#63 Zeit der Besorgnis

Es hat gute, alte Tradition in Deutschland, den Bürger per Nachrichten zu ermuntern, beim Bewährten zu bleiben, wenn die Kritik an der etablierten Regierungsarbeit zu groß wird.
Dann ergeben sich, mahnende Zahlen über eine zurückgehende Exportbilanz und die Warnung vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Dann wird der Himmel schon mal duster, weil ein geistig Bescheidener in Washington regiert. Dann kann man auch mal 48 Stunden, über zwei brennende Frachter Dauersendungen liefern, während im Hintergrund, eine Küste erscheint, in deren Inland sich eine furchtbare humanitäre Kastastrophe ereignet, von der wir nichts hören.
Welche Küste da ist? Ich würde meinen Blick auf die richten, die am Golf von Aden liegt.

Jedenfalls es geht um Besorgnis, um Arbeitsplätze, Produktivitätsverlust, Stagnation der Gewinne.
In den Jahrzehnten, in denen ich das überblicken kann, hat das zu meinem Erschrecken regelmäßig funktioniert: Michel hat gewählt, was Michel kannte, damit es nicht ganz so schlimm wird. Aber es wurde nicht besser. Der Sozialstaat nahm ab und die Leistungsverdichtung nahm zu. Die Arbeitslosenstatistik war gut, geschönt durch Millionen prekärer Beschäftigungsverhältnisse.

Mir scheint, diesmal wirkt es nicht. Dafür ist die Lebenswirklichkeit der meisten zu dicht, mit zwei Jobs oder drei, mit Familien die nur noch funktionieren, wenn der Hort die Kinder abnimmt, damit zwei arbeiten können, mit einem Gesundheitssystem vor dem Kollaps und einem Bildungssystem fernab der wirtschaftlichen Möglichkeiten.

Schlechte Nachrichten stabilisieren die Volksparteien, sie verringern die Bereitschaft einer Bevölkerung die Gesellschaft zu verändern. Zum ersten Mal bin ich guter Hoffnung, dass dies misslingt, weil der Alltag in einer gewinnmaximierten Leistungsgesellschaft schlimmer ist, als schlechte Nachrichten.

06/19 PGF

7 Kommentare zu “#63 Zeit der Besorgnis

  1. Du sprichst wahre Worte.
    Ein neuer Weg, ein Umdenken und/oder einfach etwas Mut zur Veränderung, ach ja das wäre was.

    Aber der Mensch ist einfach gestrickt, solange er kann hält er lieber in alt Bekannten aus anstatt etwas neues Unbekanntes zu versuchen.

    Zu groß ist die Angst, es könnte noch schlimmer werden und das machen sich die zu nutze die das System (welches ihnen Geld bring) aufrecht erhalten wollen.

    Leider höre ich immer öfter das sich viele Menschen nicht mehr von der Politik und ihren Vertretern, vertreten fühlen und nur noch das geringste Übel wählen. Das finde ich erschreckend.

    • Aber sie handeln nicht, oder Pünktchen? Beklagen, so scheint mir, ist ein Sport, dem ausgiebig gefrönt wird, nur um des Beklagen selbst willen. Auch im Bekannten und Freundeskreis ist es nicht anders. Ich werde schon immer sehr seltsam angesehen, wenn ich wieder und wieder die Frage stelle: Ja, finde ich auch, und was machen wir jetzt dagegen oder dafür? Standardantwort: Ja, da kannste nix machen. Wenn ich dann was vorschlage, was machbar ist (auch kleinste Schritte), dann finden sich tausend „Wenns“ und „Abers“ immer gleich.
      Aber ich stänkere weiter. Mühsam, aber irgendwann muss doch mal….. bevor es zu spät ist….. außer dem, was schon zu spät ist (Abbröckeln der Antarktis 😢)….
      lg Olaf

