Wintertage

Die nahen Höhenzüge sind jetzt weiß und werden es bis zum Frühjahr bleiben. Von dieser Seite des Sees kann man die Schneegrenze beobachten und an klaren Tagen ist es eine imposante Landschaft, wenn der Fön das Rheintal klar bläst und die Schnee bedeckten Berge strahlend unter blauem Himmel liegen.
Im Tal ist der Schnee nicht liegen geblieben. Heute Mittag fielen, eine Weile dicke Flocken und deckten alles zu, aber mit dem Abend wurde es etwas wärmer, der Schnee ging in Regen über und der Regen wusch das Weiß aus der Welt.
Gemütlich war es heute nur in der Nähe des Ofens und des Schreibtischs. Die Winterwelt ist eine begrenzte Welt. Eigentlich nur ein Raum in einem Haus, mit einer Vorratskammer und einem Holzschuppen. Eine Begrenzung der man sich nicht widersetzt, wenn nicht dicke Stiefel und ein warmer Wollpullover übermütig machen, sich mit der Kälte und dem Regen zu messen.
Man hängt seinen Gedanken nach und seinen Träumen, man wärmt sich mit Tee oder einer Suppe, denkt ohne Sentimentalität an das was man verloren hat, weil die Welt gerade so vollkommen durchdrungen ist von Verlust und Einsamkeit und Abkehr, dass man gar nicht mehr verstehen kann, wie man je glauben konnte, etwas sei von Dauer und fühlt, wie die Rinde wächst, wie bei einem Baum, der einen weiteren Ring schließt, einen weiteren Zyklus vollendet.
Wenn es kalt in der Welt ist, spürt man etwas mehr die Wärme die man in sich trägt.
Vielleicht machen uns Wintertage menschlicher?

12/17 PGF

4 Kommentare zu “Wintertage

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