Dichtung

Ich glaube, es kommt selten vor, dass man etwas erstmalig erlebt und sofort darüber schreiben kann. Journalisten mögen das können, Dichter, glaube ich, nicht.

Ich denke, man erlebt etwas sehr häufig – an sich und bei anderen, bewusst oder ganz unmerklich – und aus der Fülle an Farben und Schattierungen die man entdeckt, schafft man ein immer facettenreicheres Bild.
Man verdichtet Nuancen zu einem, wie es scheint, einmaligen Erlebnis.

Deshalb ist es gut, sich Zeit zu geben, zu sammeln und zu warten. Man wird, solange das Gedächtnis nicht schwach und das Gemüt nicht langweilig wird, je älter man wird, beim Schreiben nicht schlechter.

Was dem nicht widerspricht, dass jemand der sehr jung, sehr viel Erfahrung sammelt, entsprechend früh, sehr viel verdichten kann.

09/18 PGF

2 Kommentare zu “Dichtung

  1. Ein schöner Beitrag! Ich weiß nicht, wie genau du das meinst – ich finde, die schönste Lyrik liegt darin, eine Empfindung darzustellen. Manchmal sitze ich irgendwo, denke über irgendwas nach und sehe eine Situation, nur einen Ausschnitt meiner Wahrnehmung und denke: Ja, das passt. Gerade in letzter Zeit. Also das ist mit Sicherheit eine Projektion, vielleicht genau, was du mit „man verdichtet Nuancen“ meinst? Denn es hat einen reflexiven Teil, also einen Aspekt der Unendlichkeit, der seine Spitze in einem kurzen, endlichen Ausdruck findet.
    Liebe Grüße, Kai!

    • Lieber Kai, so etwa meinte ich es.

      Für mich selbst, habe ich festgestellt, dass selbst bei Gedichten, die sehr stark den Anschein erwecken, etwas unvermittelt, genau in diesem Moment spürbar zu machen, es Vorerlebnisse oder Beobachtungen gab, durch die ich erst in die Lage versetzt war, die richtigen Worte zu finden: Um die Spitze „in einem kurzen, endlichen Ausdruck“ zu bilden. 🙂

      Schönen Sonntag
      Peter

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