Als Mutmacher

Über meine Bücher durfte ich, in den letzten Jahren, einiges lesen, weil ich nie auf den durchaus vernünftigen Rat gehört habe: „Lies keine Kritiken.“ Ich bin dafür zu neugierig.
Vom legitimen Nichtmögen abgesehen wurde: am Spannungsbogen genörgelt und am Stil, am Layout, am Cover, am Satzabstand, an der Schriftart, am Titel und meine absolute Lieblingskritik war „zu unrealistisch“ bei einem Buch über Außerirdische …
Es gab Kritik an einzelnen Szenen und Kritik am ganzen Buch. Ich erhielt detaillierte Vorschläge, wie Satz um Satz besser zu machen wären und, das war sehr beliebt und nur einmal zutreffend, was das Korrektorat/Lektorat hätte besser machen können.
Meine Gedichte wurden ignoriert, mein erster Roman 2000 mal heruntergeladen, ohne ein einziges Wort der Rückmeldung. Von Ignoranz bis Penetranz durfte ich das gesamte Panel einmal abmarschieren.

Ich aber hatte zwei Kurzgeschichten geschrieben, weil mich Religiosität und Sinnfindung des Künstlers beschäftigten.
Ich schrieb einen Roman, indem ich mein Gefühl des Spannungsverhältnis zwischen politischer Mitverantwortung und individueller Lebensgestaltung zum Ausdruck bringen wollte.
Ich schrieb Gedichte in der Zeit, als junger Vater.
Und ich schrieb eine Trilogie, die unterhaltsam nachdenklich machen sollte, über die Korruption der Macht in unserer Zeit.

Aber abgesucht wurden meine Texte auf Fehler, Unzulänglichkeiten und Mängel und die waren zu finden.
Denn ich schrieb sie neben der Arbeit und ich tat es gern, aber nicht immer mit voller Kraft.

Ich musste verstehen was ein Layout ausmacht, einen Satzspiegel, die Schriftart.
Wie man mit DTP-Software arbeitet, Uploads durchführt, Schnittkanten berechnet, Korrektoratstexte nachbearbeitet.
Und ich musste mich bemühen beim Schreiben immer besser zu werden. Meinen Stil verbessern, meine Interpunktion, mein Verständnis, wie ein Text zu komponieren ist.
Und das war der Wert dieser Kritik: mich anzustacheln und nicht aufzugeben.

Aber, es wäre nicht auszuhalten gewesen, ohne das Wohlwollen von Lesern, die nicht nach Fehlern suchen, sondern nach einem Wert und die mich, ganz nebenbei, auf Unzulänglichkeiten hinwiesen.
Die haben bewirkt, dass ich meine Texte nicht zurückzog, in den geschützten Raum vertrauter Menschen, sondern sie ließ wo sie waren.

Wenn wir uns stellen, dürfen wir kein faires Urteil, kein Wohlwollen, kein richtig verstanden Werden erwarten.
Es ist, wie überall: die Lauten drängeln nach vorne und wollen auf sich aufmerksam machen und sie tun dies, ohne Gefühl für Gefühle.
Deshalb muss man den Blick heben und auf die Geduldigen und Abwartenden warten, die dem Geschrei nichts abgewinnen können und die, vielleicht lächelnd vorübergehen oder aber stehen bleiben und zuhören.

Für die lohnt es sich, immer wieder in Klausur zu gehen, auf der Suche nach Drachen, zärtlichen Zeilen, hilfreichen Sentenzen.

09/18 PGF

11 Kommentare zu “Als Mutmacher

  1. Lieber Peter,
    solange du von deinen Werken überzeugt bist, dir das Schreiben Spaß macht, dich herausfordert und das Ergebnis für dich zufriedenstellend ist, kannst du dir auf die Schulter klopfen und voller Freude sein.

    Ich erinnere dich an Konrad Adenauer:
    „Die einen kennen mich,
    die anderen können mich mal!“

    LG Anna-Lena

  2. Guten Morgen, ich lese Bücher und Beiträge mit meinem Herzen; dann passieren zwei Dinge: entweder sie fesseln und berühren mich oder sie lassen mich „kalt“. Ich habe noch keins deiner Bücher gelesen. Aber deine Beiträge entzücken mich immer wieder…:-) alles andere ist doch für den LeserIn nebensächlich. Freut mich sehr, dass ich zu deiner Blogverwandtschaft gehöre 🙂 Tete

    • Liebe Tete, das Feedback hier ist etwas sehr Positives, das mich immer wieder antreibt, Texte hier oder in Buchform zu veröffentlichen. Hier geht es natürlich viel schneller mit der Rückmeldung und das ist das Schöne.
      Der Beitrag war aber weniger auf meine Bücher bezogen, sondern als Mutmacher für andere, die über das Veröffentlichen nachdenken.
      Schönen Abend 🙂

      • Guten Abend… lieben Dank für die Ermutigung. Meine Beiträge gebe ich auch, durch meinen blog, der Öffentlichkeit preis; vielleicht fühlt sich der Raum hier im Netz etwas geschützter an. Ich glaube jeder der „öffentlich“ schreibt muss sich darueber im Klaren sein, dass nicht alles gut ankommt. Deswegen finde ich deinen Beitrag, um so wertvoller, weil du uns daran erinnerst, trotzallem weiter zu machen 🙂 Schönen Abend Tete

  3. Genau deshalb habe ich am Anfang davon abgesehen einen Rezensionsblog zu starten.
    Es gab schon vor fünf Jahren so viele wie Sand am Meer und wie kann ich mir denn anmaßen über die Werke anderer zu urteilen? Klar ich kann sagen, wie schlüssig das Gesamtbild ist jedoch habe ich doch keine Ahnung wie viel Mühe dort hinter steckt. Ich schreib ja gerne mal Kurzgeschichten und die sind schon eine heiden Arbeit… Charakterausarbeitung ebenso, wie viele Stunden habe ich schon mit meinen PenandPaper Charakteren verbracht… zu viele vermutlich 😀

    Deshalb würde ich es einfach immer neutral oder irgendwie freundlich formulieren. Plus, dass niemals ein Werk völlig grottig ist… Selbst 50 Shades of whatever, hat seine Daseinsberechtigung. Und selbst „Mein Kampf“ kann man als historisches „Lernmaterial“ titulieren… (fragwürdig, aber man braucht eben historische Quellen)

    Ergo: Autoren sind sehr, sehr zähe Menschen

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