#4 Die Gunst des Lesers

Aktuell lese ich das Buch eines sehr erfolgreichen Autors, der seit einigen Jahren die Bestsellerlisten anführt.
Der Titel des Buches ist schwer einzuordnen, was Spannung erzeugt. Im ersten Drittel hat man keinerlei Ahnung, wie der Titel, in Beziehung zur Geschichte zu setzen ist. Und dann – Häschen aus dem Hut – taucht eine neue Protagonistin auf und wirft, obwohl es gar nicht zu ihrer Charakterentwicklung passt – genau das Thema auf, welches den Kreis zum Titel schließt.
Die Handlung kommt wieder in Fahrt und alle anderen Figuren, die schon leicht ins Unplausible zu driften schienen, reihen sich wieder, wie von Zauberhand, ums erzählerische Lagerfeuer.

Warum lege ich das Buch nicht aus der Hand? Diese plumpe Wendung ist eine kleine Unverschämtheit gegenüber meiner Leser-Intelligenz. Nun, weil mich der Rest gut unterhalten hat. Weil ich bereit bin diese Schwäche zu übersehen, aus Nachsicht für den gelungenen Rest. Auch, wenn der etwas in der Luft baumelt, sobald ich an diese abenteuerliche Wendung denke.

Was es mir zeigt? Es gibt den perfekten Text, auch von erfolgreichen Autoren, nicht. Die Leser müssen Wendungen mitgehen, damit die Konstruktion funktioniert. Sie werden es umso bereitwilliger tun, wenn sie vom Autor schon überzeugendes gelesen haben oder die neuen Kleider des Kaisers ebenfalls wundervoll finden.

Die Gunst des Lesers zu erwerben ist entscheidend, ob derb, wie Bukowski oder filigran, wie Rilke. Was sie am Ende ausmacht, mag weniger von dem abhängen, was auf den ersten Seiten steht, als von der Stimmung, in der sich der Leser befindet, wenn er die erste Seite aufschlägt.

01/19 PGF

#3 Einsicht

Ich glaube, der wesentliche Grund, das Bloggen so weit zu reduzieren, lag darin, dass ich es leid war, meine eigene Marketing-Abteilung zu sein. Ich bin schon mein eigener Verlag, mein eigener Personal-Coach, mein eigener Redakteur, Designer, Mäzen. Das Social Networking war eine Komponente zu viel.

Eine lange Zeit liefen beide Aspekte schön miteinander: mir machte das Bloggen Spaß und nebenbei diente es meinem Marketing. Ich kann dies so deutlich sagen, weil sich synchron mit meiner Blogpräsens auch die Zahl der verkauften Bücher verringert.

Das ist schade, wie es schade ist, nicht mehr so intensiv am Bloggen teilnehmen zu können, aber es ist auch nicht leistbar. Als voll Berufstätiger, der veröffentlichen will, ist es nicht möglich, alle anderen Aspekte parallel zu betreiben.
Das ist, fern ab einer Klage, eine Feststellung.

Das aktuelle Skript entwickelt sich. Ich bin bei mittlerweile 600 Normseiten und nicht mal die Hälfte der Handlungsentwicklung scheint erreicht. Das ist erfreulich.
Unerfreulich wird es, wenn ich an die Kosten für das Lektorat denke, wie ich das Buch bezahlbar machen soll (wenn ich es nicht in Teilbände zerlege und verkaufe), wie ich es bewerben will, wie das Layout des Textes geleistet werden soll, die Frage nach dem Cover beantwortet wird, u – esss – we …

Wenn ich daran denke, vergeht mir die Freude und deshalb muss ich mich beschränken. Ich schreibe und ich bringe es auf den Weg, der Rest ist Glück.

Dass eine Veröffentlichung, dann eigentlich sinnlos ist, dass die „Heimkehr“ gelesen, diskutiert und verkauft wurde, weil ich diese Anstrengung unternommen habe, darf ich mir nicht bewusst machen.

Es ist, wie beim Schreiben, manchmal finde ich die Lösung, für ein Erzählproblem, nicht durch nachdenken, sondern durch schreiben.
Also mache ich mal weiter …

01/19 PGF

#1 Vermutung

Du kannst es nicht erzählen, wenn du es nicht fühlst. Aber du kannst es ausdrücken, ohne es zu erleben.

Das ist, knapp beschrieben, die Verfassung die nötig ist, um Geschichten zu schreiben.
Egal, welche Kunstgriffe man anwendet, der Leser spürt, durch Tinte und Papier hindurch, ob der Schreibende fähig war zu fühlen, was er schreibt.

Dabei ist unerheblich, ob dies Fühlen auf Empathie beruht oder, ob der Autor reale, eigene Erfahrung gesammelt hat. Ob er augenblicklich fühlt und erlebt und aus Erlebtem schöpft oder von Beobachtungen berichtet. Das sind nicht mehr, als Variablen.

Das Mitfühlen, des Autors mit dem Leser, des Lesers mit dem Autor, von Glück und Enttäuschung, Liebe und Verlust verbindet sie.
Das ist unfassbar tröstlich.

