Camus´sches Prüfverfahren

Wenn dich überhaupt jemand liest, ist es nur ein geringer Teil, jenes geringen Teils der Bevölkerung, der liest.
Wenn dich von diesem geringen Teil mehr lesen, ist deine Bedeutung nach spätestens einem Jahr vorüber.
Wenn du Glück hast, wird dein Buch verfilmt und dauert in Liebhaberkreisen ein Weilchen fort, aber eher als Film …
Wenn es als literarisches Werk länger Beachtung findet, hast du vielleicht das Glück, dass Literaturstudenten, Deutschlehrer und ein paar Literaturliebhaber die nächste Generation auf dich aufmerksam zu machen versuchen.
Wenn ihnen das gelingt, wirst du vielleicht, auch noch zwei Generationen später, gelesen. Mal aus Pflicht, mal aus leiser Begeisterung.
Davon wirst du höchstwahrscheinlich nichts erfahren.
Nach deinem Tod gerätst du vollkommen in Vergessenheit oder ein Verlag sieht eine Chance, ein letztes Mal mit dir Geld zu verdienen.
Ist auch das getan, entscheidet die Sprache (ob sie fortbesteht) oder der Datenträger (von der Steintafel bis zur USB-Vault), ob dein Werk kulturell und physisch überlebt.
Falls das gelingt wirst du, nach einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten, nochmals historisch relevant, wie z.B. die antiken Philosophen, in unserer Zeit.
Wenn allerdings, die Menschheit ihren selbstmörderischen Stil fortsetzt, wird ihre Zeit keine weiteren 2000 Jahre dauern.
Falls das wider Erwartung doch gelingt, wird diese Epoche, von der unseren soweit entfernt sein, wie unsere von der Antike. Es werden dich, so viele Menschen noch lesen können, wie es heute Menschen gibt, welche die sumerische Keilschrift verstehen.
Nun, Sisyphos, da vorne liegt der Stein …

11/18 PGF

Bist du sicher?

Manchmal entschädigt das Schicksal einen Menschen, für den Weg, den es ihn führen musste, mit einem Werk, welches es ihn schaffen lässt.
Und so, hat sein Leiden, vielleicht einen Wert.
Aber manchmal lässt das Schicksal gar nichts mehr übrig, was noch einen Stift halten, einen Ton spielen oder eine Farbe wählen könnte.
Ist dir, die Kunst, dies wert?

10/18 PGF

Im Mai

Ihre Unfähigkeit Entwicklungen abzusehen, zieht sich, wie ein roter Faden, durch die gesamte Regierungszeit der Kanzlerin, ich habe dies, dass ein oder andere Mal erwähnt. Ihr neuester Clou, zeigt sich im Verhältnis zu Saudi-Arabien:
Im Mai:

Das Bild stammt aus diesem Beitrag, der auch, als Quelle dient: https://www.welt.de/wirtschaft/article176822700/Handel-Merkel-macht-Streit-mit-Saudi-Arabien-zur-Chefsache.html

Nun hat die Ermordung des saudischen Journalisten Khashoggi

s. hier: https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_84644488/jamal-khashoggi-ist-tot-saudi-arabien-bestaetigt-tod-des-journalisten.html

die wirtschaftliche Kooperation mit einem ohnehin fragwürdigen Partner endgültig ad absurdum geführt.

Früher hätte man gesagt: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“. Aber wo so viel Geld ist, wo man so viele Waffen verkaufen kann, da entfällt die Charakterprüfung, wenn die Wirtschaftsdelegation das Vertragswerk abgesegnet hat.

Jetzt stehen wir, als Land erneut vor dem Problem, getroffene Absprachen infrage stellen zu müssen:

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_84647882/fall-khashoggi-maas-will-ruestungsexporte-nach-saudi-arabien-einstellen.html

In der „realpolitischen Welt“ stört sich daran niemand mehr.
Wenn man aber, in irgendeiner Funktion Kindern, Jugendlichen, Menschen eine Ethik vermitteln möchte, ist dies die Blossstellung jeglicher Werte.

Die Erklärung, wo das Glaubwürdigkeitsproblem der Politik liegt, ist einfach: In ihrer Habgier!

