Ich habe nichts getan

Im Tao-Te-King gibt es die wunderschöne Stelle „Und, wenn nichts getan wird, gibt es nichts, das ungetan bliebe.“
Der Satz beschäftigt mich seit beinah drei Jahrzehnten und er hat nichts von seiner skeptischen Kraft, an der Art, wie wir leben, verloren.
Die Welt hat sich gut entwickelt, ehe wir sie zivilisatorisch, technisch und kulturell erobert haben. Die Welt kam, solange wir nichts taten, außer zu existieren, ohne uns, gut voran und jeder evolutionäre Schritt schuf eine Verbesserung. Bis zu dem kritischen Punkt, da wir auf die Bühne treten und ein seltsames Fragezeichen darstellen. Wir sind in der Lage die Welt, um uns (in Teilen zu) begreifen, wir sind in der Lage, in Kategorien der Zeit zu denken und mit unseren Händen können wir die Welt manipulieren.
Der Zwischenstand spricht nicht für uns. Aber wer weiß, es kann ja noch besser werden.

Die beiden letzten Woche habe ich mich tendenziell, eher am Nicht-Tun orientiert. Ich habe nichts getan was man im Urlaub „so tut“. Also wegfahren oder etwas unternehmen, „was machen halt“.
Ich habe geschlafen, mich wenig bewegt, gut und gesund gegessen, für meine Erholung und Entspannung gesorgt und mich bemüht, ein einfaches Leben zu führen.
Das ist ab morgen vorbei und ich bin wieder in diesen Mahlstrom geworfen, der mich, solange ich dabei bin, mitschuldig macht, an allem was wir anrichten. Gesetzt ich mache mir im Wald keine Höhle winterfest und wähle den Schritt zurück zur Natur.
Aber „dahin führt kein Weg zurück“, wie Hesse überzeugend feststellte.
Also tue ich wieder etwas, und übernehme den Platz, den ich mir gesucht und der mir gegeben wurde. Ich finde dort genügend Sinn, der mich darüber tröstet, dass sich, allein vom Schreiben, nicht leben lässt.

Die Probeleser sind durch, heißt: zeitgleich beginnt auch wieder die Arbeit an der Veröffentlichung. Die Korrekturen fielen erfreulich gering aus, sodass ich pünktlich beim Korrektorat einreichen kann.
Mit den Aurumern habe ich eine eigene Erklärung zu schaffen versucht, weshalb wir uns irgendwann aus der Höhle und dem Wald gelöst und auf den Weg gemacht haben, die Sterne zu erobern, um dabei, nebenher die Erde zu zerstören.
Stand jetzt.
Da ich Realist bin, sehe ich die Sache nicht zu skeptisch. Wir haben einiges zu tun, wenn in der Geschichte des Lebens, der Mensch am Ende, als etwas wundervolles erscheinen soll. Denn ein Ende wird seine Geschichte haben. Aber wir können es schaffen und müssen es schaffen, wenn die nächsten Jahrzehnte nicht düster für uns werden sollen.

Man sollte stets wechseln, zwischen der Vita contemplativa und der Vita activa. hat Hesse empfohlen.
Ich glaube, er hatte, wie bei so vielem recht.

06/18 PGF

5 Kommentare zu “Ich habe nichts getan

Indem du einen Kommentar verfasst, stimmst du den im Datenschutz beschriebenen Angaben zu. Ich gehe mit deinen Daten sorgfältig um, sie sind aber, im hier öffentlichen Raum frei zugänglich. Um das Risiko für dich gering zu halten, habe ich die Avatar-Ansicht deaktiviert. Von alldem abgesehen: ich freue mich, wenn du kommentierst :)

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.