In deiner Nähe

Du erinnerst dich?
An die langen Spaziergänge, während ich redete und du schweigend neben mir liefst?
Bestimmt hast du dich gefragt, weshalb ich so viel redete, so unsicher …
und wusstest warum.
Aus Unsicherheit – aber auch aus Bedürfnis: du warst eine wunderschöne Zuhörerin.
Die Welt ruhte während wir liefen.

Ich redete, über genau diese Welt und das Glück,
während ich mit all meinen Gedanken
deine Gedanken
auszuloten versuchte …
die so tief waren,
dass Worte sie niemals fassen konnten:
die Tiefe deiner Gedanken.

Um uns drehte sich die andere Welt.
Wir aber liefen mystische Pfade
durch helle Buchenwälder und Gedanken,
entlang von Hängen und Hoffnungen –
erinnerst du dich an das Bassin und den Wasserfall?
Da gab die Zeit sich Zeit
und hatte keine Eile –
oder hoffte, dass ich ruhiger wäre,
wenn sie ruhig wäre:
aber ruhig in deiner Nähe …

Du lächelst.
Jetzt, da ich es erzähle, lächelst du,
dieses schöne, weiche Lächeln,
welches ich halten will.
Aber ich bin noch immer zu aufgeregt,
in deiner Nähe
und das was wirkt, als würde ich fliehen,
ist Flucht nur, vor Nähe.
Deiner Nähe,
die ich nicht zu finden weiß.

08/17 PGF

Heute Mittag

Die Sonne steigt nicht mehr hoch.
Sie hebt sich knapp, über die Wipfel der Bäume
und wandert sie entlang,
wie ein alter Mensch
dem die Zeit knapp wird.

In den Schatten warten der Herbst und das Sterben
Es welken die Hoffnungen, auf Wärme und Frieden.
Denn, wenn der Sommer schwach wird,
haben die Menschen die Ernte in der Hand …

Am Himmel ziehen leise Wolken
und füllen sich mit Regen
und fühlen die Sehnsucht.
Aber sie werden nichts sagen,
sie werden schweigend weiterziehen.

08/17 PGF

Ich warte

Ich warte auf den Abend,
zu heiß brennt mir der Tag,
zu laut, zu viele Menschen,
zu viel Glanz, zu wenig Licht –
wie ich es mag …

Ich warte auf die langen Schatten,
ich warte auf den stillen Weg,
ich warte bis die Lauten ermatten
und die Sonne sich breit
auf den Horizont legt.

Ich geh dann still,
die Welt betrachtend,
den schmalen, staubigen Weg,
und lausche, wie sich Vogelgesang leise
aus dem Lärm erhebt …

08/17 PGF

Traum

Traum

Wir lagen still,
in sternenklarer Nacht
und lauschten stumm,
wie die Welten atmen.

Wir blickten wissend
nach dem Mond,
es war, als würden
alle Sterne auf ihn warten.

Es lag der Kosmos,
wie ein Zauberband,
um die schlafend,
weiche Erde

und ich nahm zärtlich
deine Hand
und fühlte, wie wir eins
mit allem werden.

PGF 08/17