1000 Seiten

Die Rechnung ist ganz einfach:
Du musst nur jeden Tag 3 DINA4-Seiten schreiben, dann hast du am Ende eines Jahres gut 1000 Seiten.
Drei Seiten, das ist, wenn man von Normseiten ausgeht, ein Umfang von 4500 bis 5400 Zeichen bzw. 450 bis 540 Worten.
Wenn du von 4 Überarbeitungen ausgehst, steht am Ende ein 250-Seiten Roman.
Die Aufgabe ist einfach, du brauchst nur Disziplin.
Wenn du dich jetzt fragst:
Jeden Tag?
Oder:
Was soll ich denn auf die 3 Seiten schreiben?
Dann lass es besser bleiben.
Ob es dir an Talent gefehlt hat, wirst du nie erfahren.
Aber sicher am Willen.

10/18 PGF

Zwischen der ersten und der zweiten Zeile

Es gibt Tage, da bringst du einen ersten Satz aufs Blatt
… und spürst, das unangenehm aufflackernde Blitzlichtgewitter, oberhalb deiner Stirn, wenn nach deiner ersten Lesung vor internationalem Publikum, Journalisten aus aller Welt dich interviewen und wissen wollen, wie dir die Idee zu diesem Bestseller kam.
Du suchst, leicht stotternd, nach einer ersten Erklärung, bist aber, im nächsten Moment, vor ein riesiges Publikum gestellt, welches applaudiert, während du den Preis der Frankfurter Buchmesse erhältst.
Ehe du deine Dankesrede ganz abschließen kannst, nimmst du, etwas irritiert, Schwedisch, in deiner Nähe war, obwohl du dich, auf den dir ehrenhalber neu vergebenen Literaturnobelpreis konzentrieren wolltest.
Du dankst, mit einer eleganten Verbeugung und bemerkst dabei das Blatt vor dir
… und nimmst dir vor es, vielleicht erst einmal, mit einem zweiten Satz zu versuchen.

10/18 PGF

Pendeln

In den ruhigen Phasen pendelt unser Leben, um ein stabiles Zentrum.
Diese Balance zwischen Glück und Unglück fühlt sich nicht langweilig oder überflüssig an, sondern befähigt uns, zu außergewöhnlichen Leistungen, die wir erbringen können, wenn unsere Aufmerksamkeit keine Ablenkung erfährt.
Bis ein Impuls kommt und uns aus der Mitte stößt.
Nicht selten, in dem wir uns verlieben und über dem Hoffen und Bangen, das Vertrauen verlieren, das unsere Mitte ausmacht.
Plötzlich suchen wir diese Mitte nicht mehr in uns, sondern draußen, an den Rändern, wohin das Pendel schwingt, unruhig und voll Sehnsucht und, wie wir erst nach längerer Zeit erkennen, vergeblich.
Kunst schöpft aus den weiten Schwüngen, aber entstehen kann sie nur, um ein Zentrum konzentriert.

10/18 PGF

Schreibmotive

Manchmal schreiben wir, um etwas zu bewahren
und manchmal um zu beklagen.

Manchmal schreiben wir aus Lust am Spiel
und manchmal, weil, so tiefe, Sehnsucht in uns ist.

Manchmal schreiben wir aus Ehrgeiz
und, damit die Welt sich nach unserem Willen formt.

Manchmal schreiben wir, um zu erfreuen
und um Mut zu schenken, wenn er schwankt.

Manchmal gelingt, was im Herz oder Kopf sich regt,
in schöne Zeilen zu bannen
und manchmal gelingt es nicht.

Aber, egal weshalb wir schreiben,
ohne Schreiben, ginge es nicht.

10/18 PGF

Neues Werkzeug

Was man, neben dem eigentlich kreativen Prozess, bei der Behandlung des Stoffs, nicht unterschätzen sollte, ist der positive Einfluss einer bewährten oder neuen Arbeitsweise.

So, wie einem Maler ein neuer Pinsel, möglicherweise zu einem neuen Strich verhilft oder ein Gitarrist durch eine Flöte Zugang zu einer ganz anderen Melodie erhält, gibt es auch beim Schreiben Gewohnheiten oder neue Möglichkeiten, die den kreativen Prozess fördern.

Das kann eine neue Tastatur sein, ein anderer Weg der Recherche oder aber die Tasse Kaffee um 5 die bei allen Manuskripten davor, der Einstimmung diente.

Nicht selten fordert ein Manuskript, die Kontinuität oder aber die Innovation der Herangehensweise.

10/18 PGF

Autorenrisiko

Es muss mir Spaß machen, was ich erzähle.
Es nutzt keine geschliffene Idee, kein abgestimmter Plot, kein Zielpublikum orientiertes Genre, wenn es mir keinen Spaß macht, an einer Geschichte zu schreiben.
Ich ahne schon jetzt, das Störende am aktuellen Skript und nein, es lässt sich nicht korrigieren, weil es nicht falsch oder unzulänglich oder ungewollt ist, sondern immanent, um diese Geschichte erzählen zu können.
Das wäre noch kein Grund die Geschichte fortzusetzen. Der Gedanke: Okay das könnte stören, das könnte missverstanden werden, wäre ja durchaus ein Grund, die Tastatur beiseite zu schieben. Aber mich reizt es, trotz der möglichen Schwierigkeiten weiterzumachen und darauf zu vertrauen, dass der Leser, der sich darauf einlässt, zunehmend ein ähnliches Vergnügen beim Lesen empfindet, wie ich beim Schreiben.
Vielleicht – und das ist Autorenrisiko – gibt es diesen Leser nicht und das Buch bleibt ungelesen.
Aber dann bleibt, die Freude am Versuch …

10/18 PGF