Tücken der Technik – da hilft nicht liken, nur lesen

Ehe es morgen an dieser Stelle wieder so hoch privat wird, dass man nicht mal mit Anzug reinkommt, der Hinweis:

Dass es zukünftig hier weitergeht: https://zeilenportal.com

Ab heute mit einer neuen Kurzgeschichte und
einigen weiteren Erklärungen zum neuen Blog.

Also: literaturfrey ist ab morgen wieder offline.
Neue Texte und Infos zum neuen Skript gibt es auf zeilenportal.com

Ich wünsche einen schönen Abend!
PGF

Ayahuasca und was danach kommt

Es drängt mich und ein Lebenszeichen mag nicht schaden. Das Toben ist leider nicht vorbei und wird wohl nicht mehr vorbei gehen. Die Dinge sind im Fluss und wie so oft in meinem Leben, ist das Schreiben mein Ufer, an das ich mich zuweilen rette, um auszuruhen und zu mir zu finden.

Ich habe vor längerer Zeit einen neuen Blog gestartet (und auf privat gestellt) auf den ich euch verweisen möchte. Ursprünglich hatte ich geplant, ihn im Hintergrund vollständig aufzubauen und dann den Vorhang beiseite zu ziehen, um unter tosendem Applaus den Nachfolger von literaturfrey zu präsentieren. Aber mit großer Inszenierung gehen die Dinge kaputt, das Schöne startet klein und unmerklich und wächst mit der Zuneigung und Aufmerksamkeit die es erhält.

So, hoffe ich, wird es auch mit dem „Zeilenportal“ werden. Ich wäre sehr froh, wenn ich Rückmeldung erhalte, ob mein aktuelles Design passt. Einige Seiten sollten noch nicht öffentlich sein, andere schon, und auch das Liken und kommentieren, benötigt einen Praxistest. Ich stelle das „Zeilenportal“ in einer Art Beta-Test online. Wer es besucht, wird unfreiwillig Beta-Tester.

Warum „Ayahuasca und was danach kommt“?
Nun, ich habe „litaraturfrey“ mit einer Geschichte beendet und beginne das „Zeilenportal“ mit einer neuen (Episoden-)Geschichte. Viel mehr, als einen Beitrag pro Woche wird es erstmal nicht werden.
Es ist ein Test für mich, für den Blog, für Zeit und Kraft die ich aufwende. Der neue Blog hat mit dem neuen Skript nichts zu tun. Dafür kommt zu späterer Zeit eine eigene Seite. Auch hier gibt es eine Idee, die sich bewähren muss oder verworfen wird.

Also dieser Beitrag reaktiviert nicht literaturfrey, sondern leitet über zum „Zeilenportal“, welches hier: https://zeilenportal.com/ zu finden ist.
Auf den Blog zum neuen Skript folgt, hier wie dort, zum späteren Zeitpunkt ein Hinweis.

Ich bin gespannt 😉

10/19 PGF

Eine Geschichte – Metaebene

Um den Einblick, in die Entstehung einer Geschichte vollständig zu machen, rücke ich ein paar Fakten nach, die man/ich am Ende eines Textes eher gedanklich durchspiele. Das entspricht in keiner Weise einer literaturwissenschaftlichen Betrachtung, aber darauf kommt es ja nicht an.

Ein paar Zahlen:
Jeder Beitrag hatte zwischen 20 bis 30 Besucher
Die Zahl der Likes schwankte zwischen 10 und 25
Der Umfang lag zwischen 200 bis 300 Wörtern,
bei 27 Kapiteln
Der Überarbeitungslevel lag bei 2, also niedrig. Ich schrieb die Texte meist am Stück, las Korrektur und veröffentlichte. Ideen die während einem Text entstanden übertrug ich auf den nächsten Tag, schrieb am Stück wieder den Text, las Korrektur usw. Eine Veröffentlichung (kommerziell) ziehe ich bei Level 6 in Erwägung.
Der Hidden Point lag bei 10 Likes
(Zum Hidden Point: Das ist ein Wert mit dem ich meine persönliche Erwartung ins Verhältnis zur Wirkung setze. Versteckt deshalb, weil es keinen Sinn macht, die Leser mit der Erwartung zu nerven: wenn es nicht X sind mache ich nicht Y. Aber es hilft einem, Erfolg und Misserfolg besser einzuschätzen. Wäre mein Hiddenpoint 20 oder mehr gewesen, wäre ich jetzt frustriert, so bin ich glücklich, weil sich meine Hoffnung erfüllt hat.)

