Wie schreibt man ein Buch?

Dafür gibt es, meiner Ansicht nach, keine allgemeingültige Anleitung. Unabhängig, von allen subjektiven Tipps, ist die erste Voraussetzung: Ausdauer! Man beginnt und hört nicht auf, bis das Buch beendet ist.

Ansonsten gibt es ein paar Aspekte:

Ich glaube, ein Buch zu schreiben, ist ein ähnlich subkortikaler (unbewusster) Vorgang, wie Laufen und Atmen. Laufen und Atmen vollziehen sich außerhalb der bewussten Wahrnehmung, in Zentren des Gehirns, auf die wir keinen bewussten Zugriff haben. Das Atmen im Stammhirn, das Gehen in den Basalganglien, dem Kleinhirn u.v.m.. Es wäre unerträglich, wenn wir jeden Schritt, jeden Atemzug denken müssten! Wir können es, wenn der Untergrund oder eine Anstrengung es erfordert, wir können es aber auch automatisieren.

Das Schreiben? Ist glaube ich ähnlich. Es vollzieht sich im tempero-parietalen Kortex, wenn es um Lesen, Hören und Artikulieren von Sprache geht. Wenn es um kreatives Schreiben geht, findet es aber sicher in Abstimmung mit Anteilen der Amygadala (Emotion), dem Hippocampus (Gedächtnis), Thalamus (Reizverarbeitung) und anderen subkortikalen Zentren statt, auf die wir in träumenden, fantasierenden Zustände zugreifen mögen.

So, wie wir uns, das Laufen und das Atmen ins Bewusstsein holen können, (in den motorischen Kortex und den Frontalkortex), so können wir uns auch Sprache (gesprochen, geschrieben, gedacht) bewusstmachen oder unbewusst „vollziehen“.
Nach meinem Eindruck wird, ähnlich, wie beim Laufen und Atmen, das Schreiben schlechter, je mehr wir es verkopfen, je kortikaler wir es betreiben. Deshalb ist ein Nachteil aller Schreibratgeber, dass sie kopflastig machen. Die beste Schule ist die Erfahrung.

Natürlich gibt es Phasen des Lernens, die sich bewusst vollziehen. So, wie man Tippen lernt: den Sitz jedes Buchstabens, die Bewegung der Finger, alles mühsam erlernt. Wenn man es aber kann, ist die Automatisierung viel erfolgreicher, als die bewusste Kontrolle. Wer versucht vor jedem Tastendruck zu überlegen, ob es der richtige Buchstabe ist, führt den Reiz über zu viele Schleifen (kurz gesagt: über den motorischen Kortex zur Hand, statt direkt den kurzen Weg vom Kleinhirn zur Hand.) und wird langsamer und ungenauer.
Der kreative Prozess scheint sich, nach meiner Erfahrung, davon nicht zu unterscheiden: je reflektierter, je schlechter.

Schreiben kann man auf vielen Wegen. Was ich mir ausdenke, kann für einen Menschen mit einem anderen Naturell, vollkommen falsch sein. Für mich war der empirisch-experimentelle Weg richtig, ein anderer mag rational-strukturiert besser vorankommen.
Für mich waren viele handwerkliche Hilfsmittel, lange ein Graus: Recherche, Perspektive, Szenenaufbau bedenken, Wörter zählen, Exposé schreiben, Plotten, Szenen-Theater, etc. das war mir alles lästig, weil ich viel zu faul war, das alles erst zu lernen, ehe ich loslegen darf.
Nachträglich habe ich diese Hilfsmittel schätzen gelernt.

Wenn ich fünf Dinge benennen sollte, die mir beim kreativen Schreiben unerlässlich erscheinen, wären das:

1. Die Lust zum Erzählen.
2. Ein großer Wortschatz und die Fähigkeit ihn der Leserschaft, dem Stil und dem Inhalt anzupassen. Wer nur einen kleinen Wortschatz besitzt, kann gut erzählen, grenzt sich aber ein.
3. Ein Gefühl für Sprachmelodie und den Stil, der zum Thema passt.
4. Die Fähigkeit zu hören und zu beobachten und dies zu verdichten.
5. Tat twam asi: keine narzißtische Selbstbespiegelung, sondern ein Gefühl für Menschen und sich selbst, welches sich in der Komplexität der Charaktere spiegelt.

Aber auch das hilft nichts, wenn man nicht anfängt und weitermacht, bis die Geschichte zu Ende erzählt ist.
Die neuroanatomische Beschreibung oben, ist unter Vorbehalt zu lesen, der Prozess des kreativen Schreibens wäre im Sinn der Neuro-Anatomie und -Physiologie komplexer zu erklären.

Also: Habt Spaß beim Schreiben! 🙂

01/18 PGF

7 Kommentare zu “Wie schreibt man ein Buch?

  1. Der kreative Prozess funktioniert nicht voraussetzungslos. Neben allem Wollen und Können gehört, jedenfalls erlebe ich das so, Muße dazu und intellektuelles Futter. Bilder, Erfahrungen, aber auch Menschen. Und dann die Arbeit.

  2. Seeehr interessanter Bericht, lieber Pe am See, aus deiner Schreibwerkstatt, die ich sehr schätze… und vor allem nicht zuuuu verkopft *lächel* wenn auch schon ein bisschen…
    Liebe Morgengrüße vom Lu

  3. Danke für die Info,habe was dazu gelernt ich schreibe meine Bücher immer in einer Erzählweise,als ob der Leser gegenüber von mir sitzen würde und ich einfach eine story erzähle.

Indem du einen Kommentar verfasst, stimmst du den im Datenschutz beschriebenen Angaben zu. Ich gehe mit deinen Daten sorgfältig um, sie sind aber, im hier öffentlichen Raum frei zugänglich. Um das Risiko für dich gering zu halten, habe ich die Avatar-Ansicht deaktiviert. Von alldem abgesehen: ich freue mich, wenn du kommentierst :)

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.