#28 Langer Atem

Man muss mit langem Atem erzählen und die Reaktion – die Reaktion zur Kenntnis nehmen.
Mehr als Irritation sollte sie nicht hervorrufen, die Reaktion, die sich Kritik oder Urteil nennt.

In diesem Monolog, den jeder Erzähler beginnt, ist kein Platz für Widerspruch. Es geht nicht, um Erlaubnis oder Berechtigung, um gut oder böse, perfekt oder misslungen.
Es geht um den Ausdruck, es geht um Expression, um Sehnsucht, um Heimweh, Heimweh der Seele.

Man muss schreiben, wie eine Quelle sprudelt. Ob wer kommt oder nicht. Ob wer bleibt oder nicht. Ob wer geht oder nicht. Ob sich jemand stört …
Die Stille, das Atemholen für diesen langen Atem, sie gehören dazu, wie das unermüdliche Ringen um jedes Wort, das Ringen mit dem Fühlen, welches sich allen Begriffen verweigert.

So wird alles was wir schreiben, am Ende zu einer einzigen Erzählung. Zu einem einzigen Buch, in dem wir abbilden, was wir zu leben versuchten, wie wir uns zu lieben bemüht haben und was wir zu ertragen hatten. Die Melodie wird entscheidender sein, als der Satzbau.

03/19 PGF

2 Kommentare zu “#28 Langer Atem

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