Ich weiss nicht mehr wo

…, letztens habe ich einen Beitrag gelesen, ob es nicht besser wäre, dass die Verlage wieder mehr Auswahl treffen und die Zahl der Autoren damit reglementieren, damit diese (Aus-)Gewählten vom Schreiben besser leben können.

Coole Idee, dachte ich, so eine Art Eliten-Zensur-Kommunismus: die Geld haben selektieren was gelesen werden soll, sichern damit die Existenz derer, die das schreiben und die dürfen sich dann, als zur Kunst berufen fühlen.

Was für ein Unsinn!
Zum Glück sind diese Zeiten vorbei und hoffentlich bleiben sie es.

Als Schreibender würde ich mir, einen solch protektionistischen Kunstmarkt, wünschen (wenn ich zu den Gewinnern gehöre).
Als Leser würde ich mir das wünschen, wenn ich nicht denken, aber konsumieren wollen würde (ist natürlich bequem zu lesen, was alle gerade lesen, dann kann man die Meinung gleich übernehmen).
Als Verlag erschiene es mir, wie ein Traum, mit sicheren Quartalszahlen und Risikominimierung.

Nur, lesend und schreibend und veröffentlichend, hätte ich Sorge vor dieser Monokultur, die keinen Schädling verträgt und mit Kunstdünger gestärkt, ihre Existenz behauptet.
Ist es nicht gerade das Unsichere, Unberechenbare und Überraschende was Spass macht und Chancen bietet, in dieser Welt, von der ich mal gelesen habe – ich weiss nicht mehr wo – die erst durch Bücher lebenswert wird.

08/18 PGF

11 Kommentare zu “Ich weiss nicht mehr wo

  1. Ganz klar richtig. Unsere Welt macht zwar bestimmt noch vieles andere lebenswert, aber Bücher wie auch Musik und alle anderen Künste stehen auf jeden Fall ganz weit oben und sind untrennbar von Freiheit und somit unvereinbar mit jeglicher Art der Zensur. Eine „Eliteauswahl“ findet ja trotzdem irgendwie statt. Ich glaube, da muss man sich wirklich keine Gedanken machen, dass die „Kleinen“ den „Großen“ zu viel wegnehmen.

  2. Als Leserin wünsche ich mir in den Buchläden weniger langweiligen Einheitsbrei und weniger Mainstream. Das können sich viele Verlage offenbar nicht mehr leisten. Schade

    • Manche Verlage haben die Entwicklung, glaube ich, verschlafen und sich sehr elitär gebärdet, während rechts und links neue Chancen wuchsen.
      Mir tun eher die Buchhändler leid, die meist die einzigen waren, die, für ihre Kunden, nach etwas Besonderem gesucht haben.

  3. Es gibt doch schon genügend Einheitsbrei, wenig Ü*berraschendes und viele, wirklich junge und gute AutorInnen finden keinen Verlag, weil esnicht passt, weil zu frech, weil zu …

  4. Hallo, ein schöner Beitrag und ich stimme dir zu. Horkheimer und Adorno haben in der „Dialektik der Aufklärung“ den Begriff „Kulturindustrie“ geprägt für einen Stil der Konsumgüter. In diesem Zusammenhang würde ich zustimmen, dass eine Art Elitenauswahl dennoch getroffen wird – und wiederum nicht. Dieser Stil, fest in den marktwirtschaftlichen Rahmen eingebunden, frisst jede neue Idee und passt sie an die Konsumgesellschaft. Wahre Kunst wird untergebuttert, wenn sie sich nicht verkauft und assimiliert, wenn sie sich verkauft und damit ihrer Seele beraubt. Ich hoffe, bald etwas über die Kulturindustrie schreiben zu können.
    Liebe Grüße, Kai

      • Ja, da stimme ich zu. Jedoch ist kommerzielle Musik ja nicht die einzige, die es gibt… Also würde ich prognostizieren wollen, dass die Kommerzialisierung solange weitergeführt werden wird, bis es keine neue Musik mehr gibt oder die Verwertungsideologie fällt. Yeah. Ich hoffe, etwa jeden Sonntag ein bisschen was schreiben zu können dazu, was ich gerade lese.
        Liebe Grüße,
        Kai

  5. Es ist ja nicht so, dass die Verlage nicht schon im Vorfeld aussortieren würden. Alle angestellten und freie Lektoren können auch nicht alle Manuskripte korrigieren und nicht alle Autoren betreuen, die bei einem Verlag anfragen. Zumal ich mir sicher bin, dass dort Dinge eingereicht werden die man wirklich nicht lesen möchte oder nur sehr, sehr, sehr wenige Menschen.

    Ich muss jedoch gestehen, dass ich mir beim Anblick von diversen Genre oder Romanformaten immer wieder ins Gedächtnis rufen muss dass es Menschen dort draußen gibt, die so etwas gerne lesen. Wer weiß, vlt. sind manche davon gar nicht so schlecht und ich verschmähe sie zu unrecht.

    Ps. Mich als Künstler würde übrigens so einen protektionistischer Kunstmarkt wahnsinnig machen, auch wenn ich nicht unbedingt zerschnittene Leinwände als Kunst bezeichnen würde 😉

    • Ich wäre nur für einen protektionistischen Kunstmarkt, wenn er die Chance brächte Volksmusik aus dem Verkehr zu ziehen …, wenn das nicht möglich ist, lebe ich auch mit ChicLit weiter 😉

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