze und nachdenke.
Der Mond – ein, zwei Kerzen würde er dulden, aber mehr?
So leicht, wie am Abend, so leicht, wie auf dem Papier, ist das Sichten und Ordnen des pochenden Herzens nicht.
Da hämmern der Widerspruch und die Sehnsucht gegen jede Kammer die sie einengen will.
Ich lasse es.

Ich blende das Vorhin und das Nachher aus.
So, wie die Dunkelheit alles ausblendet, was nicht im Lichtkreis, meiner Schreibtischlampe liegt.
Die Welt beschränkt sich auf das was ich sehen und sichten und ordnen kann.
Und so stapeln sich Notizen, und Dateien lassen sich in Ordner rücken (wie es Menschen und Gefühle nicht tun), und ich kann „Ende“ hinter den letzten Abschnitt schreiben oder zufrieden lächeln, über die gelungene Wendung einer Geschichte.
Und es geht immer, um eine erkennbare Struktur, einen Sinn in all diesen Blättern, vor und noch in mir.

12/17 PGF