Während ich veröffentliche

Auch, wenn ich die Tage darüber sinniert habe, wie friedlich und schön es ist, beim Schreiben, nicht an die Veröffentlichung zu denken, so ist es doch zweifellos so, dass ich darüber, auch beim aktuellen Skript nachdenke.
Ne! Ich plane das.

Ich könnte das pathetisch überhöhen und mich auf die faustische Seele des Künstlers berufen. Aber bis heute tue ich mir mit dieser Selbstbestimmung (Künstler) schwer und spätestens seit dem „Traktat zum Steppenwolf“ entlockt mir, die prächtig in Szene gesetzte Doppelseele, nur noch ein müdes Lächeln.
Danke lieber Hermann, das halte ich dir immer in Ehren!

Also, schön wäre, nur zu schreiben und die Veröffentlichung mit einem lauten: Pah! von mir zu weisen. Aber das Pah! bleibt stumm und die Schweißperlen des Planens tropfen mir allegorisch, aufs nur allegorisch vorhandene Papier.
Aber warum denn die Sorge? Kann man fragen und die Antwort ist üppig – wenn ich sie nicht auf diese drei Punkte reduziere:
Das Genre, die Leser, der Umfang.

Das Genre ist schon wieder ein Kuddelmuddel, in welchen ich immer gerate, sowohl stilistisch, als auch thematisch: Ich finde es nicht. Ich bin eher für Weltmusik und bin wohl so ein Fusion-Typ.

Die Leser: auch, wenn ich mich weiter hartnäckig gegen eine Marktanalyse wehre, ist doch zumindest die Altersgruppe, für die man schreibt ein Thema. Die einen wird man mit dem süßen, blauen Einhorn nicht erreichen, die anderen mit dem Koitus unter dem Schreibtisch. Ich behaupte beinah jeder Plot lässt sich, in die eine oder andere Richtung schärfen – zu Anfang.

Der Umfang: Hier nähere ich mich dem persönlichen Point of Agony (ja hier ist dieser Pathos erlaubt): Das Skript wird ein Mehrteiler oder ein 1000Seiten-PlusX-Wälzer. Und ich gestehe freimütig: die Geschichte der Aurumer, hat das Aufsplitten in viele Teile, nicht bestätigt: drei Teile = 3x Werbung, 3x Layout (Klappentext usw.), 3x Probeleser, 3x Rezensenten (die Aufzählung könnt ihr beliebig erweitern, ich versuche diesen Text unter 500 Worten zu halten).
Ohne Dauerpräsens einer Marketing-Maschine erfährt nach sechs Jahren niemand, dass du mal wieder ein Buch geschrieben hast.
Allerdings: ein fetter Wälzer lässt dich auch für Jahre verschwinden. Aber das bietet zumindest, im Sinn der Alles-oder-Nichts-Regel, ein massives Exzitatorisches postsynaptisches Potential und wusch, schießt du, in der Spiegel-Bestsellerliste vorbei an Nesbo, Fitzek, Brown und Kling (Wo ist eigentlich Juli Zeh) und Hirschhausen beobachtet dich neidisch aus der Spalte daneben. Immer vorausgesetzt, dass dich (als Selbstverleger) irgendjemand bemerkt …

Verkürzt lauten die Fragen:
Stundenplan oder Epochal-Unterricht?
Für alle oder die eine(n)?
Josef und seine Brüder oder Die 3-Fragezeichen?

Falls jemand, sachdienliche Hinweise, an dieser Literatur-Dienststelle, hinterlassen möchte, sei er meines Dankes gewiss.
Ich stelle je nach Konfession eine Kerze, ein Räucherstäbchen auf oder hänge eine kopflose Krähe in den Wind.

DANKE 😉

10/18 PGF

4 Kommentare zu “Während ich veröffentliche

  1. sachdienliche Hinweise?
    Ein aufmerksamer Beobachter seiner Zeit sagte mit gestern, dass man an den populären Ausgipfelungen seiner Kultur die Qualität des menschlichen Zusammenlebens ersehen kann. Machtanalyse von unten: Was die breite Masse in ihrer Freizeit liest, hört, tut, die Dienlichkeit der zeitgenössischen Kulturprodukte lässt auf die Psyche der Konsumierenden schließen. Die Oberflächlichkeit, Kategorisierung, Genretreue und „Innovation“ (seien es Giesingers, Tavils oder beliebig anderen Popabschaums „alles doch nett“ Lamente oder die schier überzähligen Kategorien auf Pornoseiten – der Mensch in dieser schnellen kriegt, was er braucht, vorhersehbar und zuverlässig, so schnell wie möglich. Den Menschen geht es beschissen. Ich wünsche also keinem Autor von Herzen Erfolg… Man könnte statuieren, die wahre Kunst ist tot, wenn kein Mensch sie erkennen kann. Also schreibe ich Bücher in allen Genres, Sprachen durcheinander, Zielgruppe bedenke ich ein bisschen in Bezug auf sprachliche Vorraussetzungen. Doch der Schritt, den ich mit dem Skript machen müsste, um massentauglich zu sein, bei dem würde ich vor Scham und Trauer zusammenbrechen.

      • ja, ich dir auch – da ich denke, von dem bisschen Bild, das ich mir von deiner Arbeit machen kann, dass es Kunst sein wird. Vielleicht solltest du eine Veröffentlichung in den skandinavischen Ländern anstreben. Dort scheint es den Menschen besser zu gehen, vielleicht kann man sie mit echter Kunst bezaubern.

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