01/19 PGF

Das ist ja nicht zu viel verlangt …

Soderle! Dann sagen wir mal Adieu 2018 und herzlich Willkommen 2019.
Auch – wenn nur eine Illusion, macht die Betrachtung Spaß, als würde mit dem neuen Jahr irgendetwas neu werden.

Zurückblickend, verbeuge ich mich für eure Besuche, Kommentare und Likes, beziehungsweise werfe Blumen und applaudiere schwer beeindruckt über eure Beiträge.
Wordpress bleibt eine tolle Möglichkeit des Austauschs!

Das Kommende sei auf zwei Punkte reduziert! Man steht ja vor dem neuen Jahr, wie an der Engstelle eines Trichters und kann die Fülle an Möglichkeiten gar nicht überblicken.

Mit dem heutigen Tag ist das 1. Buch, der fünf zu schreibenden, abgeschlossen und es bleibt eine gewaltige Aufgabe an dieser Idee dran zu bleiben. Aktuell schwanke ich noch, ob ich, zu dem was man als Schwäche monieren wird, vorab Erklärungen setze oder es mache, wie in der Liebe, wenn man klug ist: man muss nichts erklären! Wenn die Zuneigung stimmt muss man nichts erklären. Liebe fühlt den Sinn.

Punkt zwei betrifft das Bloggen und ich käme damit zum Titel dieses Beitrags.
Tatsächlich habe ich noch keinen Frieden damit geschlossen, das Bloggen einzustellen, auch, wenn der Zeitgewinn immens ist. Aber (dachte ich mir heute), das ist ja nicht zu viel verlangt, wenn ich mir, für ein Jahr, 52 Beiträge vornehme, einen die Woche, ganz entspannt, immer wenn es passt, um ein bisschen zu informieren, übers Leben, das Manuskript und die Selbsterkenntnis.
Dies nehme ich als Vorsatz mit ins neue Jahr.
Und zumindest habe ich, was das Manuskript angeht, eine kleine Themenreihe, die für jeden Schreibenden interessant sein mag, weil es um Fehleranalyse eines Textes, Bewertung und Lösung geht.
Das Leben – nun, man muss nur offene Ohren fürs Narrative haben.

Somit komme ich, zu jenen Zeilen, die mich, um diese Zeit, immer beschäftigen und gebe sie euch gern, verbunden mit dem Wunsch auf ein wunderschönes 2019 für euch, mit in die Nacht zur Jahreswende!

PGF

Ein Mann gibt Auskunft

Das Jahr war schön und wird nicht wiederkehren.
Du wußtest, was ich wollte, stets und gehst.
Ich wünschte zwar, ich könnte dir’s erklären,
und wünsche doch, daß du mich nicht verstehst.

Ich riet dir manchmal, dich von mir zu trennen,
und danke dir, daß du bis heute bliebst.
Du kanntest mich und lerntest mich nicht kennen.
Ich hatte Angst vor dir, weil du mich liebst.

Du denkst vielleicht, ich hätte dich betrogen.
Du denkst bestimmt, ich wäre nicht wie einst.
Und dabei habe ich dich nie belogen!
Wenn du auch weinst.

Du zürntest manchmal über meine Kühle.
Ich muß dir sagen: Damals warst du klug.
Ich hatte stets die nämlichen Gefühle.
Sie waren aber niemals stark genug.

Du denkst, das klingt, als wollte ich mich loben
und stünde stolz auf einer Art Podest.
Ich stand nur fern von dir. Ich stand nicht oben.
Du bist mir böse, weil du mich verläßt.

Es gibt auch andre, die wie ich empfinden.
Wir sind um soviel ärmer, als ihr seid.
Wir suchen nicht, wir lassen uns bloß finden.
Wenn wir Euch leiden sehn, packt uns der Neid.

Ihr habt es gut, denn Ihr dürft alles fühlen.
Und wenn Ihr trauert, drückt uns nur der Schuh.
Ach, unsre Seelen sitzen wie auf Stühlen
und sehn der Liebe zu.

Ich hatte furcht vor dir. Du stelltest fragen.
Ich brauchte dich und tat dir doch nur weh.
Du wolltest Antwort. Sollte ich denn sagen:
»Geh!«

Es ist bequem mit Worten zu erklären.
Ich tu es nur, weil du es so verlangst.
Das Jahr war schön und wird nicht wiederkehren.
Und wer kommt nun? Leb wohl! Ich habe Angst.

