Selbstredend

Vielleicht wissen wir ja einander, manchmal nichts zu sagen,
weil wir uns nur ansehen müssen,
um uns zu verstehen.
Wir müssen uns nichts erklären,
nicht einmal das erklären,
nur in die Augen sehen.

08/18 PGF

Heimat

Ist das Gefühl von Heimat, nicht im Wesentlichen verbunden mit einem vertraut werden, mit allen Aspekten einer Umgebung? Mit den Menschen, den Gegenständen, dem Ort, den Prozessen. Sodass man, nach einer Weile sicher sagen kann: Das kenne ich! Wissend um die Abläufe.

Ich habe das vertraut werden früher sehr genossen. Ich fand den Zustand der Beruhigung, nach der Aufregung vor dem Neuen, sehr schön und wurde fröhlich und verspielt, wenn ein Ausschnitt der Welt mir vertraut wurde.

Vielleicht habe ich deshalb diesen Prozess, diesen Wechsel aus Aufregung und vertraut werden, in meinem Leben immer wieder gesucht. Bis zu dem Punkt, dass mir nun die nah liegenden Dinge, nicht mehr vertraut werden: die Menschen, ihre Gewohnheiten, Gegenstände, Handlungen, Abläufe.
Irgendwie kenne ich es und bleibe doch fremd.

Vermutlich, weil alle vertrauter miteinander sind, als ich, der immer Hinzukommende, der das Dazukommen besser kennt, als das Dabeisein.
Dafür ist mir etwas anders vertraut: Das Leben selbst, weil ich mit dem Menschlichen, dem Irdischen, den Jahreszeiten, Schicksalsschlägen, Glücksmomenten vertraut bin. Wenn man so will: In der Welt daheim bin.
Ein schönes Gefühl.

Hesse schrieb mal: „So musst du allen Dingen Bruder, Schwester sein, dass sie dich ganz durchdringen.“ Ich denke, das drückt es wundervoll aus.

Dabei ist dieses vertraut werden, nie ganz abgeschlossen, sondern wird getragen von der beständigen Sehnsucht nach Erweiterung.
Bis am Ende Heimat, etwas sehr Abstraktes wird … und etwas Allgegenwärtiges.

08/18 PGF

Solche Abende

Man sitzt bis abends spät
und redet
und hält die Gläser fest
und sieht nicht nach den Sternen,
denn die sind fern.

Man lacht über Lächerliches
und „will ja nichts sagen“
über die oder den
„aber stell dir vor!“
und die Grillen zirpen,
als wüssten sie zu viel.

Der Mond steigt auf,
viel zu leise,
an solchen Abenden;
nach Tagen, an denen es scheint,
als wolle die Sonne,
all das verbrennen.

PGF 08/18