#68 Die stille Reserve

Ich wundere mich immer ein wenig, dass sich manche wundern, dass der Staat eher unwillig gegen rechte Gesinnung vorgeht (ohne, dass ich es gutheiße!).

Eine rechte, nationale Gesinnung ist, was die meisten Regierungen im Krisenfall suchen und benötigen, denn bei Angriffen von außen, aber auch bei Verwerfungen von Innen baut sich die Verteidigung auf jenen Menschen auf, die “ … für Volk und Vaterland …!“ usw. stehen.

Mit dieser stillen Reserve für den Ernstfall will man es sich nicht verderben. In Deutschland fällt es den Regierenden, aus historischen Gründen schwer, dies offen zu zugeben. Weshalb man, bei Verwerfungen in der Polizei, der Armee, dem Geheimdienst zaudernd Missfallen bekundet. Aber insgeheim pflegt man die Tendenz, weil die Gesellschaft in weiten Teilen gar nicht bereit ist kosmopolitisch zu denken und, wenn sie es anstrebt, stösst sie auf eine Welt, in welcher die meisten Völker und Länder nicht annähernd bereit sind, für die Welt zu denken.

Das schauerliche Drama, welches sich um Europa abspielt, welches ein Wertesystem sein müsste, um zu funktionieren, aber eine Währungsunion ist, weil man damit Geld verdienen kann, zeigt, wie wenig humanistische Bildung gewollt und gefördert wird, um Generationen zu entwickeln, für die das WWW nicht nur eine digitale Autobahn ist, sondern eine ethische Grundlage ihres Handelns.

Die Klimakrise zeigt uns, wo die Grenzen des nationalen Denkens liegen, in den Köpfen und im Handeln.
Die Bündnisse, welche Politik schließt, mit Begeisterung und Handlungsfreude, bestehen aus militärischen Bündnissen und wirtschaftlichen Bündnissen, im Sinn eines erweiterten nationalen Denkens, aber nicht einer kosmopolitischen Haltung.
Die Lehre der Klimakrise wird sein: Denkt weltweit oder sterbt aus!

Wie soll eine Politik dies leisten, die nicht einmal bereit ist, ihre „stille Reserve“ infrage zu stellen und offensiv für ein friedliches, weltoffenes Handeln einzutreten. Nicht, wenn für vier Wochen „die Welt zu Gast bei Freunden ist“, sondern wenn es darum geht durch, Umweltpolitik, Friedenspolitik und Bildung die nächsten vier Generationen auf ein Umdenken vorzubereiten.

Bäume, Felder und Flüsse wählen nicht, deshalb haben sie keine Lobby! Aber das wäre die stille Reserve, um die wir uns wirklich kümmern müssten.

06/19 PGF

2 Kommentare zu “#68 Die stille Reserve

  1. Wie wahr, wie wahr… Ich bin immer wieder überrascht das Menschen wohl irgendwie gerne vergessen, dass Europa lediglich eine „Wirtschftsunion“ ist. Sicherlich sie hat uns den Frieden und den Schengenraum gebracht. Auf der anderen Seite haben wir Flüchtlingsboote im Mittelmeer, die versenkt werden und von Calais will ich jetzt gar nicht erst anfangen.

    • Das Erbe des „großen Europäers“ Kohl, dem sein Eintrag ins Geschichtsbuch wichtiger war, als Teil einer europäischen Werteunion zu werden. Die beiden langjährigen hoch gejubelten Kanzlerschaften Kohl und Merkel werden leider erst retrospektiv in ihrem Scheitern verstanden werden …

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