Der Mond und ich

Die Nacht liegt still
und wartet auf ein lichtes Wort,
doch meine Seele liegt in Schweigen …

Die Welt sie dreht sich,
ruhig um einen Sinn,
und keiner meiner Sinne, wird ihn mir beschreiben.

Der Mond und ich,
wir wandern stumm, ein jeder seine Bahn
und teilen Fülle und Leere

und wissen, dass es schöner wär,
wenn alles ruhig und sanfter wäre.

PGF 06/17

Heimreise

Wenn ein Glück endet, ist es, als müsse man, nach einer langen, schönen Reise den Heimweg antreten.
Nicht anders wie dort, sitzt man und schaut, wie durch eine matte Scheibe, die Welt vorbei zieht. Man erinnert sich an schöne Momente, verdrängt die schlechten und lächelt unwillkürlich über manche unerwartete Erfahrung.
Bis einem die Stille und die Leere einfallen, die näher rücken.
Wenn man klug ist, vergisst man nicht, welches Glück es ist, ein Zuhause zu haben und, wenn man klug war, hat man das während der ganzen Reise nicht vergessen.
Man war auf der Suche nach sich selbst, nach Erfahrung, nach Schicksal – vielleicht hat man nur sich gefunden, aber mehr ist nie zu erwarten.
Wenn man mutig war, ist man über sich hinaus gewachsen. Vielleicht hat man Angst wieder der Alte zu werden … aber man fällt nicht zurück, so wenig, wie man das Laufen und Sprechen wieder verlernt – wenn das kommt, ist der Tod nah und eine andere Reise steht bevor.
Es bleibt ein dankbarer Blick zurück, auch, wenn die Seele brennt und ein leiser Blick voraus, denn die Welt ist groß genug für neue Ziele.

06/17 PGF

1908

Es ist Nacht

Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält’s nicht aus,
hält’s nicht aus mehr bei mir.

Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.

Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.

Christian Morgenstern, 1908

Quelle: https://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/esistnacht.html