#95 Schmuckstückchen

Den meisten Müll streiche ich ja. Was nicht heißt, dass hier nicht manchmal etwas auftaucht, was besser in der Tonne gelandet wäre.

Es gibt aber auch zwischendurch kleine Edelsteine, bei denen das Autoren-Ego sich selbstzufrieden auf die Schulter klopft, sich ein genüssliches „Gut gemacht!“ ins Ohr flüstert und mit stabilisiertem Selbstbewusstsein, das Licht am Schreibtisch löscht und in jenes Leben zurückkehrt, in welchem die Eignung so gar nicht gegeben scheint.

Bei diesen Schmuckstückchen kann es vorkommen, dass sich irgendwann Unmut regt. Unmut darüber, dass sie niemand entdeckt, dass man, einer hysterischen Auster gleich, die Schale aufreisst, um die Perle zu präsentieren … aber in der Weite des Meeres schwimmt niemand vorbei sie zu sehen.

Das ist schwer. Es ist schon manchmal sehr schwer, an das eigene Werk zu glauben, aber mitunter noch schwerer zu verstehen, dass niemand sonst daran glaubt.

Und doch muss man es hinnehmen. Weil es Dinge gibt, die entdeckt sein wollen, wie es Orte gibt, wundervolle Menschen, zauberhafte Momente, an denen wird tausendfach vorübergegangen. Das ist die Prüfung des Schönen: dass es sich nicht aufdrängen darf, mit Silikonlippen und dicken Brüsten.

Es ist, dass kann sein Schicksal sein, den Seltenen zum Entdecken vorbehalten, kleinen Prinzen auf Sternen, die sich um eine Rose kümmern, Glasperlenspielern die nach geheimen Zusammenhängen suchen, Gottlosen, deren Bücher für alle und keinen sind.

Das muss man verstehen und es sich in seinem schattigen Plätzchen, wo nur ab und an ein Sonnenstrahl hinfällt, schön machen. Man muss für die duften, die feine Nasen haben, für die leuchten, die es zu sehen wissen und die berühren, die es zulassen berührt zu werden.
Wenn man das kann, ist alles andere leicht.

07/19 PGF

4 Kommentare zu “#95 Schmuckstückchen

  1. Ja, lieber Peter, wenn man das kann …
    Ich kenne dies nun seltener von meinen texten, aber mit manch Bild ging es mir schon so und dann musste ich am Ende von zwei Tagen und weiter keinen Kommentaren oder solchen, die nicht das sagten, was ich sah, ausschnaufen … und bei meinem bleiben, das will geübt werden, du gibst eine anziehende „Gebrauchsanweisung“ 🙂
    liebe Grüsse
    Ulli

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