#37 Es geht ums Erzählen

Man liest so viel, wie man es machen soll, das Schreiben. Ich habe das Gefühl die Flut an Schreibratgebern nimmt nicht mehr ab. Im Gegenteil, mittlerweile weiß ein ganzes Genre „wie man es macht“. Und stört sich wenig daran, dass Geschmack verschiedentlich ist (Gott sei Dank), dass verunsichert, was unterstützen soll und das Rat geben, so viel bequemer ist, als machen. Ich hätte ein paar ganz fantastische Ideen, wie der Krieg und der Hunger aus der Welt zu beseitigen wären, finde meist nur nicht die Zeit, mich mal intensiver darum zu kümmern …

Was anderes sind die Bücher zur Regelkunde. Die kann man nicht einfach beiseite schieben, außer man ist verwegen genug, sich nicht um die Einhaltung aller Regeln zu kümmern. Dan Schreibt mann Setze, wie´s ei´nem grade passst UND freud Sich Wie Ein schelm. Natürlich kann man die Regeln auch gewissenhaft erlernen und dabei eine gewisse Sicherheit gewinnen, annähernd verstanden zu werden, wie es gemeint ist.

Über dem Ehrgeiz und über dem Bemühen, geht mir ebenfalls immer mal wieder verloren, um was es geht. Und ich muss mich mahnen: „Vergiss nicht: die Aufgabe ist erzählen, nicht schreiben!“ Wenn ich in diesen Tagen das Manuskript wiederaufnehme und mich durch Berge an ungeklärten Strukturfragen, Handlungsfäden und Szenegestaltungen taste, dann bin ich schnell dabei, zu überlegen wie ich schreiben soll? Blödsinn! Ich will eine Geschichte erzählen, eine spannende und unterhaltsame, mehr ist es nicht.

Den ganzen Tag über erzählen wir uns Geschichten. Wie es uns geht, was wir vorhaben, was wir erlebt haben. Manchmal hören wir einander zu und manchmal sinkt die Aufmerksamkeit rascher, als das Mitteilungsbedürfnis sich wünscht. Manchmal liegt es daran, dass wir schlecht erzählen, manchmal daran, dass die Geschichte langweilig ist und (genauso) manchmal daran, dass dem Zuhörer der Geist fehlt, um zu hören.

Mehr ist es nicht: sich einlassen auf das, was man erzählen möchte. Sich einstimmen, damit der Ton und die Geschichte zusammenpassen. Erzähle ich eine Geschichte, die traurig macht oder die belehrt oder bei der man ständig lachen muss, muss ich jeweils anders erzählen. Dass dabei zufällig Buchstaben, Sätze und Satzzeichen ins Spiel kommen, ist unvermeidlich. Solange sie nicht im Weg stehen, stören sie nicht …

04/19 PGF

10 Kommentare zu “#37 Es geht ums Erzählen

  1. Ich lese schon lange keine Ratgeber zum Schreiben mehr, ich schreibe und zwar so, wie es für mich stimmig ist, ob das nun en vogue ist oder nicht. Auch in der Literatur bzw. auf dem Literaturmarkt wird viel dafür getan gefällig zu sein, Unbequemes glatt zu streichen, aber wem dient das?
    Die Reaktionen auf meine Texte/Geschichten zeigen mir, dass ich berühren und bewegen kann, was will ich mehr?! Vom Schreiben leben zu können ist eine große Illusion!

  2. So wie es sich mit dem Schreiben verhält, verhält es sich glaube ich auch mit der Kunst. „Wie sol ich den nächsten Pinselstrich setzten?“ ist eine sehr mühselige Frage, auf die es zig tausend Antworten gibt. Man sollte tatsächlich niemals übers Fragen das Tun vergessen.

  3. All die Regeln können natürlich jede Authentizität verderben. Mir hat das Schreiben auch Spaß gemacht, als ich noch kaum etwas davon wusste. Heute denke ich viel darüber nach, wie ich leben soll, damit der Schriftsteller in mir gut versorgt ist.

    • Die Kunst ist vermutlich die Verinnerlichung der Regeln, bis man sie nicht mehr wahrnimmt.
      Die Lebensart fasse ich etwas anders auf: Wie muss der Künstler leben, damit der Mensch in mir gut versorgt ist 😉

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