#121 Eine Geschichte (11)

Als er wach wurde, lag er wieder auf dem Bett, war aber nicht gefesselt. Er starrte ins Leere, wie er manchmal im Observatorium ins Leere gestarrt hatte, von dem Gedanken gepeinigt: „Ganz egal wie lange oder wie weit ich da hinausstarre, in den öden Raum, ich werde nichts finden, was mich tröstet, nur Staub und tote Atome.“
Jack setzte sich. Einen Moment lang wurde ihm schwindlig, aber es verging.
Er dachte an den Regen von gestern, an die Stimmung des Regens, die ihn erfasst hatte. Für so ein Gefühl war jetzt kein Raum. Man war nicht, wer man war, wenn die Welt einem packte. Man verlor die Tiefe. Man zappelte, wie ein Fisch an Land, unfähig die Umgebung in sich einzulassen.
Vandenberg zog sich einen Stuhl heran und setzte sich zu Jack.
„Wissen Sie, wie die Geschichte läuft: Sie spazieren hier raus und versuchen alles zu klären. Aber Bolivien, die Halluzinogene, Ihre Soziophobie, Ihr etwas abgefahrener Fachbereich … Man wird sich auf Sie, als Mörder festlegen. Sie werden von den Geheimdiensten der Welt gejagt, als hätten Sie Tom Cruise Geist inhaliert. Sie werden sterben, im Kugelhagel, während einer wilden Verfolgungsjagd. Oder Sie erinnern sich rechtzeitig, an den Mann mit dem fliederfarbenen Hemd und dann reden wir, wie Freunde, die sich helfen und vertrauen.“
„Was wollen Sie eigentlich von mir?“
„Die Ergebnisse Ihrer Forschung.“
„Die sind experimentell.“
Vandenberg rückte noch näher zu Jack.
„Aber faszinierend, wie haben Sie letztlich in einem Vortrag in CERN gesagt: Es ist möglich, dass das Sonnenlicht unsere Welt erschafft, wie ein Laser einen Film von einer Blue-ray abliest.“
Er nahm Jacks Gesicht in seine Hände.
„Sie! In unseren Laboren, mit unseren Werkzeugen: Sie könnten den Film erschaffen!“

08/19 PGF

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