Treffpunkt

Wollen wir uns treffen?

Wo der Tag in die Nacht übergeht …
und das Leben sich seiner Kleider entledigt,
um im Dunkel
nach Lust und Träumen zu suchen.

Wollen wir uns Sehnsucht schenken?
Aber kein Glück …
weil wir die Zeit nicht haben
und nicht das Licht –

aber in der Sehnsucht,
da dämmert unsere Hoffnung auf andere Tage.

Bis dahin sind unsere Seelen
träumend verbunden.

10/17 PGF

Raum

Wichtig ist, dass man sich einen Raum schafft, durch den die Urteile nicht dringen.
Menschen glauben, so viel über andere zu wissen und irren so oft (alle, deshalb gibt es auch keine Schuldigen, sondern nur diese Fehlbarkeit der Urteilskraft), dass Zusammenleben nicht zu ertragen wäre, wenn es diesen Raum nicht gäbe.
Dieser Raum hat einen Namen: Einsamkeit.
Eine klare, helle, durchlässige Einsamkeit.
Gewachsen in der Erkenntnis unseres unergründlichen Ursprungs und unseres sicheren, endgültigen Abschieds.
Nur auf der Durchreise, das ist der Titel unseres Seins.
Reist man nicht um zu lernen, um zu erfahren?
Dieser Raum mag variieren:
er mag sich auf ein letztes, zartes Beinah reduzieren und in vorsichtige Berührung übergehen
und mag sich strecken, wie sich die Dunkelheit zwischen den Sternen erstreckt und niemals zu Nähe führen.
Seine Gravitation ist die feine Balance zwischen Anziehung und Distanz.

10/17 PGF

Und dann heißt es

… innnerlich ganz still werden:

Die Farben der Blätter sehen
und die Nebel,
die frühmorgens über das Wasser ziehen.

Die frisch geschnittene Minze riechen,
die trocknend am Querbalken hängt
und im Wind schaukelt.

Die Ärmel lang tragen
und sich gegen die Kälte schützen,
die feucht in die Welt drängt.

Der Ruhe lauschen,
die sich über die Welt ausbreitet,
während die Vögel nach Süden ziehen.

Und überall die Welke schmecken,
im Laub, im eigenen Herzen,
im Korken, der den Roten, vor ihr schützt.

Es wahrzunehmen und es nicht zu fühlen …

PGF 10/17