10/18 PGF

Werke

In allen Bereichen des Lebens ist es wichtig, dass man seine Werke vollbringt.
Sei es in der Kunst, im Beruf, unter Menschen, egal, ob es Werke der Liebe, Werke des Ehrgeizes, der Vernunft oder der Sachlichkeit sind.
Entscheidend ist, dass man der Welt seinen Stempel aufdrückt, dass man Spuren hinterlässt, dass man da war.
Zu meist zögern wir das zu tun. Wegen des Schadens, den wir möglicherweise anrichten. Weil wir an uns zweifeln.
Aber auch unser Unterlassen, unsere ausbleibende Anwesenheit ist ein Schaden!
Wir kommen in die Welt, um sie zu entdecken, wir sind in ihr, um sie zu gestalten und, wenn wir gehen, werden wir sie mit uns erfüllt haben:
Unseren Fehlern, unserem Abfall, aber auch mit jedem Werk, welches wir vollenden und ihr schenken.
Die Welt kann damit tun, was sie will.
Sie kann es vergessen, vernichten, bewahren.
Die Zeit geht darüber, wie der Wind über das Gras, das zwischen Staub und Gestein, sein karges Dasein behauptet.

10/18 PGF

Wenn ich heute wählen gehe

… dann tue ich das nur als Ausdruck, dass ich mich der Demokratie verpflichtet fühle, aber nicht, weil ich sie noch für lebendig halte.

Wenn heute sich alle die Hände reiben, dass es zum großen Umbruch in Bayern kommt, nehme ich das irritiert zur Kenntnis, da ich als Zugezogener und nicht CSU-Wähler die Verhältnisse in Bayern für sehr gut halte und die animierte mediale Söder-/Seehofer-Schelte für ziemlich flach. Für mich ist die konservative Ausrichtung der Schulen ein kritisches Thema und anderes, was soziale Interessen nicht gegen wirtschaftliche Erfordernisse stärkt, ansonsten finde ich wenig bestätigt, wie Bayern dargestellt wird.

Wenn ich dann in Betracht ziehe, wie groß der Anteil der Kanzlerin am Niedergang der Volksparteien ist, die erst die politische Mitte an sich gerissen hat und dann so mies verwaltet, dass sie sich an die Ränder geflüchtet hat, merke ich, wie schwer es ist, irgendwo noch ein Kreuzchen zu setzen und, wie wichtig, neben der 5%-Hürde eine 75%-Wahlbeteiligung-Hürde wäre, damit eine Minderheitsregierung, gewählt von einer Minderheit der wählenden Bevölkerung, sich nicht in ihr Amt taktieren kann.

Und, wenn ich abschließend noch das politische Elend, die politische Stagnation betrachte, welche sich in den Sport fortsetzen, sodass Erfolglosigkeit gar nicht mehr relevant erscheint, sondern von Merkel bis Löw, sich jeder im Amt halten kann, der die nötigen Kontakte hat, weil die Angst vor Veränderung größer ist, als der Mut neue Antworten zu geben (keine die zwischen 33´ und 45´falsch waren und es immer bleiben, wohlgemerkt!) dann betrachte ich den Wahlschein eher, wie einen Appell an die politische Vernunft, ein kostbares Gut nicht endgültig preiszugeben.

10/18 PGF

Dekadenz

Ich glaube, wir leben in zerbrechenden Zeiten und wir verdrängen es, weil wir in den letzten Tagen einer Orgie leben, die wir gar nicht fühlen, berauscht, wenn auch abklingend, satt bis zum Ekel, befriedigt, wie ein Freier.
Uns fehlen die Kraft und die Lebendigkeit es zu erkennen.

Wir hätten zu tun, wir hätten viel zu fragen, aber unterlassen es.
Diese Zeiten sind geprägt vom Verharren: Die Macht ist konsolidiert und nicht mehr wählbar, die Bedeutungslosen sind desillusioniert und es gibt keinen Geist des Ausgleichs und der Symbiose, es gibt nur noch Meinungen.

Die Kunst verkommt zur Unterhaltung und Sehnsucht zur Selbstbefriedigung.
Wir leben in zerbrechenden Zeiten und die Einsamen bauen, abseits des Lärms, ihre Arche.

10/18 PGF