Die Stufen zum Pult

Letzte Woche habe ich einen Vortrag, vor einem Publikum von etwa knapp 200 Personen gehalten.
Das mag für den ein oder anderen nichts Besonderes sein und es gibt ja Menschen, die so etwas gerne machen.
Ich nicht. Deshalb war es das erste Mal.
Warum ich es dann gemacht habe?
Ob es schlimm war?
Gemacht habe ich es aus freien Stücken. Ich wurde gefragt und das Thema war mir wichtig.
Schlimm war es nicht, weil ich, als ich nach vorne zum Rednerpult lief, auch die Angst hinter mir ließ, die mich die Stunden davor und die Tage davor beschäftigt hatte.

Zwei Dinge hielt ich mir vor Augen:
Es ist dein Thema, präsentiere es, mit deinen Worten!
Wie willst du denn eine Lesung halten, wenn du nicht mal einen Vortrag schaffst?
So nahm ich mich in die Pflicht und es ist wichtig festzuhalten, dass zwischen dem Weichwerden meiner Knie und dem sicheren Schritt Richtung Bühne, in diesen paar Sekunden nur eine feine Grenze verlief.

Ich nehme es vorweg: Ob der Vortrag gelang, kann ich nicht sagen, weil ich, während ich ihn hielt, jede Selbstwahrnehmung verlor. Die Funktion des Mikros, die passende Folie der Präsentation, samt dem passenden Begleitsatz und mein stimmiger Wechsel zwischen Publikum und Leinwand waren mein Fokus.
Aber niemand verließ den Raum und der Applaus war am Ende stimmig.

Warum ich das erzähle:
Ich habe, die letzten Jahre, immer wieder Dinge getan, die mir schwerfielen. Genau genommen Dinge, die ich mir gar nicht zutraute. Ich habe mich immer wieder aus der Komfortzone gescheucht.
Dabei sind Kategorien, wie Erfolg oder Freiheit nicht relevant, denn es gab durchaus Scheitern und Rückschritte.
Aber, was es mir gebracht hat, war Verständnis, Verlust von Ängsten und Wagemut an Grenzen.
Man lernt vieles verstehen, man lernt, sich in vielen Menschen entdecken.

Ich ging also diese Stufen zum Rednerpult, nicht in diesem Moment, sondern ich gehe sie seit vielen Jahren.
Manchmal stolpere ich und bereue den Versuch.
Manchmal gelingen aber auch die Schritte und ich finde die Worte und gewinne eine Fähigkeit.
Solange man geht, ist kein Schritt umsonst.

10/18 PGF

13 Kommentare zu “Die Stufen zum Pult

  1. „Dabei sind Kategorien, wie Erfolg oder Freiheit nicht relevant, denn es gab durchaus Scheitern und Rückschritte.
    Aber, was es mir gebracht hat, war Verständnis, Verlust von Ängsten und Wagemut an Grenzen.“ Diese Passage gefällt mir beosnders gut 🙂 Danke

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