Was zurückbleibt

Weißt du, als du dich damals aus meinem Leben zurückgezogen hast … das war schmerzhaft, wie das Ende einer schönen Reise oder, wenn man umziehen muss; umziehen, obwohl man nicht möchte … ich hatte das Gefühl, es bleibt nichts zurück.

Aber, du hast manches in mir hinterlassen, in mir abgelegt, wie in einem Regal.
Nein, keine Sorge!
Keine Schachtel mit Groll und Enttäuschung.
Vielleicht dort hinten in der Ecke, ein winziges Kistchen.
Nein, es sind viele Bilder, Skizzen von Momenten und schöne Mappen mit Augenblicken.

Ich glaube, du hast nie etwas anderes gewollt.
Du hast dich irgendwann entschieden, nicht glücklich sein zu dürfen.
Du willst nur das andere glücklich sind
und ahnst nicht, dass das so gar nicht geht:
Du nimmst das Glück ja wieder mit, wenn du gehst.
Vielleicht ist es dein Recht …

Ob, in dir was von mir bleibt?
Ob ich, in dir etwas niedergeschrieben habe?
Ob da Sätze oder gar Verse zu finden wären,
vielleicht sogar der Anfang zu einem schönen Roman?
Ob es ungelesen bleibt, wegradiert wird,
zerknüllt und in den Kamin geworfen?

Weißt du, als du dich damals aus meinem Leben zurückgezogen hast, schrieb ich Seite, um Seite, als könnte ich so die Reise verlängern, den Umzug vermeiden … ich hatte das Gefühl, es bleibt nichts zurück.

12/17 PGF

Zärtliches Schweigen

Manchmal, wenn ich dem Abend meinen Tag anvertraue,
wenn ich ihm erzähle,
wie ich mein Licht über den Tag warf
und es nur in Schatten fiel,
wenn ich ihm erzähle,
von Worten die mir in den Schnee fielen und dort erfroren,
dann schweigt der Abend zärtlich –
wie ein Freund der genau weiß, dass er nicht helfen kann,
aber schweigt, weil Zuhören hilft –
während ich Sätze zwischen den Fingern drehe,
aber sie nicht sage,
weil ich so froh bin,
über dieses zärtliche Schweigen,
wie nur der Abend es kann.

12/17 PGF

Schneefall

Leise lege ich diese Buchstaben auf die Blätter,
wie draußen die Flocken, sich legen auf die Welt.

Von irgendwo fallend – aus den Sternen (?)
und so leicht schwindend, wenn sie gefallen sind …

Darum lege ich sie still und zärtlich,
wie einen Blick, der einen Blick berührt …

und warte, wo der Tag wohl endet
und mit welchem Traum, die Nacht beginnt.

12/17 PGF

Symbiose

Das Meer ist manchmal so weit …
so weit streckt es sich von Horizont zu Horizont.
Und das Boot ist so klein …
so kraftlos kämpft es gegen die Wellen an,
die immer gleichen Wellen
und Wellentäler
und die Einsamkeit
von Horizont zu Horizont.

Und wild ist das Meer,
wild im Winter und stürmisch
und abweisend
und auch, wenn es groß ist,
von Horizont zu Horizont
ist es einsam,
dieses tosende, eiskalte Meer,
ohne dieses Boot,
welches sich durch die Wellen kämpft.

12/17 PGF