Sequenz

„Der Tod“, sagte er und tippte sich mit dem hageren Zeigefinger langsam an die Schläfe, „der Tod beginnt ja da drin. Wenn die Gedanken erstarren und steif werden.“
Er sah sich um und zeigte zu den Bäumen, die in der Dämmerung wankten.
„Wie bei Zweigen. Kennst du?“
Er lehnte sich vor und prüfte mich, wie man eine Brücke prüft, ob man seinen Fuß darauf setzen soll.
„Die alten sind trocken und schuppig und brechen schnell, die jungen biegen sich, bis der Saft durch ihre grüne Haut nach außen drängt. Aber sie brechen nicht!
So müssen Gedanken sein: saftig und biegsam.
Nicht jung, in einem einfachen Sinn! Das nicht. Es gibt junge Menschen, die haben in ihrem Kopf uralte Gedanken. Uralt in Menschenleben gedacht, aber in der Welt der Ideen sind diese Gedanken, gerade geboren. Und es gibt alte Menschen, die haben scheinbar ganz junge Gedanken, aber diese Gedanken sind banal und in der Welt des Geistes, sind sie bald verbraucht und nutzlos und erstarrt.
Das alles gibt es. Aber eines ist immer gleich: Wenn Gedanken wirklich veralten, dann erstarren sie; und im Kopf ist es tot.“

05/18 PGF

2 Kommentare zu “Sequenz

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