Werke

In allen Bereichen des Lebens ist es wichtig, dass man seine Werke vollbringt.
Sei es in der Kunst, im Beruf, unter Menschen, egal, ob es Werke der Liebe, Werke des Ehrgeizes, der Vernunft oder der Sachlichkeit sind.
Entscheidend ist, dass man der Welt seinen Stempel aufdrückt, dass man Spuren hinterlässt, dass man da war.
Zu meist zögern wir das zu tun. Wegen des Schadens, den wir möglicherweise anrichten. Weil wir an uns zweifeln.
Aber auch unser Unterlassen, unsere ausbleibende Anwesenheit ist ein Schaden!
Wir kommen in die Welt, um sie zu entdecken, wir sind in ihr, um sie zu gestalten und, wenn wir gehen, werden wir sie mit uns erfüllt haben:
Unseren Fehlern, unserem Abfall, aber auch mit jedem Werk, welches wir vollenden und ihr schenken.
Die Welt kann damit tun, was sie will.
Sie kann es vergessen, vernichten, bewahren.
Die Zeit geht darüber, wie der Wind über das Gras, das zwischen Staub und Gestein, sein karges Dasein behauptet.

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1000 Seiten

Die Rechnung ist ganz einfach:
Du musst nur jeden Tag 3 DINA4-Seiten schreiben, dann hast du am Ende eines Jahres gut 1000 Seiten.
Drei Seiten, das ist, wenn man von Normseiten ausgeht, ein Umfang von 4500 bis 5400 Zeichen bzw. 450 bis 540 Worten.
Wenn du von 4 Überarbeitungen ausgehst, steht am Ende ein 250-Seiten Roman.
Die Aufgabe ist einfach, du brauchst nur Disziplin.
Wenn du dich jetzt fragst:
Jeden Tag?
Oder:
Was soll ich denn auf die 3 Seiten schreiben?
Dann lass es besser bleiben.
Ob es dir an Talent gefehlt hat, wirst du nie erfahren.
Aber sicher am Willen.

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Talent

Du weißt nicht, ob du es kannst, wenn du es nicht ausprobierst.
Wenn es dann, das 1. Mal schief geht, sagt das nichts weiter, es kann immer schief gehen.
Das 2. Mal mag es schon besser sein und falls nicht, gibt es ein nächstes Mal.
Und beim 3. Mal siehst du, ob du es willst und lernst, dass du es kannst, wenn du nicht aufgibst.

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Zwischen der ersten und der zweiten Zeile

Es gibt Tage, da bringst du einen ersten Satz aufs Blatt
… und spürst, das unangenehm aufflackernde Blitzlichtgewitter, oberhalb deiner Stirn, wenn nach deiner ersten Lesung vor internationalem Publikum, Journalisten aus aller Welt dich interviewen und wissen wollen, wie dir die Idee zu diesem Bestseller kam.
Du suchst, leicht stotternd, nach einer ersten Erklärung, bist aber, im nächsten Moment, vor ein riesiges Publikum gestellt, welches applaudiert, während du den Preis der Frankfurter Buchmesse erhältst.
Ehe du deine Dankesrede ganz abschließen kannst, nimmst du, etwas irritiert, Schwedisch, in deiner Nähe war, obwohl du dich, auf den dir ehrenhalber neu vergebenen Literaturnobelpreis konzentrieren wolltest.
Du dankst, mit einer eleganten Verbeugung und bemerkst dabei das Blatt vor dir
… und nimmst dir vor es, vielleicht erst einmal, mit einem zweiten Satz zu versuchen.

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Fülle und Leere

Es ist das Bedürfnis uns auszudrücken, das uns zum Worte suchen treibt, wie andere zu Tönen oder Farben oder Gestik oder Kreation.
Wenn wir diesem Bedürfnis folgen, geraten wir manchmal an den Punkt, da wir leer geworden sind und nichts mehr auszudrücken haben.
Manchmal an den, dass wir die Worte nicht finden, die wir bräuchten, um zu erklären.
Und immer zur Frage: Ist es mehr, als Eitelkeit … ?

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Pendeln

In den ruhigen Phasen pendelt unser Leben, um ein stabiles Zentrum.
Diese Balance zwischen Glück und Unglück fühlt sich nicht langweilig oder überflüssig an, sondern befähigt uns, zu außergewöhnlichen Leistungen, die wir erbringen können, wenn unsere Aufmerksamkeit keine Ablenkung erfährt.
Bis ein Impuls kommt und uns aus der Mitte stößt.
Nicht selten, in dem wir uns verlieben und über dem Hoffen und Bangen, das Vertrauen verlieren, das unsere Mitte ausmacht.
Plötzlich suchen wir diese Mitte nicht mehr in uns, sondern draußen, an den Rändern, wohin das Pendel schwingt, unruhig und voll Sehnsucht und, wie wir erst nach längerer Zeit erkennen, vergeblich.
Kunst schöpft aus den weiten Schwüngen, aber entstehen kann sie nur, um ein Zentrum konzentriert.

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