#113 Eine Geschichte (3)

… das Toben der Zeit.
Der Medizinmann, den ich in Bolivien traf war fest davon überzeugt, dass es näher rückt. Nicht in Form einer Anarchie, eines Chaos, eines Endzeitszenarios, wie wir es uns manchmal vorstellen, sondern tiefgreifender, magischer, unser heutiges Bewusstsein gnadenlos sprengend.
Das Toben der Zeit, keine für Skeptiker leicht fassbare Phase der Dekadenz, sondern die Schmelze des Denkens, in dem wir gefangen sind, welches in: gestern, heute, morgen, gut, böse, verhasst, geliebt unterteilt und dabei zerfällt.
Der Medizinmann, der mir davon erzählte, nahm mich mit zu einem „Ayahuasca“, einer mystischen Reise, zu der uns ein Sud aus Lianen und anderen Pflanzen verhalf. Der dunkel-braune Saft stank fürchterlich, aber ich würgte ihn hinab, was folgte kann ich nicht beschreiben: Stunden der Ekstase und Erkenntnis, durchmischt mit Erbrechen und naher Bewusstlosigkeit.
Am Ende wusste ich, was kommt, wenn die Welt zu einer neuen Epoche schreitet.
Als Physiker tue ich mir mit der Vorstellung vielleicht leichter, als wenn meine Aufgabe darin bestünde Unterricht vorzubereiten, einen Wareneingang und -ausgang zu überwachen oder Bauteile herzustellen. Für mich ist die Konfiguration der Quanten, die unsere Wirklichkeit erst ermöglicht, nicht etwas feststehendes, sondern ein höchst sensibles, veränderliches System der Materie, welche nicht viele Erschütterungen erträgt.
Deshalb habe ich mich entschieden, meine Aufzeichnungen nicht zu veröffentlichen, um niemand zu erschrecken und damit sie nicht in die falschen Hände gelangen.
Moment, es klopft an der Tür …

08/19 PGF

5 Kommentare zu “#113 Eine Geschichte (3)

  1. hab ich auch schon von gehört (Ayahuasca) … hab einige Jahr in Südamerika gelebt und eines dort erfahren, nämlich, dass es eine magische Wirklichkeit gibt, eine, wie bei Garcia Marquez so treffend beschriebene Koinzidität unterschiedlichster Phänomene, – die allesamt in Sehnsüchten wurzeln, die tief mit uns verwachsen sind. Das tröstet mich gewissermaßen, meine Hoffnung ist und bleibt, dass wir Mensch sein dürfen und damit auch fehlen, sich irren. Das ist das Tragische am Mensch-Sein. Oder auch das Tragende. Wer weiß.

      • Da habe ich weniger Ahnung, hab nur mal jemanden getroffen (einen Medizinmann? – Er nannte sich jedenfalls so…) – in K i e l, Der hat mir davon erzählt und hat es ähnlich beschieben wie Du.
        Dort wo ich gelebt hatte, standen andere Riten im Vordergrund. (Nicht die Dschungel-gegend „, sondern das „Altiplano“, das Hochland). Hab einen schönen Abend, Gruß von Doris.

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