#89 Blüten

Und dann kommt der nächste Tag
und ich wende mich ab,
wie von einer Fäulnis,
die man noch zu lindern versuchte,
ehe man einsah,
dass sie zu fortgeschritten ist –

wende mich ab,
von dieser Gier nach Macht,
der jeder Adel fehlt –
und deinem Lächeln zu
oder den Händen
die mit mir anpacken,
den Gedanken,
die wie ein gemeinsames Sehnen sind.

Damit das Gift
und der Ekel an der Zeit
nicht wirksam werden können,
damit die Keime lebendig bleiben
die wachsen müssen:
die der Liebe und der Wahrheit!
Die mit Blütenköpfen
durch Mauerritzen brechen.
Mit ihnen überlebe ich.

07/19 PGF

#87 Die Sprache der Liebe

Blicke und Träume, das ist die Sprache der Verliebten.
Am Tag suchen sich Augen, in den Nächten suchen sich die Gedanken.
Sonne und Mond sehen sinnend dem zu, weil niemand, wie sie, um gemeisames Schicksal und einsame Bahn weiß.
Und nur der Kuss, kann alle Worte ersetzen.

07/19 PGF

#82 Sommer sein

Stumm sein,
frei sein,
weich sein,
mit dem Wind wandern,
nichts halten,
unermesslich denken,
keine Grenze sein,
lieben,
Licht sein,
wachsen,
blühen,
verschmelzend
mit den Wolken,
in Neues
weiterziehen.

07/19 PGF

#78 Zeit

Manchmal, wenn das Leben mir Zeit lässt,
der Welt zu lauschen,
wenn über Straßen
Autos durch den Abend rauschen
und in den Bäumen
eine Amsel singt,
dann stelle ich die Fenster weit
und atme milden Sommerabend
und sinne über wilde Jugendjahre
und fühle nochmal
frei, auf meiner Haut, den Sommerwind
Und denke an dich –
und frage
warum nur Zeilen geblieben sind …
Wohin vergeht die Zeit?
Was war es noch, was ich wollte?
Was ist, was mir die Zeit zum leben nimmt?

07/19 PGF

#67 Innen/Außen

Und manchmal ist es, als schauten die Dinge in uns:
als redete uns der Regen,
als streichelte uns die Sonne,
als dufte nach unserem Fernweh der Wind …
als wäre die Welt kein fernes Außen,
nicht stumm und fremd –
ein endloses mit uns,
sehnsüchtig in uns …

06/19 PGF

#58 Abendwind

Aber ich fühlte nichts.
Außer der Stille des abends
und den Gedanken des Tages.
Die Blätter rauschten im Wind
und das Licht war auf der Suche
nach einer neuen Heimat.
Ich blieb zurück in dieser Stille
und meinen Gedanken
und fühlte nichts –
als schliefe meine Sehnsucht,
als träume ich ein Leben:
ohne Kontur, ohne Heimat, ohne Sinn.
Und der Wind strich unruhig
durch die Bäume.

06/19 PGF

#55 Texte geben Auskunft

Texte geben Auskunft

Wer du bist
und manchmal sein willst,
was du träumst
und was du weißt,
was du fühlst
und schon verlieren musstest,
wann du still und heimlich weinst,
was du hoffst
und was dich ärgert,
wie für dich
Licht in der Welt erscheint
wann du schwach bist,
durch den Regen gingst,
wen du liebtest,
wen du zu lieben meinst,
wie oft du dir schon verloren gingst
wie oft Lachen in dir war,
wie du meintest,
jetzt verstehst du es,
was ein anderer in dir sah.

06/19 PGF