Hintergründe:
Ausgangspunkt der Geschichte (die Reise nach Bolivien) ist ein PS4-Spiel mit welchem ich mich in letzter Zeit beschäftigt habe (Ghost Recon Wildlands). Ich fand es spannend, die Eindrücke in dieser fiktiven, digitalen Welt, in etwas Reales – die Erinnerung des Protagonisten – zu verwandeln. Passend dazu, sah ich ein, zwei Tage nach Beginn der Niederschrift eine Doku, bei der es um die Einnahme halluzigener Substanzen ging. Etwas googeln und Ayahuasca war geboren.
Es erscheint mir als maßgabliches Element des Erzählens, dass, wenn man sich Zeit lässt, zur Intention, die kleinen Einfälle kommen, mit der sich die Geschichte garnieren lässt. Es geht also darum, die reale Ebene so zu verfremden, dass sie sich in den Kontext der Geschichte fügt. Das ist, wenn man so will die Kunst. Andere Aspekte beruhen auf biografischen Hintergründen. Diese Elemente vermischen sich: Idee, Fantasie, Biografie, (spontane) Inspiration.

Fazit:

Lowlights:
– Beitrag (23). Ich bin nicht sicher, was ihm fehlte, aber der war ein wenig der Tiefpunkt, der kam erst nachträglich über den Hidden Point und wäre beinah zum vorzeitigen Ende geworden.
– Auffällig war mir, dass je traditioneller die Inhalte und der Stil waren, umso mehr Leser likten die Beiträge. Je tiefgründiger und schwerer, je weniger wurden sie geliked (und wenn auch nicht ganz in gleichem Umfang besucht). Daraus leite ich ab, dass ich nicht wirklich zum kommerziellen Autor geeignet bin, weil mir genau die Teile mehr Spaß gemacht haben die weniger Leser fanden. Mit Versatzstücke zu arbeiten, führt für mich (als Leser und Schreibendem) zu einem langweiligen und vorhersehbaren Erzählen.

Highlights:
– Dass es auch die anderen Leser gibt, die genau bei den Teilen geblieben sind, bei denen die meisten aussteigen. Das ist total schön! Prädestiniert nicht zum kommerziellen Erfolg, aber zu etwas Tieferem.
– die täglichen Mitleser, waren aber insgesamt eine schöne Erfahrung, ob ihnen jetzt jeder Artikel gefallen hat oder nicht. Die Geschichte wurde mehr gelesen, als von mir erwartet.
– Schön war auch das Lesen und Liken im Rhythmus der realistischen Lesedauer, solche Like-Salven, bei denen klar ist, dass jemand Like-Ping-Pong für seinen Blog spielt, kamen so gut, wie gar nicht vor.

Ich hoffe, dieser Beitrag ist für den ein oder anderen Lesenden, aber auch für die schreibenden Kollegen von Interesse.
Ich sage: Herzlichen Dank für euer Aufmerksamkeit!

PGF

#137 Eine Geschichte (27)

