Alle Jahre wieder

Immer, wenn die Fest- und Feiertage beginnen, beginnt zeitgleich das Lamenti der Konsumkritiker.
Um es vorweg zu nehmen: der über das gesamte Jahr praktizierte, sinnlose Konsum verbilligter Güter wird uns in eine ökologische Krise führen.
Aber: Geht Leben ohne Konsum? Ist Genuss schlecht?

Wer in einem christlichen Kulturkreis groß wird, lernt (in den meisten Fällen) ziemlich früh beide Fragen mit Ja zu beantworten. Als wirklich guter Mensch endet man irgendwann, ans Kreuz geschlagen und hat bis dahin wahlweise die rechte oder linke Wange hingehalten. Der Buddhist nickt, zu diesem Verfahren zustimmend.
Aber diese Art des Denkens ist eine Abkehr von den Prinzipien des Lebens, ist eine Ablehnung des Lebens, wie niemand es treffender beschrieben hat, als Nietzsche.

Nun, wer die Geschichte um Buddha etwas sorgfältiger liest wird bemerken, dass es in seiner Philosophie um den mittleren Weg geht. Und Jesus wusste: „Wenn ihr nicht werdet, wie eines von diesen, so gelangt ihr nicht ins Himmelreich“, und Kinder neigen nicht zur Selbstbeschränkung, sondern zum Lachen und Freude haben.

Also Leben ohne Konsum geht nicht: Luft, Wasser, Nahrungsmittel, Gemeinschaft, Wissen, Erfahrung: alles ein Konsumieren. Es geht um die Aspekte der Reinheit und Nachhaltigkeit, die uns beschäftigen sollten und nicht um Askese. Außer wir haben sie, nach einer Phase der Völlerei, nötig.
Und Genuss? Seit Epikur liegen die Gründe auf der Hand und man kann sie bejahen oder ablehnen. Ich persönlich glaube, dass wir gütiger und nachsichtiger sind, wenn wir ab und an genießen und uns etwas gönnen. Ich glaube, dass bei all dem Tod und Sterben, welches uns umgibt und droht, die Stunden sinnlicher Freuden, einen Ausgleich bilden.
Es dient uns. Denn Genießen bedeutet: gute Dinge zu sich nehmen. Und gute Dinge herzustellen: Kleidung, Getränke, Nahrungsmittel, erfordert, dass sie sorgfältig und mit Liebe hergestellt werden. Das verschafft irgendjemand Arbeit, der dann genießen und konsumieren kann, was wir mit Liebe und Sorgfalt herstellen. Der Kreis schließt sich.
Da Sorgfalt Zeit erfordert und das Gute nie in Masse vorkommt und nicht billig sein kann, reguliert sich der Konsum von allein.

Deshalb genieße ich die Tage, ohne schlechtes Gewissen, ohne mit dem christlichen Fest irgendeine Verbindung zu empfinden. Der heidnische Tannenbaum und sein ewiges Grün; die Familie die vertrieben und verfolgt wird und ein Kind austrägt, das wie jedes Kind ein Gotteskind ist; die dunklen Tage, ehe wir wieder einmal unsere Sonne umkreist haben, das alles bildet den Hintergrund vor diesen sehr profanen, sehr belanglosen Genüssen.
Sie haben keine Dauer!
Sie sind eine Geste, dass diese Existenz es wert ist, gelebt und genossen zu werden, auch in dunklen Tagen.

12/17 PGF

14 Kommentare zu “Alle Jahre wieder

  1. Nun ja, ich stimme dir zu. Würde jedoch zu Reinheit und Nachhaltigkeit noch die Gerechtigkeit hinzufügen. Auch wenn diese ein Teil der Nachhaltigkeit sein mag, soll sie betont werden, denn der Kreis, der sich schließt, wie du treffend formulierst, ist verzerrt. Verzerrt durch inhumane Wertzuschreibungen und Herrschaft. Es mag jetzt im Kontext deines Beitrages etwas überzogen sein, das Kapital und die bürgerliche Gesellschaft zu kritisieren, doch der Verweis ist m.E. auch nicht unangebracht.
    Liebe Grüße!

    • Hallo Kai, ja die Gerechtigkeit explizit zu betonen schadet nicht, für mich war sie mitgedacht, aber in der aktuellen Weltpolitik kommt sie zunehmend nicht mehr vor und wurde durch den Leistungsgedanken ersetzt.

      Einen schönen Abend 😊

      • Ja die Leistung, die Leistung. Ich frage mich, ob es jemals Gerechtigkeit gab. Der Gedanke kam mit der französischen Revolution und hat es irgendwem Gerechtigkeit gebracht? Zumindest nicht weltpolitisch. Naja, was ich noch anmerken würde ist, dass meines Erachtens Konsum doch recht erschwinglich ist. Wenn man über Warenwerte nachdenkt und wie sie festgelegt werden – die Wirtschaft ist nicht human.

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