      • Ich denke das jeder zumindest einen kleinen Teil leisten kann. Vor allem sich bewusst zu werden welchem Einfluss sein Handeln auf seine und unser aller Umwelt hat.
        Leider sind wir Menschen schnell dabei uns der Situation zu fügen und das mit „Wenn’s“ und „Aber’s“ zu begrübden, da hast du Recht.
        Veränderung ist schwer und benötigt viel Kraft. Da kann man nur sein bestes geben und gucken ob man andere inspirieren kann mit zu wirken.
        Vor allem finde ich Aufklärung wichtig, viele Menschen sind so sehr in ihrer eigenen Welt gefangen, das sie vieles einfach nicht wissen. Schlimm genug, aber da sollte man ansetzten.
        Zum Glück gibt es immer mehr Menschen die genau diesen Ansatz verfolgen. Niemand wird auf Grund von Druck und Vorwürfen, langfristig seinen Lebensstil ändern. Aufklärung und Verständnis, mit einer Prise Hoffnung das jeder seinen Teil dazu beitragen kann, ich denke das hilft auf lange Sicht am besten.

        Liebe Grüße mit Pünktchen

      • Manchmal bemerkt der Mensch erst dann etwas, wenn es ihn schmerzt. Die Nadel in der eigenen Hand ist schmerzhafter, als das Messer im Rücken des Anderen. Aufklärung, ja, das halte ich auch für einen wesentlichen Punkt, ein Anfang, dabei wirke ich gerne mit. Danke für Deine Antwort und ich lese nach und nach auch Deine anderen Kommentare…. 😊🙏🙋🌞 Olaf

  2. Denke es gibt mehrere Stellschrauben an denen wir arbeiten müssten… Auch wenn du es nur angeschnitten hast, finde ich das Problem “Rechtsruck in Sachsen” relativ interessant leider auch sehr vertrackt. Sachsen war schon zu DDR Zeiten tendenziell eher rechts. Die “Wiedervereinigung” hat dazu ihren Teil beigetragen. Sie war schlichtweg keine Wiedervereinigung sondern “DDR schließt sich kompromisslos der BRD an“. Die Menschen haben schlichtweg einen Großteil der Kultur jnd die Identität verloren. Wenn die Politiker damals gesagt hätten, wir übernehmen 10 Dinge aus dem Osten und implementieren sie wäre es vermutlich anders gelaufen.

    Habe das Gefühl Menschen wollen missverstanden werden. Beschweren kst „In“ Dinge aktiv dagegen zu tun ist „out“. Beschweren ist eben besser. Das gilt nicht nur für Ostdeutschland, sondern für uns alle. Das beste an der EU-Wahl, war ja auch noch dass die Partei Volt den Wahlomaten (ich glaube zwei Tage vorher) vom Netz hat nehmen lassen… Da der Wahlomat ja nur 8 aufeinmal Parteien anzeigt. Volt fühlte sich diskrimniert… Schwieriger Take, vor allem weil sie die Memschen oftmals weder Wahlprogramme noch Grundsatzerklärungen durchlesen

    • Yep! Meine Thema: es war eine Vereinnahmung, ohne Respekt, mit allen Folgen die wir jetzt sehen. Leider wurde man in Westdeutschland, mit dieser Position, direkt als Gegner der Wiedervereinigung diffamiert und die Menschen im Osten (schienen mir) anfänglich auch nicht zu verstehen gegen wen sich das Misstrauen richtet. Aber ein System in dem wenige zu Wohlstand kommen konnten, kann nur durch ein System indem Anhäufen immer Programm war, geplündert werden.

Indem du einen Kommentar verfasst, stimmst du den im Datenschutz beschriebenen Angaben zu. Ich gehe mit deinen Daten sorgfältig um, sie sind aber, im hier öffentlichen Raum frei zugänglich. Um das Risiko für dich gering zu halten, habe ich die Avatar-Ansicht deaktiviert. Von alldem abgesehen: ich freue mich, wenn du kommentierst :)

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.