Irritationen

Der Leser – und das sei hier mal vertraulich unter Autoren besprochen – ist ja ein seltsames Geschöpf.
Während, zu Anfang meiner Selbstverlegerzeit, ein Print-Exemplar obligat war, begann mit Kindle und Co. eine Verschiebung hin zum digitalen Buch.

Als ich die „Heimkehr“ veröffentlichte war die Forderung laut: „Mach einen Print! Ich lese keine Ebooks.“
Ein Jahr später war ich vom Ergebnis selbst verblüfft (und mache es hier mal plastisch mit Zahlen), die Ebooks hatten 3000 zu 30 gewonnen.

Bei der „Rückkehr“ lag deshalb mein Fokus schon etwas mehr beim Ebook, aber eine Veröffentlichung des Prints blieb für mich selbstverständlich, da ich bis heute keine Ebooks lese (mehrfach erfolglos versucht).
Vom Ergebnis: gleiches Verhältnis, war ich nicht mehr überrascht.

Beim „Projekt Epilog“ gibt es eine erneute Verschiebung – nein, nicht zum Hörbuch, sondern zu sogenannten KENP-Seiten. Also die Leser kaufen auch das Ebook weniger, sondern lesen seitenweise, solange sie bei guter Laune sind. Prints gehen so gut, wie gar nicht vom Tisch, außer als Rezensionsexemplare, die Ebooks halten sich wacker. Aber, speziell in der ersten Woche, schossen die einzel gelesenen Seiten in die Höhe.
Das hat den schönen Vorteil, dass man träumen kann, dass gerade tausende von Lesern eine Seite gelesen haben … 😉

Aber etwas irritierend ist dies: Lesen als Flat-Funktion oder All-you-can-eat durchaus.
Ich bleibe weiterhin gespannt, was sich daraus noch ergeben wird. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass meine persönlichen Vorbehalte, gegen bestimmte Formen des Lesens. nichts zur Sache tun.
Jeder Mensch liest so, wie er sich wohl fühlt.

Man muss, als Autor nur mit dem ungewohnten Gefühl zu Recht kommen, dass nach dem gedruckten Buch, nicht mal das digitale in seiner Vollständigkeit gewahrt wird. Wir erleben das, was sich in der Musik, von der Schallplatte zum einzelnen MP3-Song-Download längst vollzogen hat: Unser geistiges Werk fragmentiert.

07/18 PGF

3 Kommentare zu “Irritationen

  1. Ich glaube, ich tu mich schwer damit, dem etwas wirklich positives abzugewinnen … Ich bin schlicht ein wenig überrumpelt, denke ich… Tatsächlich habe ich von diesem seitenweisen lesen noch nie gehört und mir tut dieser Gedanke doch ein wenig weh…
    Allerdings ist es auf dem Selfpublishing Markt auch durchaus zu verstehen… Gibt es da schließlich auch viele Käufe, die man im Nachhinein evtl bereut… Da kann man so bei verschiedenen Autoren reinlesen… Sprich irgendwo erhöht sich auch die Chance und man ist eben gezwungen, wirklich gut zu sein und den Leser beim Buch zu halten…
    Auch wenn ich diese Herangehensweise an Bücher einfach nicht mag…
    Ich verstehe kaum die geringe Toleranzschwelle vieler Leser, wie schnell sie ein Buch weg legen und verurteilen… Ich denke, man sollte doch immer versuchen, diesem Werk anzunähern, versuchen zu erkennen, ob dort eine in leuchtendes inneres ist… Aber naja, wer nimmt sich dafür noch die Zeit, wenn man mit wenigen Klicks und kaum Geld beim nächsten Exemplar angelangt ist?!

    • Kann ich gut verstehen. Aber, wenn es Bücher wie „3 Seiten für ein Halleluja“ gibt dürfen wir uns nicht wundern. Wir fordern den Leser ja beinah dazu auf.
      Die KENP- Seiten gelten aber nicht nur für Selbstverleger. Prinzipiell ist das Angebot für alle vorhanden. Ich nutze es, da es Teil des Amazon-Storyteller-Wettbewerbes ist.

      • Ich werde mich wohl mal genau damit auseinandersetzen… Und hoffe, dass ich dann nicht mein manuskript weg schmeiße undeinen Traum, Autorin zu sein beerdige😉😅

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