Rundgang / Round (4)

Also nach der Entscheidung literaturfrey zu reaktivieren, hier ein kurzer Hinweis für die, welche die Beiträge nicht über die Startseite aufrufen:
Hauptblog bleibt https://zeilenportal.com/ Hier finden sich damit verlinkte Beiträge. Diese Kurzgeschichte ist mehrteilig, die drei ersten Teile finden sich auf dem Zeilenportal.
Ihr müsste aber nur zum Einstieg wechseln, bis auf Weiteres werde ich, auf literaturfrey, kontinuierlich posten, damit ihr nicht hin und her wechseln müsst.
Neu sind die Übersetzungen ins Englische die ich mit DeepL erstelle.

Herzlichen Dank für eure Treue und Interesse, ich war sehr erstaunt beim Betrachten der Statistik, wie oft der Blog weiter besucht wurde!
Jetzt viel Spaß beim Lesen.

So after the decision to reactivate literaturfrey, here’s a quick note for those who don’t access the posts via the home page:
Main blog remains https://zeilenportal.com/ Here are posts linked to it. This short story is multi-part, the first three parts can be found on the line portal.
But you would only have to switch to the entry, until further notice I will post, on literaturfrey, continuously, so you don’t have to switch back and forth.
New are the translations into English which I create with DeepL.

Thank you for your loyalty and interest, I was very surprised when looking at the statistics, how often the blog was visited!
Now have fun reading.

4.

Sie trank still ihr Honigwasser, wie ein Kranker Hühnerbrühe trinkt, in kleinen Schlucken und immer wieder über die Tasse pustend.
Sie war mit den Flügeln recht geschickt beim halten und kippen des Gefäßes und ich wunderte mich, wo sie das gelernt hatte.
„Blumenkelche sind viel feiner zum halten“, erklärte sie mir.
Da ich Besuch nicht gewohnt war, wurde mir das Reden rasch zu viel. Ich ging zum Kamin und schürte Feuer.
Ein Scheit loderte noch kräftig, der andere war zu winzigen Glutwürfelchen zusammengefallen und pulsierte, wie etwas Lebendiges vor sich hin. Unvorstellbar, dass davon nur graue, kalte Asche zurückbleiben sollte.
Als das Feuer wieder ordentlich brannte, wandte ich mich meiner Besucherin zu. Ich setzte mich zu ihr an den Tisch.
Es war die Neugier, die mich fragen ließ: „Was bist du?“
Sie stellte die Tasse ab und betrachtete mich, als hätte ich etwas sehr Naives gefragt.
Ihre Stimme war voller Wärme, als sie meinte: „Das musst du mir sagen, denn ich stamme aus deinen Träumen.“
Ich schüttelte den Kopf.
„Also, du meinst, ich schlafe und träume das nur.“
„Nein, du bist wach. Sehr wach. Wacher vielleicht als je zuvor, weil die Welt im Unheil ist und dies all deine Sinne schärft.“
Davon musste sie mich nicht überzeugen. Mein Rundgang, die offene Tür, ihre Spuren im Schnee, das waren alles keine Elemente aus einem Traum.
„Wenn ich wach bin, kann es dich aber nicht geben.“
„Warum nicht?“
„Weil man wach ist oder träumt, weil man die Dinge erlebt oder aus einem unbestimmten Grund erfindet.“
„Und was, wenn diese Welt der Träume real ist? Wenn sie sich noch entwickelt, so wie diese Welt sich entwickelt hat? Wenn jeder Träumer ein Baumeister ist, einer anderen, einer fantastischen Welt? Und, wenn diese Welt, in dieser unruhigen Zeit, in deine Welt hinüberschwappt und ich dabei mit herüber gerutscht bin?“
„Blödsinn.“
„Trinke ich Honigwasser aus deinem Becher?“
Mir wurde schwindelig, etwas in mir sträubte sich, wie eine Katze die man über ein Fass mit Wasser hält. Ich sollte Dinge denken, die ich nicht denken wollte, die nicht zusammenpassten.
„Ja, das tust du und deshalb frage ich mich, was du bist. Denn etwas, wie dich habe ich noch nie gesehen und gleichzeitig zweifle ich nicht, dass du da bist.“
„Vielleicht“, und ihre Stimme klang ernst, „bin ich noch gar nichts abgeschlossenes. Vielleicht bin ich nur eine Möglichkeit. Vielleicht bin ich, was du sein könntest, wenn das Leben dir nicht Glanz und Farbe nehmen würde, vielleicht bin ich eine Stufe, die dir, deiner Seele, noch bevorsteht?“
„Willst du mir sagen, du bist so eine Art Engel, der aus der Larve geschlüpft ist?“
„Sag du es mir!“
Ich bereute, ihr die Nacht Unterkunft angeboten zu haben.
„Das muss ich nicht. Ich war neugierig und du willst mir nicht die Wahrheit sagen. Bleib die Nacht und verschwinde morgen, was immer du bist.“
Ihr ganzer Leib zuckte unter meinen Worten und die Farben ihrer Flügel schienen zu flimmern.
„Ich wusste, dass du wütend wirst. Vielleicht ist noch nicht die Zeit, um zu verstehen.“
Dem stimmte ich grimmig zu: „Ja, es ist die Zeit, um zu überleben. Um mehr geht es nicht.“

