#93 Kultur

Zur Kultur gehört, was der „kollektive Geist“ einer Gesellschaft erfasst. Nehmen wir eine große Sportveranstaltung, wie eine WM, dann erscheint alles, was die Menschen beschäftigt, worüber sie reden, wie sie ihre Tage planen, davon geprägt.
Oder etwas Politisches, wie die Bewegung, die in der ehemaligen DDR zur Wende geführt hat. Auch da stimmten sich die Meinungen einer großen Zahl von Individuen, auf eine gemeinsame Betrachtung ein.
In diesem Sinn umfasst der „kollektive Geist“ profane, politische, kulturelle, wissenschaftliche und natürlich religiöse Strömungen, die für allgemein verbindlich und wahr gehalten werden.

Im Zentrum des „kollektiven Geistes“ erlahmt das Denken. Wenn zwischen RTL2-Reality-Doku und der WM kein Platz mehr ist, weil der mit Essen, Arbeiten und Schlafen ausgefüllt wird beginnt das Gehirn, beginnt der menschliche Geist zu degenerieren. Leider ist er nicht geschützt, vor dem was ihn unnützerweise ausfüllt. Fatale Systeme, wie der Nationalsozialismus beweisen das.

Das wirkliche Denken findet am Rand dieses „kollektiven Geistes“ statt, dort wo sich Individuen fragen, was darüber hinaus möglich ist, ob mit den vier, fünf Themen die alle relevant halten, wirklich alles gesagt ist. Ob es denn überhaupt möglich ist, einen „kollektiven Geist“ auf Normierung aufzubauen, ob seine wirkliche Perspektive nicht eher in der Differenzierung und Vielfalt liegen würde.

Es fällt auf, dass den „kollektiven Geist“ eher die Bequemlichkeit bestimmt, als die Intelligenz. Die Mehrheit beschäftigt sich mit dem Grillfest und nicht der Klima-Katastrophe, der Automarke und nicht der Privatforschung, dem Materiellen und nicht dem Spirituellen.

Deshalb bewegen sich Menschen, am Rand des „kollektiven Geistes“, fast wie Astronauten der ISS am Rand der Erdatmosphäre, immer in Gefahr ins Unwirkliche hinausgezogen zu werden, jenen Kosmos an Möglichkeiten, die man gar nicht erkennt, wenn man sich darüber aufregt, was für ein Kleid die Nachbarin trägt oder wie der Nachbar den Rasen nicht mäht.

Man muss sich nicht lange umsehen, um zu bemerken, in welch desolatem Zustand sich die deutsche Kultur befindet und, wie albern die Sehnsucht nach dem „deutschen Geist“ irgendeinem nationalen Geist ist. Mit dieser „Füllung“ hat man vergeblich versucht, den Menschen voranzubringen.

Der Mensch hat, vielleicht die letzte Chance, seinen Geist zu transzendieren, ehe ein „kollektiver Geist der Belanglosigkeit“ die Umwelt zerstört, die seine Existenz ermöglicht.
07/19 PGF

#2 Strömen

Wenn du zwei Flüsse fragen würdest, wohin sie strömen, würde jeder sagen:
„Meinen Weg.“
Aber sie werden sich treffen, im Meer.
So unweigerlich scheinen unsere Wege, zueinander zu finden.

01/19 PGF

Bist du sicher?

Manchmal entschädigt das Schicksal einen Menschen, für den Weg, den es ihn führen musste, mit einem Werk, welches es ihn schaffen lässt.
Und so, hat sein Leiden, vielleicht einen Wert.
Aber manchmal lässt das Schicksal gar nichts mehr übrig, was noch einen Stift halten, einen Ton spielen oder eine Farbe wählen könnte.
Ist dir, die Kunst, dies wert?

10/18 PGF

Werke

In allen Bereichen des Lebens ist es wichtig, dass man seine Werke vollbringt.
Sei es in der Kunst, im Beruf, unter Menschen, egal, ob es Werke der Liebe, Werke des Ehrgeizes, der Vernunft oder der Sachlichkeit sind.
Entscheidend ist, dass man der Welt seinen Stempel aufdrückt, dass man Spuren hinterlässt, dass man da war.
Zu meist zögern wir das zu tun. Wegen des Schadens, den wir möglicherweise anrichten. Weil wir an uns zweifeln.
Aber auch unser Unterlassen, unsere ausbleibende Anwesenheit ist ein Schaden!
Wir kommen in die Welt, um sie zu entdecken, wir sind in ihr, um sie zu gestalten und, wenn wir gehen, werden wir sie mit uns erfüllt haben:
Unseren Fehlern, unserem Abfall, aber auch mit jedem Werk, welches wir vollenden und ihr schenken.
Die Welt kann damit tun, was sie will.
Sie kann es vergessen, vernichten, bewahren.
Die Zeit geht darüber, wie der Wind über das Gras, das zwischen Staub und Gestein, sein karges Dasein behauptet.

10/18 PGF

Die Symbole der Welt

Die Natur ist ja voller versteckter Hinweise, mit denen wir uns selbst ergründen können, wenn wir sie entschlüsseln.
Bäume gleichen unserem Nervensystem, mit den Wurzeln, als distalen Spinalnerven, dem Stamm als Rückenmark, der Krone als Gehirn. Oder die Berge: in der Höhe ist es einsam. Oder Menschen, die uns spiegeln und von Lebenswegen erzählen, die uns ähnlich sind, oder zu einem anderen Zeitpunkt hätten ähnlich werden können.
Wir müssen nur sehen und hören, dann werden die Grenzen zwischen innen und außen fließend.
In diesen Bildern finden wir nicht nur Nutzen; sondern den Sinn und jenen Frieden, den die Erkenntnis bringt, dass die Welt in einem geheimnisvollen Dialog mit uns steht.

04/18 PGF