Winterfest

Heute habe ich den Balkon winterfest gemacht.
Während ich die Töpfe unters Vordach schob, wild Gewachsenes zurückschnitt, die letzten Kräuter erntete, Vorrichtungen anbrachte, um in ein, zwei Wochen alles abzudecken, trockene Erde angoß und feuchte Erde noch einmal zu entwässern versuchte, während ich all das tat und mich wunderte, wie die Luft so merklich abgekühlt, das Licht so merklich grau geworden war, von einem Tag zum anderen, während dies Tun und Wahrnehmen miteinander verschmolz und lange Ketten von Empfindungen bildete, erinnerte ich mich an Zeiten, wenn ich mein Herz winterfest machte, wenn ich Hoffnung zurück schob und schnitt, wenn ich das Schöne, das zu Ende ging, erntete, wenn ich Vorrichtungen anbrachte, um die gleiche Enttäuschung kein zweites Mal zu erleben; was gewesen war unter Geduld bedeckte, eine unbekannte Zukunft angoß und Verlorenes unter Tränen entwässerte und ich erinnerte mich, wie sich auch dort diese Verwunderung in mir vollzog, wie plötzlich kühl und grau, das eigene Leben werden kann und, wie, in diesen Phasen, Wahrnehmen und Verarbeiten lange Ketten Erinnerung bildete.
Winterfest zu werden, ist eine alte Lektion des Lebens und sie gilt dem Magen, wie dem Herzen, wenn wir nicht verhungern und irgendwann wieder blühen wollen …

7 Kommentare zu “Winterfest

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