Der Sturm

Du hast, das glaube ich missverstanden.
Aber ich verstehe das.
Wenn wir jemand sehen, sehen wir nur den Menschen, der vor uns steht.
Die wenigsten sehen eine Biografie.
Das ist eine Gabe: Lebensstufen zu sehen.

Tatsächlich sind das alles Schwächen: meine Unentschlossenheit, Zurückhaltung, viel mehr zu beobachten, als ich mitteilen kann.
Wäre ich ein Mensch, der – und glaube mir, das wäre nichts schlechtes – immer im gleichen Haus, in der gleichen Straße gelebt hätte, von der Grundschule bis zur Rente, dann hättest du Recht gehabt.
Dann wäre es feige gewesen und anhänglich.
Aber mich treibt das Leben vor sich her.
(Wenn du wüsstest, wie groß meine Sehnsucht nach einem Leben war, so ein Leben im gleichen Haus.)

Aber es hat immer gestürmt und mich wo hingetrieben und wieder weg … hin und wieder weg … zu dir hin und wieder weg … sehnsüchtig, zerrissen und hoffnungslos schon zu Beginn.
Aber wie hättest du wissen sollen?
Ich sprach nicht und das hast nicht verstanden.
Ich weiß nicht, ob du das verstehst?
Aber dies „nicht verstanden“, dieses Gefühl, ist, wie ein Sturm, der mein Leben vor sich hertreibt.

11/17 PGF

4 Kommentare zu “Der Sturm

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