Am Horizont kroch zitrusgelb die Sonne in die Höhe, wie ein fettes, altes Geschöpf, wie ein Leib dem die Begrenzung fehlt, der sich nicht fassen kann und deshalb ausstrahlt willenlos, einsam, seine Strahlen überall hinrichtend, sehnsüchtig etwas zu berühren, im Außerhalb, im Unbegrenzten.
Jack sah in die Runde und dachte, sie waren, wie die ersten fünf Mikroben, die das Licht der Welt erblicken und entscheiden müssen, ob sie leben wollen und sich vermehren oder in ihrer Pfütze verkümmern.
Die Welt war nicht, solange das Licht nicht da war, ohne Licht war die Welt nur ein Schatten.
Wie schön war es, wenn sie zu leuchten begann und ihren Reichtum an Formen und Farben entfaltete.
Es war, wie mit Schrödingers Katze: sie war nicht, wenn niemand hinblickte, die Welt war nicht, wenn niemand nach ihr sah.
Am Ende seines Ayahuasca, immer wieder vom Brechreiz gepackt, mit unsicheren Sinnen und weichen Beinen, wie ein Betrunkener, aber im Geist viel klarer, unendlich viel klarer, als jemals zuvor, gereingt, entleert und befreit, von endlosen Ketten menschlicher Generationen, welche die Entfremdung von der Welt weiter und weiter gegeben hatten, war er zu diesem Moment, zu diesem Sein im Augenblick gelangt, zu diesem ehrfürchtigen, staunenden „wie wundervoll ist die Welt“!
Wie schäbig behandelten wir sie, einander, uns selbst? Wie achtlos, weil wir in diesem Übergang nicht leben wollten? Weil wir nach Endlosigkeit trachteten, die nicht im vor und zurück zu erfassen war, sondern nur in diesem allgegenwärtigen, bewussten Sein.
In den Spielen der Welt war er Genie oder Mörder, in der Wirklichkeit war er Geschöpf inmitten einer unfassbaren Schöpfung, welche die Sonne, dem zarten Leib der Erde aufs Anlitz zeichnete.
Mehr musste man nicht wissen.
Mehr musste man nicht begreifen.

Ende

09/19 PGF

#136 Eine Geschichte (26)

„Bitte?“
Mathews Gesicht verriet, wie wenig er verstand.
„Fragen Sie nicht“, warf Vandenberg ein, „den Fehler habe ich auch gemacht, da kommt nur wirres Zeug.“
„Ich will das hören“, forderte Brück unbeirrt.
„Die Welt zerfällt, alles gerät aus den Fugen: die Einzelschicksale, die Erde! Der kosmische Tanz geht zu Ende! Die Dekonstruktion der Wirklichkeit hat begonnen. Alles was war, zerfällt in seine Einzelteile, zerbricht, erodiert, verliert an Kraft.“
Jack breitete seine Arme weit aus.
„Konstruktion und Dekonstruktion, Expansion und Singularität, Kollaps und Chaos. Amor Fati, es gilt, das eigene Schicksal zu erfüllen, egal, wie schwer es ist.“
„Okay“, brummte Mathews, „Mister Daniels Gesicht zum Fahrzeug, Hände aufs Dach und die Beine breit, Sie, sollten wir doch erstmal fixieren.“
Jack wandte sich ihm lächelnd zu.
„Sie spüren es alle oder? Das Klima, die Kriege, die Flüchtlinge, das Artensterben, die schmelzenden Gletscher, die vergifteten Meere, ihre Leben, die in einem Netz aus Pflichten und Bedürftigkeiten zappeln: wir fünf hier spielen ein Spiel, in dem Gut und Böse sich entstellt gegenüberstehen, indem die Wahrheit keinen Platz mehr hat.“
Die Dämmerung ergriff die Szenerie.
Vandenberg konnte sich einen Moment lang nicht gegen die Angst wehren, die sein Innerstes ergriff. Tatsächlich würde er sterben, blind Aufgaben und Aufträgen folgend, Menschen tötend, um etwas zu dienen, dass vollkommen bedeutungslos war.
Mathews stockte die Bitterkeit im eigenen Herzen, eine gewaltige Trauer ergriff ihn, über diesen zehrenden Hass, mit dem er an der Schönheit der Welt vorbei lebte.
Naval spürte einen schier unerträglichen Druck, der seine Gedanken aus den gewohnten Bahnen, von gut essen und nett plaudern drängte.
Und die junge Brück, fühlte mit einem Mal, alles in sich richtig, was sie unter zweifelnden Blicken, nie zu empfinden gewagt hatte.
Jack blickte ihnen andächtig, auf die frei gelegten Seelen …

09/19 PGF

#135 Eine Geschichte (25)