E. Kästner

Quelle: http://www.savoy-truffle.de/erich/texte.html

In der Dämmerung

Draußen dämmert es und es wäre längst Zeit gewesen den Bericht abzugeben.
Aber er brachte die Zahlen nicht zusammen und seine Argumente wollten sich nicht zusammenfügen, als würde er trockenen Kleber verwenden.
Aber die Zeit drängte, wie sie immer drängt, wenn wir sie lassen, indem wir etwas ernstnehmen.
Er schob die Tastatur von sich, als wäre sie schuld und sah zum Fenster hinaus, wo die Zweige kaum mehr zu erkennen waren. Die Stämme hoben sich schwarz gegen die graue Dämmerung ab, aber zwischen den Zweigen und der Welt bestand kein Unterschied mehr.
Der Bericht würde auch nicht helfen, so viel war klar. Er würde Fakten zusammentragen, aber dem Projekt dienten keine Fakten, ihm dienten Leidenschaft, Spontanität, Verspieltheit, aber die ließen sich nicht in Tabellen quetschen und jede SmartArt besaß weder genug Farbe noch Form, um sie auszudrücken.
Er würde sich, ohne den Bericht, rechtfertigen müssen! Seine Arbeit musste auch ohne den Bericht überleben.
So, wie man sich durch die Dämmerung tastet, verunsichert, nur ahnend, nicht sehend, so war es mit Ideen. Wie ein Glühwürmchen, wie einer dieser leuchtenden Tiefseefische, musste man sich selbst sein Licht sein und erst am Ende, nicht dazwischen, konnte man zeigen oder erklären, was man entdeckt oder erfunden hatte.
Er steuerte den Mauszeiger zum Startmenü, wählte „Herunterfahren“ und schaltete den Bildschirm aus.
Nein, einen Bericht zu verfassen, war nicht möglich.

12/18 PGF

Beim Fenster

Wie befreit, wie erlöst, stürzen die Tropfen vom Himmel und ich lausche ihnen und sehe Tropfen an der Scheibe zerplatzen, sich in Pfützen sammeln, den Boden dunkel färben.
Wie viele Tage habe ich das nicht mehr gesehen? Oder Monate …
Für nichts war Zeit – für keine Besinnung war Zeit. Immer handeln, suchen, lieben, zweifeln, entscheiden. In der Welt sein, aber ohne Bindung an sie.
Hier am Fenster entsteht Verbindung. Verbindung mit dem Ganzen. Sehe ich nicht mehr nur meine Füße, wie sie eilen und stolpern oder springen.
Ich sehe den Himmel und die Wolken, die über die Welt ziehen, schweigsam und geheimnisvoll, wie zu allen Zeiten. Sehe wie der Regen fällt, wie er niedergeht auf all das was durch ihn geworden ist und durch ihn fortbesteht.
Ich halte meine Hände an einer Tasse warm und mein Herz mit Gedanken an dich.
Wohin eilen und rennen wir? Unseren Spielen nach, wie Kinder, ich weiß. Aber ohne Unschuld.
Eine Weile werde ich noch nach dem Regen sehen.
Ob er aufhört, ehe ich das Sein verliere?

PGF 12/18

Werbung #6

Titel: Projekt Epilog

Entstanden: 2017 und 2018
Erscheinungsjahr: 2018

Inhalt: Achtung enthält Spoiler!
Ähnlich, wie nach Teil 1, hatte ich auch nach Teil 2 das Gefühl „Ich habe fertig!“. Zumindest fiel mir nix mehr ein. Aber Protagonisten entwickeln mit der Zeit ein Eigenleben und in diesem Fall, war es Apate die noch nicht mir mir fertig war.
Mit einem verfremdeten Elon Musk wählte ich, wie die realen Nachrichten der letzten Monate gezeigt haben, keinen ganz schlechten Gegenspieler, sowohl was Grandiosität, als auch Besessenheit angeht und so musste ich nur noch den Einstieg finden, wo Apate gelandet sein könnte und, wie Rusk sie findet.
Ab diesem Moment hat sich das Buch eigentlich selbstständig geschrieben. Es gab eine paar Zauderstellen: Kommen die nochmal von Aurum? Ne! Warum eigentlich nicht? Wie bringe ich Dana ins Spiel und in Beziehung zu Karl? Was macht Karl eigentlich?
Überraschend leicht ließen sich all diese Fragen beantworten und ergaben, wie ich fand eine rasante, gute Geschichte. Umso betrüblicher, dass das unsaubere Lektorat der Veröffentlichung den Schwung genommen hat.

Könnte man mögen, wenn:
– man Spannung mag, ohne Leichenfetzen und Ritualmord
– Unterhaltung, ohne das Denken einstellen zu müssen
– eine Erzählmelodie, kurzen Sätzen vorzieht
– beim Lesen gerne was lernt
– Wissenschaft abenteuerlustig empfindet

Auch hier: Auf einen Link „da kaufen!“ und ein ansprechendes Cover verzichte ich. Ich stelle ja nicht, als Leser ein Buch vor, sondern als sein Autor.
Ich bemühe mich zu zeigen, was vermutlich niemand außer dem Autor zeigen kann: die Hintergedanken.
Das andere (den Inhalt beschreiben, Pro und Kontra, etc.) können Rezensenten deutlich besser.

Damit endet die kleine Werbereihe, wie angekündigt. Für den Moment war das eine sehr gute Lösung, in größeren Abständen weiter Beiträge zu veröffentlichen. Könnte sich für die Zukunft bewähren. Für die Feiertage verspüre ich sogar eine gewisse Versuchung, öfter was zu posten, aber mal sehen … 🙂

Ich danke euch für die Besuche und habe mich sehr darüber gefreut, dass der Blog weiter Besucher und Follower findet, auch, wenn gerade nichts passiert.
Habt ein schönes Wochenende!

PGF