#79 Was nötig ist

Ich glaube, die meisten Manuskripte scheitern nicht am mangelnden Können, sie scheitern nicht aufgrund von Unfähigkeit oder fehlender Fantasie, sie scheitern an Erschöpfung, an Ungeduld, daran, dass der Autor den Fokus verliert, sich wieder seinem Leben öffnen will.
Sie scheitern, weil der Schreibende den Stein nicht nochmals hinaufrollen will, daran, dass er die Lust verliert, an das Ziel nicht mehr glaubt, zu scheitern befürchtet, endlich wieder frei sein will und die Willkür des Lebendigen sich losschüttelt, von der Disziplin des Schaffens.
Es mögen aus diesem Grund viele schöne Werke nicht entstanden sein.
Es mögen Menschen, mit außergewöhnlichen sprachlichen Fähigkeiten, unfassbar Schönes nicht aufs Papier gebracht haben, einfach, weil sie es nicht aushielten, Tag für Tag damit zu ringen.
Während wieder andere nichts haben, außer dieser Hartnäckigkeit.
Ein großer Teil Kunst besteht darin, sich durch die öden Teile eines Werkes hindurch zu schreiben, nicht nur damit sie fertig werden, sondern, dass man ihnen gar nicht anmerkt, wie viel Schweiß und Tränen flossen, bis sie vollendet waren.
Das Werk muss am Ende leuchten.

07/19 PGF

13 Kommentare zu “#79 Was nötig ist

  1. Wenn ich das lese, steigt meine Ehrfurcht vor Büchern nochmal an. Meinst du, das haben alle Autoren, auch die, die hauptberuflich schreiben?
    LG
    Hummel

  2. Ich denke ja, dass die meisten Manuskripte aus genau den von Dir genannten Gründen gar nicht erst begonnen werden. Zumindest, wenn ich – was man ja eigentlich tunlichst unterlassen sollte – von mir auf andere schließe. Wenigstens ist aber, wenn man gar nicht erst anfängt, die Gefahr minimiert, unterwegs zu scheitern. 🙂

    • Aber das ist auch schade! Weil ja auch etwas verloren geht. Ich finde den Stil deiner Beiträge jedes mal äußerst unterhaltsam aber auch treffend. Das würde auch ein Buch füllen!
      Nur, um dich mal in Versuchung zu führen 😈

      • Ich fühle mich geschmeichelt. 😉 Herzlichen Dank. Aber ich scheue diesen immensen Aufwand tatsächlich, habe aber umso mehr Respekt vor jedem, der ihn auf sich nimmt.

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