Es war Vollmond

Du hast mich letztens gefragt, was es ist.
Ich schwieg.
Und dann habe ich: „Schicksal“, gesagt.
Das Wort hing flach und störend zwischen uns.
Du hast weggesehen.
„Nein“, hast du gesagt. „Warum liebst du mich?“
Es klang, wie ein Vorwurf.
Ich wusste mich nicht zu verteidigen.
„Es ist Schicksal“, sagte ich nochmals. „Ich kann es nicht erklären.“
Aber ich hätte es gekonnt. Ich wollte nur nicht, von deinem Haar und deinen schönen Augen reden, das wäre schmeichelhaft, aber oberflächlich gewesen.
Ich wollte sagen, dass ich dich wortlos verstehe, als gingen unsere Gedanken Hand in Hand … seit dem ersten Moment; und: weil du mich liest, als könnte ich kein Geheimnis vor dir verbergen.
Aber ich wagte es nicht, weil es dem ja widerspricht, dass du mich gut verstehst, wenn du mich nach meiner Liebe fragst … die ich dir nicht erkläre, obwohl ich sie so tief empfinde, mit „Haut und Haaren“, wie man sagt.
Wir saßen schweigend, während es dunkel wurde.
Ich glaube, es war Vollmond.

09/17 PGF

Ein Kommentar zu “Es war Vollmond

  1. Es ist eine Frage, die man letztlich auch nicht beantworten kann, aber die wir so gern beantwortet hätten. Um dann mit der Antwort unglücklich zu sein, weil es die falschen Gründe sind, andere, unerwartete, weil die Antwort wohl nie genügen könnte.

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