Zeit

Wenn man das Haus nach Osten verlässt und über die Steinplatten zum hellen Holztor läuft, säumt den Weg rechts und links ein prächtiger Garten, dem man die Menschenhand ansieht, ohne, dass es ihm Schönheit nimmt.

Die Rosen und Geranien, der Orleander und Rhododendron, die hier wachsen, finden nach dem Tor keinen Platz mehr, dann übernehmen Mohnblüten und Disteln das Bild und natürlich die Olivenbäume von denen im Garten einige stehen.

Sobald das Gartentor aufschwingt, ist man im reinen Arkadien und betritt einen Feldweg, der ein malerisches Stück zwischen Olivenhainen führt, in die sich Palmen, Kamille, Mohn und gelbe Bodendecker mischen, deren Name ich nicht kenne.
Alles ist noch grün. Jetzt haben die Wiesen noch Wasser um zu gedeihen, bis zum Sommer ist die Erde verbrannt.

Diesen Weg geht man etwa fünf Minuten. Im Wegkraut rascheln Mäuse und Echsen und vielleicht eine Schlange, aber keines der Tiere zeigt sich. Am Ende des staubigen Weges, den zahllose Schlaglöcher durchziehen, folgt die Strasse zum Meer.

Der Asphalt hier, liegt noch keine zwanzig Jahre. Aber ich erinnere mich nicht mehr wie es früher war. Damals kam ich zum ersten Mal in das Haus nahe dem kleinen Fischerort, es waren so viele Eindrücke …
Wendet man sich nach Westen gelangt man zum Dorf im Inland. Im Osten liegt das Meer tiefblau und meist glatt, wie ein Spiegel.

Die Strasse führt vorbei an einem Hof, wo Hühner frei rennen, einigen staatlichen Häusern wohlhabender Ausländer, die den Sommer geniessen und einem abgeschirmten Campingplatz der seine Gäste beherbergt.

Selten begegnet man jemand. Manchmal Bauern in zerbeulten Pickups die auf dem Weg zu ihren Feldern sind. Man hört die Tauben und die Hunde und das näherkommende Meer, sonst nichts.

Mit dem Ende der Straße, die zum Fischerort abzweigt, erreicht man das Meer. Einen wunderschönen Strand mit niederen Bäumen die sich gegen die Winterstürme behaupten und einem Teppich aus Blüten, die sich sanft gegen den Sand abheben. Die Erde besteht aus feinem Meersand, Kieselsteinen und Strandgut: Muscheln unterschiedlicher Art, bunten Steinen und manchmal dem nadlige Ende eines Seeigels, die es im Wasser reichlich gibt.
Weit kann man nicht ins Meer laufen, denn die Küste fällt steil ab. Der Streifen auf dem man stehen kann, ist gerade breit genug, um sich langsam ans Wasser zu gewöhnen.

Hier enden die Worte die schildern könnten, was das Meer erzählt, die, den Umfang seiner Zeit, fassen könnten. Am besten man zieht die Schuhe aus, gräbt sie in den feuchten Strand und hört einfach zu, dem Spiel der Wellen, über das die Möwen kreisen.

04/19 PGF

7 Kommentare zu “Zeit

  1. wenig anklang? ich finde solche betrachtungen, momentaufnahmen oder wie auch immer man es nennen mag wunderbar. und diese ist wunderwunderschön. weckt fernweh! oder sehnsucht… nach meer 🙂
    liebe grüße!

  2. Ach, jetzt wäre ich gerne auch an einem abgelegenen Strand und gerade spüre ich regelrecht die Wellen, die die Füße streifen, richtig schön ☀️
    Liebe Grüße
    Christina

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