#136 Eine Geschichte (26)

„Bitte?“
Mathews Gesicht verriet, wie wenig er verstand.
„Fragen Sie nicht“, warf Vandenberg ein, „den Fehler habe ich auch gemacht, da kommt nur wirres Zeug.“
„Ich will das hören“, forderte Brück unbeirrt.
„Die Welt zerfällt, alles gerät aus den Fugen: die Einzelschicksale, die Erde! Der kosmische Tanz geht zu Ende! Die Dekonstruktion der Wirklichkeit hat begonnen. Alles was war, zerfällt in seine Einzelteile, zerbricht, erodiert, verliert an Kraft.“
Jack breitete seine Arme weit aus.
„Konstruktion und Dekonstruktion, Expansion und Singularität, Kollaps und Chaos. Amor Fati, es gilt, das eigene Schicksal zu erfüllen, egal, wie schwer es ist.“
„Okay“, brummte Mathews, „Mister Daniels Gesicht zum Fahrzeug, Hände aufs Dach und die Beine breit, Sie, sollten wir doch erstmal fixieren.“
Jack wandte sich ihm lächelnd zu.
„Sie spüren es alle oder? Das Klima, die Kriege, die Flüchtlinge, das Artensterben, die schmelzenden Gletscher, die vergifteten Meere, ihre Leben, die in einem Netz aus Pflichten und Bedürftigkeiten zappeln: wir fünf hier spielen ein Spiel, in dem Gut und Böse sich entstellt gegenüberstehen, indem die Wahrheit keinen Platz mehr hat.“
Die Dämmerung ergriff die Szenerie.
Vandenberg konnte sich einen Moment lang nicht gegen die Angst wehren, die sein Innerstes ergriff. Tatsächlich würde er sterben, blind Aufgaben und Aufträgen folgend, Menschen tötend, um etwas zu dienen, dass vollkommen bedeutungslos war.
Mathews stockte die Bitterkeit im eigenen Herzen, eine gewaltige Trauer ergriff ihn, über diesen zehrenden Hass, mit dem er an der Schönheit der Welt vorbei lebte.
Naval spürte einen schier unerträglichen Druck, der seine Gedanken aus den gewohnten Bahnen, von gut essen und nett plaudern drängte.
Und die junge Brück, fühlte mit einem Mal, alles in sich richtig, was sie unter zweifelnden Blicken, nie zu empfinden gewagt hatte.
Jack blickte ihnen andächtig, auf die frei gelegten Seelen …

09/19 PGF

3 Kommentare zu “#136 Eine Geschichte (26)

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