Gestra (30)

30.

Wir saßen, in Bademäntel und Decken gewickelt in Jez Wohnzimmer und tranken Tee und aßen Süßigkeiten aus Mike Café.
Die Stimmung war einigermaßen gedrückt, weil wir nicht weitergekommen waren und jetzt eigentlich noch weniger wussten, als zuvor.
An Samuels nachdenklicher Stimmung merkte ich, dass ihn vor allem die verschwundene Pflanze beschäftigte. Er war beunruhigt, aber er konnte nicht mit uns reden, ohne zu viel zu verraten.
Jez war noch immer mehr, mit dem Satelliten beschäftigt.
»Kann es sein, dass das ganze Ding runtergekommen ist und deshalb so ein Sog entstanden ist. Ich kann mir vorstellen, wenn eine Passagiermaschine abstürzt, knickt auch manches, rechts und links um, wie in einer Art Fahrtwind.«
Ich sah nach Ryken, der Jezebel kaum zugehört hatte. Aber von ihm würde sie sich ihre Antwort erwarten, deshalb schwieg ich.
»Samuel?«
»Ja? Was?«
»Ob es der Satellit war. Ist damit deine Aufgabe erledigt?«
Er schüttelte den Kopf.
»Vielleicht – ich weiß es nicht – ich muss noch einen Abschlussbericht schreiben.«
»Na! Ich will auf jeden Fall noch mal nach der Pflanze sehen, die kann ja nicht so einfach verschwinden. Sie kann ja schlecht Beine bekommen.«
»Vielleicht ein Reh«, warf ich nochmal, aber vergeblich ein.
»Glaube ich nicht. Warum sollte es den ganzen Baum wegfressen.«
»Jez nichts für ungut. Aber du kannst nicht nochmal in den Wald.«
Jetzt war Ryken aufmerksam.
Jez verzog irritiert das Gesicht.
»Und wieso? Du hast gefunden was du wolltest. Wir waren dir dabei behilflich, falls du das schon wieder vergisst.«
Samuel sah frustriert aus.
»Nein, ich werde das Gelände zur Sperrzone erklären! Wenn meine Leute in zwei Tagen hier sind, werden wir den Wald gründlich umpflügen.«
»Und weshalb? Hatte der Satellit einen Atomantrieb und wir sind alle verseucht.«
Die Erklärung schien dem Agent sympathisch.
»Etwas in der Art.«
»Nun, das glaube ich dir nicht. Die Dinger werden mit einer Trägerrakete ins All geschossen und brauchen nur noch einmal eine Zündung, um in den Friedhofsorbit zu gelangen. Da macht ein Atomantrieb wenig Sinn.«
Ryken senkte den Kopf und sah in seine Teetasse.
»Jez und, wenn ich dich einfach darum bitte, es zu lassen?«
Jez fixierte Samuel ernst.
»Dann würde ich dir nicht versprechen, dass ich mich daranhalte.«
»Es sind doch nur zwei Tage.«
Jez hielt ihren Arm hoch.
»Ich will wissen, was das war, was das hier verursacht hat!«
»Was ist der Friedhofsorbit?« Versuchte ich die beiden abzulenken.
Jez antwortete.
»Eine Umlaufbahn, um die Erde, in der Satelliten landen, die zu groß sind, um sie kontrolliert abzustürzen zu lassen. Eine Art Mayor-Tom-Sphäre.«
Das ergab ein Bild für mich.
Plötzlich schlug Jez die Hände zusammen.
»Jetzt kapier´ ich es!«
Ryken und ich sahen uns, mit einem »Was denn?« auf der Stirn an.
»Ihr beiden verheimlicht mir etwas. Deshalb bist du so wortkarg und Joe ist gar nicht neugierig, worum es geht. Was habt ihr euch noch erzählt, bei eurem Männergespräch?«
Wie ich geahnt hatte. Ryken würde bei Jez nicht mit der halben Wahrheit durchkommen und jetzt war er uns zu vertraut, um auf »Lady! Staatsgeheimnis!« zurückzuschalten.
»Nichts Jez. Es war eher Joe, der mehr erzählt hat.«
Jezebels warnender Blick wanderte zu mir.
»Nichts, was du nicht weißt.« Sagte ich rasch.
Ihr Blick landete wieder bei Ryken.
Der seufzte.
»Es geht nicht, um die Satellitenteile, es geht um -«.
Jez Smartphone klingelte.
Glück gehabt, dachte ich und täuschte mich.
Sie nahm ab.
»Ja, Ryken ist hier. Ja. Um was geht es denn? Das wollen Sie nur ihm sagen? Ja, toll das mich jeder behandelt, als wäre ich zurückgeblieben. Ach wegen Miss Dorsets Hund. Er ist im Wald beim Observatorium verschwunden. Ja, okay, ich gebe Sie weiter.«
Ryken nahm das Gerät entgegen. Sein Blick war ernst.
»Ryken hier.«

