#80 Sommer

Die erste Jahreshälfte ist, in jedem Jahr gefüllt mit dem beständigen Gefühl der Erholung und Reifung: der Schnee schmilzt, die Kälte zieht sich zurück, die Bäume grünen, die Wiesen werden bunt und der Himmel wird, von Tag zu Tag, ein wenig blauer. Bis die Welt erfüllt ist, von Wärme und dem Duft des Lebens. Die Tage strecken sich hell vom frischen Morgen, den die Vögel besingen, bis zum milden Abend, den man unter den Sternen verbringt. Alles lebt auf, alles wendet sich, das Leben zu bejahen. So alt und mächtig ist dieser Zyklus, dass sich ihm nicht einmal, der bis zur Unkenntlichkeit Zivilisierte ganz entziehen kann.
Bis der Juni geht.
Dann wendet sich unbemerkt, weil die Erde so tief, in der komischen Weite verloren ist, dass der Mensch, der gar nicht mehr weiß, wie verloren er ist, es nicht versteht, die Zeit zum Sonnen fernen hin. Die Hitze ist ein Schein, die Blüte treibt es unsichbar zur Welke, die Vögel singen längst ihre Lieder, vom Flug gen Süden. Den Tagen geht das Licht aus, obwohl noch alles gestimmt scheint, auf dieses ewige Fest des Lebens, das auch ein ewiges Fest des Sterbens ist. Man ahnt es nur im Wind, wenn man die Augen schließt und lauscht.
So ist es, wenn der Juni geht.

07/19 PGF

11 Kommentare zu “#80 Sommer

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