#2 Strömen

Wenn du zwei Flüsse fragen würdest, wohin sie strömen, würde jeder sagen:
„Meinen Weg.“
Aber sie werden sich treffen, im Meer.
So unweigerlich scheinen unsere Wege, zueinander zu finden.

01/19 PGF

Bist du sicher?

Manchmal entschädigt das Schicksal einen Menschen, für den Weg, den es ihn führen musste, mit einem Werk, welches es ihn schaffen lässt.
Und so, hat sein Leiden, vielleicht einen Wert.
Aber manchmal lässt das Schicksal gar nichts mehr übrig, was noch einen Stift halten, einen Ton spielen oder eine Farbe wählen könnte.
Ist dir, die Kunst, dies wert?

10/18 PGF

Werke

In allen Bereichen des Lebens ist es wichtig, dass man seine Werke vollbringt.
Sei es in der Kunst, im Beruf, unter Menschen, egal, ob es Werke der Liebe, Werke des Ehrgeizes, der Vernunft oder der Sachlichkeit sind.
Entscheidend ist, dass man der Welt seinen Stempel aufdrückt, dass man Spuren hinterlässt, dass man da war.
Zu meist zögern wir das zu tun. Wegen des Schadens, den wir möglicherweise anrichten. Weil wir an uns zweifeln.
Aber auch unser Unterlassen, unsere ausbleibende Anwesenheit ist ein Schaden!
Wir kommen in die Welt, um sie zu entdecken, wir sind in ihr, um sie zu gestalten und, wenn wir gehen, werden wir sie mit uns erfüllt haben:
Unseren Fehlern, unserem Abfall, aber auch mit jedem Werk, welches wir vollenden und ihr schenken.
Die Welt kann damit tun, was sie will.
Sie kann es vergessen, vernichten, bewahren.
Die Zeit geht darüber, wie der Wind über das Gras, das zwischen Staub und Gestein, sein karges Dasein behauptet.

10/18 PGF

Die Symbole der Welt

Die Natur ist ja voller versteckter Hinweise, mit denen wir uns selbst ergründen können, wenn wir sie entschlüsseln.
Bäume gleichen unserem Nervensystem, mit den Wurzeln, als distalen Spinalnerven, dem Stamm als Rückenmark, der Krone als Gehirn. Oder die Berge: in der Höhe ist es einsam. Oder Menschen, die uns spiegeln und von Lebenswegen erzählen, die uns ähnlich sind, oder zu einem anderen Zeitpunkt hätten ähnlich werden können.
Wir müssen nur sehen und hören, dann werden die Grenzen zwischen innen und außen fließend.
In diesen Bildern finden wir nicht nur Nutzen; sondern den Sinn und jenen Frieden, den die Erkenntnis bringt, dass die Welt in einem geheimnisvollen Dialog mit uns steht.

04/18 PGF

Die kühne Demokratie der Welt

In Wirklichkeit geschieht alles, was die Mehrheit will. Es geschieht durch ihr Tun und ihr Unterlassen. Es käme der Frieden, wenn alle das wollen würden. Jeder für sich. Wenn wir lieben und die offenen und versteckten Bosheiten unterlassen würden.
Die Welt entwickelt sich, wie wir, als Kollektiv sie gestalten. Es ist keine Demokratie der Stimmabgabe, bei der wir im Turnus Verantwortung zeigen, sondern eine Demokratie der Tat, die sich jeden Tag, jede Stunde, in jeder Handlung vollzieht.
Wir können uns auf der Seite der Minderheit sehen und bedauern was geschieht: Krieg, Umweltzerstörung, Missbrauch von Macht, in allen Formen. Aber was geschieht, ist unser Beschluss. Der Beschluss der Art, die am mächtigsten geworden ist. Auch, wenn es unser Ende bedeutet.
In dieser Demokratie sind alle stimmberechtigt. Es gibt keine Stimmenthaltung, auf Grund von Schwäche oder Unentschlossenheit oder Zweifeln oder Achtlosigkeit.
Jeder wählt, jeden Augenblick.
Es gibt kein Entkommen, es gibt nur Verantwortung.

04/18 PGF