Ganz großes Kino

Zuerst ein Outing: Ja, ich bin keine Teenie mehr und ja, ich spiele Computerspiele.

Ich glaube nicht, dass Computerspiele das Böse in die Welt gebracht haben – außer die Nationalsozialisten hatten bereits Computerkonsolen und haben es nicht verraten – und nein, ich denke auch nicht, dass sie nur gut sind. Sie sind was wir daraus machen. Sie können von der Realität entfremden, sie können Zeit für Wichtigeres vernichten, sie können in der Rehabilitation neurologisch, kranker Mensch hervorragende Ansätze bieten, sie können grandios unterhalten.

Und sie können unsere Art des Erzählens erweitern, verändern, verbessern. Ein Beispiel hierfür ist das beeindruckende „Detroit becomes Human“, welches die Ahnungen, die ich damals bei meinem C64 und „Frankie goes to Hollywood“ zaghaft zu hegen wagte, nun bestätigen.

Ob Charakterzeichnung, Qualität der Dialoge, Kulisse, Dramaturgie, Computerspiele zeigen: es gibt neue Wege des Erzählens, die nicht nur das spezielle Medium betreffen, sondern die erzählende Literatur insgesamt beeinflussen. Ein schlichtes Beispiel sind die unterschiedlichen Wege die eine Geschichte nehmen kann. Je nach dem, wie sich der Spieler/Leser/Zuschauer entscheidet.
Nicht alles was da entsteht ist gut oder Kunst, nicht selten gewinnt man Einsichten, wie man es besser nicht darstellen sollte.

„Detroit becomes Human“ allerdings glänzt in allen Bereichen und lässt eine Welt lebendig werden, in der uns Androiden langsam den Rang ablaufen. Allerdings nicht in einer Sciene-lastigen Form, sondern einer einfühlsam biografischen, aus der Perspektive von drei Protagonisten. Es geht nicht allein um Action, auch, wenn die Geschichte erstklassig inszeniert beginnt, sondern auch um rasches (emotionales) Entscheiden oder gute (Hand)Koordination, um den Alltag der Akteure zu gestalten.
Da ich kein Freund von Spoilern bin, verrate ich hier nicht mehr, kann ja jeder mal ausprobieren … 😉

Für mich ist es die 3. Welle, da ich mich mit dieser Kunstform beschäftige. Die erste, zu Zeiten als Personal-Computer in deutschen Haushalten Einzug hielten, war vor allem vom Spaß-Prinzip geprägt.
Bei der 2., die ebenfalls schon fast wieder 2 Jahrzehnte zurückliegt, waren es die grafischen Fortschritte die mich beeindruckt haben und der beginnende Schwung, erzählerischer Qualität.
Nun, beim 3. Anlauf, der die letzten zurückliegenden Monate umfasst, kommt alles zusammen.

Nicht anders, als bei Büchern und Filmen, gibt es gute, anspruchsvolle Produkte, aber auch schlechte, niveaulose Angebote.
Spiel ist eigentlich nicht mehr der richtige Begriff. Vielleicht sollte man etwas neues erfinden, wie Büfi oder Fibus, denn das sind es mittlerweile: Mischungen aus Buch und Film.

PGF

11 Kommentare zu “Ganz großes Kino

  1. Wenn jemand Amok läuft, wird oft Videospielen die Schuld gegeben. Ich schaue gerne Horrorfilme. Aber das heißt nicht, dass die mich jetzt dahingehend beeinflussen, gewalttätig zu werden. Das meine ich mit lächerlich.

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