Sonntags um 11.00 #4

Man beschreibt ein gebrochenes Bein, nur schwer, wenn man es sich gerade frisch gebrochen hat. Außer man ist Chuck Norris. Ähnlich verhält es sich mit einem gebrochenen Herz …
Es macht deshalb Sinn, schmerzfrei und mit klarem Blick, retrospektiv zu schreiben und nicht mit blutender Wunde an der Tastatur zu sitzen.

Beim Bloggen ist der Umstand, dass gerade nicht geschieht (was da steht), manchmal undeutlich. Bei einem Buch weiß jeder Leser, zwischen schreiben und lesen, liegen ein paar Wochen: Das geschieht dem Autor nicht eins zu eins, und beim Schreiben hat er das bestimmt fünfmal umgeschrieben.

Dafür hat das Bloggen den Vorteil der unmittelbaren Anteilnahme, die Empathie die man fühlt, zeigt, dass der Text „wirkt“, dass er sich lebendig anfühlt.

Die meisten meiner Texte haben irgendwie mit mir zu tun. Sie beschreiben Erlebtes, Empfundenes, aber auch Beobachtetes. Sie beschreiben ein Erlebnis oder verbinden verschiedene Erfahrungen zu einer. Sie schreiben voraus, was noch gar nicht eingetreten ist (so, wie man manchmal das Ende schreibt, ehe das Skript ganz geschrieben ist) oder variieren dramatisch oder geschönt was sich ereignet hat.

In jedem Fall erfordert Schreiben, dass man die treffenden Worte findet. Mir gelingt dies selten im Kampf mit dem Drachen, sondern meist erst, wenn er besiegt am Boden liegt und die Niederschrift des Heldenepos beginnt … 😉

Und, wie geht es euch? Den Stift schon in der Hand, wenn das Schwert noch durch die Luft surrt?

PGF 09/17

10 Kommentare zu “Sonntags um 11.00 #4

  1. Mittwoch traf ich meine Cousine zwischen Friedhof u. Kaffeetafel; sie hat letztes Jahr einen Bestseller geschrieben und ich schreibe schon seit 25 Jahren an meinem Buch, immer wieder um – nun würde ich gern meins fertig haben, bevor sie ihr zweites in den Buchläden hat. Wut hab ich genug, und Mut?

  2. Bin explizit kein Schreiber, bin ja Maler, doch wenn ich schreibe bekomme ich subjektives sprachlich objektiviert, und bekomme dadurch gleichzeitig den Abstand um abstraktes konkreter zu reflektieren um es gegebenenfalls zu integrieren. Bei Lyrik ist das wieder etwas anders, es ist ja meist poetisch und dadurch magisch – pars pro toto, und somit verwandt mit dem Malen und Zeichnen, da es sich meist um prälogische Inhalte handelt. Allerdings hat so in der magischen Art Gustav Meyrink seine Prosa geschrieben. Es gibt sicher mehre, auf die das zutrifft, doch Meyrink fällt mir da explizit dazu ein.

    • Aber vermutlich maltst du, um im Bild zu bleiben, nicht mit gebrochenem Arm, sondern mit Abstand die/das/die Erfahrung/Erlebnis/Beobachtung gebrochener Arm mit etwas Abstand?

      • Hm ich male halt aus mir heraus. Wenn es da ist, ist es meist erledigt. Die Metapher mit der gebrochen Hand verstehe ich nicht. Du meinst es doch nicht wortwörtlich? Wenn die Hand gebrochen ist, sie kann ja wieder heilen.

      • Im Sinn der Heilung: wir können erst malen, schreiben, komponieren, wenn wir uns in irgendeiner Form der Heilung befinden.

        In der Literaturtheorie gab es lange den Ansatz, jedes Werk biografisch erklären zu wollen, ich denke das ist so unrichtig, wie der Versuch jeden biografischen Bezug abzulehnen.
        Es geschieht aus dem Künstler heraus, ohne das man Arbeit und Künstler verwechseln sollte.

      • ah ok ! oder und es führt zur Heilung … auch möglich. Es gibt ja immer Kontexte, und Subtexte … so oder so. Was, wenn sich die Dekonstruktivisten in ihren eigen Iterationen verlaufen haben? was wahrscheinlich ist. Eben!

  3. ist unterschiedlich. 🙂
    das schreiben kann schon durchaus aus mir heraus über etwas „just-in-time“ stattfinden.
    allerdings muss ich dann erst wieder abstand gewinnen, es noch mal „überlesen“, schauen, wie was wirkt etc, ehe ich es dann tatsächlich veröffentliche (auf dem blog, zb).
    deshalb ist bei mir auch selten ein text „1 : 1“ 😉
    du hast das sehr schön beschrieben, auch meine texte haben mit mir zu tun, bilden aber nie die realität ab, sondern beinhalten erlebtes, empfundenes und auch beobachtetes.
    liebe grüße zum sonntag!
    d.

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