Gestra (2)

2.
Ich hatte zwei Möglichkeiten: Ich konnte nach Süden laufen oder nach Norden, wenn ich der Straße folgen wollte. Um mich herum waren Ackerland und kleine Waldstücke, mehr war nicht zu sehen. Wie so oft im Leben, hatte ich mich eigentlich nur zwischen zwei Option zu entscheiden und doch führte jede, unweigerlich zu einem völlig anderen Ergebnis.
Es wäre alles anders gekommen, hätte ich mich entschieden, der Straße nach Süden zu folgen, denn dann wäre ich, nach nur einer halben Meile, bei einer Tankstelle mit Pizzaladen gelandet und hätte in der Folge – und ja, so drastisch ist es – ein anderes Leben geführt. Ich hätte den Eigentümer gebeten meinen Wagen abzuschleppen, hätte mir eine Pizza bestellt und wäre vermutlich weiter südlich, nach Sanford empfohlen worden, um mir dort meine Pläne neu zu überlegen.
Aber ich entschied mich für die Route nach Norden, die 5 Meilen lang war und nicht mit Pizza und Gemütlichkeit endete.
Nach etwa zwei Meilen, die mich durch eine große landwirtschaftliche Fläche geführt hatten, in deren Mitte ein Hof lag, kam ich an die ersten Schilder, die mir etwas bei der Orientierung halfen. Ich befand mich auf der Old North Berwick Road und konnte nach Westen in die Drown Lane abbiegen, wo sich ein Reiterhof für Integrative Therapie befand. Vermutlich hätte mir das nicht geschadet, aber der Sprung vom suizidalen Alkoholismus zur Reittherapie, war für einen Mann, von meiner Denkart zu groß. Deshalb entschied ich mich auf der Old North zu bleiben und kam nach kurzer Zeit an einer Farm vorbei, die auch Übernachtungen anbot. Aber der Name „Rest and Be“ versprach ebenfalls nicht das Motto, nachdem ich mich orientieren wollte.
Ich lief die Straße weiter, bis sie in einem Knick auf die Walker Road einbog, der ich nach Osten folgte. Die Walker die von Westen kam, lag zwischen zwei Wäldern eingeklemmt und schien mir dort ländlicher zu werden und mein Ziel war der nächste größere Ort, um von dort nach Portland zu kommen.
In diesem Sinn war die Entscheidung nicht ganz schlecht, denn vor mir zur Linken sah ich ein Wohnhaus und die Straße weiter, öffnete sich das Land und wirkte endlich etwas belebter.
Ich lief, zuversichtlich weiter und ignorierte eine Sackgasse zur Linken und die Cole Road zur Rechten und wäre wahrscheinlich in die Alewive Road eingebogen, die als nächstes zur Linken abzweigte, wenn ich nicht von der Kreuzung aus, dass unscheinbare und doch irgendwie auffällige Gebäude am Rand von Wald und Wiese entdeckt hätte, das mich neugierig machte.
Das Gebäude sah aus der Ferne aus, wie ein grauer Schuppen mit weißem Dach, in dem ein Oldtimer oder zwei Kühe stehen konnten, aber auf dem Feldweg der dorthin führte, stand in weißer Schrift, auf blauem Untergrund „Starfield Observatory“ und darüber „Astronomische Gesellschaft – Nördliches Neu England“.
Das war entweder ein großer Bullshit oder ich stand vor dem unscheinbaren Eingang zu einer gewaltigen, militärischen Großanlage, in der die eigentlichen Geheimnisse der Area 51 bewahrt wurden. Dafür allerdings fehlten die Selbstschussanlagen.
Ich bog auf den Feldweg ein, der mich in einer sanften Kurve zu dem Gebäude hinführte. Als ich näherkam, entdeckte ich, dass seitlich des grauen Gebäudes, sich ein kleines, nettes, rotes Gartenhäuschen befand, vor dem mit einem grünen Zaun abgegrenzt, vier Parkplätze angelegt waren.
Vor dem grauen Gebäude standen zwei Picknick-Bänke am Rand einer Kiesgrube, in der – und es gab nur diese beiden Möglichkeiten – satanistische Rituale abgehalten wurden oder am Wochenende ein Barbecue.
Ich stand jetzt nicht weit von dem Gebäude entfernt und konnte bereits den Türknauf und die Fenster an dem grauen Schuppen sehen. Noch immer blieb mir schleierhaft, was dieses schmucklose Gebäude mit einem Observatorium zu tun haben sollte. Außer – und davon war ich fest überzeugt – der ganze eigentliche Spaß lag unter der Erde. Kilometer lange unterirdische Straßen führten von Bunkerkomplex zu Bunkerkomplex, wo mit Antimaterie, Alienhaut und Quantenbomben experimentiert wurde.
Mit einem plötzlichen: »Hallo Sir! Was suchen Sie hier?« hatte ich gar nicht gerechnet.