PGF 12/20

4.

She drank her honey water quietly, like sick person drinks chicken broth, in small sips and blowing over the cup again and again.
She was quite adept with her wings at holding and tilting the vessel, and I wondered where she had learned that.
„Flower cups are much finer to hold,“ she explained to me.
Not being used to visitors, the talking quickly became too much for me. I went to the fireplace and stoked the fire.
One log was still blazing vigorously, the other had collapsed into tiny cubes of embers and was pulsating away like something alive. It was inconceivable that only gray, cold ash should remain.
When the fire was burning properly again, I turned to my visitor. I sat down at the table with her.
It was curiosity that made me ask, „What are you?“
She put down her cup and looked at me as if I had asked something very naive.
Her voice was full of warmth as she said, „You must tell me, because I come from your dreams.“
I shook my head.
„So, you mean I’m asleep and just dreaming this.“
„No, you’re awake. Very awake. More awake, perhaps, than ever before because the world is in calamity and this heightens all your senses.“
She didn’t have to convince me of that. My walk around, the open door, her tracks in the snow, these were all not elements from a dream.
„When I’m awake, though, you can’t exist.“
„Why not?“
„Because you are awake or dreaming, because you are experiencing things or inventing them for some undetermined reason.“
„And what if this world of dreams is real? If it is still evolving, as this world has evolved? If each dreamer is a builder, of another world, a fantastic world? And, if this world, in this troubled time, spills over into your world, and I’ve slipped over with it?“
„Bullshit.“
„Am I drinking honey water from your cup?“
I felt dizzy, something inside me bristling, like a cat being held over a barrel of water. I was supposed to be thinking things I didn’t want to think, things that didn’t add up.
„Yes, you do, and that’s why I wonder what you are. Because something like you I’ve never seen before, and at the same time I don’t doubt you’re there.“
„Maybe,“ and her voice sounded serious, „I am not yet anything complete. Maybe I’m just a possibility. Maybe I’m what you could be if life didn’t take away your luster and color, maybe I’m a stage yet to come for you, your soul?“
„Are you telling me you’re some kind of angel hatched from the larva?“
„You tell me!“
I regretted offering her the night’s lodging.
„I don’t have to. I was curious and you won’t tell me the truth. Stay the night and leave tomorrow, whatever you are.“
Her whole body twitched under my words and the colors of her wings seemed to flicker.
„I knew you would get angry. Maybe it’s not time to understand yet.“
To this I grimly agreed, „Yes, it is the time to survive. That’s all it’s about.“

PGF 12/20

5 Kommentare zu “Rundgang / Round (4)

  1. Wieder eine schöne Geschichte lieber Pe am See 🤗
    Ich wünsche dir von Herzen ein schönes Fest und feine Tage zwischen den Jahren.
    Den Ältesten habe ich mir problemlos heruntergeladen… Danke dafür !
    Herzliche Grüße vom Lu am Ne

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