„Steigen Sie bitte aus, meine Herren.“ Sagte der Mann auf Vandenbergs Seite, der der Aufforderung folgte.
Jack beobachtete, dass einige Polizisten sich auf seiner Seite in Position brachten, um einen Fluchtversuch zu unterbinden.
Vandenberg wandte sich zu ihm.
„Ja, was höre ich denn für Sachen über Sie? Ein Killer?“
Jack erstarrte. Vandenberg brachte sich schnell in Position, vermutlich spekulierte er darauf, ihn zu einem späteren Zeitpunkt noch mal in die Hände zu bekommen.
„Herr Daniels, Sie steigen auch bitte aus.“
Sagte der große Kerl, mit spanischem Akzent, während er die Tür auf Jacks Seite öffnete.
Er schwang die Beine nach draußen und stand.
„Und, wenn soll ich ermordet haben?“
„Niemand.“
Ehe Vandenberg reagieren konnte, trat ihm Mathews mit einem Fußwischer die Beine weg und gemeinsam mit Brück überwältigte er den am Boden Liegenden.
Der Amerikaner schrie.
„Sie wissen gar nicht was sie tun! Ich genieße Immunität! Ich bin amerikanischer“.
„Ein Scheiß sind Sie!“ Knurrte Mathews und drückte den Kopf Vandenbergs unerbittlich auf den Boden.
Jack war verblüfft.
„Will mich jemand aufklären?“
„Wir hätten Sie kaum aus dem Wagen bekommen, wenn unserem amerikanischen Freund bewusst gewesen wäre, dass wir Aufzeichnungen haben, wie Sie überwältigt wurden. Das macht Sie etwas unverdächtiger am Tod Ihrer Bekannten, auch, wenn alle Indizien gegen Sie sprechen.“
Jack war erleichtert.
„Aufzeichnungen?“
„Ich sage nur: Danken Sie Alexa.“
Jack benötigte einen Moment zum Verstehen.
Mittlerweile war Vandenberg mit fest fixierten Armen zum Stehen gebracht. Er verschwendete keine Kraft, um sich zu wehren.
„Was sagen Sie Herr Daniels, liegen wir mit dem Verdacht: Entführung zur Industriespionage richtig?“
Jack schüttelte langsam den Kopf.
„Nein, es geht um das Toben der Zeit.“

09/19 PGF

#134 Eine Geschichte (24)

Vandenberg fuhr langsam auf die Straßensperre zu. Er sah direkt, dass es unmöglich war sie zu durchbrechen.
Er stoppte den Wagen.
„So, was haben wir da?“
Jack beobachtete, wie der Blick des Amerikaners über die Szenerie glitt.
„Freunde von Ihnen?“ Fragte er lächelnd.
Vandenberg ließ sich nicht irritieren. Er sah zu, wie sich aus dem Lichtstreifen, der ihre Weiterfahrt blockierte, drei Schatten lösten und näherkamen.
„Wenn es keine Überraschungsfeier ist, nein. Wir waren erst in Langley verabredet.“
Jack beobachtete, wie sein Entführer das Fenster herabließ. Er erkannte das es sich bei den drei Personen, um eine Frau und zwei Männer handelte. Einer der Männer war groß und kräftig, die Frau von mittlerer Statur, ihr Haar war kurz, der zweite Mann war kleiner, als die beiden anderen, schlank und schon auf Distanz, mit etwas Listigem ausgestattet. Er näherte sich der Fahrertür und richtete eine Taschenlampe in das Fahrzeuginnere.
„Meine Herren, darf ich fragen, wohin Sie unterwegs sind?“
Vandenberg lächelte gewinnend. Wir wollten rüber nach Deutschland. Ich liebe Sauerkraut, wissen Sie. Dazu ein Riesling, ein Gedicht.“
„Etwas spät, zum Abendessen, um vier Uhr in der Nacht.“
Der Amerikaner blieb entspannt.
„Natürlich nicht jetzt. Wir wollten vom Elsass in die Pfalz wechseln.“
„Ungewöhnliche Zeit, ich meine um ein Hotel zu verlassen und eines zu beziehen. Darf ich Ihre Papiere sehen?“
Vandenberg schnaufte schwer.
„Okay, Sie meinen es ernst. Mein Name ist Vandenberg, ich arbeite für die amerikanische Regierung und Mister Daniels ist ein Kollege.“
Mathews lächelte kühl.
„Mister Daniels steht unter Mordverdacht, wussten Sie das nicht?“

09/19 PGF