#39 Der lange Atem

Den großen Arbeiten stehen zwei Dinge im Weg: die Zeit und der Sinn. Und es geht dabei ums Fühlen. Mit „groß“ ist in diesem Zusammenhang nicht eine Wertung gemeint, sondern ein Umfang beschrieben. Die Wertung „groß“ kann keiner treffen, auch keine Gegenwart. Ob etwas groß war, erkennt die Nachwelt – oder nicht mal sie.

Wenn also eine, vom Umfang, große Arbeit bewältigt werden soll, ist es, vielleicht zu erst, der Sinn, der sich in den Mittelpunkt quetscht und mault: „Was soll das eigentlich? Braucht das die Welt?“
Und je nach Selbstbewusstsein, lautet die Antwort: „Nein“ und das Werk ist erledigt; „Vielleicht“ und es hat eine Chance; „Unbedingt“ und seine Vollendung ist – unter diesem Gesichtspunkt sicher. Der Sinn wird sich der Antwort beugen – vorerst. Aber er wird zurückkommen und er wird, monoton und geduldig immer mal wieder fragen: „Und das braucht die Welt?“ „Und das soll von Wert sein?“ Wieder wird eine der drei Antworten entscheiden, ob er gewinnt oder nicht.

Ob er unterliegt oder nicht, entscheidet aber nicht über die Vollendung. Neben ihm gibt es die Zeit, die weniger mit lästigen Fragen bedrängt, sondern ihren Druck schweigsam ausübt. Sie lässt die Fragen von allein entstehen:
„Sollte ich sie nicht besser mit etwas anderem ausfüllen?“ „Habe ich überhaupt genug davon? Sollte ich sie nicht besser für etwas Spaß verwenden?“
Die Zeit ist ein leeres Blatt, welches, selbst, wenn es gefüllt wird, mit wunderbaren Zeichnungen oder Versen, am Ende vergilbt und in Nichts verwandelt, was vielleicht sogar sinnvoll war. Gegen die Zeit gibt es kein Argument.

Deshalb schrieb ich, es geht ums Fühlen.

Das Gefühl das Richtige zu tun und es weiter zu tun, egal, wie sehr die Zeit drückt und der Sinn fragt, das ist alles was man tun kann, um den Umfang zu bewältigen.
„Du wirst es mir zeigen.“ Sagt man der Zeit.
„Du bist der Sinn, den ich bestimmt habe.“ Sagt man dem Sinn.
Und erwartet keine Antwort, die einem den Umfang der Arbeit erleichtert. Das macht die Liebe, die man in sich fühlt oder die einem begegnet.

05/19 PGF

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