Das Licht in den Zeilen

Ich schrieb wieder Gedichte.
Entgegen meiner Erwartung.
Du hast mich inspiriert, so wie die Sonne, die Blume inspiriert zu blühen.
Die Worte kamen so leicht, als stünden sie in einem Regal und ich müsse sie nur herausnehmen.
Jetzt ist das Regal leer und der Himmel ist wolkenverhangen.
Ich schreibe wieder, wie ein Chronist die Geschichte einer Stadt erzählt. Von ihren Verheerungen, von den Hunger- und Dürre-Perioden und erwähne am Rand, Söhne und Töchter der Stadt, auf die sie stolz ist.
Gedichte schreibe ich nicht.
Weißt du, ich glaube, wenn das Herz leer ist, dann kann man vieles: Maschinen erfinden, Gene zusammenbauen, Abhandlungen verfassen, Kriege erklären, Muskeln aufzählen, Ehrungen in Empfang nehmen, aber Gedichte schreibt man nicht.

Das Licht in den Zeilen, verdanke ich dir …

10/17 PGF

Zeitenwende

… und, wie es in mir stürmt
und, leise Laub
sich auf meine Gedanken legt,
wie Träume welken
und weiches Moos,
der Stamm, der alten Sehnsucht, trägt
und sich, wie dunkler Vogelschwarm
das Fernweh hoch
in mir erhebt
und grau, Verluste kumulieren,
die nur der nackte Zweig,
im Dämmerlicht versteht,
so geht das Jahr
vom Sommer: hell und warm und blau,
zum Herbst:
verblassend, still und grau.

PGF 09/17

Sternenhimmel

Kennst du dieses Weitwerden des Raums?
Wenn der Tag zur Nacht wird
und das Blau vom Himmel fällt,
wie ein Tuch, welches uns behüten sollte;
vorm Blick in diese dunkle Weite,
in die wir fallen,
mit unserem Blick und unseren Gedanken,
um die Sterne zu ertasten und enträtseln …
und es nicht schaffen;
und der Raum dehnt sich unendlich
und keine Frage ist beantwortet.

Wenn wir nicht staunen.

09/17 PGF