PGF01/21

2.
I had two options: I could walk south or north if I wanted to follow the road. Around me was farmland and small patches of forest, that’s all there was to see. As so often in life, I really only had to decide between two options and yet each, inevitably led to a completely different outcome.
Everything would have been different if I had decided to follow the road south, because then I would have ended up, after only half a mile, at a gas station with a pizza store and as a result – and yes, it is that drastic – I would have led a different life. I would have asked the owner to tow my car, ordered a pizza, and probably been recommended further south, to Sanford, to rethink my plans.
But I decided to take the route north, which was 5 miles long and didn’t end with pizza and comfort food.
After about two miles, which had taken me through a large agricultural area with a farm in the middle, I came to the first signs that helped me get my bearings a bit. I was on Old North Berwick Road and could turn west onto Drown Lane, where there was an equestrian farm for Integrative Therapy. Probably wouldn’t have hurt me, but the jump from suicidal alcoholism to equine therapy, was too big for a man, of my way of thinking. So I decided to stay on Old North and after a short time passed a farm that also offered overnight stays. But the name „Rest and Be“ also did not promise the motto after which I wanted to orient myself.
I continued walking down the road until it turned in a bend onto Walker Road, which I followed east. Walker Road coming from the west was sandwiched between two forests and seemed to me to become more rural there, and my destination was the next larger town to get to Portland from there.
In that sense, the decision wasn’t all bad, because ahead to my left I saw an apartment building and down the road, the country opened up and finally seemed a little busier.
I walked on, confidently, ignoring a cul-de-sac to the left and Cole Road to the right, and probably would have turned onto Alewive Road, which branched off next to the left, if I hadn’t spotted from the intersection, that nondescript yet somehow striking building at the edge of the woods and meadow that made me curious.
The building looked from a distance like a gray shed with a white roof that could house an old-timer or two cows, but on the dirt road that led to it was written in white lettering, on a blue background „Starfield Observatory“ and above it „Astronomical Society – Northern New England“.
This was either a big bullshit or I was standing in front of the inconspicuous entrance to a huge, large-scale military facility where the real secrets of Area 51 were kept. For that, however, the self-propelled grenades were missing.
I turned onto the dirt road that led me in a gentle curve toward the building. As I approached, I discovered that to the side of the gray building, there was a small, nice, red garden house, in front of which, delimited by a green fence, were four parking spaces.
In front of the gray building, there were two picnic benches on the edge of a gravel pit, where – and there were only these two possibilities – Satanic rituals were held or, on weekends, a barbecue.
I was now standing not far from the building and could already see the doorknob and windows on the gray shed. It was still a mystery to me what this unadorned building should have to do with an observatory. Unless – and I was firmly convinced of this – all the real fun was underground. Miles of underground roads led from bunker complex to bunker complex, where experiments were being conducted with antimatter, alien skin and quantum bombs.
With a sudden, „Hello sir! What are you looking for here?“ I had not expected at all.

PGF01/21

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