Einsamkeit

Manchmal sieht man einem Menschen mitten in die Einsamkeit, ohne Filter.
Man sieht alle Not, alle Verzweiflung, den ganzen Kummer, die Angst, die Ohnmacht, das Unaufgeräumte, Sehnsüchtige, das Flehen und Hoffen, die Enttäuschung, den erlittenen Verrat, das zerbrochene Vertrauen, das Weh, und will, mit einer Geste, einem Blick, mit einem tief empfundenen Mitgefühl, das alles zerstreuen und weiß doch, dass man die Einsamkeit nur mehren würde, weil nichts und niemand diese Einsamkeit wegnehmen, auflösen oder zerstreuen kann.
Man kann sie nur lindern, einen schönen Moment lang, ein vertrauensvolles, stilles Stück des Weges entlang.
Und so lächelt man etwas zaghafter, hält die Geste etwas zurück und legt in dieses Herz, einen Moment des Verstehens und der Einheit, in der alle Dinge zu ihrem Frieden kommen und zu ihrer Mitte, dorthin wo sich alles ausgleicht: die Verzweiflung mit Stunden des Glücks, die verlorene Hoffnung, mit erfüllten Wünschen, das Unaufgeräumte mit jenem unaussprechlichen, geheimen Sinn.

01/18 PGF

4 Kommentare zu “Einsamkeit

  1. Sehr schön geschrieben. Ich glaube diese Einsamkeit, die Du beschreibst hat jeder von uns schon einmal empfunden. Du findest die richtigen Worte dafür und für das was sich dahinter verbirgt. Auch wenn wir wissen, dass wir niemandem das Gefühl von Einsamkeit nehmen können, da sich die Ursache dessen in ihm selbst befindet, können wir diesen Schmerz doch lindern insofern es der andere möchte. Wir können da sein und begleiten, können raten und begleiten, dem anderen zur Seite stehen. Den Weg muss dieser Mensch alleine gehen, das ist klar, doch wir sollten aus unserem Wissen heraus nicht dahin verfallen nichts zu tun, denn jedes Wort und jede Geste, die wir zu bieten haben, insofern sie aus unseren eigenen tiefen Liebe entsteht, kann das Leid eines anderen mindern.
    Danke für Deine bezaubernden und ergreifenden Worte.

    Liebe Grüße 🙂

  2. Da sagst du was, leider kann man manchmal sogar noch nicht einmal Trost spenden. In der Vorweihnachtszeit durfte ich oder mein Kollege mehrmals den Krankenwagen rufen, da sich ein Junkie mal wieder eine Dosis verpasst hatte. Manchmal sieht man sie in ihrem Wahn in den Gassen umher wandern auf der Suche nach dem nächsten Schuss. Ich denke das ist eine ganz besonders miese Art von Einsamkeit… Kümmern tut sich nämlich niemand um diejenigen.

    • Ja, die Leere der Wohlstandseinsamkeit, die konsumierend sich betäubt … schwieriges Thema! Ähnlich, wie mit Säufern, die mir einerseits Leid tun, die ich auf der anderen Seite ungern bedauern mag.

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