02/21 PGF

30.

We sat, wrapped in robes and blankets in Jez’s living room, drinking tea and eating sweets from Mike Café.
The mood was somewhat depressed because we hadn’t made any progress and now actually knew even less than before.
I could tell from Samuel’s pensive mood that he was mostly concerned about the missing plant. He was worried, but he couldn’t talk to us without giving too much away.
Jez was still more, preoccupied with the satellite.
„Could it be that the whole thing came down and that’s why it created such a wake. I can imagine when a passenger plane goes down, some things, right and left, fold over too, as if in some kind of updraft.“
I looked to Ryken, who had barely listened to Jezebel. But from him she would expect her answer, so I kept silent.
„Samuel?“
„Yes? What?“
„Whether it was the satellite. Does that complete your task?“
He shook his head.
„Maybe – I don’t know – I still have to write a final report.“
„Well! In any case, I want to check on the plant again, it can’t just disappear like that. It can’t very well get legs.“
„Maybe a deer,“ I interjected again, but to no avail.
„I don’t think so. Why would it eat away the whole tree.“
„Jez no offense. But you can’t go into the woods again.“
Now Ryken was paying attention.
Jez screwed up his face in irritation.
„And why is that? You found what you wanted. We were helpful to you, in case you forget again.“
Samuel looked frustrated.
„No, I’m going to declare the area a restricted zone! When my people get here in two days, we’ll plow the forest thoroughly.“
„And why is that? Did the satellite have a nuclear engine and we’re all contaminated?“
The explanation seemed sympathetic to the agent.
„Something like that.“
„Well, I don’t believe you. Those things are launched into space on a booster rocket and only need one more burn to get into graveyard orbit. There’s not much point in nuclear propulsion.“
Ryken lowered his head and looked into his teacup.
„Jez and, if I just ask you to let it go?“
Jez fixed Samuel seriously.
„Then I wouldn’t promise you I’d stick to it.“
„It’s only two days.“
Jez held up her arm.
„I want to know what it was that caused this!“
„What’s the graveyard orbit?“ I tried to distract them both.
Jez replied.
„An orbit, around Earth, where satellites land that are too big to crash in a controlled way. Sort of a Mayor-Tom sphere.“
That made a picture for me.
Suddenly Jez slapped his hands together.
„Now I get it!“
Ryken and I looked at each other, with a „What?“ on our foreheads.
„You two are hiding something from me. That’s why you’re so tight-lipped, and why Joe isn’t curious at all about what it is. What else did you tell each other, in your man talk?“
As I had guessed. Ryken wouldn’t get away with half-truths with Jez, and now he was too familiar with us to go back to „Lady! State secret!“ back.
„Nothing Jez, it was more Joe who told more.“
Jezebel’s warning glance moved to me.
„Nothing you don’t know.“ I said quickly.
Her gaze landed back on Ryken.
The sighed.
„It’s not, about the satellite parts, it’s about -„.
Jez smartphone rang.
Lucky, I thought, and I was wrong.
She picked up.
„Yeah, Ryken’s here. Yes. What’s this about? You’re just going to tell him? Yeah, great that everyone treats me like I’m retarded. Oh, about Miss Dorset’s dog. He disappeared in the woods near the observatory. Yeah, okay, I’ll pass you over.“
Ryken accepted the device. His look was serious.
„Ryken here.“

02/21 PGF

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