#106 Highlights

Immer mal wieder, trifft man auf fremd gewordene Zeilen, die ein früheres Ich geschrieben hat und die dem gewordenen Ich, gar nicht, wie etwas Eigenes erscheinen. Nicht selten schämt man sich oder schüttelt verständnislos den Kopf, über Formulierung, den Aufbau, den Mangel an Perspektive. Nicht so oft über den Inhalt, weil meist ein Moment damit verbunden ist und dieser Moment bleibt, auch, wenn man ihn mit Worten nicht festzuhalten vermochte.

Es gibt aber auch Momente, in der Regel, wenn man nicht aus eigenem Antrieb durch alte Blätter stöbert oder in Schubladen etwas sucht, sondern wenn ein fremder Leser einem aufmerksam macht, da sind diese Zeilen irgendwie treffend, schön zu lesen, sinnig. Man ist nicht mehr so verliebt in sie, wie, wenn man sie frisch geschrieben hat. Sie sind fremder, gehören mehr der Welt, als einem selbst, trotzdem freut man sich, dass man mit ihnen jemand berühren konnte. Man freut sich, etwas Schönes in die Welt gebracht zu haben. Vielleicht weiß man gar nicht mehr, wie man es hingebracht hat, aber es ist da und wirkt.

Das ist das Schöne am Bloggen oder am Verschenken von Texten, die man in einem mutigen Moment auf eine Karte geschrieben hat oder in einen Brief. Bei Büchern ist es etwas anders. Da lockt manches verkaufte Buch, ein Autorenexemplar in die Hand zu nehmen, darin zu blättern und ein wenig zu spekulieren, was den Leser wohl bewogen hat, es zu kaufen.

Erfreulicherweise mache ich, obwohl die letzte Veröffentlichung eine Weile zurückliegt, noch immer die beglückende Erfahrung, dass jemand eines meiner Bücher kauft. „Ich verkaufe Bücher“, hat ja zwei Komponenten: Die eine, bei der man nur glücklich ist, wenn man davon leben kann und die andere, die einem freut, weil sich jemand neugierig zeigt. Immer ein kleines Wunder.

Vermutlich bin ich deshalb so ungeduldig bis zur nächsten Veröffentlichung. Es ist dieser besondere Moment jemand zu unterhalten. Besser eigentlich, sich mit jemand zu unterhalten, mit dem man, unabhängig von Raum und Zeit, seine Gedanken austauscht. Wie ich mit dir, in diesem Moment.

08/19 PGF

6 Kommentare zu “#106 Highlights

  1. Ein paar unsortierte Gedanken dazu:
    Ist es nicht so, dass allein schon der Gedanke, es könnte jemand anders erfreuen, sehr viel Glück in sich hat? Ist es nicht das, was uns veröffentlichen lässt? Die Hoffnung, nicht nur sich selbst unterhalten zu können.
    Wenn es dann tatsächlich geschieht, wirkt das wie eine Droge. Unsere Hoffnung wird erfüllt. Was kann mehr Glückshormone auslösen? Ok, da gibt’s vermutlich noch ein paar Ereignisse, die das besser können. 😉
    Aber ich finde es fantastisch, diese Möglichkeit zu haben.

    Grüße

    Hannes

    • Die sind doch sauber sortiert 🙂
      Da gebe ich dir in allen Punkten recht. Aber es gibt einen Aspekt, der mag anmaßend, überbewertet oder unberechtigt sein und der lautet: Vom Schreiben leben können, um noch mehr und (vielleicht) besser schreiben zu können und von Likes kann man keine Brötchen kaufen, kein Lektorat finanzieren, kein Marketing organisieren. Damit hadere ich immer mal wieder und das ist Gift für die Glückshormone 😉

      • Das stimmt. Wenn man vom Schreiben leben will, dann reicht das Konzept nicht mehr aus.

        Deswegen wird das nie mein Ziel sein.

        Aber das ist eben die persönliche Entscheidung. Wenn man sich dafür entscheidet, dann kommen wohl leider so einige Aspekte dazu, die nichts mit dem Schreiben zu tun haben.

        In meinen Augen ist dann leider die Kernfrage eine (theoretisch) simple Kosten-Nutzen-Rechnung.
        Wie viel Zeit und Arbeit muss ich in Marketing und Produktion stecken, damit genügend Einheiten verkauft werden, um meinen Lebensunterhalt zu sichern? Wie viel Zeit bleibt mir dann noch zum eigentlichen Schreiben?
        Oder anders gesagt: Wie viel Geld kann/muss ich pro Zeiteinheit generieren?

        Das sind mir zu viele unbekannte Faktoren.

        Daher gilt dir, und jedem, der sich für diesen Weg ebtscheidet, meiner allergrößter Respekt.

      • Hallo Hannes, nüchtern und treffend analysiert! Im Sinn eines Stundenlohns lässt es sich nicht tarieren. Vermutlich (vielleicht hoffe ich auch nur) handelt es sich eher, um eine Art Lotterie, bei der man mit einem Los, welches ein Volltreffer wird genug „gewinnt“, um dann etwas entspannter das Schreiben anzugehen. Ich habe zum Glück einen Erwerbsberuf mit dem ich zufrieden bin und mit dem ich leben kann, wenn kein „Los“ gewinnt.
        Die Doppelbelastung: seinen Erwerbsberuf ordentlich zu erfüllen und das Schreiben ambitioniert zu verfolgen ist allerdings substanzzehrend. Denn, wenn das Buch geschrieben ist, folgt das Marketing, mit der Produktion hat man zum Glück weniger zu tun 🙂

      • OK. So abgefedert ist es natürlich etwas entspannter. Zumindest finanziell.
        Ich kann mir aber lebhaft vorstellen, wie kräfteraubend diese Doppelbelastung ist.

        Daher: Viel Kraft wünsch ich dir. 🙂

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