Gestra (42)

42.

Als Samuel seine Erklärung beendet hatte war es später Nachmittag. Das schwächliche Licht dieses grauen Tages, lag sterbend über der Welt und es hätte nichts, meine Mutlosigkeit besser spiegeln können.
»Und was machen wir jetzt?«
»Wir sollten Gestra beobachten. Wir sollten wissen, wohin es sich als nächstes entwickelt, ehe wir uns entscheiden was zu tun?«
»Entscheiden was zu tun ist? Das kann ich dir sagen: Wir löschen das Ding aus!«
»Wir sollen die erste nicht-irdische Lebensform töten? Sicher?«
»Ja.« Bekräftige ich, überzeugt, dass es alternativlos war.
»Und, wie sollen wir das Ding bekämpfen? Sollen wir es vergiften?«
»Gute Idee, Jez hat bestimmt was ökologisches auf Lager.«
Samuel sah mich seltsam irritiert an, als würde ich erst in Zukunft verstehen, wie befremdlich meine Begeisterung war, Gestra zu töten. Aber er wusste, dass ich noch nicht bereit war zu verstehen, was an meinem Gedanken falsch war.
»Ob wir es töten entscheiden wir nach dieser Nacht. Heute Nacht beobachten wir es und dann entscheiden wir.«
Ich bin selten ängstlich. Ich war es zum letzten Mal, mit 7, als mir die scheißteure Vase meiner Tante Cathy aus der Hand gerutscht war – die ich nicht hätte anfassen sollen, aber warum, fragte ich mich damals, gibt es so was Schönes, wenn es nur dasteht und man es nicht benutzt. Jetzt jedenfalls schlug mir Samuel vor, in den Wald zu gehen und das Ding, im Dunkeln zu jagen, welches Stunden vorher, den Sheriff genüsslich verspeist hatte.
»Ich gehe nur in den Wald, wenn du einen Flammenwerfer dabei hast.«
Ryken erhob sich.
»Das nicht, aber etwas anders nützliches.«
Er ging zu Jez Wagen, öffnete den Kofferraum und holte etwas heraus, was, wie Army-Kleidung aussah.
Er kam wieder zu mir und hielt mir einen Gegenstand entgegen.
»Das ist -«.
»Ein Nachtsichtgerät.«
»Dass man auch als Flammenwerfer benutzen kann?«
Er lachte.
»Nein, damit sehen wir uns an, was aus Gestra wird. Soweit ich vermute, findet in der Nacht, die Verpuppung zur nächsten Stufe statt. Während dieses Vorgangs, in dem Gestra, gesammelte Informationen in eine neue Physis verwandelt, ist es nicht handlungsfähig.«
»So, wie ich nackt, wenn ich mit dir diskutieren will.«
»Perfektes Beispiel.«
»Aber wie sollen wir Gestra finden?«
»So, wie du es heute Morgen entdeckt hast: der Ort, wo es ankam, ist, wie sein Nest. Es wird immer dorthin zurückkehren, weil es die gleichen Ausgangsbedingungen findet, in denen seine erste Entwicklung sich vollzog.
»Deshalb lande ich immer in den gleichen Bars und bei den gleichen Frauen.«
»Ja, du landest immer wieder bei deiner Mutter und dem was du als »Familie« erfahren hast.«
Ich betrachtete ihn, ob er scherzte. Aber das schien nicht so.
»Du meinst das ernst.«
»Ja, aber es würde zu weit führen. Wir haben Gestra zu fangen und nicht deine Psychoanalyse zu bewältigen, wobei ich nicht weiß, was gefährlicher wäre.«
»Du willst doch lieber Lone Wolf bleiben?«
Samuel wurde ernst.
»Nein Joe, sicher nicht. Der Mensch kann alles allein schaffen, manchmal muss er das. Einer geht den ersten Schritt, wie damals Armstrong, als er die Oberfläche des Mondes betrat. Aber ich bin heilfroh, dass du neben mir bist.«
»Weil wir die vertraute Welt verlassen, um dem Chaos der Existenz gegenüber zu treten?«
»Ja Joe, für uns wird bis zum Morgen, dass nicht mehr Bestand haben, was alle für die Realität halten.«

02/21 PGF

42.

When Samuel finished his explanation, it was late afternoon. The faint light of this gray day, lay dying over the world and nothing could have better reflected my despondency.
„So what do we do now?“
„We should watch Gestra. We should know where it’s going next before we decide what to do?“
„Decide what to do? I can tell you that: we wipe the thing out!“
„You want us to kill the first non-terrestrial life form? Are you sure?“
„Yes.“ I affirm, convinced there was no alternative.
„So, how should we fight the thing? Should we poison it?“
„Good idea, I’m sure Jez has something ecological in store.“
Samuel looked at me strangely irritated, as if I would only understand in the future how alienating my enthusiasm was to kill Gestra. But he knew I wasn’t ready to understand what was wrong with my thought.
„We’ll decide whether to kill it after tonight. Tonight we’ll watch it and then we’ll decide.“
I’m rarely anxious. I was the last time, at 7, when my Aunt Cathy’s expensive-as-shit vase had slipped out of my hand – which I shouldn’t have touched, but why, I wondered at the time, is there such a beautiful thing if it’s just standig there and you don’t use it. Now, anyway, Samuel suggested I go into the woods and hunt the thing, in the dark, that hours before, had gleefully eaten the sheriff.
„I’ll only go into the woods if you have a flamethrower with you.“
Ryken rose.
„Not that, but something else useful.“
He went to Jez’s car, opened the trunk, and took out what looked like Army clothes.
He came back to me and held an object out to me.
„This is -„.
„A night vision device.“
„That you can also use as a flamethrower?“
He laughed.
„No, we use it to see what Gestra becomes. As far as I can guess, during the night, the pupation to the next stage takes place. During this process, in which Gestra, collected information transforms into a new physique, it is unable to act.“
„Just as I am naked when I want to discuss with you.“
„Perfect example.“
„But how are we going to find Gestra?“
„The same way you discovered it this morning: the place where it arrived is, like its nest. It will always return there because it will find the same initial conditions in which its first development took place.
„That’s why I always end up in the same bars and with the same women.“
„Yes, you always end up back with your mother and what you experienced as ‚family‘.“
I looked at him to see if he was joking. But it didn’t seem that way.
„You’re serious.“
„Yes, but it would be going too far. We have Gestra to catch, not your psychoanalysis to deal with, though I don’t know which would be more dangerous.“
„You’d rather stay Lone Wolf, wouldn’t you?“
Samuel grew serious.
„No Joe, I sure don’t. Man can do anything by himself, sometimes he has to. Somebody takes the first step, like Armstrong did when he walked on the surface of the moon. But I’m glad as hell to have you beside me.“
„Because we are leaving the familiar world to face the chaos of existence?“
„Yes Joe, for us, until the morning, that will no longer hold what everyone thinks is reality.“

02/21 PGF

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