#45 Zeilen

Und so schön es ist, seine Zeilen zu teilen, so schön ist es, sie still zu haben und niemand zu zeigen,
sie versteckt in einer Schublade liegen zu haben
oder im Herzen zu tragen
oder nur in einem Moment,
zu fühlen,
sie nicht zu halten,
weil nur die gelebte Zeile zählt,
die geschriebenen Zeilen sind so schnell zerlegt,
in falsch und hässlich, in fehlerhaft und grässlich, dem Glück beraubt, das man fühlt,
wenn man sie still und heimlich, zum ersten mal sich selbst erzählt.

PGF 05/19

#43 Der Wind im Gras

Es gibt auch dieses leise Lieben,
das flüstert, wie Wind im Gras,

das wärmt, wie morgendliche Sonnenstrahlen

und duftet, wie der Frühling im Mai,

das im Blick liegt
und im Klang der Worte … –

weich und mächtig,
wie wandernde Wolken vor tiefem Blau.

05/19 PGF

#40 Kühler Tag im Mai

Heute war ein schöner Tag –
als käme der Herbst zurück,
ich liebe,
wenn der Wind an den Bäumen zerrt,
wie die Sehnsucht nach dir,
an meiner Seele.

Trotzig harren sie aus dem Wind,
die tief Verwurzelten,
Schweigsamen,
nach Licht Hungrigen,
dulden auch diese Tage,

wenn der Sturm an ihnen zerrt,
wie die Sehnsucht nach dir,
an meiner Seele.

05/19 PGF

#31 Im Fallen

Und,
wenn wir uns nicht manchmal kratzen und beißen würden
(und sogar flüchtig hassen)
wenn wir immer spüren würden
wie sehr wir uns lieben,
wir würden es nicht ertragen
zu erinnern,
dass wir uns unausweichlich verlieren
und, aneinander vorbei,
durch die Zeit fallen …

01/04 PGF

#30 Gegensätze

Manchmal am Abend, wenn der Frühling noch so in der Luft liegt, wie du in meinen Gedanken, werde ich still …
und lausche dem Wind und atme den Duft und erinnere deine Augen und erinnere deinen Duft …
und versuche das Schöne und das Dunkle voneinander zu trennen, bis es mich erfüllt
und bis ich leer werde.

Die Dinge lösen sich auf und lassen sich los, der Tag geht über in die Nacht und der Winter bleibt zurück.

Manchmal am Abend, wenn der Frühling in der Luft liegt und die Schwermut auf meinem Herz …
lausche ich dem Wind in den Bäumen und der Sehnsucht in der Welt
und versuche das Schöne und das Dunkle miteinander zu verbinden, bis sie sich auflösen,
bis sie mich ausfüllen.

…, der Tag geht über in die Nacht und der Winter bleibt zurück.

04/19 PGF

#29 Der erzählbare Teil

Wer aber bist du, abseits der Buchstaben?
Was dasteht ist nur der erzählbare Teil.

Die Sonne heißt Sonne –
aber kein Vers zeigt je,
wie sie steigt.

Dein Leben, ist gelesen,
das Weiß der Seiten,
vergilbt in der Zeit …

vergiss nicht,
du bist das Ungelesene deiner Zeilen,
der Schatten, der sie schreibt.

03/19 PGF

#15 Old Fashioned

Wenn die Blumen wieder sprechen
wird der Winter in dir brechen
und dein Herz wird sich befreien,
wie die Flüsse sich enteisen.

Wirst in der Wiese träumend liegen,
über die, Wolken schweigend ziehen,
wirst alles fühlen und nichts denken,
weil du nichts davon kannst lenken.

02/19 PGF