#48 Ich mach das jetzt ganz anders

Eigentlich ist man doof – also ich, indem ich mir den Druck mache: Veröffentliche ich oder nicht?
Indem ich, jetzt schon zu erfassen versuche: Gefällt es oder nicht?
Ist völlig unsinnig.
Es lebt sich leichter, auf den Versuch hin.

Ich starte und, wenn das Skript gefällt und Teile sich verkaufen, veröffentliche ich weiter und, wenn nicht – nicht.
Ich muss niemand zwangsbeglücken.

Natürlich gibt es diese lauernde Frage: Und, wenn ich mir die ganze Arbeit umsonst mache?
Darin sind die Musen unerbittlich, dass sie Treue fordern, ganz gleich, ob sie belohnt wird.

Letztlich ist es eine Frage der Freude und des Bemühens. Etwas zu schaffen, mit Liebe zu schaffen, was gefallen könnte. Etwas, dass jemand glücklich macht oder tröstet oder die Welt tiefer verstehen lässt.
Etwas, dass Liebe in sich trägt und nicht Ehrgeiz.

Häuten müssen wir uns immer wieder …

05/19 PGF

#47 Zwischen den Zeilen

Was zum Wort wird, ist ja nur Oberfläche.
Man muss sich, hinter den Worten, unsagbares Glück oder Traurigkeit oder Hoffnung denken, die schwingend und schattierend in Worten Halt suchen, ohne sich darin abzubilden.
Was Wort wird, ist zu Ende gelitten, zu Ende genossen.
Wenn es fragil ist, wie ein Vers oder eine Sentenz, dann mag es noch oszillieren zwischen Wort und Seele, aber ist es erst breit und episch, liegt eine umfangreiche Schicht Erkenntnis und Verstand, zwischen Abgrund oder Glück und der Formulierung.
Nicht, dass damit alles geklärt ist.
Es ist nicht das letzte Glück und nicht der letzte Abgrund.
Deshalb sind wir so dankbar für jeden Leser.
Wenn uns jemand liest und vervollständigt, wohin die Worte nicht reichten, überbrückt er die letzte Distanz zwischen Ich und Ich, als würden zwei Seelen zu einem Bewusstsein werden.

PGF 05/19

#46 Zeilen die 2.

Also, dann verrate ich heute mal was zu den Zeilen, die irgendwann öffentlich werden sollen 😉

Aktuell würde ich vorsichtig optimistisch behaupten: Läuft!

Ich habe zwar gar keine Ahnung, ob ich jemals fertig werde.
Ob, wenn ich fertig werde, das Ergebnis irgendjemand gefällt.
Wie ich den Papierberg finanziert bekomme, damit er veröffentlicht werden kann.
Und bin in jedem Fall sicher, dass ich, im zeitlichen Sinn, keinen Milestone halten kann. Die sechs Monate, links in der Spalte, könnt ihr schon mal ad acta legen.

Aber (und dieses Aber kann man sich freundlich pulsierend und in Regenbogenfarben vorstellen) die Kapitel die aktuell entstehen, gehen mir gut von der Hand.
Und auch, wenn der innere Kritiker gefesselt, geknebelt und mit Augenbinde, in der Ecke sitzt und protestiert, dass er seine Vorbehalte nicht zum Besten geben kann, ich überlasse mich dem guten Gefühl und dem Spaß, den ich beim Schreiben habe.
Man kann sich das so vorstellen, als wäre ich dabei neue Reisterassen im Himalaya anzulegen, alle Muscheln an einem Strand einzusammeln oder alle Grashalme einer Wiese zu zählen. Wenn man von Halm zu Halm, Muschel zu Muschel, Höhenmeter zu Höhenmeter denkt, geht es wieder.

Cool wäre, wenn das Buch so viele Leser finden würde, wie es Arbeit macht, also so viele Halme, Muscheln, Himalaya-Höhenmeter.
Doch bis dahin – ist der Rhein vollständig ins Meer geflossen … 🙂

Habt einen schönen Sonntag
PGF

#45 Zeilen

Und so schön es ist, seine Zeilen zu teilen, so schön ist es, sie still zu haben und niemand zu zeigen,
sie versteckt in einer Schublade liegen zu haben
oder im Herzen zu tragen
oder nur in einem Moment,
zu fühlen,
sie nicht zu halten,
weil nur die gelebte Zeile zählt,
die geschriebenen Zeilen sind so schnell zerlegt,
in falsch und hässlich, in fehlerhaft und grässlich, dem Glück beraubt, das man fühlt,
wenn man sie still und heimlich, zum ersten mal sich selbst erzählt.

PGF 05/19

#43 Der Wind im Gras

Es gibt auch dieses leise Lieben,
das flüstert, wie Wind im Gras,

das wärmt, wie morgendliche Sonnenstrahlen

und duftet, wie der Frühling im Mai,

das im Blick liegt
und im Klang der Worte … –

weich und mächtig,
wie wandernde Wolken vor tiefem Blau.

05/19 PGF

#42 Die Frucht der Erkenntnis

Manchmal liest man etwas und hält es für gut oder klug, weil man es für den Ausgangspunkt eines Denkens hält.
Aber in Wirklichkeit verhält es sich anders.
In Wirklichkeit ist es das Ende eines Erlebens, das Ergebnis einer Erfahrung, aus der alle Dummheit, alle Fehler und Irrtümer herausgerechnet sind.
Bis am Ende nur noch die reine Erkenntnis bleibt.
Diese Weisheit des Rückblicks muss man entlarven, um niemand zu überschätzen und, um den Mut zu bekommen, sich auf den Weg zu machen …

05/19 PGF

#41 Über die Jahre

Menschen verlieben sich
Kinder werden zu Leuten,
Länder leiden in blutigem Krieg.

Blüten leuchten in der Sonne,
Reisende sehen aus Flugzeugscheiben
und Meer rauscht im Kies vor und zurück.

Freundschaften verlieren sich
Flüchtige stehen vor verschlossenen Toren,
Karrieren fressen Seele und Herz.

Ähren vertrocknen,
ein Genie wird geboren,
die Welt jubelt in blindem Glück.

Und ich schrieb ein Buch
und über all diesen Seiten,
wechselten nur Tag und Nacht.

05/19 PGF