Heimreise

Wenn ein Glück endet, ist es, als müsse man, nach einer langen, schönen Reise den Heimweg antreten.
Nicht anders wie dort, sitzt man und schaut, wie durch eine matte Scheibe, die Welt vorbei zieht. Man erinnert sich an schöne Momente, verdrängt die schlechten und lächelt unwillkürlich über manche unerwartete Erfahrung.
Bis einem die Stille und die Leere einfallen, die näher rücken.
Wenn man klug ist, vergisst man nicht, welches Glück es ist, ein Zuhause zu haben und, wenn man klug war, hat man das während der ganzen Reise nicht vergessen.
Man war auf der Suche nach sich selbst, nach Erfahrung, nach Schicksal – vielleicht hat man nur sich gefunden, aber mehr ist nie zu erwarten.
Wenn man mutig war, ist man über sich hinaus gewachsen. Vielleicht hat man Angst wieder der Alte zu werden … aber man fällt nicht zurück, so wenig, wie man das Laufen und Sprechen wieder verlernt – wenn das kommt, ist der Tod nah und eine andere Reise steht bevor.
Es bleibt ein dankbarer Blick zurück, auch, wenn die Seele brennt und ein leiser Blick voraus, denn die Welt ist groß genug für neue Ziele.

06/17 PGF

Geht nicht

Keine verblüffende Erkenntnis: es gibt für den Menschen kein Defragmentieren.
Es wäre das Ende aller Lebendigkeit, wenn wir unsere Gedanken, Gefühle und seelischen Prozesse, wie blaue Würfelchen in eine lineare Ordnung setzen könnten. Dieses Chaos der Empfindung, diese unbestimmten, sich jeder Ordnung widersetzenden Reize und Eindrücke, dieser Zick-Zack aus Glück und Unglück: sie gehören dazu.
Und wer sie hinter sich lässt, wer die Welt hinter sich lässt und die Einsiedelei oder das Kloster auf Dauer vorzieht, der hat nicht begriffen, welches immense Geschenk es ist, auf der Erde sein zu dürfen.
Es ist gut und wichtig, dass der Verstand nach Klarheit und Sicherheit strebt, dass die Seele sich zum Licht hin wendet … aber das Herz muss rasen und ruhen, springen und stolpern und diesen endlosen Strom an Stimmungen, Hemmungen, Irrungen durch unsere Adern pumpen. Wir gehen kaputt, wenn wir das nicht verstehen, wenn wir sichern und halten wollen, wo fließen und staunen die einzige Option ist.
Wir fragmentieren und setzen uns wieder zusammen, wir sind uns zu Zeiten fremd und unverständlich und folgen einem Schicksal, welches wir nicht erklären können.
Wir ahnen und verfolgen Muster, zu denen wir diese Fragmente zusammensetzen und manchmal – für kurze Augenblick – ergeben sie ein Bild, welches wir Wahrheit nennen – für Augenblicke.
Und am Ende geht es darum, dass wir uns genau darum bemühen …

06/17 PGF

Sisyphos

Sisyphos

Es gibt Tage, da rollt sich der Stein leicht.
Da macht mir der Schweiß nichts
und die Fliegen
und das Gespött der Wegelagerer,
da bin ich mutig auf dem Weg nach oben.
Und, wenn mein Stein nach unten rollt,
dann bin ich stolz,
ihn diesen ganzen Weg hinauf geschoben zu haben.

Aber dann – dann gibt es auch die anderen Tage,
da die Seele weit und das Herz einsam werden.
Da würde ich, wenn ich an sie glauben würde,
die Götter bitten, mir das zu erlassen
und ihnen erklären, dass ich ungeeignet bin …
dass ich besser
beim Wolkenbeobachten aufgehoben bin
oder beim Bestaunen eines Sonnenuntergangs
oder beim Hören des Wellenspiels.

Aber es ist still,
weil es die Götter nicht gibt,
nur den Stein –
und die Seele bleibt weit und das Herz einsam.

PGF 06/17

Zeilen

Dichter erzählen nie was sie erleben, sie erzählen was sie träumen, was sie hoffen, was sie fühlen, mitfühlen, mitträumen, meist ganz vergeblich, aber weil es ihnen wichtig erscheint, schreiben sie es auf.

PGF 06/17