#130 Eine Geschichte (20)

„Und, mit was beschäftigt man sich, wenn man so was als Hobby hat.“
Brück sah ihn offen an.
„Bücher lesen, die Forschung verfolgen. Varela, Grof, Huxley, Kant, du kannst Regale mit Autoren füllen, die sich mit der Frage beschäftigt haben: Was ist unser Bewusstsein? Wie entsteht es? Gibt es die Welt oder ist sie nur eine Projektion unseres Denkens? Wenn die Regale voll sind, kannst du ein zweites Zimmer füllen, mit der asiatischen Philosophie, die sich diese Fragen schon viel länger stellt. Der Schleier der Maya und solche Sachen.“
„Du scheinst dich da aber auszukennen.“
„Ich lebe auch gern allein – ohne lesbisch zu sein.“ Sie warf ihm einen spöttischen Blick zu.
„Und warum die Asiaten so früh und wir erst in der moderneren Forschung?“
„Weil uns Aristoteles und sein Logik-Fanatismus im Weg standen, weil das Christentum das Denken und Fragen und Zweifeln verbot.
Daniels, ein fragender Geist, wie er, muss über diesen Kulturkreis hinauswachsen. Deshalb hat er immer mehr gelesen, gefragt, hat sich mit Castaneda, mit Meditation, Eliade, Sheldrake beschäftigt und sich – warum auch immer – für Bolivien entschieden. Dort muss ihn offensichtlich etwas beeindruckt haben.“
„Und was wollten die Amerikaner von ihm?“ Warf Naval ein, damit sie wieder zum Punkt kamen.
„Was wollen sie immer?“
„Krieg?“
„Auch, das andere?“
„Macht.“
„Exakt. Es ist, wie im zweiten Weltkrieg, als es darum ging, wer sichert sich die Wissenselite.“
„Aber, wir haben doch keinen Weltkrieg.“
„Doch, wir sehen ihn nur nicht. Wir haben den konkreten Krieg, aus unseren Kontinenten herausgehalten und führen ihn in Syrien, Afghanistan“.
„Ja, ja, ist schon klar.“ Bremste sie Mathews. „Wo sind wir jetzt?“
„Nahe der deutsch-französischen Grenze. In Bitch. Nicht mehr weit bis zu dem Abschnitt, an dem die Straßensperre errichtet wird.“
„Noch in Frankreich?“
„Unbedingt. In Deutschland tun die Amerikaner, wie sie wollen.“

08/19 PGF

4 Kommentare zu “#130 Eine Geschichte (20)

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