Membran

Heute Morgen, als ich zur Tür hinaustrat, war sternenklarer Himmel, aber die Luft war mild, nicht eisig, wie ich sie erwartet hätte. Ich sog sie in mich, wie ein letztes Stück des Sommers.
Es war noch still in den Bäumen, die ihre Bewohner mehr und mehr an den Süden und den Winterschlaf verlieren.
Ich lief zum Auto und machte mich auf den Weg zur Arbeit.
Es war ruhig auf den Straßen.
Während ich den schönen, gewundenen Weg durch den Wald fuhr brach vor mir die Sonne langsam durch langgezogenen Wolkenstreifen und weckte die Farben in der Welt.
Ich kam zur Arbeit, die mehr als ein Tagewerk ist und verrichtete sie, so gut ich sie zu verrichten vermag.
Der Tag hielt sein Versprechen und ich machte mich in mildem Sonnenlicht auf den Heimweg.
Der führt, wenn man eine Kette von Ortschaften hinter sich gelassen hat, ein langes Stück über einen Höhenweg, ehe man, wenn man sich wieder dem See nähert, einen wundervollen Blick auf die Alpen erhält.
Die lagen, wie klar gefegt unter blauem Himmel und nur die oberen Gipfel zeigten erstes Weiß.
Es ist, wie jedes Mal, ein stummes Glück, die Welt so schön zu sehen und sich kurz andächtig zu besinnen, was wir haben könnten, wenn wir gemeinsam … aber so ist es nicht.
Ich parkte das Auto und lief den kleinen Kiesweg, den nun immer mehr gelbe Blätter bedecken, zum Haus.
In dem ich die Türe öffnete ließ ich die Welt zurück – und in einem ganz anderen Sinn, lasse ich sie, in diesem Moment wieder herein.

PGF 10/17

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